Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1938)
- Date
- 1938-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4. August 1938 Der Israelit Nr. 31 Seite 5 Die Thöra uns-und den kommenden Geschlechtern zu erhalten, ist die unabweisbare Pflicht eines jeden Juden! Kannst Du nicht selbst durch „Lernen und Lehren" diese Pflicht erfüllen/so verhelfe wenigstens anderen dazu. Stütze und fördere den KEREN HATORAH! Keren Ha torah, Hamburg/Heinrich ßarthstraße 21,Postscheckkonto: Hamburg 24753 Der vollkommene Mensch. Zum dritten Jahrzeitstag von Leo Deutschländer b"M — (9. Aw. pm naw)- Von Wolf S._ Jacobson in Kopenhagen. 1. An die Worte im siebenten Satze des ersten Kapitels von Dworim DTi sprm 1X211 rftswm ina „im Gebirge, in der Niederung, im Süden und an der Meeresküste" knüpft Rabbi Schimaun ben Elosor (Bobo Kamo 91a) die Feststellung: nbrnii *ina -\h x>&v bvtww öaWi ttnW ^5 'f? pasrai aaaai „jeder Stamm in Israel hatte Anteil an Gebirge, an Niederung, an trockenem Weideland und an Tiefebene!" Im Talmud (Baba bathra) heißt es: „In „jener Welt" hat jeder Einzelne Anteil am Gebirge, in der Niederung und an der Tiefebene!" — Diese Talmudstellen sind gewiß ihrem einfachen Wortsinne nach zu verstehen, insbesondere wenn wir hier unter Njan Ö^IJ? jenes große „Einst" begreifen, wenn die nT>fltf nVlKA gekommen ist und vollendete Menschen auf G'ttes heiligem Boden leben und wirken. Vielleicht darf aber doch versucht werden, aus den Feststellungen . dieser beiden Talmudstellen Gedanken herauszulesen, die auch unser nTM D^W' unser Diesseits, bereichern und beeinflussen können. f 2. Im K3H £3^1?' da der Mensch ganz und vollendet ist, da wird jeder Mensch haben pas *in Vielleicht darf man in diesen drei Worten nicht nur geographische Begriffe, sondern, darüber hinaus, seelische Begriffe suchen und finden. ^n» der Berg, pötf' das tiefe Tal und TÖSW' „eine auslaufende Hügellandschaft" — die den Uebergang vom Gebirge zur Tiefebene vermittelt! Der Berg ist ein. Sinnbild des Stolzes, das tiefe Tal ein Sinnbild der Bescheidenheit, in der „auslaufenden Hügell'andschaft" ist jene Haltung der Seele, in der Stolz und Bescheidenheit sich mischen, gekennzeichnet. *" Im vollendeten Menschen ist alles vereinigt! Steht er vor G'tt — so ist er bescheiden, tief bescheiden; er weiß, was er ist: daß er nichts ist: „Und ich bin Staub und Asche" (Bresch. 18, 27) spricht Abraham — „wir, was sind wir" (Schmaus 16, 8) sprechen Moses und Aharon — „und ich bin ein Wurm und kein Mann" (Psalm. 22, 6) spricht David. Und darum spricht G'tt: „Ich liebe euch, denn selbst wenn ich euch Größe geben will, bleibt ihr bescheiden" (Chülin 89a.) Steht er vor sich selber, dann muß er voller Stolz sein! nnN *wk ap»* ]m (Psalm 47, 5) „der Stolz Jacobs, den Er liebt", das ist der Stolz, den der jüdische Mensch vor sich selber hat! Dieser Stolz wird sein bester Erzieher sein, versagt er im Kleinsten, dann wird er vor sich selber erröten, denn er legt einen strengen und hohen Maßstab an all sein Tun und Lassen. Sieht der Mensch, wenn er vor G'tt steht, sich, selber in all seiner Erbärmlichkeit und Schwäche, so soll er, wenn er vor sich selber steht, sich nach seinem Sollen begreifen: in ihm ist G'ttliches, die Seele! Um dieses G'ttlichen willen muß er aufrechte Haltung bewahren und diese Haltung nicht gefährden durch Kleinliches und Schiechtes, dem er sich hingibt. Dieser Stolz vor sich selber umgibt ihn mit einer Mauer, an der alles Gemeine, das sich von draußen an ihn herandrängen möchte, abprallt. T>ön '"TW1? '*T TPtW ruft uns zu, demütig vor G'tt zu sein, 'n'W *rnn '»'mVfordert von uns, stolzvorunsselberzu sein! Und schließlich r\bsw> jene Mischung von Stolz und Bescheidenheit — die be stimmt sein Verhältnis zum Nebenmen gehen! Im Fordern für sich selber ganz Tal, ganz bescheiden, im Fordern für G'tt ganz Berg, ganz stolz! Es ist jenes Verhalten, das in der Gemoro in Schabbos 104a angedeutet ist: „Der demütig gebeugte Getreue, der stolz aufrechtstehende Getreue, der demütig gebeugte Gerechte, der stolz aufrechtstehende Gerechte!" Der Getreue und Gerechte geht in tiefer Bescheidenheit durchs Leben, will man ihn aber, um des durch ihn vertretenen Prinzips willen ans Ende drängen, will von der Beleidigung seiner Person die Sache der Treue und des Rechtes treffen, dann soll er aufrecht, gerade, stolz und hohen Mutes voll seinen Mann stehen! Es gehört eine große Kraft der Selbsterziehung, ein großes Maß von Selbstkontrolle dazu, in jedem Augenblick genau zu wissen, wie man sich zu verhalten hat. Wir sind oft an falschem Ort stolz, an der verkehrten Stelle bescheiden, bescheiden, wenn es die Ansprüche gilt, die wir an uns selber stellen, stolz und von selbstverkennender Sicherheit, wenn wir vor G'tt stehen. Und im Verkehr mit den andern, auch da verwechseln wir oft die Dinge: sind höchst empfindlich und leicht gekränkt, wenn es um unsere Ehre geht, um unsere — meistens angemaßten — Rechte; sind gleichgültig und kühl, sind höchst bescheiden, werVi es G'ttes Sache gilt! f In einer Gemeinschaft von Menschen finden sich die verschiedensten Charaktertypen: Stolze, bescheidene, Halbstolze, Halbbescheidene, m einem Menschen vereinigt aber finden sich diese Haltungen der Seele — und immer am rechten Ort bewährt — nur ganz selten. Und darum verstehen wir: jeder Stamm in Israel konnte schon i m Diesseits den Berg und das Tal, und die Niederung zueigen haben, pajDi aajaY'nVswai ina la jnw uaw Va -f? pro im einzelnen Menschen sind diese Kräfte abernur so ausnahmsweise im richtigen Mischungsverhältnis wirksam, daß ihr voller und vollendeter Besitz dem „Idealmenschen", dem „Menschen des Einst", erst gehören wird: nVstpai nna •fr jw D^ro ms ^?a *p ps »an tbtyb pasrai 3. Und doch treten Menschen in unseren Lebenskreis, Seltene, Vereinzelte, aus deren Leben und Leistung wir erahnen, wie reich und groß die „einstige Welt" sein wird, in der solche Ausnahmen die , Regel darstellen werden. Für einen solchen Höhenmenschen will ich Zeugnis ablegen; für Leo Deutschländer H^XT dessen dritter Jahrzeitstag am Tischo b'Aw sein wird. Er stand mit all seinem Denken und Vollbringen vor G'tt — und darum mußte die der Gefährtin seines Lebens, die wenige Tage vorher dahingegangen war, ins Grab gefolgt ist. Eine Persönlichkeit eigener Prägung, hat er in Treue die Ideale seiner Jugendzeit durch das Leben bewahrt. Das schöne jüdische kleinbürgerliche Milieu seiner Heimat im Rheinland war in ihm verkörpert. Mit feiner Beobachtungsgabe, die durch eine langjährige Tätigkeit in Amerika geschärft, verstand er es meisterhaft, das jüdische Lebn, durch Tauroh und Mizwaus geformt, zu schildern. Zahlreiche Romahe, wie „Dämon und Phintias in der Judengasse", die die jüdische Heimat schildern, das kleine weitverbreitete Schriftchen „Sabbatstimmungen", legen ein beredtes Zeugnis ab von dem reichen Seelenleben und dem gütigen Menschen. Es ist ihm hauptsächlich darin gelungen, das Verständnis für den religiösen Ausdruck unserer Empfindungen zu erschließen und auch den der religiösen Praxis Fernstehenden tiefempfundene Liebe für die Heiligtümer, die das jüdische Gesetz in den Alltag hineinträgt, zu vermitteln. Die gleichen Motive haben ihn auch angeregt und befähigt, in der jüdischen Oeffentlichkeit hervorzutreten und so ist es ihm gelungen, — was bei den Juden Berlins um die Jahrhundertwende kein Geringes bedeutet — in Vergessnheit geratene jüdische Einrichtungen neu zu beleben. Insbesondere sei genannt die Chewra Kadischa, deren Neuorganisation auf ihn zatückstihihren ist. Auch die echtjüdische Einrichtung der jüdischen Altershilfe, von ihm „Esras Sekenim" genannt, die eine heute als bsonders segensreiche Einrichtung die bestehenden Altersheime ergänzt, verdankt ihr Entstehen seiner Initiative und seiner Tatkraft. So wird der hohe ideale Schwung und die Liebe zu allem Geistigen, die er in die Herzen seiner Zeitgenossen gepflanzt hat, auch den jüdischen Menschen der Gegenwart beistehen und das Andenken an diese starke Persönlichkeit auch der heutigen Generation zum Segen gereichen. —n. Aus Anlaß der zehnjährigen Jahrzeit Arthur Kahns bringen wir aus seiner Feder "eine bisher unbekannte poetische Schilderung des Freitagabends; Sabbat! Sabbat! heilige Nacht! Dir mein Herz entgegenwacht, Schabbos kodesch! Komm heran, Werktags Arbeit ist getan. Spende wieder, mir, dem Müden a Ruh und Deinen süßen Frieden, Schenk mir wieder neue Kraft, Die im Kampfe ist erschlafft. Laß mich ruhn in sel'ger Lust Wie einst an der Mutter Brust, Von des Lebens wilder Hast Such bei Dir ich stille Rast. Sabbat! heilige Sabbatnacht! Unser Tagwerk ist vollbracht. Schabbos kodesch, nah' uns wieder; Schon erschallen heilige Lieder, Schon erglänzt der Lichter Schein, Kehrt ihr Böten G'ttes ein. Scheuchet fort der Sorgen Schatten( Die der Seele Kraft ermatten. Schwer erträglich war das Leben, Wärest Du uns nicht gegeben. Hülfst nicht Du das Leid besiegen, Müßten wir im Kampf erliegen. Sabbat! heilige Sabbatnachtf Nah* mit Deiner hehren Pracht, Schabbos kodesch komm heran, Schon empfinde ich Dein Nah'n. Sonnenlicht ist schon verglommen, Und der Abend ist gekommen. Steig* herab in Jakobs Zelt, Meister, König, Herr der Welt. Vor des Lebens Hast geborgen, Frei von Mühsal und von Sorgen, Regt die Seele ihre Schwingen Und der Mund will Lieder singen; Scholaum alechem, Ihr G'ttesboten. Gruß! den Lebenden und Toten. Wochenkalender. Vom 6. — 13. August 1938 / Vom 9. — 16. Ab 5698 W jp rvoia Samstag 6 9 *a ym'» D'nrn niw Sonntag 7 10 m a«a r\wr\ Montag 8 11 ja Dienstag Aug. 9 3K 12 T» Mittwoch 10 13 na Donnerstag 11 14 w Freitag 12 15 m nwnn Samstag 13 16 na iarü 'V pnn*i mv