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Der Israelit · 1938-08-11 · Heft 32 (11.8.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 32 (11.8.1938)
Date
1938-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ll.,A#ist 19384 r De r Israelit TÜOST IM WORTE. /Fortsetzung von; Seite 1.) .Schläge, jjjVerhandlungen, Entwürfe, Resolutionen. Sie ^bleiben alle zunächst p apierene Aktionen! Man müht sich, das Papier zu einem Schlüssel 'zusammenzuballen, mit dem man viel leicht sp.äier einmal das eine oder das andere bis jstzf verschlossene Tor den: Wandermassen wird - öffnen können. Später einmal! Aber die Not jist g e g e n w ä r t i g , ist Sache des Tages und der Stunde. Und die Tröster und Helfer ,haben W or t e..... . Wen trifft ein Vorwurf? Es wäre undankbar, ■einen solchen gegen jemand zu erheben. Wir .sind ein; dankbares Volk und. quittieren auch Wort und Willen mit dankerfülltem Herzen. Es liegt aber am Unzulänglichen alles Menschlichen, daß auch die schönsten Worte keine vom Schicksal geschlagenen Wunden — und .hinter dem Schicksal steht der Leiter und Lenker der Weltgeschicke — heilen können. Aus diesem Bewußtsein winkt uns aber schon ein Schimmer, des Trostes, nämlich aus dem Bewußtsein, daß, wenn das Weh eines Volkes einen Grad erreicht hat, in dem man Schicksal und G'tteswaltung erkennen muß, der Trost von der gleichen höheren Macht kommen muß, von der eben die ■Schicksalswende ausgegangen ist. Wir wer* den bei aller Dankbarkeit für diejenigen, die «in Herz, für uns haben, doch fetzt wie damals unseren Trost im zweiten Teil des jesajanischen .Einleitungssatzes suchen müssen: „Tröste Dich, mein Volk — d e n n G'tt spricht es! . . Wie und wo könnten wir Wege des Trostes zeigen, sollte nicht auch diese Feststellung -der Nutzlosigkeit menschlichen Eingreifens nur «in leeres Wort bleiben? Im ersten Trostkapitei eröffnet sich uns dieser Weg. Der Prophet ist Zeuge des Zusammenbruchs der größeren Hälfte des jüdischen Volkes, seinem Seheraug entgeht auch nicht das spatere Schicksal Judäas und Jerusalems. Aber er, der Tiefblickende, sieht weiter. Er sieht eine Schale zerbrechen und den köstlichen Inhalt weiterleuchten, auf anderem, auf fremdem Boden; noch schöner, noch heller, nachdem er der Hülle, des Rahmens in Staat und Tempel, entraten ist. Er sieht Zion, als Raum in Jerusalem zerstört., in den babylonischen Schulen wieder aufblühen. Hier offenbart sich ihm mitten in der Wüste die Quelle, aus der er Trost für sein Volk schöpfen kann. Eine Blume verblüht, eine Blüte verwelkt, die Frucht bleibt und gedeiht. abwb ötp* 'imi ps bii Txn px» Ein Wort " wohl, aber ein „Wort j (Unseres G'ttes", und mit G'ttesausspruch wurde die Welt geschaffen, mit ihm wird auch eine in Asche gelegte Welt in neuer Pracht wieder erstehen, Was wir Zerstörung nennen, kann unter dem Aspekte der prophetischen *Weissagung Auf bau sein, Abbruch ist nur Umbruch. Dieser tröstlichen Erkenntnis ein Hauch weht uns an, wenn wir die erst e n Spuren der neuen jüdischen Niederlassungen; ir neuen Ländern, auf neuen Konti' n e n t e n , aus Bruchstücken einer alten zerstörten jüdischen Welt zusammengesetzt, da und dort erblicken. Auswanderung, Elend, Heimatlosigkeit? Vielleicht nur ein Szenenwech sei, ein Umbau. G'tt verlegt seine Schechina nach anderen Plätzen. Zu welchen Zwecken, wird eine spätere Nachwelt erfahren. Was darf der Mensch, der kleine, mit seinen Gedanken an Tag und Stunde haftende, fragen und forschen? An der Baustätte sieht der Unkundige nur. wie abgetragen und abgerissen wird, ohne zu ahnen, daß damit der Grund für neuen Aufbau freigelegt wird. „Komm" später!", spricht der Baumeister. Mitten im Bau und Umbruch frage man. nicht, wozu und warum. Der große Weltenmeister ist wieder an der Arbeit, und wir wollen nicht fragen und klagen. Diesen Gedanken spricht'! ein Großer, der ebenfalls Zeuge eines Umbruches seines Volkes war, aus, Rabbi Jizchak Abarbanel, und er beruft sich dabei auf Psalm 28, 5, in dem all dieses fast wörtlich zu lesen ist. Ufr) DDIiT TT 'TO VfO "7 jpViyB *?R tf? "ü „Denn sie verstehen die Werke G'ttes nicht, noch seiner Hände Arbeit,! darum * dünkt es ihnen, als sei dies alles Zerstörung ohne Aufbau." So begnügen wir uns damit, auf des Propheten Verheißung bebenden und hoffenden Herzens zu lauschen. Es ist ein Wort nur, aber ein W,ort G'ttes von weltgestaltender Bedeutung. d 3' p V n nair 'ö^ lonu Wochenrundschauvorläufig keinI Platz. — Von den Grenzen der Hawlaga und denen, die sie angeblich überschreiten. — „Fürsten der jüdischen Kultur." ^— Was man wiederum verschweigt. —- Zum Schutz der Kolonien. „Trotz. E-vi a n und London steht man dem für die nächsten Monate erwarteten Ansturm von Auswanderern hilflos gegenüber. Es ist für sie vorläufig, kein Platz da." So schrieb die „Times" am Mittwoch zurr Begrüßung, der Londoner Konferenz. Der Amerikaner Taylor sprach in seiner Begrüßungsrede von in Tausenden geweckten Hoffnungen, die nicht.' enttäuscht werden .dürfen. Die Aeußerungen des amerikanischen Diplottiäten und des ■ englischen Weltbla&es' lasseh sich nicht in Einklang; Bringen! Wenn das letztere ä priori den Platzxaangetl'in dkr großen Welt konstatiert, dann werden die Hoffnungen nicht von Tausenden, sondern von Hünderttäusehden getäuscht. Warten wir —- nicht in Ruhe, denn, für gemächliche Ruhe fehlt die Zeit — die ersten Auswirkungen der Londoner Konferenz ab. Wenn.es in einer *Ur geschlossenen; Sitzungen hieß, Ai& dringendsten Teile des Problems bedürfen einer d r.i n g l i c'h - s t e n: (Lösung/ 'sql; erscheint es uns zur Stunde a m dringlichsten, den Tausenden von jüdischen Aerzten, deren Praxis Ende September, erlischt, unverzüglich eine Heimat in ein'efn dejr' vielen überseeischen Länder zu öffnen, die Bedarf an Aerzten haben. (Siehe Betrachtung an der Spitze dieser Nr.). * * * Die mörderischen Explosionen in Haifa haben im jüdischen Jischuw von neuem fast ohne Not die Diskussion über die Grenzen der Hawlaga in Fluß gebracht. Wir brachten es bereits in einem unserer jüngsten Leitartikel zums Ausdruck, daß es nicht angeht, nach jedem von unbekannter Hand , verübten Attentat gegen Araber'• .Moralpredigten an Juden zu richten und .damit den Feinden billige „Kronzeugen für die jüdische Schuld" zu liefern. Es gibt aber welche in 'Erez Israel, die, so ungeheuerlich das auch klingt','''-sich nicht scheuen, auch vergossenes Blut zu Parteizwecken auszunutzen. Die Revisionisten, — wir billigen ihre Politik und Taktik nicht, — machen etwas böse Mienen zum bösen Spiele, rasseln gelegentlich ein wenig mit einem: Säbel, der nur ein Holzsäbel ist, sprechen von Vergeltung?'' spielen, wie man im Osten so gern sagt, den „jüdischen Gasion". "Von den starken Worten bis zu einer Bombe auf einem arabischen Gemüsemarkt, zu dem'ein jüdischer Fuß'!keinen Zutritt hat, und zu fürchterlichen Massenmorden ist ein' weiter Weg, den ein Jude, sei er Histadruthmann oder Revisionist oder sonst was immer, nicht zurücklegt. Was berechtigt also gewisse Zeitungen und Instanzen in Palästina, die Vorgänge zum Thema geharnischter Predigten an die Revisionisten zu nehmen?. /'!' ■Wo sind die Unterlagen für jene Andeutungen? Hat man nur einen Juden: auf frischer grausamer Tat ertappt? Der eine unglückliche Junge, der in Akko aufgehängt wurde, hat wohl mit einer Waffe gespielt, aber kein Blut vergossen. Und die Opfer in Tülkerem und NazaretKj die Schießereien _____ :{'|Nr, 32 Seite 3 und täglichen Schandtaten in den hundertprozentig arabischen Dörfern? Nach jüdischer Auffassung und judischem Gesetz kann kein Urteil über einen Menschen gefällt werden, solange seine Schuld nicht durch Augenzeugen belegt ist. M-angel an Beweisen bedeutet nach jüdischem Recht unschuldig. Als Oberrabbiner Amiel in einer Versammlung in Tel Awiw sich in diesem Sinne äußerte, fiel das Organ der Linken, „Hapoel Hazair" in einer Weise über ihn her»; die zeigt, wie in diesen Schichten schon die letzte Spur von Respekt vor der Thora und ihren rabbinischen Trägern geschwunden ist. „Wir erlauben nicht, daß irgend ein Prediger unter uns sich als hetzerischer Scheich betätigt." In solchen Ausdrücken ergeht sich das Blatt gegen die berufene rabbinische Instanz, die es gewagt hat, durch Inschutznahme jüdischer Menschen, egal welcher Richtung sie angehören, vor dem durch keinen einzigen Anhaltspunkt erhärteten Verdacht des Massenmordes einen Strich durch die Rechnung einer Partei zu machen. Es ist doppelt schmerzlich, bei all der Tragik in Palästina auch noch von inneren Auseinandersetzungen solcher Art melden zu müssen. * * * Aus Anlaß des vierten Jahrzeitstages für Bialik am 4, Tammus nannte ein misrachistisches Blatt in Jerusalem den Dichter einen „Fürsten der jüdischen Kultur". Der Tel Awiwer „Hajessod", der sich schon des öfteren als Gewissen des Jischuw, auch der misrachistischen Richtung, bewährt hat, sagt dazu sehr treffend« „Meisterschaft im Hebräischen, auch in der Dichtkunst, verleiht einem noch lange nicht die Fürstenkrone im Reiche der jüdischen Kultur. Meister der hebräischen Literatur, der hebräischen Dichtung wohl! Aber wenn man unter Kultur den Schatz der kulturellen Güter, die in der eisernen Kammer der jüdischen Geschichte aufbewahrt sind, an denen die Großen aller Zeiten unablässig gearbeitet haben, versteht, so wird man schon andere Geonim als Meister und Fürsten der jüdischen Kultur nennen müssen." Bialik selbst erzählt in aller Offenheit und Ehrlichkeit über die Mängel der haskalischen Menschenformung in seinen Berichten aus seiner Woloschiner Zeit. Der junge Mensch war nach den damaligen Erziehungsmethoden auf sich gestellt. Die großen Kapazitäten sind auf eigene Verantwortung geworden, was sie geworden sind. Erst später hatte sich darin viel zum Guten geändert durch den geistigen Leiter im Sinne des Mussar in den litauischen Jeschiwoth. Damals aber, in der Werdezeit Bialiks, gab es so was noch nicht. Er mußte sich sein jüdisches Weltbild selber suchen. Ein geniales Weltbild, aber es blieb abseits, es bewegte sich neben und über den Dingen. Besingt er das Bethamidrasch, so ist es nicht sein Bethamidrasch, sondern „das Heiligtum seiner Jugend", Er gehörte gewiß nicht zu jenen Meistern, die das gleiche Jugendideal ins hohe Alter hinein geleitet. Er nennt die Jeschiwa die „Werkstätte der jüdischen Seele", was ihn aber nie dazu veranlaßt hat, die Jeschiwa von heute zu unterstützen, sie der Jugend zu empfehlen oder Überhaupt nur ein Wort für sie einzulegen. Er stand, wie er in einem seiner Gedichte selber bekennt, am Scheideweg. Der Gaon, der Meister der jüdischen Kultur, steht aber in der Mitte, seinen Geist nach allen Richtungen hin ausstrahlend, wegweisend. Sind die nationalen Schulen Quellen und Pflanzstätten der „von Bialik beherrschten" jüdischen Kultur? Man weiß, wie der Dichter selbst in den Jahren vor seinem Tode über diese Schulen urteilte, wie er den Stab über sie brach. (Schreiber dieses hörte vor sechs Jahren den Stoßseufzer aus seinem Munde, daß die Zöglinge der neuen Schulen seine Gdichte nicht mehr verstehen, weil ih^ien das Quellenwisen. fehle). Und die Leiiter^jener Schulen quittierten ihm das Urteil mit dem Titel „Batlän", dessen veralte^ : Ideen nicht .mehr ins Gewicht,; .fielen. Ohne im geringsten dem Wj^rte und dem Nimbus Bialiks Abträ'gljtun zu wollen, halten wir, mit Hinblick auf die schlimmen: und * geschmacklosen Uebertrei-- bungen, den; Dämpfer des, „Hajessod" für durchaus angebracht und notwendig. " In'der jüngsten Nummer des „Israelit" veröffentlichten wir einen Brief vom Herausgeber und Redakteur des i.Hahed", in demjler -sich dagegen ver-;: wahrt, die Agudaö Jisroel bM. Nennung des Daf Jömi Und Würdigung seines Schöpfers, R. Meir Schar pira,' je verschwiegen zu; haben.' Es handele sich in jener von uns beanstandeten Notiz im „Hahed" um die Zuschrift '|eines gelegentlichen Mitarbeiters, die ihm, R. Binjamin, nicht zur Last zu legen sei. Nunmehr erhalten wir, etwas verspätet, die in Jerusalem erscheinende-misrachistische Tageszeitung „Hazofeh" vom 28. Siwan, die eine Daf Jomi- oder richtiger eine Meir Scha* pira- Nummer ist. Nicht weniger als sie-. b e n Artikel, unter : ihnen einige nach Form und Inhalt 'ganz vortreffliche, befassen sich in dieser Beilage mit dem Leben, den Werken, der rabbinischen

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