Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1938)
- Date
- 1938-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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erschließt oder daß. die jüdischen Organisationen sich zur Schaffung eines zentralen Wanderungs- und Siedlungsamtes aufraffen, das dann Hand in Hand mit dem Evian-Ausschuß den bisher perhorreszierten Weg der planmäßigen Siedlungspolitik in überseeischen Territorien betreten könnte. Daß Jahre darüber vergehen würden, bis die Ergebnisse einer solchen Siedlungspolitik im Großen sichtbar werden konnten, ist gewiß richtig, und nichts darf versäumt werden, um inzwischen den jüdischen Massen zu helfen und ihren Lebensmut, ja die bloße Lebensmöglichkeit aufrechtzuerhalten. Aber das entbindet diejenigen, die heute dazu berufen sind, die Geschicke der jüdischen Gemeinschaft, soweit ihr Selbstbestimmung noch verblieben ist, zu gestalten, nicht von der Verpflichtung, in die Zukunft zu schauen und vorzusorgen, ehe es zu spät ist. Es ist jammervoll genug, daß die Kolonisationsversuche, die die JCA. seit Jahrzehnten in .kleinstem Maßstabe erfolgreich betreibt, verein- 'zelte Miniaturen geblieben sind und nicht weitschauende und wagemutige Politiker — oder gibt es solche unter den Juden nicht mehr? — zu einer Nachahmung im Großen begeistert : haben. *'! Voraussetzung dafür ist allerdings die Konzentration und Vereinigung der jüdischen Kräfte, würdig der gewaltigen Größe der Aufgabe, die hier gestellt ist. '' Ueber den Verlauf der Londoner Konferenz ist folgendes zu berichten: Die Tagung wurde am Mittwochmjttag im Locarno-Saal in London unter Anwesenheit von Vertretern der 32 Staaten, die an der Konferenz in Evian teilgenommen ..haben, eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt der amerikanische Delegierte Myron C, Taylor, der den I\ank an England für gewährte Gastfreundschaft aussprach und ungefähr folgendes ausführte: Die Tagung in Evian habe drei Resultate gebracht. Sie habe zunächst eine Basis zur Verhandlung mit den Ursprungs-, Durchgangs- und Aufnahmeländern geschaffen. Sodann erhielt sie durch die privaten Organisationen das nötige Material und auch wertvolle Pläne und Vorschläge. Es wurden schließlich von den'Ländern der Niederlassung einige Anregungen gemacb-t, ■ die den bisweiligen chaotischen Zuständen in der Auswanderung ein Ende bereiten Sollen. Damit seien die ersten wich^gen, Schritts getan, die weiteren sollen in London erfolgen, damit die in Tause nd en geweckten Hoffnungen nicht getäuscht werde n.'.Der Apparat sei geschaffen und er müsse nun in "Gang gesetzt werden, schon um einen Faktor der Unruhe in den internationalen Beziehungen zu beseitigen. Taylor verspricht, in den weiteren geschlossenen JSitzungen einen konkreten Plan vorzulegen, der dazuangetan sei, allen beteiligten Faktoren Nutzen zu ■ bringen. Nach Eingehen auf die Hemmungen, die die Kriegs¬ und Nachkriegszeit in der Völkerwanderung, die in der Geschichte nie aufgehört, gebracht hat, meint Taylor, es sei die Zeit gekommen,, daß die Regierungen mit der gleichen Energie, mit der sie die Wiederherstellung geordneter Welthandelsverhältnis s.e< anstreben, auch; M um die Wiederherstellung geordneter Wanderungsverhältnisse bemüht seien. Er verkenne die Schwierigkeit der Aufgabe nicht, glaube aber, daß sie mit. gutem Willen und gemeinsamer Kraft zu lösen sei. Unüberwindlich seien diese Schwierigkeiten nicht, wenn sich das nötige Maß von gegenseitigem Entgegenkommen einstellt Nach Taylor ergriffen Lord Winterton als Vertreter Englands 'und Senator ■ 3 e r e ri g e r im Namen Frankreichs das Wort, um ihrerseits die Ansichten, Wünsche und Hoffnungen Taylors zu unterstützen. Darauf ging man zur Wahl über. Zum Vorsitzenden der Londoner Tagung wurde Lord W i n - t e r t o n gewählt, der damit auch Vorsitzender des „Ständigen Büros" wird. Ihm zur Seite stehen als stellvertretende Präsidenten vier Delegierte aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Brasilien und Holland. Zum Leiter des Sekretariats, dem die praktische - Durchführung aller Pläne und Vorschläge obliegen wird, wurde per Akklamation einstimmig Georges Rublee bestellt. Rublee ist berühmter Advokat in den Vereinigten Staaten und persönlicher Freund des Präsidenten Rooseyelt, so daß allgemeines Vertrauen ihn in sein neues Amt begleitet. Wie man hört, befinde sich Rublee schon auf! dem Wege nach London, um spätestens am 15. August , sein Amt anzutreten. * * . - '< ' * Früher als erwartet gingen die Beratungen am Donners tagnachmittag, den 4. August, zu Ende. Aus den Verhandlungen hinter geschlossenen Türen erfährt man nur, daß neben dem Direktor des Ständigen Büros Mr. Georges Rublee noch ein Mitglied der amerikanischen Delegation, Mr. Robert Pell, als zweiter Direktor ernannt worden ist. Das Büro bleibt in steter Verbindung mit den privaten Hilfsorganisationen, die durch den Völkerbündskommissar für Auswanderer aufrecht erhalten wird, ■ w,ie überhaupt der" Hochkommissar, Sir Neill Malcolm, an allen Sitzungen des Ständigen Büros teilnimmt, sofern sich diese mit den Einwanderungsfragen befassen. An den Kosten des Ständigen Büros wollen sich alle vertretenen Regierungen prozentual beteiligen. Das Büro wird die Zentralinstanz sein, die: die Regier-ungen ständig über das Maß ihrer Bereif s.chaft zur Lösung der Wanderungsfragen informieren. In der ersteh Arbeitssitzung der Konferenz sprach Myron Taylor die Meinung aus, daß nach Instandsetzen des in Evian und London geschaffenen Apparats in den nächsten fünf oder sechs Jahren insgesamt über eine halbe Million Menschen eine neue Heimat in Uebersee finden können, wobei allerdings die Mitarbeit der Ursprungsländer nach der Richtung der finanziellen Ermöglichung der Auswanderung, ebenso die Aufnahmebereitschaft der Einwanderungsländer vorausgesetzt wird. Amerika wolle seine Einwanderungsquoten für Deutschland und das Land Oesterreich in den nächsten" fünf oder sechs Jahren gänzlich für dieses Ziel zur Verfügung stellen. Die Schwierigkeiten \ infolg? der verschärften Einwanderungs- und Auienthälts'gesetze in den europäischen Durchgangsländern für die Ueberseeaüswanderer, die genötigt sind, Zwischenstationen zu machen, kamen wohl in nichtoffiziellen Zusammenkünften zur Sprache, führten aber zu keinerlei Beschlußfassung. Es soll zur gegebenen Zeit das Ko« mitee von Lord Wintertpn zu e i n e'r^n e Ü:e n S ft 4 zung einberufen werden. u.H'mu::M!L?»:üüün?^HmhHmi!«!^ »;«.!::i in::t <f si in Der englische Kolonialminister besuchte Palästina. London, 8. August-; Erst heute wurde hier bekannt, daß sich der "Kolonialm'ihister Malcolm M a c D. o n,a 1 d bereits am vergangenen Donnerstag auf dem Luttwege nach'5Malta ilhd von hier aus über Abukir nach Jerusalem begeben hat. Der Flug wurde von dem Ministier für notwendig erachtet, so erfährt man hierzu aus unterrichteten Kreisen, weil sich die Lage, in Palästina trotz aller Maßnahmen der Mandatsbehörden eher verschlechtert, als verbessert habe. MacDonald hat Jerusalem bereits wieder v e r lä s S,e n und Iii! . .reist, über Abukir und Malta nach London zurück. In Jerusalem wurde am Sonntagabend 'von dem Hohen 'Kommissar eine amtliche Mit4 teilung herausgegeben, in der eis ü. a. heißt: „Kolonialministej;.:. Malcolm MacDonald :isj -seit längerer Zeit darauf bedacht gewesen,; den" Hohen Kommissar für Palästina zu treffen, um mit ihm die augenblickliche Lage in,, Palästina zu besprechen. Es ist unmöglich .für. $ijif..jrIaroId MacMichael gewesen, nach;;:L'ondon<zu Dreisen, und Kolonialminister MacDpnald hat 'dafür die &9% V ' *'CP >s\A "* » Malcolm MacDonald Der englische Kolonienminister Gelegenheit der Parlamentsferien ergriffen, uro: ihn in Jerusalem zu besuchen. Er kam am Samstagmorgen auf dem Flugplatz in Qualuntia an und hatte Unterredungen mit dem Honen Kommissar und General Haining, dem Befehlshaber der britischen1 Truppen in Palästina. Andere Teilnehmer an diesen Unterredungen waren Major Saunders, der Generalinspektor der Polizei, und wenige andere britische Beamte. Die augenblickliche Lage in Palästina war Gegenstand der Erörterungen." " In London ist Sonntagabend ein Bericht MacDonalds erschienen, in dem es heißt: „Der Hohe Kommissar und ich sind telegraphisch und brieflich in ständiger Fühlungnahme. Aber es ist für mich von unerläßlichem Wert gewesen, mit ihm und General Haining über die augenblickliche Lage in Palästina die Ansichten austauschen zu können. Wir und mit uns andere sind gewillt, unsere Rolle in der WTedfcfrJierstellung des Friedens, in Palästina auf der Grundlage der Gere c h t i g ke i i gegenüber beiden Völkern zu spielen. Dies wird das Ziel unserer Bemühun|efli auch in Zukunft sein/' 1 '; ': r Auch in Chile debattiert man über die Juden. Santiago, 29. Juli. Die j ü d i s c h e E iin;w a üd e r.« n g beschäftigte die letzten- Sitzungen des1 Senates und der D ep u t.jjer t enk amni'^r, Senator Marianiliaino;E r,r;ä z u r i z hat .im Prinzip nichjts ge- '^en' die)jüdische Einwanderufog. einzuwenden,; er bemänglest iriüiyidaß sich die Einwandere» einzelnen, bestimmten Berufen zuwenden und vornehmlich in' der; HaÜpt's'tadt bleiben. Die Senatoren Luis Gumucio und Oscar Schnake verlangen demgegenüber volle unbeschränkte Oeffnung der Tore Chiles auch für die jüdische Einwanderung. Andere Senatoren schließen "sich dieser Forderung an. . ,• '' ' ■ . In, äer' l)j'e p;u.ti e r t'enkämm er war' 'es zuriigleicheh Zeftj Ricardo L ä t c h a m , der die tolerante) Anschauung der (genannten Senatoren mit Wärme vertrat. Auch in der Presse werden die Forderungen nälch ^re$er Einwanderung un- ' terstützt. ., .; , '!• ■ -• ■■»() ." % i«; wie vor M G e itUi ßüinweg f