Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1938)
- Date
- 1938-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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28/:V5üii ,193fr " ' D e r I s r a e Ii t Nr. 30 Seite 9 E R E Z ISRAEL Jüdischer Widerstand, Jerusalem, 20, Juli. Im Zusammenhang mit dem jüngsten Angriff von 300 Terroristen auf die Siedlung G i v ä t Ada führten Truppen eine Durchsuchung des benachbarten jüdischen. Dorfes A r a r a durch. Ein Teil der Einwohnerschaft leistete der Durchsuchung Widerstand. Es kam zu einem Kampf, bei welchem 12 Dorfeihwohner verwundet wurden. Hunderte in Palästina lebende jüdische Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika appellierten an den amerikanischen Generalkonsul von Jerusalem um .Schutz vor den Terroristen. Sie ersuchten den Generalkonsul, sich bei den britischen Behörden dafür einzusetzen, daß die jüdischen Autobusse, die die arabischen Viertel der Stadt durchfahren'" müssen, polizeilichen Schutz erhalten. Bis jetzt haben die Behörden Appelle von jüdischer Seite um erhöhten Schutz zurückgewiesen. Ueber ein Wunder der Geistesgegenwart eines jüdischen Arbeiters wird aus Haifa berichtet. Auf einen Autobus, in welchem sich jüdische Bahnarbeiter des Haifaer Zentralbahnhofes befanden, wurde eine Bombe geschleudert. Einer der Arbeiter schleuderte die Bombe, bevor sie niederfiel, auf die Straße zurück, WO Sie explodierte und einige Araber leicht verletzte. Gleichzeitig gab. der - den Autobus begleitende jüdische Wächter einen Schuß auf den arabischen Bombenattentäter ab, der diesen verletzte. Der arabische Mob, unter welchem sich auch die Terroristen befanden, bewarf dann den Autobus mit Steinen. Herbeigeeilte Polizei verhaftete sowohl den arabischen Attentäter, als auch den jüdischen Wächter. Traurige Bilanz. f London, 25, Juli. Im Unterhaus gab Kolonialminister Malcolm MacDonald eine Uebersicht über die Terrorakte, die sich in der jüngsten-Zeit in Palästina ereignet haben. Danach sind im Laufe der letzten 14 Tage bis zum 19. Juli 77 Personen getötet uni 2 47 verwundet worden. 32 Fälle von Terrorakten einschließlich Bombenwürfen waren zu /Verzeichnen. 52 mal ist aus dem Hinterhalt geschossen worden. 7 mal sind bewaffnete Raubüberfälle verübt worden. Eine Entführung ist vorgekommen. In Haifa wurden 26 Brandstiftungen festgestellt. Gegen jüdisches, arabisches und Regierungseigentum sind außerdem eine Reihe von Sabotageakten verübt worden. Weiter gab MacDonald bekannt, daß die Kommission, die die Teilungsmöglichkeit in Palästina prüft, ihre Erhebungen nahezu abgeschlossen hat und Palästina Anfang nächsten Monats verlassen wird. Wieder Juden vor dem Militärgericht. Jerusalem, 19. Juli. - Im Zusammenhang mit verschiedenen Anschlägen in Jerusalem werden demnächst fünf Juden vor das M i 1 i t ä r g e ri c h t gestellt werden. Zion Marjuk, der bereits dem Gericht zur Aburteilung übergeben worden ist, wurde verhaftet, nachdem *eine Bombe auf einen arabischen Autobus im Machneh Jehuda-Viertel in Jerusalem am 5. Juli geschleudert worden. war. . " » Erneuerung der Stadtverwaltung von Palästina. Jerusalem, 21. Juli. Der High Commissioner hat beschlossen, die Stadtverwaltung von Palästina nach dem Stande vom September 1937 zU(*erneuern. Die Stadtverwaltung wird daher aus 12 Mitgliedern bestehen: 6 Juden, 4 Moslems und 2 Christen, Außerdem werden noch 2 Araber von der .Regierung als Mitglieder ernannt, von denen einer Bürgermeister von Jerusalem ist. öie Entscheidung hat Bestürzung und Unwillen un-* t er den Juden hervorgerufen, denn sie bedeutet, daß der gegenwärtige jüdische Bürgermeister von Jeru-, salem, Daniel Auster,' durch einen Araber ersetzt wird, obgleich 60 Proz. der Bevölkerung von Jeru-; salem Juden sind. Der wahrscheinlichste Kandidat; ist der frühere Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi Bey. Jüdische Seefahrt. Tel Awiw, 21. Juli, Am 14, Juli wurde die Uebernahme des für den Ausbildungsdienst jüdischer Seeleute in Tel Awiw von der englischen Admiralität erworbenen und zu Ehren von Lady Reading benannten Motorbootes „Eva Reading" gefeiert. Auf der Terrasse des House of Gommons veranstaltete zur Feier dieses Ereignisses das Parlamentsmitglied Capt. Victor Cazalet einen Tee, an dem der Kriegsminister Höre Belisha, der Gesundheitsministere Elliot, Lord Rothschild, Lord und Lady Lloydt die Lady Reading und zahlreiche andere Gäste teilnahmen. Das Schiff wird in der nächsten Woche nach Tel Awiw abgehen. Es ist das erste Motorboot, das nach Palästina von -der „Palestine Seafaring Society" geschickt wird. Kindergärten und Tagesheime in Jerusalem, Tel Awiw und Haifa. (Aus einem Berichte.) Nach nahezu fünfjähriger Arbeit an Gründung und Ausbau unserer Kindergärten wollen wir unseren Freunden, denen wir für ihre stets bereite Hille Und ihr Interesse sehr dankbar sind, einen Bericht geben, aus dem sie im Wesentlichen das Erreichte und den Umfang der noch vor uns liegenden Aufgabe ersehen mögen. Im Kindergarten „Ohel Jacob" in Jerusalem . Zugleich möchten wir zur Kenntnis .bringen, daß wir den Namen unseres bei der Regierung als „Kindergärten und Tagesheime Beth Jakob" eingetragenen Vereins in „Ohel Jakob" abgeändert haben. Die Kindergärten wurden bekanntlich auf private Initiative gegründet; der Name „Beth Jakob" wurde — im Einverständnis mit dem Leiter-der Beth Jakob- Organisation--gewählt, um die Gleichheit der Erziehungsziele zu betonen, ohne daß wir der Beth Jakob-Organisation angehörten. Der Beschluß, den bisherigen Namen zu ändern, wurde, nach reiflicher Ueberlegung gefaßt, um in Zukunft bei unseren Freunden im In- und Ausland Verwechslungen mit gleichnamigen in' der Zeit unseres Bestehens .gegründeten Institutionen zu vermeiden. Der Namenswechsel bedeutet keine Aenderung in ideologischer oder organisatorischer Hinsicht. . Unsere drei Heime — in Jerusalem,. Tel Awiw und Haifa---erfassen ca. 200 Kinder, die aus den verschiedenen Herkunftsländern und aus allen sozialen Schichten des Jischuw stammen. Die Zusammensetzung des Kinderkreises ist in den drei Städten verschieden, es kommt in ihr jeweils das für sie und ihre Bewohner Typische zum Ausdruck. Jeder der drei Betriebe hat durch diese Verschiedenheit seine besonderen Aufgaben, auf die wir noch zu sprechen kommen. " Allen gemeinsam sind die Grundaufgaben, die wir in erzieherische, religiöse, pflegerische und soziale einteilen können; dazu kommen noch andere aus der Arbeit erwachsene Nebenaufgaben. Hier im Lande ist dem Kindergarten eine bedeutende pädagogische Rolle zugewiesen. Ist es doch ein Einwanderungsland, und der Kindergarten ist das erste Erez Israel-Milieü, welches das Kleinkind aufnimmt, In. der , Kihdergemeinschaft - verwächst es schnell mit der Sprache und den Lebensbedingungen des Landes; wir legen besonderen Wert darauf, an die Kinder die Wirklichkeit des Landes und seines Äüfbaus heranzubringen, und zwar nicht nur des sie umgebenden städtischen Geschehens, sondern insbesondere auch der Arbeit und des Lebens im Moschaw und Kibbuz, die sie durch Erzählung und in Spiel und Arbeit kennen lernen. Sehr häufig hat der Kindergarten wichtige Teile der häuslichen Erziehung mitzuübernehmen, da die Mütter beruflich, arbeiten oder durch Hausarbeit ohne Hilfe so belastet sind, daß sie schon aus Zeitmangel die Erziehung Kindergarten und Schule überlassen müssen. Andere Elternkreise bringen durch die oft zermürbenden Begleitumstände der Einordnung oder anstrengenden Berufsarbeit unter erschwerten klimatischen Bedingungen so große Opfer an seelischen und körperlichen Kräften, die ihnen oft die für die Erziehung notwendige Ruhe und Gleichmäßigkeit des Wesens nehmen, so daß ernste Erziehungsschwierigkeiten eine sehr häufige Erscheinung sind. Auf der anderen Seite wird die Aufgabe der Kindergärtnerin von den Eltern gerade darum hoch bewertet und ihr Vertrauen in einem Maß entgegengebracht, das ihrer großen Verantwortung ent pricht. Die Schule betont den Wert des Kindergartens als wichtige Vorbereitung, die meist das Kind erst schulreif macht. Zu den jedem Kindergarten gestellten Erziehungszielen gehören praktische Nützlichkeit, Selbständigkeit und Weckung und Pflege des Schönheitsempfindens; im Mittelpunkt steht die richtige Erkenntnis und Entwicklung der charakterlichen Anlagen, unterstützt durch das Hineinstellen des Kindes in die Kindesgemeinschaft. Bei der Charaktererziehung setzt die besondere Aufgabe des religiösen Kindergartens ein, dem das Religiöse die Grundlage jeder Erziehung überhaupt bedeutet. Nicht das Diktat soll dabei wirksam Werden, die religiösen We'rte werden vielmehr dem Kind vertraut und lieb durch die ungezwungene jüdische Atmosphäre des Kindergartens. Im einzelnen wollen wir Ziele und Wege unserer Arbeit nicht theoretischer Erörterung überlassen, sondern unseren Freunden Gelegenheil geben, sie sozu sehen, wie sie sich aus der täglichen Arbeit mit den Kindern ergeben und gestalten. Unseren Kindergarten besuchen die Kinder von 8 — 1 Uhr, im Tagesheim bleiben sie bis gegen 5 Uhr. Da das Tagesheim vor allem solche Kinder aufnimmt, denen es die häusliche Pflege ersetzen soll, ist es auch in den offiziellen Ferienmonaten durchgehend geöffnet und bietet in dieser Zeit auch häufig deren älteren Geschwistern einen gut ausgestalteten Ferienaufenthalt. In jedem Heim sind die Kinder nach Altersstufen in Gruppen eingeteilt; jede Gruppe wird von einer Kindergärtnerin und einer Helferin oder Schülerin betreut. Auf Wünsche aus dem Elternkreis haben wir seit einem Jahr besondere Gruppen für 2—3% jährige Kinder eingerichtet. Wenn diese Kleinen zu uns kommen, sind sie meist noch wie Babys, müssen noch gefüttert werden, sprechen noch wenig und schlecht, jedes Kind ist noch ganz auf sich selbst eingestellt und will alles für sich haben. Hier ist fruchtbarer Boden für Erziehungsanfänge. Nach 1 — 3 Monaten sieht man schon Fortschritte: Fast alle Kinder essen selbständig, decken den Tisch, räumen auf, sitzen ruhig Und konzentriert bei Arbeit und Essen. Der Tag im Kindergarten verläuft etwa so; Von 7 Uhr ab kommen die Kinder, schauen sich um, ob alles die gewohnte Ordnung hat, erneuern das Wasser für die Blumen, begießen die Pflanzen und helfen beim Abstauben und ein wenig in der Küche. Dann geht jedes Kind in das Zimmer, seiner Gruppe zum Freispiel. Freispiel — gut geleitet — ist das wichtigste und am meisten fördernde Erziehungsmittel. Jedes Kind\ wählt sich Spiel und Arbeit nach sei- - nem inneren Bedürfnis. Es gibt Kinder, die eine Woche oder einen Monat das Gleiche wählen, weil es ihrer Entwicklungsstufe entspricht, bis sie aus ihr herauswachsend Andere Kinder wieder wählen und führen nichts zu Ende,"" oder können sich überhaupt nicht zur Wahl einer bestimmten Beschäftigung entschließen. Hier greift die Kindergärtnerin nach guter Beobachtung vorsichtig ein, um das Kind zur Konzentration zu führen. Sie ist in den Stunden des Freispiels möglichst passiv, ihre Hauptarbeit besteht im Beobachten, sie greift nurdann helfend ein, wenn die Notwendigkeit besteht. Aus pädagogischen Gründen ist unser Material so zusammengestellt, daß es von jedem Spiel oder Material nur wenige Exemplare gibt, damit die Kinder gegenseitig verzichten, zusehen und abgeben lernen. — Nach dem Freispiel, wenn sich langsam alle Kinder im Gan eingefunden haben, wird in jeder Gruppe Modeh-ani gesagt. Beim darauffolgenden konzentrierten Turnen (15 — 20 Minuten) geben Kinder und Kindergärtnerin gemeinsam die Anregung für die Turnübungen, (Fortsetzung folgt,)