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Der Israelit · 1938-08-04 · Heft 31 (4.8.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 31 (4.8.1938)
Date
1938-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 31 Der I s r 8 e 1 ft 4PÄugtfst 1938 Bescheidenheit der Grundzug seines Wesens sein! Bescheidenheit, die das Geleistete an Dem maß, dessen Ehre es galt: an G'tt! Darum mußte ihm alles, was er beginnen und was er vollenden durfte, immer so gering erscheinen, darum mußte er, von innerer Unrast getrieben, von Schöpfung zu Schöpfung schreiten, mußte er das Werk von K e r e n Hathora und Beth Jacob, in welchem andere ein bewundernswertes Großes anstaunten, als kleinen und bescheidenen Anfang werten, mußte er sich in ständiger Sorge verzehren, daß das Werk bleibe und werde! Aus dieser Bescheidenheit vor G'tt floß die Frömmigkeit seines Wesens, die vor jedem Wort des Tnach in demütiger Scheu stand, die ihm dieses Tnach zum großen Lebensdeuter werden ließ, in einem so beispiellosen Grade, daß er auch den andern dies Tnach einwurzeln und zur Quelle ihrer eigenen Frömmigkeit gestalten konnte, dies Tnach, zu dem der Frühverwaiste flüchtete und das der Sterbende nicht aus den Händen ließ. Diese Bescheidenheit vor G'tt ließ ihn zu einem Mann der Güte und des Wohltuns werden! Weil er sich immer von G'tt über-sein Verdienst -und seinen Anspruch beschenkt glaubte, gab er seinem Dankgefühl im unaufhörlichen. Beschenken und Beglücken anderer Ausdruck! Darum übte er Zedöko imr Stil eines Reichen und wenn der andere gar. ein Talniid Chqchom war oder ein Waisenkind, dann floß sein Herz über in Liebe und 'seine Hand in Leistung! Und vor sich selber war e rs t o 1 z , indem er an sich immer die allerhöchsten ■ Ansprüche stellte. Er ließ sich nie gehen, war. niemals kleinlich, eitel oder gar auf seinen Vorteil bedacht! Legier, an sein Tun einen strengen Maßstab, fühlte das Auge großer Ahnen* großer Lehrer, das Auge des Klal Jisroel' auf sich ruhen. > Diese unbestochene Selbstkritik, diese beharrliche Selbstzucht ließ ihn, der den vollen Schutz und den ganzen Segen elterlicher Erziehung nie genossen, zu einem Fünfer reifen, auf dessen Worte die rabbinischen und politischen Führer der Orthodoxie aufmerksam hörten. Und schließlich: j e n e M i s oh u n g von B e s c h e i d e n h e i t und Stolz den Menschen gegenüber, durch die er alle, die mit ihm in Berührung kamen, zu gewinnen wußte. Galt es s.eine Person, so war er völlig frei von der Sucht, zu glänzen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, Ehren zu erlangen; ja, die mit seinem Amt verbundene Repräsentationspfiicht fiel ihm schwer, weil sie ihn in das Licht der Oeffentlichkeit brachte. Er konnte jahrelang für eine Sache gekämpft, ihr den sicheren Siegerarbeitet haben und die andern dann frohesten Herzens nach der Palme greifen lassen. Er war der selbstloseste Arbeitsgefährte, der gefälligste Helfer, der immerbereite Kamerad — und in dieser Kameraddem Armen und Namenlösen gevielleicht noch aufgeschlossener als gegenüber den Angesehenen und Vornehmen! Und doch: galt es die Ehre G'ttes, die Lehre G'ttes, das Judentum, dann konnte er diese Bescheidenheit abwerfen und stolz und voller Kraft und Würde fordern und verlangen! Er pflegte oft, wenn er in einen Kreis von „Freien" kam, sich gleich zu legitimieren: „meine Muttergemeinde, das ist die Adas Jisroel in Berlin" — und damit war für ihn die Diskussion über den „Austritt" eröffnet und zugleich geschlossen. Im Persönlichen war er von einer großen Weichheit des Herzens, nachgiebig und anschmiegsam, im Sachlichen ging er seinen Weg ohne Kompromiß und Konzessi o n! Und auf dem Gebiet, von dem ihn alle andern Aufgaben niemals ganz abdrängen konnten, auf dem Gebiet des Unterrichtens, eine Kunst, die er genial verstand: außerhalb des Unterrichtes kannte er kein. Pochen auf Autorität und Ueberlegenheii:, während des Unterrichtens blieb er immer auf der Hohe des von seinem Beruf, seiner Berufung Durchdrungenen.; So war Leo Deutschländer ein wahrhaft großer Mensch; etwas' vom Großen und Ewigen lag über ihn gebreitet — **nn oVlS?T?» — UI*d idarüm war er in unserer Zeit einer derfAusgewählten *pö»n;tJii' n"?awn '.fä inn p in ' W> v;: Und die Wahrung und Segnung1 seines Andenkens bedeutet, recht verstanden, seinem Vorbild - nachstreben '^ä . eigen£i{. £ebjjfi die BUdung: *d^r ^Persönlichkeit <feh diesem Ideal zugewandt ist; "pöy31 nVew^ "vfo schaft genüber Kämpfer - Sammler - Säemann. von B/.Cohen>. >• '• : ,; Ein j.ejdes Zeitalter bewährt sein Eigenleben darin,' daß es über die Fehler des ihm vorauf- < gegangenen Geschlechtes zur Besinnung kommt. < Diese Besinnung kann sich in den verschiedens- \ ten Formen vollziehen, die wiederum vom Eigen- « leben der Besinnenden zeugend Sie kann je nach dem Charakter dieser: Menschen, zu einer stürmischen geistigen Revolution werden, ndie j stracks zum Gegenextrem führt;, sie kann im Ringen der Probleme den Menschen des Heute; mit der Weisheit des Gestern, und des Vor-' gestern bereioh^ Schaffen des Säenden führen,—3er den neu gewählten Weg unbekümmert fuin. ^das draußen herrschende geistige' Geschehen zu ende schreitet und vielleicht dem nächsten Zeitalter die Ernte überläßt. " Unser heutiges jüdisches Geschlecht,- —micht nur in Ländern'besonderer Gäluthtiot; und~ drohender Entwurzelung, — empfindet', kein? Befriedigung mehr in der vernunf tbeherrschten jüdischen Selbstbetrachtungsweise des; 19. Jahrjiüh^efts;_ e's kann sich auch nicht mehr in allen seinen Schichten/an der Vernunft t: e *nx:p e r i e rt«"n Darstellung jüdischen G'tt-Erlebens restlos begeistern, wie sie im Buber'schen Kreise gepflegt wird* \ Wie reagiert nun die: Gegenwart auf dieses Empfinden eines Mangels? Sie tut es in allen .drei anfangs gedachten Möglichkeiten,' und es .ist bezeichnend für die. Gesamtheit aller Nuancen des Judentums, daß; wir für die mittlere Art: dert. geistigen. Zeitenwende in der Hauptsache Autoreh zubenennen haben, die mit dem Judentum nie h t in Verbindung stehen. I. Wer einmal antirationalistische edle Raserei genießen will, vertiefe sich einmal in Schriften von Qskar Goldberg und E, Unger, „Vertiefe" ist hier mit Bedacht gesagt. Mit dem Schlagewort Antirationalismus ist es hier keineswegs abgetan. Hier herrscht vielmehr ratio und Erfahrungswissen auch auf Gebieten, vor denen das vorige Jahrhundert ängstlich die Tür zuzuschlagen pflegte. Aus der früheren Mythentheorie ist hier ein jüdischer Nebenzweig aufgewachsen, — ein Beobachten von Wirklichkeiten, die dem folgerichtig denkenden Eing'ttglauben zu Problemen werden, aber eben beobachtet worden sind und werden. Wer mit Sachkunde und mit auch nur durchschnittlichem talmudisch-midraschischem Wissen an bdie kühlten Konstruktionen dieser Schule geht, so besonders an das 1935 über (besser: gegen) Maimonides verfaßte, keinerlei Stellenhinweise enthaltende Schriftchen Gol-dbergs, wird nicht allzuschwer die vielen wahren Gedanken aus dem Wirrsal von Justament-Ideen finden. Er wird auch manches Problematische dieses Davka-Prinzips verzeihlich finden, wenn er sich daran erinnert, daß bei. sehr vielen Juden des vergangenen Zeitalters der Monotheismus etwas der Religionslosigkeit gegenüber Aengstliches an sich hatte, etwa als ob sie sagen wollten: Gönnet uns doch unser bißchen Religion, da wir doch ganz bestimmt nur an einen einzigen G'tt glauben! Hier nun, in der Goldberg'schen Schule, das volle Gegenextrem: Ein Zusammenbrechen vor den Wirklichkeiten des Ueberirdischen, wie es zuvor Manche höchstens der Urzeit zutrauten, ein Belebtsehen alles Geschehens mit „Völkergöttern" von angeblich gleicher ^Wirklichkeit „wie der „Wahlg'tt" Israels, ein Herbeizwingen der Erlösung durch den Befehl; Bediene dich des Wunders! Was in der überlieferten Lehre noch dem Eing'ttglauben schwer hinnehmbar erscheint, wird hier ohne Rücksicht iiherschärft.;Nicht die „Ordinierten" und Weisen :der Vorzeit sind die Träger des G'ttlichen in idiesem Weltbild, sondern auch die ganz „unmetaphysische" Gegenwart kann sich G'ttliches erstürmen, Ueberzeugt, daß die Urzeit allein „metaphysisch geladen" war, sieht Goldberg auch in dieser „Geladenheit" den alleinigen Grund zu den Gerichtsverhandlungen und Strafen der. Thora und leugnet alle die Ueberlieferurigen, welche diese Gerichtsbarkeit m;üblicher Weise detaillieren. Der .Eifer für die Sache bringt es dabei i; mit sieh,;. tdaß s klar entgegenstehende Angaben des . < ganz -rals einheitlicher Text anerkannten Fünfbuchjes außerachtgelassen werden; selbst vorm Gerichte?des Mose-, „wurde G'tt gefragt,/ w?as dem Verurteilten geschehen soll, da es; nicht ausdrückUph vgesagt w&r". Ein unmittelbares Sich vollziehen der Strafen also auch hier nicht! Aber „Fragen" sind hier nicht gewünscht; daß wir Fragen beantworten, heißt hier unser Fehler. An die Stelle der Textkritik tritt hier, eben ,die. „Gedankenkritik und zerstreut den lebten Respekt vor dejmrFäktum,lijdaß.iZUnächst: einmal «eSi n rWiarjt! dasteht . . ü t II." Als die NätürwisWns'chaip dei* wilden Spekulation zur ^hüthWne^Beöbachtühg fsich wendete, Vollzog auch di6 . jüdische R^ligiöhsges'etzesdeütung " diese5 Umkehrrf; Der üppig1!t>lühendejt Symbolsucne W arhr m und s.?■und S t ein h e im' s folgte die ges^£gebun<fene4 also zunächst faktentreue Deutung ^H ir-s c h^s'.^W&nn n^üesWs auch die Gesetzesdeutüng zuf^,ged[ankenkntischer" SpekulationT: neigt, — d^n'^entspricht" auch dies einem gleichzeitigen- Vorstoß - - .iüfc. ■ :- " . '!t$Vi*)k

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