Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1938)
- Date
- 1938-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451044--83900-2541933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
& V^^^^^^^^HHBMBHHHBHHHIHHBHIBlH^IH^HiH^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^I Der Israeli Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M- 18. August 1938 21. Aw 5698 Nummer 33 Der Palästina feilungsplan endgültig aufgegeben? London, 18. Aug. Der „ E v e n i n g Standard" läßt sich von seinem diplomatischen Korrespondenten unter der Ueberschrift: „Der Teiiungsplan tot" folgendes schreiben; „Der Plan zur Teilung Palästinas ist tot. Offiziell steht die Regierung zwar noch zu diesem Plan, aber in Wirklichkeit wird die Teilung des Heiligen Landes in einen jüdischen und arabischen Staat jetzt als unausführbar zugegeben Die britischen Behörden an Ort und Stelle und die Mitglieder der Kommission, die während der letzten drei Monate in Palästina arbeiteten, stimmen darin überein, daß es gefährlich wäre, einen unabhängigen arabischen Staat zu schaffen, der mehr als zwei Drittel Palästinas umfaßt Es würde ein Spiel mit dem Feuer bedeuten und würde einen dauernden Kriegszustand heraufbeschwören zwischen dem großen arabischen und dem kleinen jüdischen Staat. Die Empfehlung eines heiligen Krieges gegen Großbritannien als Protektor der Juden, die vor einigen Wochen von einflußreichen religiösen Körperschaften im Irak ausgegeben wurde, zeigt die Gefahr, die eine von Arabern kontrollierte Verwaltung in Palästina für das britische Mandat bedeuten würde» Eine neue Idee für die Lösung des Palästina- Problems ist geboren worden. Sie faßt anstelle eines jüdischen Staates mit einem Gebiet von mehr als 2500 Quadratmeilen ein jüdisches autonomes Territorium in der Küstenebene im Sarontal ins Auge. Das Territorium beginnt von Tel Awiw im Süden und endet bei Athlit im Norden. Es ist ungefähr 40 Meilen lang und im Durchschnitt 10 Meilen breit. Der neue Plan sieht keinerlei arabischen Staat vor, sondern ganz Palästina bleibt unter einem verbesserten britischen Mandat. Die Zionisten werden gegen den Vorschlag stark opponieren, aber die Alternative ist die Intensivierung der gegenwärtigen Unordnung mit all ihren schädlichen Folgen für die jüdische Bevölkerung." * Obgleich die obige Nachricht gefade wegen ihrer sensationellen Aufmachung nicht ohne Weiteres glaubwürdig erscheint, zumal sie von deinem anderen Blatte bestätigt wird, sind kundige Beurteiler der Situation doch der Meinung, ■daß der Mitteilung des „Evening Standard" etwas Wahres zu Grunde liegt. Daß der Peel- Plan mit seinen zwei souveränen Staaten, die sich auf Leben und Tod bekämpfen müßten, unausführbar ist, weiß hier jedermann. Es liegt daher nahe, daß man trotz aller bisherigen Erklärungen das Mandat fortbestehen läßt, und in irgend einer Form auf den alten Gedanken der Kantonisation zurückkommt. Allenfalls wird man versuchen, nach dem Vorschlage von Orts, des Präsidenten der Mandatkommission, zwei Mandate für ein jüdisches und ein arabisches Gebiet an die Stelle des geltenden Mandates zu setzen. Selbstverständlich wird jedoch schon aus rein taktischen Gründen das Colonial Office, bis eine endgültige Entscheidung herangereift, weiter erklären, es halte die Teilung für die „hoffnungsvollste" Lösung. Die Entscheidung ist wohl spätestens in der zweiten Oktober- Hälfte zu erwarten. Aus dem Inhalt: Mordechai Schwartz hingerichtet . Seite 2 Der Stacheldraht an der Nordgrenze Seite 2 Jüdisches Minoritätenrecht in Rumänien Seite 2 Wochenrundschau (MacDonald an der Westmauer) . Seite 3 Die Hintergründe der amerikanischen Einwanderungspolitik ..... Seite 4 Die Jesajanischen Tröstungen . . . Seite 4 Wenn man auswandern will .... Seite 5 Seite 6 Die Zahl der Juden in Italien . . . Seite 7 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung Seite 7 Erez Israel ........... Seite 8 Wiedersehen mit der Stadt der Kenessio Seite 10 Zum Schutze der Kolonien. Ein Wort zur Bildung des Sicherheitsausschusses in Palästina. In einem palästinensischen Blatte lesen wir: „Am Sabbat nachmittag platzte neben dem eleganten Cafe „San Remo" am Tel Awiwer Strand eine Bombe. Ueber zwanzig Menschen wurden verwundet, Dutzende Frauen fielen in Ohnmacht und Tausende schrieen um Hilfe. Zwei Stunden später war wieder der ganze Strand schwarz von Männern, Frauen und Kindern, und im eleganten Cafe „San Remo" spielte eine Tanzkapelle, nach deren Klängen sich die Paare im Kreise drehten. Vergessen war die Höllenmaschine, vergessen die Verwundeten, vergessen die Schreie, einfach gestrichen aus der Erinnerung." Wenn man das liest, denkt man unwillkürlich an Jesajas, der im Kap. 21 schildert, wie „die Lampen leuchten, die Tische gerichtet sind" und ein gedankenloses Volk sich bei Speis und Trank über alle Erschütterungen hinwegzusetzen sucht. Dem ist aber nicht so. „San Remo" am Strand ist nicht Tel Awiw, und Tel Awiw ist nicht Erez Israel, zumindest nicht unser zwischen Furcht, Gefahr, Mut und Hoffnung zitterndes Erez Israel. Es gibt auch in den Städten Hunderttausende, die die Lage erfaßt und sich nicht durch Sand und Strand und Tanz und Tand vom Ernst und von der Tragik der Situation ablenken lassen. Aber wir meinen, wenn wir von dem heißen Boden in Erez Israel sprechen, gewiß nicht die Stadt an der Küste, wo Juden unter Juden wohnen und leben und Attentate seltene Ausnahme sind. Wir meinen in erster Reihe das weite Land, wir meinen die exponierten Kolonien, wir meinen die noch weiter vorgeschobenen jüdischen Kibbuzim. Hier wird nicht getanzt und nicht musiziert. Hier stehen treue Wächter Tag und Nacht auf der gefahrvollen Wacht, hier wird neben den Großtaten, von denen man gelegentlich einmal was erfährt, kleines stilles Heldentum betätigt, Tag für Tag und Nacht für Nacht. Aber auf andere Art triit Verwirrung ein, die die Lage nicht übersichtlicher und nicht angenehmer macht. Man diskutiert in der Presse und der jüdischen Oeffentlichkeit seit Monaten über H a g a n a und H a w 1 a g a , als würden sich zur Zeit zwei Fronten innerhalb der palästinensischen Judenheit scharf gegenüberstehen; als sähe die Hagana die beste Parade im Angriff, während die Hawlaga passive Haltung, ein Erdulden um jeden Preis, ohne Versuch eines Widerstandes predigte! Diese Gegenüberstellung ist grundfalsch und nur dazu angetan, ein ganz falsches Bild in der Gola von den gegenwärtigen Verhältnissen in Erez Israel entstehen zu lassen. Wer unter H a g a n a und Antihawlaga etwa das Gutheißen YOH wilden anarchischen Ausschreitungen, von blinden Terrorakten gegen unschuldige Araber verstehen wollte, könnte bald erfahren, daß in diesem Fall mindes- (Fortsetzung siehe Seite 3.)