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Der Israelit · 1938-08-11 · Heft 32 (11.8.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 32 (11.8.1938)
Date
1938-08-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Was bedeute! MfcW Dnm? Von Saul Kaatz. Diese. Darlegung gilt einer Talmudstelle, die den Kommentatoren, zumal denen, die dem En Jaakow beigefügt sind, mannigfachen Anlaß zu Auseinandersetzungen bot. Ich gebe die Stelle zunächst in einer Uebersetzung wieder, die der, soweit ich sehe, allgemein üblichen Auffassung entspricht. Im Talmudtraktat Sabbat S. 153a heißt es: „R. Jehuda, Sohn des R. Samuel bar Sila, sagte im Namen Raws: Aus der Trauerrede über einen Menschen ist erkennbar, ob er ein Kind der zukünftigen Welt ist oder nicht. Dem ist doch aber nicht so? Sagte doch Raw zu R. Samuel bar Sila; XJa'KpDnm KTQöm CPHK» „Erwärme dich bei der Trauerrede (über mich), denn ich (mein Geist) bin dort anwesend!? Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn sowohl er (der Redner) sich erwärmt, als auch (die Hörer) erwärmt; das andere, wenn zwar er selbst sich erwärmt, aber (die Hörer) nicht erwärmt." So weit unsere Talmudstelle. Welches ist. nun ihi? Sinn? Der ihr zugrunde liegende religiöse Gedanke ist ein klarer und lichter: Der zukünftigen Welt kann nur derjenige Fromme teilhaftig werden, welcher den Brüdern, der Gesamtheit etwas war, denn wahre Frömmigkeit wirkt sich aus in der Liebe zu den Brüdern, in der Verbundenheit mit der Gesamtheit. Es ist das der gleiche Gedanke, der in dem Hallelvers (Ps. 118, 19) wiedergefunden werden kann: „Oeffnet mir die Pforten der Gerechtigkeit . . ." (Ps. 118, 19). Du kannst dir nicht selbst die „Pforten der Gerechtigkeit" öffnen; nurt andere können es für dich tun. An diese anderen wendet sich der Sänger der Psalmen, damit sie für ihn Zeugnis ablegen. Einen ähnlichen Gedanken bringt auch unsere Talmudstelle zum Ausdruck: Wenn der Tod eines Frommen, dessen Leben und Wirken in das rechte Licht gestellt wurde, von den" Brüdern, von der Gesamtheit als ein Verlust empfunden wird, wenn sein Bild, befreit von allen Schlacken, die unentrinnbar allen Lebenden anhaften, in seinem wahren Sein ersteht. so daß erkannt und anerkannt wird, daß sein Dienst am Gesetz zugleich auch Menschen dienst war, dann ist das ein Zeugnis, daß er ein Kind der zukünftigen Welt ist, deren Ziel nur auf dem Wege einer Frömmigkeit erreicht werden kann, die ihre Echtheit auch in der Bruderliebe erweist. So schlicht und licht nun auch der dem talmudischen Ausspruch zugrunde liegende ethische Sinn ist, so bedarf doch der Gedankengang der Stelle in logischer Hinsicht einer näheren Erläuterung: Wieso besteht nach der Meinung des Fragestellers ein Widerspruch zwischen dem ersten Ausspruch Raws; „Aus der Trauerrede über einen Menschen ist erkennbar, ob er ein Kind der zukünftigen Welt ist oder nicht" und dem zweiten Ausspruch '"Di ö'ns? Die Antwort ist meines Erachtens folgende: Der Fragende faßte den ersten Ausspruch dahin auf, daß das Entscheidende die Wärme des Redners selbst sei; wozu brauchte also Raw zu ermahnen Q'rtK' eine Form, die ein Afel (Hifil) ist: „Erwärme (die Hörer)!"? Darauf wird geantwortet, das sei kein Widerspruch, denn auch der erste Ausspruch Raws besage, daß das Entscheidende nicht die Wärme der Empfindung des Redners, sondern die der Hörer sei. Nun ist aber noch eine andere Schwierigkeit zu lösen: Der erste Ausspruch spricht von Olam Habba. Wenn nun ein Widerspruch zwischen dem ersten und dem zweiten Ausspruch gefunden wird, dann muß doch auch der zweite Ausspruch eine Beziehung zu Olam Habba haben? Ueberdies erscheint die Begründung „denn ich bin dort anwesend" etwas befremdlich, da doch der Grundsatz gilt (Erubin 18b, Sifre zu 4 B. M. 12, 5): „In Anwesenheit eines Menschen sage man nur einen Teil seines Lobes und nur in seiner Abwesenheit das ganze"? Aus diesen Gründen glaube ich, daß die Worte tfja'Kp üriiTr nicht bedeuten „denn ich bin dort anwesend", sondern daß sie zu übersetzen sind „damit ich dort (d, h. in der zukünftigen Welt) bestehe (vor dem ewigen Richter)", wie in Psalm 1, 5 lölp"» bedeutet (im Gericht) „bestehen", ein Wort, das vom Targum mit ]13P wiedergegeben wird. Der Ausspruch Raws xjo,Np önm „damit ich dort bestehe", der uns zeigt, wie die Großen der Vergangenheit nicht auf ihre Verdienste pochten, sondern jede Selbstgerechtigkeit von sich wiesen, hat viele Analogien im talmudischen und rabbinischen Schrifttum, am prägnantesten in der bekannten Schilderung der ergreifenden Szene am Sterbebett des R. Jochanan b. Sakkai (Berachot 28b). Dies war der Geist, der die Weisen Israels beseelte, der Geist einer Demut, die, weil sie als eine echte sich bewährte, zugleich eine starkmachende und kraftverleihende war. Bücherbesprechungen. 'K -pD •D'jwtn - npVna ♦Vws ^jm jßa 'ans •rann d^ipit r\"i -t^sa bw> n bw vvxbrb pp isna nö">» innbw -q oma pp nxna 'öa1? nTmn m 2- •V*t 'V«an •V'T bw> in *wx '-i1? pp njna1? wann msoin 3- ♦Vt 'um pixn m D->on n? pp ijna^ t"in mvn 4- Verlag: Bamberger u. Wahrmann, Jerusalem, Eines der bedeutendsten Lern- und Lehrinstitute, die der neue Jischuw im Heiligen Lande geschaffen hat, ist das Harry Fischel-Institut in Jerusalem. Auf Initiativ© des unvergeßlichen Raw Kuck ^"t wurde es von dem amerikanischen Mäzenen H. Fischel als Institut zur Erforschung des Talmud gestiftet. Sein Zweck ist, jungen Talmudgelehrten nach dem eigentlichen Abschluß ihres Studiums Gelegenheit zu geben, sich sorglos einige Jahre dem Lernen mit wissenschaftlichen Methoden hinzugeben. — Soeben ist der erste Band der Veröffentlichungen dieses Lehrhauses erschienen, als Zeuge dessen, was dort, fernab vom Getriebe des Alltags, mit ausdauerndem Fleiß erarbeitet wurde. — Die Trauer um den Tod von Raw Kuck t~P"i hat in diesem Hause, das, ihn als seinen Vater achtet, ihren Ausdruck darin gefunden, daß man das Trauerjahr dazu benutzte, den Traktat Moed Katan zu lernen, den Traktat, der die Hauptquelle für die Trauervorschriften ist. Man hat den Traktat nach der Lehrmethode des Verewigten gelernt, die darin bestand, die Methoden der Rischonim so klarzustellen, daß sich daraus die Halacha ohne Weiteres ergibt. Man begnügte sich nicht damit, die vorhandenen Quellen heranzuziehen, die Leitung des Instituts beschaffte die kompletten Manuskripte der Erklärungen von vier Rischonim, die bisher nur aus Zitaten vorhanden waren: 1. von einem Schüler des R. Jechiel aus Paris, 2. von R. Menachem Hameiri, vom Rosch und 4. vom Ran. Die wissenschaftliche Ausgabe dieser vier Werke — das ist die mehrjährige Arbeit der Mitglieder dieser Forschungsstätte. Außer den w"*nn r>:ouv die von R. Dow Kuck, einem Bruder von Raw Kuck U?"T. bearbeitet wurde, wurde jeder Teil je zwei Mitgliedern des Instituts übertragen. Wegen ihres großen Umfanges wurden die Methoden nochmals geteilt. — Wenn es vielleicht auch für den Kenner der Materie genügen würde, wenn wir nur noch erwähnten, daß sich die Bearbeiter der bei solchen Ausgaben üblichen Methoden mit großem Geschick und außerordentlicher Genauigkeit bedient haben, so sei doch noch einiges zur Charakteristik des Werkes und seiner einzelnen Teile gesagt. Die Bedeutung des Studiums der Rischonim zu Schaß, die häufig nicht genügend erkannt wird, liegt darin, daß ihre Methode es war, die Worte der Gmoro nach ihrem Sinn su verstehen, wobei ihnen zu Hilfe kam, daß sie der Abfassung des Talmud noch zeitlich so nahe standen, daß sie nicht nur das Kulturhistorische wie auch die dort genannten Minhagim aus dem Leben oder der unmittelbaren Ueberlieferung her kannten — sehr häufig ist ihnen auch z. B. die Abgrenzung eines halachischen Begriffes auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet eine Selbstverständlichkeit, da wo Achronim versuchen, dieses Prinzip auf ein ihm in Wirklichkeit fremdes Gebiet zu übertragen. I. Eine eingehende Einleitung zu den erstgenannten „Methoden des Schülers von R. Jechiel aus Paris" wird uns von den Bearbeitern des dritten Perek gegeben. Es ginge weitaus über den Rahmen eines solchen Berichtes, sollten hier auch nur die Ergebnisse dieser tiefgründigen Abhandlung wiedergegeben werden. Es wifd das Aeußere und der Werdegang der Handschrift ebenso ausführlich behandelt wie die Lehrmethode des Verfassers. Als Verfasser wird mit fast absoluter Sicherheit R. Jedidia b. R. Israel aus Nürnberg nachgewiesen, der das Werk zwischen 1270 und 1290 geschrieben haben muß. R. Jedidia, der Rabbiner in Nürnberg, Speyer und Köln war, war Schüler (u. aj von dem Maharam Rothenburg und Lehrer des Rosch und des Mordechai. Seine umfassende Kenntnis aller ihm vorangegangenen

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