Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1938)
- Date
- 1938-07-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451040--83848-2541877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wenn jeder, der die Keren Hatorah-Ziele begreift, in die KeTOfi HotOTöh -SQrnnfieldoSe täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben gerecht werden. Dosen anfordern bei: Keren Hatorah, Hamburg 13,'Heinrich Barthstraße 21 Winter hat man vom frühesten Morgen bis in die Nacht hinein zu tun. Gut ist noch eine „Tienda" (sprich: Tiända), d. h. ein Geschäft, welches etwa unserem Manufakturwarengeschäft entspricht. Das muß man aber irgendwo draußen betreiben, auf dem Lande, in irgendeiner kleinen Stadt. Hier in Montevideo gibt es auch schon zuviele. Aber die Branche muß man kennen, das wissen Sie ja selber. Es ist hier außerordentlich schwer, sich durchzusetzen. Gut hat es jeder, der etwas ■von der Landwirtschaft versteht, der Radiofachmann ist usw. Für Frauen ist hier ein leichtes Unterkommen, wenn sie Hausarbeit tun wollen, Köchin oder Kinderfräulein spielen können. Man bezahlt im allgemeinen 15 bis 20 Pesos im Monat und Essen frei. Wohnung mitunter frei, Bettwäsche ist in jedem Falle mitzubringen. Frauen finden auch sofort Beschäftigung als Schneiderinnen, Putzmacherinnen usw. Als ungelernte Arbeiterinnen verdienen sie zu wenig. Ich kenne Frauen, die arbeiten in einer Kartonfabrik für 0,70 Pesos pro Tag, andere in Jumper- und Strumpffabriken verdienen 0,80 bis 1,50 Dollar pro Tag. Dann gibt es einige, die arbeiten in den zwei guten Konditoreien (Bedienungspersonal) und bekommen ein Gehalt von 15 Dollar pro Monat, haben aber Trinkgelder, und das immerhin soviel, daß sie monatlich auf 50 und sogar 80 Pesos kommen, was ja schon ganz groß ist. Ein hiesiger gelernter Arbeiter und auch ein ungelernter Arbeiter kann pro Tag etwa 1/75 bis 2,50 Pesos verdienen. Ein gelernter Arbeiter bis etwa 4 Pesos, wenn er nicht etwa Radiofachmann oder Strumpfwirker ist. Ein guter Strumpfwirker, der Akkordarbeit zu leisten hat und erstklassige seidene Damenstrümpfe herstellen kann an den neuesten Spezialmaschinen, verdient hier unendlich viel Geld, es ist der höchstbezahlteste Beruf, denn so ein Mann stellt sich auf monatlich etwa 250 bis 300 Pesos! Auch erstklassige Wollsortierer können hier verdienen, etwa 3 bis 5 Pesos pro Tag, auch Kürschner, solange Saison ist. Im Zimmer neben mir wohnt ein 22 jähriger junger Kaufmann aus der Seidenbranche, der hier „schweißen" gelernt hat und 4 Dollar pro Tag verdient, woraufhin er schon seine alte Mutter hat nachkommen lassen, mit der er jetzt in einem Zimmer zusammen wohnt (hier wird man sehr bescheiden). Korrespondenzen. Deutsches Reich. Von der Jüdischen Winterhilfe 1938/39. Berlin, 18. Juli. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentralwohlfahrtsstelle, als zentrale Trägerin der Jüdischen Winterhilfe, wendet sich auch in diesem Jahre an die jüdischen Künstler mit der Aufforderung zur Teilnahme an einem Preisausschreiben für die Jüdische Winterhilfe. Aufgabe der Jüdischen Winterhilfe ist es, alle Juden in Deutschland zum freiwilligen Opfer monatlicher Geldspenden im Rahmen der Richtlinien für die Jüdische Winterhilfe, zur Leistung der Eintopfspende (an den Eintopfsonntagen) und zur Teilnahme an der Pfundspende zu gewinnen, um die Betreuung aller jüdischen Hilfsbedürftigen während der sechs Wintermonate (Oktober 1938 bis März 1939) sicherzustellen. Verlangt werden graphische, zeichnerische, photographische oder in sonstiger Technik ausgeführte Bildentwürfe, die in Ausführung und Ideengehalt dem Sinn der Jüdischen Winterhilfe Rechnung tragen und sieh sowohl auf die allgemeine Werbung als auch auf die Werbung der verschiedenen Spendenarten (Geldspenden, Eintopfspenden oder Pfundspenden) beziehen und die zur Veröffentlichung in der jüdischen Presse oder für die Herstellung von Plakaten zum Anschlag in öffentlich-jüdischen Räumen ge-. eignet sind. Es ist vorgesehen, daß die Werbung für jede der Spendenarten in jedem der sechs Wintermonate wechselt. Beteiligen kann sich jeder Jude in Deutschland. Es sind drei Preise festgesetzt: 1. Preis: RM. 300, 2. Preis: RM. 240, 3. Preis: RM. 150. Der volle erste, zweite und dritte Preis wird zuerkannt für eine Entwurfsreihe für die allgemeine Werbung oder für die Werbung für eine der besonderen Spendenarten, die für jeden der sechs Wihterhilfsmonate ein wechselndes Bild vorsieht. Teilpreise werden dann zuerkannt, wenn nicht eine volle Entwurfsreihe, sondern nur einzelne Entwürfe preisgekrönt werden. Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe bleibt vorbehalten. Die Prüfung der Entwürfe und die Entscheidung über die Verteilung der Preise erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges durch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentralwohlfahrtsstelle in Gemeinschaft mit nach ihrem Ermessen hinzugezogenen Künstlern, künstlerischen Sachverständigen und Persönlichkeiten aus den jüdischen Organisationen. Die preisgekrönten Entwürfe bleiben Eigentum der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, die damit das Recht der Veröffentlichung und Vervielfältigung erwirbt. Wir fordern die jüdischen Künstler und interessierten Mitglieder der jüdischen Gemeinden zur Einreichung von Entwürfen auf. Die Entwürfe sind mit einem Kennwort zu versehen. Name und Adresse des Einsenders sind mit dem Kennwort zusammen in einem besonderen verschlossenen Briefumschlag einzureichen. Letzter Termin der Einsendungen ist der 15. September 1938. Die Anschrift für alle Einsendungen lautet; Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentralwohlfahrtsstelle (Jüdische Winterhilfe) Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158. Die Preisträger werden bis zum 30. September 1938 von der Zentralwohlfahrtsstelle benachrichtigt. Jüdische Winterhilfsarbeit. Dresden, 13. Juli. ■ Die Gemeinde veröffentlichte eine Uebersicht über die Jüdische Winterhilfe. Danach wurden 367 Parteien mit insgesamt 814 Personen unterstützt, davon 296 Parteien ohne Kinder unter 14 Jahren, 49 Parteien hatten 1—2 Kinder und 22 Parteien 3 und mehr, insgesamt 144 Kinder unter 14 Jahren. Dem Lebensalter nach zählten die 814 Unterstützten; Bis 6 Jahre 40, über 6 bis 14 Jahre 104, über 14 bis 21 Jahre 73, über 21 bis 35 Jahre 75, über 35 bis 45 Jahre 135, über 45 bis. 65 Jahre 266 und über 65 Jahre 121. Davon waren 386 männlich, 428 weiblich. Dem Beruf nach waren die Unterstützten: Landwirte (3), selbständige Handwerker (18), Handwerkergehilfen (20), gelernte Arbeiter (21), ungelernte Arbeiter (43), Vertreter (36), Händler (54), selbständige Kaufleute (94), kaufmännische und Büroangestellfe (73), freie Berufe (27), Hausangestellte (13, nur weiblich), Rentner und Pensionäre (19, nur männlich), Hausfrauen (275), Schüler (149). Ohne Beruf waren 39 (nur männlich). Unter den 814 Unterstützten waren 52 Nichtjuden, davon 42 weiblich. Die Jüdische Mittelstandsküche zählte 1937 36 851 verausgabte Portionen. Davon kommen auf Selbstzahler 8511 und auf unterstützte Personen 28 340. jüdisches Volkstum aufbaut. Es ist und bleibt unser Hoffnungsquell in allen Stürmen und Nöten unseres Volkes. Wir haben einen Edelstein, der auch im Dunkel der Golusnacht strahlt und leuchtet, solange wir unverfälscht und ungetrübt die Reinheit des jüdischen Hauses erhalten und in ihm den Jungbrunnen unserer Kraft und Widerstandsfähigkeit sehen. Da sind Israjels Frauen berufen, treue Wacht zu halten und das jüdische Haus immer wieder mit heiligem Sinn und in edlem Nachstreben zu einem Bnpö 0SÖ ZU einem rechten Heiligtum der Religion zu weihen. „Warum soll schwinden der Name unseres Vaters?" des Allvaters im Himmel, — solche Reds im Munde unserer Frauen klingt hundertfältig wieder und wird \VBV13 zu Motto und Gesetz allenthalben in Israel, — wo immer wir im Wandel der Zeiten unser. Leben zu meistern haben, — und auch zum Quell der Zuversicht in diesen Wochen der Trauer, in der wir klagen um den verblichenen Glanz unserer großen Vergangenheit, damit wir geläutert zur Selbstbesinnung uns durchringen. Was einst die Töchter Zelofchads verlangt, ist Jüdisches Recht und jüdische Weise geworden und bleibt ewiger Trost und unvergängliche Hoffnung.__=====___ Kleines Feuilleton, Die Nachkommen der „zehn verlorenen Stämme". Im Londoner „Zionist Review" berichtet Dr. A. 'Goldstein über die „Bene Israel" in Indien wie folgt: Die interessanteste jüdische Gruppe, welche ich;auf meinen Reisen kennen lernte, sind die „Bene Israel" von Indien. Sie leben schon mehr als zweitausend Jahre in Indien und es ist beinahe sicher, daß sie schon vor der Zerstörung des zweiten Tempels dort ansässig waren. Nach Ansicht einiger Gelehrter, die sich bemühten, die Vergangenheit dieser Juden zu entschleiern, handelt es sich hier um Nachkommen der „zehn Stämme" Israels, die von den Assyrern in die Verbannung geführt wurden, und von denen angeblich ein Teil nach Indien verschlagen wurde. Bis zum 19. Jahrhundert waren die Bene Israel von der restlichen Welt gänzlich abgeschnitten und hatten keine Ahnung von der Existenz der Juden in anderen Ländern. In der äußeren Erscheinung hatten sie sich vollkommen der eingeborenen Bevölkerung angepaßt. Sie sprachen dieselbe Sprache (Marathi), trugen die gleichen Kleider, hatten dieselben Gebräuche wie ihre Nachbarn, die Hindus. Die Mehrzähl von ihnen lebte als Landarbeiter in den Dörfern von Konkan in der Nähe von Bombav. Diese armen Bauern aus Konkan konnten, als sie im 20. Jahrhundert mit europäischen Juden in Berührung kamen, weder lesen noch schreiben. . Sie besaßen nicht ein einziges hebräisches Buch. Fünfzehntausend an der Zahl, waren sie unter 320 Millionen Hindus der. verschiedensten Glaubensbekenntnisse und Religionen verstreut. Trotzdem hatten sie ihr nationales Bewußtsein bewahrt, sie behielten durch mehr als zweitausend Jahren hindurch ihre „israelitische" Identität, und zwar in einem solchen Maße, daß sie noch immer die Hauptfeiertage und wichtigsten Gebräuche einhielten, die ihnen von ihrer palästinensischen Vergangenheit zurückgeblieben waren. Der Sabbat, Rosch-Haschanah, Jom-Kippur, Pessach und Brith Milah wurden streng gefeiert. Was die hebräische Sprache betrifft, erinnerten sie sich nur an ein einziges Gebet von sechs hebräischen Wörtern: die ersten sechs Wörter des „Schmäh Israel", Obwohl arm, ungebildet, ein kleines Häuflein zwischen Millionen Menschen, waren sie ihren Vorfahren immer treu geblieben und waren stolz auf ihr Volk und ihre Vergangenheit. In der letzten Zeit haben die Bene Israel aus den Dörfern in die Städte zu ziehen begonnen, wo sie die Gebräuche der europäischen und der Bagdad- Inseln annahmen. Unter den Wundern der jüdischen Geschichte ist dieser Stamm der Bene Israel, der sieh zweitausend Jahre zwischen den Millionen Indern erhalten hat, eines der größten Wunder und ein lebendiges Beispiel für die unglaubliche Lebenskraft und Zähigkeit des jüdischen Volkes. Palästina in Vergangenheit und Gegenwart. Im soeben erschienenen Juniheft der „Monats« schritt für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" bespricht I. Elbogen die Funde von Lachisch. I. Heinemann beleuchtet das Problem der Makkabäerzeit. H. lehnt die These, Antiocho habe auf Anstiftung von Männern gehandelt, die das Judentum „zeitgemäß" umgestalten wollten, ab und meint, daß sich der Glaubenszwang vorwiegend aus der Erbitterung des leidenschaftlichen Königs über die Ablehnung des Staatskultes durch die Juden erklärt. S. Kr a u s s bespricht Typen der Städtesiedlung in Palästina zu Ende des Mittelalters, S. Klein berichtet über neuere Arbeiten zur Kunde des Landes und seiner Geschichte.