Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1938)
- Date
- 1938-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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U. August 1?38 Der Israelit Nr. 32 Seite 7 E R E Z Jemsaiemer Skizzen, Von Dr. Willys Hormann. Worüber man sich heutzutage freuen kann. Als wir gestern die Morgenzeitung bekamen, hielt sie mir mein Junge freudestrahlend entgegen; „Endlich einmal wieder eine Zeitung ohne schwarzen Trauerrand, es scheint doch ruhiger im Lande geworden zu sein!" Als ich kurz: darauf zu einer befreundeten^ Familie kam, hörte ich dieselbe Botschaft: „Heute steht doch einmal nichts von ermordeten Juden in der Zeitung, man kann doch wieder aufatmen." So haben wir uns seit Wochen leider daran gewöhnen müssen, daß Tag für Tag neue Hiobsbotschaften aus den verschiedensten Teilen des Jischuw in der Zeitung standen, wenn wir nicht selbst Augenzeugen des schrecklichen . Geschehens beim Transport der. Verwundeten und Töten in die Hadassa oder in andere Krankenhäuser, waren. Bald danach kamen dann die Beerdigungen der Opfer mit dem herzzerreißenden Jammern und Klagen, der Angehörigen, -das einen selbst bis ins Innerste packte. So konnte man wirklich .ein Gefühl der, Freude beim Empfang dieser Morgenzeitung haben. Aber ach! — dieser Lichtschimmer war bald erloschen. Wenige Stunden später durcheilte die Nachricht von der schrecklichen Bombenexplosion in Haifa mit ihren grauenerregenden Folgen bei Arabern und Juden das Land, und schon die Nachmittagszeitung hatte nicht nur einen, sondern mehrere Trauerränder mit schlimmen Berichten aus Haifa, Tiberias und anderen Ortschaften , .'. Nervosität und Bomben. Als wir vorgestern Morgen auf der Terrasse unseres Hauses grade mit dem Frühstück fertig waren, stürmten plötzlich von der Straße zwei hinge Leute herein und behaupteten, an unserer Gartenmauer, etwa 15 Schritte von uns entfernt, lag? ein Paket mit einer Schnur, das auf eine Bombe verdächtig sei. Ich muß ehrlich gestehen, daß es durchaus angenehmere Empfindungen gibt als das Bewußtsein, daß etwa in wenigen Minuten in allernächster Nähe eine ßombe explodiere« bann. Trotzdem sprangen wir mit einer gewissen Kaltblütigkeit auf — es waren inzwischen von der Straße noch mehr Menschen hereingekommen — und man rief nach der Polizei. Zum Glück befand sich diese noch in der Nähe, da kurz vorher die Beerdigung eines bei dem Ueberfall bei Jericho getöteten Brunnenarbeiters stattgefunden hatte. Ein Polizeioffizier und ein Polizist öffneten das Paket und fanden darin in einem Lappen eingehüllt ein Eisenstück mit schwärzlichem Pulver, das aber harmlos aussah, Sie gingen lachend davon und meinten, das Ganze sei ein schlechter Scherz. Wir erfuhren dann später, daß sich am Tage vorher ein ähnliches Paket in einem Hause, in unserer Nähe gefunden hätte. An diesem Tage war aber in der betreffenden Straße eine wirkliche Bombe /.geplatzt, glücklicherweise, ohne Schaden anzurichten. Am nächsten Morgen gegen 9 Uhr hieß es plötzlich wieder, man habe an einer Straßenecke,, wenige Schritte., von unserem Hause entfernt, eine sogenannte: primitive Bombe entdeckt. Sogleich wurde die Umgebung abgesperrt, und diesmal holte die Polizei selber erst die Sachverständigen herbei. Die Nachrichten über das Ergebnis ihrer Untersuchung lauteten; widerspreqhend: die einen, sagten,' es sei wieder nur, eine Attrappe gewesen, die: andere;Version meinte, man. habe eine Flasche mit Pulver,; [gefundenJ iaWemßejry harmlos Waren ddmi'MeiMa^et^j/äd^; yotax heuiifcgo Tage, von einer jüdischen Schule,;;«! 4er - s^cH/.ztir; Zeit ein Ferienlager)ibeflndet, und in; der Altstadt" auf dem .arabischen Markte,* vor der sogenannten jüdische» ^Gasse, Es handelte sich jedesmalum; eine Bombe mit''Uhrwerk,' das. auf -eine bestimmte Zeit einrt gestellt war, wo'bei/nochzu bemerken ist, daß die erwähnte Schule direkt gegenüber einem Kino gelegen ist. In beiden Fällen hatte. man also „Massen- Wirkung" erzielen wollen. Die Bombe, inder Altstadt hatte ein Gewicht von 35 kg und könnte gerade noch 8 Minuten »/vor der eingestelltenv Zeit. unschäj31iph;.gemachtwerden. '■/ '■' ■ . . :.• > ... r:. nj.--. Seitdem* man vor ' etwa!),,drei. Wochen .'gleijChialls - vor!!'einer Schule in;unserer;jjNälje; an>usmep Freitag Morgen eine [' offenbar von löjneni, Passanten verlorene ='Tüte ' fand, deren» Inhalt /siejv da;nn ais._ &nz"*; gefährliche; Bombe erwies, ist dasi Publikum ' ^re'iflich'erweise'/sehr. vorsichtig geworden,. wenn .es scheinbar achtlos -^weggeworfene Pakete:: oder' Lum-• Pen läüf der Straße liegen sieht.;M'ah geht ohnedies 'n diesen "Zeiten knickt raehxüAüi die .'Stj-aßev-ak man ( Unbedingt muß. Sb/ vkännives natürlich auch-^einmal vorMJipmei», daß:;•de>)r}UeW^eF;•?9tt^^its^i^mis>h^n' Zwischenfallen fmhrb . Kürzlich . wurde,•d]|ejj|!,plizei'. nacrft§i gegen 11 tTIhrt'auf!eiae:.deriöä^upt9traßi^n c<lgr Stadf gerdfen, dai'mari ein verdächtiges Pake.^; beit'.l .H-rj ••; ■ ■ '■ ISRAEL merkt hatte. Es fänden sich aber nur einige Paar Strümpfe darin; Die Menschen sind hier nervös und haben ein Recht darauf, es zu sein. Wir aber wissen, warum wir dreimal täglich beten: „weal nisecho schebechol j'aüm imonu", wir danken G'tt für all die Wunder, die wir täglich aufs neue erleben! Die spätere Untersuchung des Pulvers der oben' erwähnten Bombenattrappe in unserem Garten hatte doch ergeben, daß es brennbar war —. Gegensätze; Tod und Leben. Vor einigen Tagen war ich morgens zu einer Brith Mila in der Hadassa geladen. Am Abend vorher war der Ueberfall auf die jüdischen Regierungsarbeiter erfolgt, die in der Nähe von Jericho:;mit Brunnenbohrungen beschäftigt waren. Drei waren sofort tot, einer erlag später seinen Verletzungen, einer war außerdem schwer verwundet. Einen , der Toten, der aus Jerusalem stammte, hatte man in die Hadassa überführt. Während man dem eben ned in den Abrahamsbunde aufgenommenen Kinde die Beracha über den Wein sagte, setzte sich, wenige Me- Gebet an der Westmauer uritjer polizeilicher Bewachung ter von. der kleinen Synagoge/Jri" der die Feier stattfand, entfernt, der Leichenzug in Bewegung. Durch das offene. .Fenster;'drängen Klage- und Wehlaute herein und übertönten . fast die Stimme des Mohei. Mit eigeutümlicKen Empfindungen riefen alle' mit ihm: „bedomajich chajif' in "deinem Blüte sollst" du lie-J 'l___ll" T_ ___/ L._-:_i.'^ti»._U Jt__TiT:_'Ji' J_ff/ WU^UijiUUgJJi P-f° Vli^-o^..* J-.i.*J,*4, ujlim fc* \j .^wv... ";-------: '.$rify daß es kein besseres; "Symbol..„des ewiger? jüdi'ü sehen-Lebens.gebe,n könnevals*'dieöen Gegensatz der beiaenw Mizwppti zwischen Tod. und Leben, der sich, voij unserenAugen abspielte. " - Ein Universalgenie; Anläßlich eines Familienfestes erhielt ich einen Glückwunsch" jja,Form,'. eines Gedichtes mit einem Akrostichon. Der Absender war ein mir wohlbekanh-' ter Mann,, dem i; .ich; öfters, bei , festlichen Gelegen- . heiten , zui begegnen pflege. Außerdem'-war /'er mir , besonders vom Simchath Tjiprä-F/ejfte^ cjürch' eine in- , iensive Ausdauer . im .Tanzen^ .•' in-''' Ernmerurijjf, Mari/ nennt Tihn. nur Reb Chayim,'" der weitere Na'ine tut nichts., zur Sache,,;Wöcherif iags ist' sein Haupta^ttribut' eine grpfife^ Aktenmappe, fan der er schon von\'^eitehiiu |ür jeden; kenntlich ist. Bei' seinem Schreiben' lag , eirie :Visitenkarte, und ich .muß. mit. Beschämung gestehen, r.daßV ich bisher keine A^pünj* hatte, 'Welche ' Talente sich, hinter Reb' Ch.ajim" uncl; sseiner Akten.- tas|che r,verbargen. r. In der Üebers,etzüng steht5 'nach;! . dem;,$ifamen Ch,ajini . . . folgendes: ^yorbetir, Me*-: 'schullach,,Ausrufef.t erledigt ajle Arten öffehrlicher; iunfl privater . Angelegenheiten. in allen Städten urid Kdloftien des Landen (in Klämmeriri steht; .nür le- i ,.■' ■ . :)' i<f. .':;>, : n / '■• - ■ ,f; galer Natur), Verfasser von Werken über das Gebetbuch und •Tenach, erteilt Stunden in diesen Fächern, schreibt alle Arten von Literatur und Gesang in Iwrith und Jiddisch." Wie gesagt: ich bekam Respekt vor Reb Chajim, denn diese Vielseitigkeit hatte ich nicht hinter ihm gesucht. Aber nun kommt wieder die Tragik — bei der Unterschrift unter seinem Glückwunsch standen die Worte, daß er zur Zeit ohne jeden Verdienst sei und' daher um mein Wohlwollen ersucht. Leider dürfte er in diesen Zeiten nicht das einzige Universalgenie in Palästina sein, das sich in dieser Lage befindet. Unruhiges Wochenende in Palästina. «Te rusal'em, 8. August. In allen Teilen Palästinas haben, nach Meldung des „Europapreß", über das Wochenende die Feuerüberfälle angehalten. - Zwischen Acre und Safed kam es zu einem Gefecht mit aufständischen Arabern, bei dem fünfzehn Araber erschossen und fünf gefangen genommen wurden. Zusammen mit den Feuerüberfällen, die vier Todesopfer forderten, waren somit über das Wcohenende neunzeh^ Todesopfer zu .beklagen. Im einzelnen handelt es sich bei den Ueberfällen um Aktionen Aufständischer gegen englisches Militär oder englische Polizei. So gerieten auf einer Patrouille zwei englische Soldaten auf der Straße zwischen Jerusalem und Jericho in einen Hinterhalt und wurden erschossen. Drei neue Bombenanschläge haben am Montag zu der Verhängung eines zehnstündigen Ausnahmezustandes über die Altstadt in Tiberias geführt. Eine Bombe explodierte auf dem Gemüsemarkt in der Altstadt von Tiberias und verletzte acht Araber, darunter einen so schwer, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Kurze Zeit später wurde im Mittelpunkt der Stadt eine zweite Bombe geworfen, die jedoch keinen -Schaden anrichtete. Ein vierzehnjähriger Junge wurde als mutmaßlicher Attentäter verhaftet. Die Verschleppten. — Traurige Bilanz. Jerusalem, 3. August. Es dürfte nun. feststehen, daß die drei jüdischen jungen Leute, die in Giwath Ada von arabischen Terroristen entführt worden sind, nicht mehr am Leben sind. Es handelt sich um die jüdischen Arbeiter Jizchak K r u p n i k , David Frank und David Awerbuch. Nach einem Bericht des „Haarez" wurden die jungen Leute in das Gebiet von Nablus—Tulkarem verschleppt, wo sie vor ein arabisches . Tribunal gestellt worden sind. Nach zwei Wochen, des Bangens wurden Krupnik und Frank zum Tode verurteilt. Der ..dritte, der jugendliche David Awerbuch, wurde später von einem Araber, der ihn mit sich in die Berge nahm, niedergemacht. Nach einer veröffentlichten Aufstellung über die Opfer der Unruhen im Monat Juli wurden in diesem Zeitraum 148 Araber und 60 Juden erschossen. Damit wurde seit Beginn der Unruhen ein trauriger „Rekord" aufgestellt. Die Zahl der verwundeten Araber betrug in der gleichen Zeit 256, und die der verwundeten Juden 201. Die britischen Verluste belaufen .sich, fürnden Monat Juliauf zwei , erschossene und sechs verwundete Soldaten sowie drei verwundete, r^ol^zisten,.- . 1 \ ( j ,."-,' »( : Ein yertiijdiguhgs-Fohds.; -.Ii Jerusalem, 5» Aug.. Das vom s Waad Leumi arn 10... Juli eingesetzte Komitee des > Jischuw kündigt eine .Sonderaktion ah, die unter dem Namen „Koffr Ha jischuw". der Aufbringung .von Geldmitteln für. Verteidigu^gszwecke dienen soll. Die Höhe der Beiträge wird entsprechend der Höhe des Jahreseinkommens des Beitragenden festgesetzt werden.. Das Komitee nahm einstimmig eine Resolution an, in der es heißt: Selbstbeherrschung sei eine mutige Verteidigung, während Vergeltungsakte gegen Unschuldige; verwerflich seien., (Paicör.) .... ..m„ . .. . 1 , <b; :i i Plugat Kötel geschlossen.! 'Jerusalem, 1, August, r;; Die Polizei -schloß für ein halbes Jahr das., Lokal de^ ^revisionistischen /„Wächter der Klagemauer". }?. jDazu schreibt das Organ der*/ „Betarim.": „Die ^Plugat Kotel des Betar war -der einzige Schutzort r)i {der Jerusalemer Altstadt gegen-arabische Ueberfälle auf ,die. zu^.Kj^|em&U4f, gehenden Juden., Betarim dieser Pluga/'nahen im'mer die . BeteUdettf' 'zum :Kotel geleitet. Nun nahm die1 britische Polizei den Juden diesen einzigen Schutz, .ohne um entsprechenden Ersatz, zu sorgen./