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Der Israelit · 1938-08-18 · Heft 33 (18.8.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 33 (18.8.1938)
Date
1938-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 33 Der Israelit 18. August 1938 Die Technische Kommission berät. London, 17. August. Am 15, August fand eine Besprechung der nach London zurückgekehrten fünfköpfigen „Technischen Kommission für Palästina" im Dominienministerium statt. Sie dauerte mehrere Stunden und stand unter dem Vorsitz des Leiters Sir John Woodhead. Zu der Sitzung wurde der Earl of Lytton hinzugezogen. Der Lord war jahrelang der Leiter führender Wirtschaftsunternehmen in Palästina. Seine Hinzuziehung zu der hinter verschlossenen Türen gehaltenen Konferenz gilt in Londoner unterrichteten Kreisen als Anzeichen dafür, daß wirtsc haftlicheFragen im Vordergrund der Erörterung gestanden haben. Auch der jüdische Hilfspolizist Mordechai Schwartz hingerichtet. Jerusalem, 17. Aug. Zum zweiten Mal innerhalb einiger Wochen wurde ein Todesurteil gegen einen Juden vollstreckt. Alle Bitten, Interpellationen und Interventionen (Proteste gab es nach den letzten Erfahrungen diesmal nicht) waren vergeblich. Am Dienstagvormittag wurde in der Stadt und im Lande bekannt, daß der Hilfspolizist Mordechai Schwartz im Gefängnis zu Akko durch den Strang hingerichtet wurde. Schwartz war bekanntlich beschuldigt, einen arabischen Polizisten hinterrücks erschossen zu haben. Belegt wurde seine Schuld durch ararische Zeugen; er selbst leugnete bis zuletzt. Das To'desurteil wurde vorige Woche vom höchsten Gericht in London bestätigt, und man konnte nunmehr nur noch an die Gnade der ausführenden Gewalt appellieren. Diese Gnade wurde nun zum zweiten Male einem jüdischen Angeklagten versagt. An Bemühungen von jüdischer Seite zugunsten von Mordechai Schwartz, den man einer solchen Tat nicht für fähig hielt, hat es gewiß nicht gefehlt. Es gingen Bittelegramme aus London, aus Amerika und zuletzt auch aus den bekannten Jeschiwoth in der Tschechoslovakei, deren Schüler Schwartz früher war, an das Kolonienministerium wie an den Hochkommissar. All diese Anstrengungen konnten die maßgebenden Behörden nicht bewegen, das grausige Exempel zu statuieren, das sie in dieser Zeit für nötig halten. Tiefe Trauer bemächtigt sich zum zweiten Male des jüdischen Jischuw in Palästina) und eine Warnung ergeht an -alle Parteien, ange' sichts solcher Blutopfer nicht mit Feuer zu spielen, und alles zu vermeiden, was auch nur den Gedanken an jüdische Gewalttaten aufkommen lassen könnte. Die Stacheldrahtgrenze im Norden- Jerusalem, 15. Aug. Das Stacheldrahtverhau längs der Grenze Palästina—Syrien ist jetzt fertiggestellt worden. Die Kosten betrugen bisher rund 100 000 Pfund. Bei einer Arbeitszeit von drei Monaten wurden etwa 1000 Arbeiter beschäftigt. Weiter wird von „Palcor" über den T e - gart-Wall berichtet: Der „Tegart-Wall" an der Nordgrenze, der sich über eine Strecke von 100 Kilometern zwischen Ras el Nakura bis zum Kinereth-See ausdehnt, ist jetzt fertiggestellt worden. Die Konstruktion wurde in drei Monaten für eine Summe von Lst. 100.000 von jüdischen Arbeitern ausgeführt. Die Solei Boneh beschäftigte ungefähr 1000 jüdische Arbeiter aus allen Arbeiterorganisationen. Der Wall wird jetzt von besonderen jüdischen Polizeiabteilungen, insgesamt 200 Ghaffirim, bewacht. Der Zaun führt durch die Hügel von Galiläa, also meist durch arabisches Gebiet, in dem die Terroristen noch bis vor kurzem sehr eifrig tätig waren, und dient als eine Barrikade gegen den Einfall von" Terroristen aus Syrien und Libanon und gegen Waffenschmuggel. Versuche, den Zaun zu überschreiten, werden von den Terroristen in Zukunft teuer bezahlt werden müssen, da an der ganzen Srecke Fallen mit Sprengstoffen gelegt sind und außerdem besondere Polizeistationen mit automatischen Vorrichtungen mit Maschinengewehren und Scheinwerfern errichtet worden sind. Bis jetzt ist bei Angriffen auf den Zaun ein jüdischer Ghaffir getötet worden, während in den verschiedenen Gefechten mit Ghaffirim 23 Personen ums Leben kamen und viele verwundet wurden. Die Lage in Palästina bis Mittwoch. Immer noch Tote und Verwundete, Jerusalem, 17. Aug. „Europapreß" berichtet: Bei einem Feuerüberfall auf einen jüdischen Autobus in der Nähe des Berges Karmel wurden am Montag sechs Juden getötet und zwei Jüdinnen schwer verwundet. Aus diesem Zwischenfall entwickelte sich ein Gefecht zwischen arabischen Nationalisten und englischen Truppen. Dabei wurden fünf Araber getötet. Auf englischer Seite wurde ein Soldat verwundet. Der Schlachtkreuzer „Repulse". der am Montagmorgen Haifa verlassen hatte, ist in Jaffa eingetroffen. Wie verlautet, wird die „Repulse" bis auf weiteres hier stationiert bleiben. In Haifa wurde der 22jährige Mosche Rose n f e 1 d durch Schüsse schwer verletzt, in Jaffa der 19jährige Josef Israel so schwer getroffen, daß er bald darauf seinen Verletzungen erlag. Im Zentrum von Jerusalem wurde am gleichen Tage der Gemüsehändler Isaac Misrachi von einer arabischen Kugel getötet. Es kamen auch wieder einige Fälle von Entführungen vor. Von einem Gefecht bei C h e d e r a am 12. August weiß „Palcor" zu berichten. Dabei mußte der 24jährige David E 1 i j a h u aus Tel Awiw sein Leben lassen. Dort haben sich die jüdischen Ghaffirim so ausgezeichnet, daß sie das Lob der englischen Offiziere ernteten. In die georgianische Synagoge an der Grenze von Tel Awiw schlug eine Kugel ein, wobei zwei der Betenden ernstlich verwundet wurden. In der Nähe von Petach Tikwah wurden Benjamin B a b a j o f f und seine Frau durch arabische Kugeln getötet und ihre siebenjäh" rige Tochter schwer verwundet. Schwer verletzt wurden auch der 21jährige Abraham F r i e d m a n n und sein Arbeitskollege Meir Mizrachi, als sie ihre Arbeitsstätten an den Steinbrüchen bei Moza aufsuchen wollten. Unterbringung jüdischer Aerzte aus Deutschland. ' London, 12, Aug, In der heutigen Ausgabe der bekannten Zeitschrift „Spectator" diskutiert J, R. Glorney B o 11 o n das Problem der aus Deutschland ausscheidenden jüdischen Aerzte und weist darauf hin, daß unter diesen sich solche befinden, deren Gewinnung für andere Länder sich außerordentlich vorteilhaft erweisen würde. Insbesondere aber schlägt der Verfasser vor, man solle die indischen Fürsten anregen, einen Teil dieser Aerzte in ihre Hauptstädte zu berufen, um dort, wie es der Ehrgeiz mancher dieser Fürsten sei, Zentren der medizinischen Wissenschaft zu schaffen. Das sei z. B. bei dem Nizam von Hyderabad und B e r a r der Fall. Dieser sei damit beschäftigt, eine Universität zu errichten und Hyderabad könne das Oxford des Ostens werden. Ein Univeristätshospital so gut ausgestattet wie die medizinischen Zentren in Oxford und von führenden medizinischen Aerzten geleitet, könnte Hyderabad zu Ruhm bringen. Ebenso sei es möglich, in M y s o r e ein medizinisches Zentrum zu schaffen. Der Verfasser scheint nun allerdings selber Opposition gegen seine Pläne in Indien zu befürchten, denn er schließt: „Es würde sich ein Schrei erheben: „Indien für Inder", Dieser Schrei kann edel und unedel sein. Im Land der Hindus, der Mohammedaner, der Pharsen, der Christen und Anglo- Indier, wer ist dort nicht ein Inder? Sicherlich ist ein Inder derjenige, der Indien zu seinem Vaterland macht, um, wenn nötig, ein naturalisierter Bürger Indiens zu werden. Ich glaube nicht, daß das Land Gandhis absichtlich die jüdischen Aerzte wird ausschließen wollen." Jüdischer Minoritätenrechte in Rumänien. Bukarest, 12. Aug. Nachdem nunmehr durch eine Erklärung des Minoritätenministers, Prof. Dragomir, feststeht, daß die jüdische Minorität in Rumänien als solche neben allen anderen nationalen Minoritäten anerkannt werden wird, darf der auf Initiative des Königs Karl Gesetz gewordene Charter für die religiösen und rassischen Minderheiten auch von Rumäniens Juden mit ungeteilter Genugtuung begrüßt werden. Das neue Minderhe'itenstatut gibt allen Minderheiten in Rumänien, zu denen außer 1 Million Juden 1,4 Millionen Ungarn, 850 000 Deutsche und über 1 Million andere gehören, im Rahmen einer Gesamtbevölkerung von etwa 20 Millionen gleiche Rechte. Zu diesen Rechten gehört dasjenige der Gründung eigener Schulen und anderer religiöser und kultureller Institutionen unter Staatsaufsicht und mit staatlichen Unterstützungen. Die Eltern und Vormünder der Kinder haben das Recht, zu bestimmen, zu welcher Nationalität das Kind gehören soll und welche staatliche oder Minoritätsschule es zu besuchen hat. Die Lehrer haben außer der allgemeinen Prüfung ein Diplom zu erwerben von der theologischen Fakultät ihrer Religion. Die Verwaltung erkennt die Rechte der Minoritätskirchen an und hat sich nicht in deren Angelegenheiten einzumischen. Der ethnische Ursprung eines rumänischen Bürgers, seine Muttersprache oder seine Religion bilden kein Hindernis für seine Wahl zu irgend einem Staatsamt. Gleichzeitig hat die Regierung lokale Maßnahmen, die im Laufe des letzten Jahres in verschiedenen Bezirken erlassen worden sind, aufgehoben. Es ist besonders wichtig, hervorzuheben, daß alle diese gesetzlichen Maßnahmen ohne jeden Druck von außen auf die persön-j liehe Initiative des Königs hin getroffen worden sind. , Thron F.inhnnf nach wie vorbei GELLHORN, Steinweg9

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