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Der Israelit · 1938-08-04 · Heft 31 (4.8.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 31 (4.8.1938)
Date
1938-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 31 Der Israelit 4. August 1938 Die Londoner Konferenz hat begonnen* London, 3. August. Die Fortsetzung der Evian-Konferenz begann hier heute nachmittag. Man erwartet nicht, daß dabei irgendwelche endgültigen Vorschläge auf dem Gebiete der Emigration aus Deutschland und Oesterreich diskutiert werden. Man wird vielmehr lediglich den Bericht des amerikanischen Immigrations-Sachverständigen, Herrn George Brandt, entgegennehmen und die Konstituierung der Permanenten Kommission, sowie die Ernennung des Direktors vornehmen. Es steht bereits jetzt fest, daß Vorsitzender der Permanenten Kommission Lord Winterton, Vizepräsidenten Myron C. Taylor neben drei anderen Diplomaten werden. Die Tagung wird wahrscheinlich schon am Freitag geschlossen. Als Direktor des Permanenten Amtes wurde erst der frühere Gesandte und intime Freund des Präsidenten Roosevelt, Mr. Norman Davis, genannt. Nach heutigen Informationen soll aber nicht Mr. Davis, sondern der 70jährige Anwalt, Mr. George Rublee in New York, zum Direktor des Permanenten Büros der Evian- Konferenz ernannt werden. Nur drei Wochen liegen zwischen Evian und London, doch durfte diese kurze Zeit genügt haben, um das Komitee in den Besitz von allen für seine Arbeiten nötigen Informationen zu setzen. Daß aller Augen bei der Bildung und hoffentlich erfolgreichen Arbeit des Sekretariates auf England und Amerika gerichtet sind, kam bereits in Evian zum Ausdruck und ist auch in der bedeutsamen Debatte im Oberhause vor kurzem ausgesprochen worden. Ein gutes Omen für die Verhandlungen in London bilden die vorausgegangenen Aussprachen in beiden Häusern des englischen Parlamentes, über die wir berichteten und nachstehend noch weiter referieren. Daß im Unterhause für die Regierung Lord Winterton sprach, der gleiche Winterton, der in Evian das führende Wort im Namen des englischen Imperiums hatte, ist besonders hervorzuheben. Die Basis für die Lösung ist bekannt: Nordamerika bietet noch unermeßliche Aufnahmemöglichkeiten und andere große Länder Südamerikas nicht minder. Vor allem aber werden die gewaltigen Räume des britischen Imperiums, zu denen es bisher keine Schlüssel gab, eine große Rolle bei der Lösung spielen. An die Tatsache, daß England, der Schutzpatron unseres Erez Israel, die Führung in dieser in seiner Hauptstadt tagenden Konferenz hat, dürfen schon einige Hoffnungen geknüpft werden. durch beharrliche Anstrengungen und großen Mut auf Seiten der Immigranten könne Erfolg erreicht werden. Er rege an, daß man eine Anzahl palästinensische Juden, die auf kolonisatorischem Gebiete Erfahrungen bereits gesammelt hätten, als Kern betrachten solle für " die von ihm vorgeschlagene Massensiedlung auf einem überseeischen Territorium. Die großen jüdischen Firmen der Welt müßten eine Anleihe garantieren, um den Plan zu finanzieren. Ich glaube nicht, so schloß Captain Cazalet, daß dieses Land oder das Empire leiden würden, wenn sie einer Anzahl der jüdischen Flüchtlinge von Zentraleuropa eine offene und großmütige Hand entgegenstreckte. * Für die Regierung sprach Lord Winterton in dem g'sichen sympathischen und vermittelnden Sinne wie tags vorher Earl Plymouth im Unterhaus. Captain Cazalet gegenüber betonte er erneut, das System der Infiltration im Gegensatz zur Massenimmigration. Auf einen Einwurf Locker-Lampsons, Transjordanien habe genug große, weite Räume für eine Masseneinwanderung, antwortete Lord Winterton, er besitze nicht die Kompetenz, über die Frage von Transjordanien zu sprechen, Winterton nahni dann noch die australische Regierung in Schutz, von der er sagte, sie werde alles Mögliche tun, um eine Lösung des Problems zu finden. Opposition gegen Evian. — M e 1 b o u r n e , 28. Juli. Die gesamte australische Presse wendet sich gegen die im Gefolge der Evian-Konferenz zutage tretende Tendenz, Australien zur Aufnahme einer stärkeren jüdischen Einwanderung zu drängen. Eine große Rolle spielen bei der Opposition die Medizin-Studenten in Melbourne, die eine Schädigung ihrer beruflichen Aussichten durch eine Einwanderung jüdischer Aerzte aus Europa befürchten. Speziell wenden sich die Zeitungen gegen eine Einwanderung in die Städte und gegen diejenige östlicher Juden. * * * - . . Auch die führenden Kreise Rhodesiens wenden sich, wie die „Times" aus S a 1 i s b u r y meldet, in scharfer Form gegen den Vorschlag, der britischen Regierung, 500 jüdische Emigrantenfamilien in Nord-Rhodesien anzusiedeln. Der Premierminister Süd-Rhodesiens,. H u g g i n s , gab am Montag eine Erklärung gegen die Ansiedlung ab, weil dies Wirkungen auch auf Süd-Rhodesien haben müßte. Eine solche Ansiedlung müsse es erschweren, Süd- und Mittelafrika unter britischem Einfluß zu halten. Die Ansiedlung von Ausländern in Nord-Rhodesien^ würde den einheitlichen Charakter der, Bevölkerung ändern und außerdem ein unerwünschtes; Minde'rheitenprobhem schaffen. Das höchste englische Gericht bestätigt ein Todesurteil in Palästina L o n d o n , 2. August. Das höchste Londoner Gericht befaßte sicham Freitag mit der Angeigenheit von Mordechai Schwarz, der bekanntlich vor einigen Monaten vom Jerusalemer Gericht unter der Beschuldigung, einen arabischen Polizisten erschossen zu haben, zum Tode verurteilt wurde. Schwarz, der aus einer orthodoxen Familie in der Tschechoslovakei stammt, bestreitet, den Schuß abgegeben zu haben. Als Anwalt vertrat Mr. Neville Laski die SachS; des Angeklagten. Die Revision wurde aber ver-i w o r f e n und das Todesurteil b e s t ä -, t i g t. Weitere Interventionen beim Hochkommissar, auch von Seiten der Äguda, werden unternommen. Die Debatten im Ober- und Unterhaus über das Flüchtlingsproblem. London, 3. August. Wie bereits in letzter Nummer berichtet, fand eine Aussprache im englischen Oberhause statt, an der sich u. a. Viscount Samuel, Lord R e a d i n g , der Bischof von Chiehester, Lord Allen und Lord M a r 1 e y beteiligten. Die Erklärung des Vertreters des Home Office, Earl Plymouth, die wir bereits ebenfalls skizzierten, besagt folgendes: Die Regierung hat das Problem der Flüchtlinge immer mit dem aufrichtigen Wunsche behandelt, zu seiner Lösung beizutragen. Die Entscheidung des Präsidenten Roosevelt, eine Konferenz zur Diskussion des Problems nach Evian einzuberufen, ist von der britischen Regierung mit großer Freude begrüßt worden. Es sei zu hoffen, daß die Ursprungsländer und deren Regierungen den Flüchtlingen in der Weise beistehen würden, daß sie sich in anderen Ländern mit einem gewissen Maße von Erfolg ansiedeln könnten. Diese Seite des Problems werde von der Regierung Englands ständig im Auge behalten. Was die Ansiedlung von Flüchtlingen in Ostafrika und Nord-Rhodesia betreffe, so müsse man der Regierung Zeit lassen, um das komplizierte Problem zu erwägen. Mit den Regierungen der Dominions stehe die Regierung in fortwährendem Kontakt, obgleich die letzte Entscheidung vollkommen den Dominions selber vorbehalten bleibe. In Bezug auf die Zulassung von Auswanderern aus Deutschland und Oesterreich nach England, erklärte Lord Plymouth Folgendes: „Die Regierung ist eifrig bemüht, Flüchtlingen, Sie in England Fabriken oder Werkstätten oder andere geschäftliche Unternehmen errichten wollen, oder die sich eine technische Ausbildung zur Vorbereitung einer Ansiedlung in anderen Ländern aneignen wollen, helfend zur Seite zu stehen. Freilich kann angesichts der Arbeitslosigkeit in England die Zulassung von Flüchtlingen nicht in großen Mengen erfolgen, und die Politik der offenen Tür ist eine, die sorgfältige Ueberlegung fordere." Zum Schlüsse erklärte Lord Plymouth, die Regierung sei geneigt, den Bestimmungen über die Einwanderung von Flüchtlingen in Zukunft eine liberalere Auslegung zu geben, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Das Problem könne jedoch nicht in einigen Tagen oder Wochen gelöst werden, obgleich er zu glauben wage, daß die Ergebnisse der Evian- Konferenz für die Zukunft sehr hoffnungsreich Das Unterhaus, das sich am Freitag bis zum 1. November ds. Js. vertagt hat, diskutierte im Rahmen einer reichhaltigen Tagesordnung in seiner Schlußsitzung nochmals die Refugee-Frage. Hauptredner war Captain Victor Cazalet, der ein umfassendes Bild von der Lage der Juden in Mittel- und Osteuropa zeichnete. Am bemerkenswertesten war in den Ausführungen Cazalets sein Bekenntnis zu dem Gedanken der jüdischen Massenkolonisation in einem geschlossenen Territorium, der ' damit eigentlich zum ersten Male offiziell im Rahmen einer P a r 1 a m e n t s d e b a 11 e zur Diskussion gestellt wurde. Cazaret sagte, für jeden Flüchtling, der durch das Werk der Evian-Konferenz auswandern kann, muß man dankbar sein, aber jeder, der das Problem ernsthaft studiert, wird erkennen, daß eine wirkliche Lösung nur auf einer viel breiteren Basis erreicht Verden kann. Wir haben ein Territorium ausfindig zu mächen, in dem Juden und Nichtarier eine Gemeinschaft für sich schaffen können, ohne ihre Nachbarn zu stören, ein Gebiet, in dem im Laufe der nächsten zehn Jahre Zehntausende von Familien sich ansiedeln und ihr Leben aufbauen können in der gleichen Weise etwa, wie es in Palästina der Fall war. Man darf gewiß hoffen, daß in glücklichen Zeiten Palästina selbst einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Problems leisten kann. „ Fortschritte bei der Massenkolonisation müssen ihrer Natur nach langsam sein und es wird große Schwierigkeiten zu überwinden geben. Nur Ihren FAnhnnf nach wie vor bei Geühom, Steinweg 9

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