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Der Israelit · 1938-08-11 · Heft 32 (11.8.1938) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 32 (11.8.1938)
Date
1938-08-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 32 1938 Zweierlei Bildung. Von A. K. (Schluß.) Sein fünfjähriges Emmachen war gleichfalls von der Diphterie, die man damals Halsbräune nannte, befallen worden, und in der Wiege lag noch ein kleiner Knabe von kaum einem Jahr. Der Arzt riet Isak, das kranke Mädchen so schnell wie möglich in die große Klinik in der Frovinzstadt zu bringen, hinweg von dem jüngsten Kind und in die Hände des berühmten Chirurgen, der schon manches Menschenleben durch den Kehlkopfschnitt gerettet hatte. Und jetzt besaß der Spieler weder Geld genug zur Reise noch für eine Operation. Die Krankheit und der Tod hatten bereits viel Geld gekostet, denn auch der Tod ist nicht umsonst. Verzweifelt rannte er in der Wohnung umher. An wen sollte er sich in dieser großen Not wenden? Sein Kredit war schon längst so gesunken, daß er kein Darlehen mehr aufbringen konnte und vom Mitleid wollte er keine Hilfe suchen. Wäre er jetzt mit Salmechen versöhnt gewesen, dann hätte es keine Not gehabt. Und der wohnte noch dort, wo die letzte Hilfe in Aussicht stand. Die Hände ringend, stand er am Bettchen des Kindes, das mit hochgeröteten Wangen und fieberisch glänzenden Augen ihn hilfeflehend ansah. Er aermarterte vergeblich sein angstverwirrtes Gehirn, wo er die unerläßlichen Mittel hernehmen sollte; aber kein Ausweg tat sich vor ihm auf. Nein, es blieb keine Wahl und mochte er sich innerlich noch so heftig dagegen aufbäumen, er mußte sich an Salmechen wenden, an seinen Bruder, den er so oft getäuscht, betrogen, beleidigt ..und beschimpft hatte. Er war doch noch der Rechte, trotz seines groben, ungeschliffenen Wesens, trotzdem er geschworen, was hämische Zwischenträger häufig wieder hinterbracht, daß er bei der ersten Begegnung , , , Mochte es dann kommen, wie es wollte und was da wollte. Die Frau und den hübschen Knaben hatte er innerhalb einer Woche verloren, und hier lag sein süßes Mädchen, das volle runde Gesichtchen in dem braunen Haargelock eingebettet; sein Emmachen, dessen Silberstimme den ganzen Tag über in wunderbarer Reinheit Lieder singend durch das Haus geschallt hatte. Und das Kind war von derselben fürchterlichen Krankheit ge<- packt, die schon zwei teure Wesen entrissen hatte; — sein Emmachen, an dem jede Faser seines Herzens hing. Er faßte sich, von wahnsinniger Angst gepackt v aufs Haar und raufte sich und schlug sich mit geballten Fäusten ins Gesicht. Aber alle diese Ausbrüche der Verzweiflung halfen ihm nichts und noch weniger dem Kinde. Er stürzte fort ans Telegraphenamt und bald darauf langte ein Telegramm an: „Erwarte Euch am nächsten Schnellzug; Geld anbei. Salomon". Der Ansteckungsgefahr halber verbot der Arzt Salmechen, den Bruder abzuholen. Ein Wagen brachte bei einbrechender Nacht Vater und Kind ins Provinzialkrankenhaus, Die sofort vorgenommene Operation brachte dem Kinde jedoch nicht die erhoffte Rettung. Bei Tagesgrauen verschied die kleine Emma. Erst am Spätnachmittag, nachdem alle Vorsichtsmaßregeln vorgenommen waren und Salmechen dem Bruder andere Kleider geschickt hatte, erschien dieser schwankenden Schrittes. Salmechen hatte gerade für verspätete Gäste den Tisch abgedeckt, als Isak in der Türe erschien und verschüchtert stehen blieb, ängstlich die Augen auf den Bruder richtend. Kaum daß Salmechen den abgehärmten Mann mit dem verwilderten Bart im bleichen Gesicht erblickte, als er auch schnell die Teller,- die er auf dem Arm trug auf den Tisch stieß und auf den Ankömmling zustürzte. „Salmechen?" schrie dieser, „Salmechen kannst du mir wirklich mochel sein?" Salmechen breitete weit seine Arme aus und rief laut aufweinend: „Mein armer Bruder, komm an mein Herz, wo dein Platz ist. O, du armer kinderloser Vater, was soll ich dir denn mochel sein! bist du denn nit mein Bruder? Haben wir zwei denn nit unterm selben Mutterherz gelegen? Bist du denn nit im Schlamassel, wo ich dir beistehen muß? Mein Bruder" Laut weinend schlössen sich die Bvüdev in die Arme. Ihre Wangen, von denen heiße Tränen rieselten, fests aneinander gepreßt, ruhte das Haupt des einen auf der Schulter des anderen. Die wenigen anwesenden Gäste hielten tieferschüttert den Atem an sich. Der Engel der Liebe schwebte durch den stillgewordenen Raum, in dem sich die beiden Brüder versöhnt, weinend umschlungen hielten; Jakob und Esau waren versöhnt. So oft Isak fragte: „Salmeche, bist du mir schlechtem Kerl alles Böse was ich dir schon angetan hab' auch wirklich mochel?" antwortete er abwehrend; „red* nicht davon; ich hab' auch Schuld, so gut wie du!" Emmachen wurde auf dem Stückchen Erde begraben, das Salmechen dereinst für, sich und seine Gattin erworben hatte, ohne zu ahnen, daß das nächst daran liegende Stückchen von Isak eingenommen werden sollte. Der Tod der Gattin und zweier blühender, schöner Kinder, war Isak „auf die Nerven geschlagen" Salmechen begleitete ihn nach Ablauf der sieben Trauertage nach seinem Wohnort, half alle geschäftlichen Angelegenheiten ordnen und kehrte nach einer Woche mit dem stillbrütenden Bruder nach Hause zurück. Alles war so geregelt, daß kein Makel auf dem Namen der Familie haftete, worauf Salmechen mit wahrer Aengstlichkeit stets bedacht war. „Meiner Eltern Namen muß klar und rein bleiben", war seine Lebensdevise gewesen. Mit Isak brachte er auch noch ein merkwürdig verschnürtes Bündelchen mit, das dessen jüngsten Knaben enthielt. Als Isak dem das Kind zärtlich anblickenden Bruder sagte: „Er heißt nach unserm Ette, olew hascholom", küßte Salmechen gerührt den ruhig um sich blikkenden Kleinen und beteuerte; „wie unsere eigenen Kinder soll's gehalten werden, so lang du ihn bei mir läßt." Isak wurde von Tag zu Tag stiller. Stundenlang saß er in der hintersten Stubenecke und sah brütend vor sich hin. Vergeblich cersuchte Salmechen ihn anzuregen, aufzuheitern, zu einer anhaltenden Tätigkeit zu veranlassen. „Ich bin an allem selber schuld; am Tode meiner Frau und meiner Kinder; ich hab' schwer gegen sie gesündigt und alles wird bestraft . . . Salmechen versuchte ihn zu zerstreuen und wollte ihn wieder aufmuntern. Zuweilen gelang dies für kurze Zeit; doch bald verfiel Isak wieder in Trübsinn. Auch das einzig übrig gebliebene Kind, das vortrefflich gedieh, konnte ihn nicht umstimmen- Die zarten Aufmerksamkeiten Salmechens nahm er mit einem melancholischen Lächeln hin. „Ich hab* das sicher nicht um dich verdient, Salmechen. Aber du bist tausendmal feiner und besser wie unser Bruder Doktor, der nicht einmal mir ne Zeile geschrieben und in meinem großen Unglück kein Wort des Mitleids für mich gehabt. Ja, ja der studierte, ferne Herr, mit den vielen, dicken Büchern und dem vornehmen Schilde an seiner Türe, . . . ja, ja, Bruderleb, jetzt weiß ich, was gebildet ist; jetzt weiß ich's sehr gut und genau." Eines Mittags kam Isak nicht zu Tisch-, auch Abends nicht. Als es Nacht wurde und er immer noch nicht zurück war, eilte Salmechen voll böser Ahnungen durch die Straßen, die Anlagen, vor die Stadt auf die Brücken. Am frühen Morgen meldete Salmechen das Ausbleiben auf der Polizei. Dann schrieb er eine Belohnung aus, doch auch das vergebens. Wochen vergingen in Angst und Unruhe. Auch an den „gestudirten Bruder", mit dem er seit dem Tod der Mutter keine Silbe gewechselt, wandte er sieb, Die Antwort, wenige bedauernde Zeilen, teilte mit, daß Isak nicht dort eingetroffen sei. Nach weiteren zwei Wochen wurde Isaks Leiche gelandet. In der Rocktasche befand sich ein Abschiedsbrief an Salmechen und dessen Familie. Das Wasser hatte die Schrif stark verlöscht. Nur so viel war zu entziffern, daß Isak für die viele unverdiente Liebe, die Salmechen ihm erwiesen, dankte, ihn wiederholt um Verzeihung bat un die Hoffnung aussprach, er werde seinem Knaben, für den zu sorgen er nicht mehr die Kraft besitze, den Vater zu ersetzen. Das hat Salmechen getan; und noch mehr. Kam auf Isak die Rede, dann wurde seine harte Stimme merkwürdig weich und er entschuldigte ihn stets mit denselben Worten: „Er war newwich ein unglücklicher Mensch, mein armer Bruder " Der Großvater hatte die Erzählung beendet; es herrschte eine Weile Stille. Die jungen Mädchen waren sichtlich ergriffen Vöft dem eben gehörten. Hertas Auge war es noch anzusehen, daß sie geweint hatte. Zu irgendwelchen Betrachtungen über die wahre Bedeutung des so viel gebrauchten und so viel mißbrauchten Wortes Bildung schien niemand heute Lust zu haben Still ging die kleine Gesellschaft auseinander. Der Großvater blickte sinnend zum Himmel, der im Westen von weißgöldeiien Wölkehen besäumt war. Vermächtnis eines Erez Israel- Kindes. Am 27. Tamus wurden in „Mischmar Hajarden" Chajim Grabowski und sein zwölfjähriger Sqhfl Menachem, Schüler der dortigen Misrachischule, als sie morgens das Wasser aus dem Brunnen holten, von arabischen Meuchelmördern getötet. Aus dem Hefte Menachems veröffentlichen die hebräischen Zeitungen einen Aufsatz, den der kleine Märtyrer am 27. Juni als letzten in diesem Schuljahre geschrieben hat: 27- 6- 38 WSlfi |1»D fi"3 '»3». DV" tmanan mapnnn dk -rh*? aai ipa Wik lax Wa na law rfcb bw ojjnn asa^ «pm iyw w jvmji |wt> V:m nb mV^a laawa bs aa «nasr rmra D'Ka an «Tina mb riK mwr bs 'Pjn bs «nnuaa 033^ 3WJJ' - .^ns3 -nn b* *iya iü*? nm^ nbnn vnvn "hntn :nia» l^Ka »u^ya nnsna -nbv nb'b rann mm "»aipa -od1? rpnax nsn *a »a^am onr üw& ü'j^on ]'3 aw inuni "ttbw» Mb man nunrnm n^DKm ittinii öii -pKn "sb n« ntpa *i«nnn -train a'aawn x\rwn byi armajrV ix*' a-aaian ♦uV uwa - .na« i^kd an - aw tüb na» •lawi wan dp •"b*t "»fiKW a^nm ap - wn tnw wan ijw annsra natznan naw pi «dj iaa mp\i bi nsis - nsisni isw - iawn »anw» insa ans min ♦3*>inai nsn - nmm lasroi a'ias laip - nxnp nsisn law npyx aiKnsi nfty plan nv *b ^«i •rftnan -pro ->naj? .o^ann •lay Vaa u^y ttp frru) m um pnai wpbxb pip nanVn na ••»maj? bv. a^wan pa pixi •»an nx "»rmp1? atfwa 'HKS' ^ax '«is? 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