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Der Israelit · 1938-07-21 · Heft 29 (21.7.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 29 (21.7.1938)
Date
1938-07-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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mF*--— Seite 4 Nr. 29 nig und sie zittern G'tt und Seiner Güte entgegen, am Ende der Tage!" Wir haben die dreifache Abkehr in den hundert Jahren Emanzipation nacheinander erlebt. Es begann, gleich nach dem Tode von Mendelssohn, mit der Abkehr von G'tt, mit der Assimilation bis zur Mischehe und zum Taufbecken. Es folgte eine Abkehr vom Davidischen Hause und vom heiligen Tempel, mit der Streichung aller Gebete, die vom Messias, von Zion und Jerusalem und vom Bes Hamikdasch sprechen. Das Orgelpräludium, das diese Aera einleitete, übertönte laut alle Mahnrufe, alle Warnungen, nicht allzuweit vom Vaterhause abzuirren, Irrlichtern entgegen. Wir hören nun das E p i ludium! . . . Wir sind nicht so optimistisch, um in den obengenannten kleinen Rücketappen die volle Einkehr und Umkehr zu begrüßen. Allein Hosea verstehen wir: ")2W> lilKV Nach alldem kehren sie um, Wp2V ein Suchen nach G'tt ist es mindestens, ein Suchen nach Halt und Lebensinhalt, ein Suchen nach Heiligkeit, wenn auch Suchen noch nicht letztes Finden ist. (Aus einem Brie! an den Hilisverein.) Die Ansprüche der Landbevölkerung sind Null. Der Hiesige ist zufrieden, wenn er tagtäglich Mate trinken und Unmengen von Fleisch essen kann. In Montevideo gibt es auch alle uns bekannten Gemüsearten, auch Brot und Brötchen, ungefähr so, wie wir es gewöhnt sind. In der Campaga ist Gemüse ein beinahe unbekannter Begriff, es ist teuer und sehr selten, Ebenso Butter. Die Hiesigen mögen keine Butter, kochen alles in Oel und zum größten Teil der Billigkeit wegen in Erdnußöl, wenn nicht gar Sojabohnenöl. Meist wird eine Mischung genommen von 20 Proz. Olivenöl und 80 Proz. Mani (d. h. Erdnußöl). * Im Gegensatz zu Brasilien ist hier einfach alles vorhanden, und der Bedarf ist gering. Es gibt hier große Tuchfabriken, davon zwei mit mehr als je 1000 Arbeitern. Es gibt hier Zement-, Glas-, Aluminium- und Papierfabriken und auch noch viele andere. Eine durch die Juden hergebrachte Industrie ist die Strickindustrie : Wolljumper, Badeanzüge usw. Es gibt zwei oder drei Strumpffabriken (seidene Strümpfe bester Qualität], und es gibt unendlich viele Wäsche- und Oberhemdenfabriken. Hier sind herrliche Geschäfte, die ganz getrost in Berlin stehen könnten, und zwar da, wo Elijahus dreifache Mission. Der Ausspruch der Weisen ">b& ni Dfu'B wird allgemein so verstanden, daß wie Pinchas in der Sidra uns auch Elijahu Wert und Wesen des wahren Friedens zeigt. Er ist nicht schwächliches Nachgeben um jeden Preis, sondern atmet jenen Frieden, den G'tt durch Macht seinem Volke verleiht, ein en^r, der auf Ti? beruht. Pinchas begeht eine mutige Rettungstat, die ein Opfer erfordert und er wird des tn-bv vcn, des „g'ttlichen Friedensbundes" gewürdigt. Elijahu tritt unerschrocken vor König und Königin, um ihnen den Spiegel ihrer Untaten vor Augen zu halten, hält scharfe Abrechnung mit den Baalspropheten und ist für alle Zukunft des jüdischen Volkes der Prophet des Friedens, der die Herzen von Vätern und Söhnen einigt. Der Dichter des Elijahu-Liedes für Sabbatausgang nimmt die talmudische Identifizierung von Pinchas und Elijahu wörtlich. Die ganze erste Strophe 'ui Krp> -ivs w$ handelt von Pinchas, um in der zweiten Strophe auf Elijahu überzuleriken, dessen Augen ,,zwölf Generationen gesehen haben." In den drei Titeln, mit denen hier der Prophet geschmückt wird, ,ny'?J ."»awri ,R">ai erblicken manche Erklärer die dreifache Aufgabe Elijahus. Er kommt als Künder des Moschiach, also als «'aaäaVö "717 riKV Man bekennt sich wieder zu David, zu einer jüdischen Hoffnung und einer jüdischen Zukunft, die an den Messias aus dem Hause Davids anknüpft. Man weiß wieder um die Trauer des neunten Aw und weiß, daß die Orgelregister die alten hebräischen Klagelieder nicht übertönen können. Als Symptom, als ein "NPj?lV als eine Hoffnung mindestens, wollen wir dieses noch leise Aufdämmern der besseren Erkenntnisse begrüßen. "QID bin n bx Tfflöl- Man zittert G'tt' und dem von Ihm kommenden Glück entgegen. Es wäre wohl besser gewesen, und es war der Wille G'ttes, daß ]VS,b daß wir in Jubel den Gang nach Zion antreten. Wir waren nicht stark und würdig genug für den Jubelzug, so zittern wir nun letzten g'ttlichen Zielen entgegen. Es sind letzte Ziele D,'»,n rPnnx> Wir triumphieren nicht. Nicht mit der Freude des Selbstgerechten, aber mit einer gewissen Hoffnung hören wir das uns von allen Seiten entgegentönende Epiludium .' es am feinsten ist. Wunderbare Auslagen, und die Brasilianer staunen über den Reichtum, der sich so offenbart. Einen solchen Luxus kennt man in Sau-Paulo nicht, Dort ist Bedarf, hier Ueberproduktion. Die Wohnungen und Häuser werden fast ausschließlich durch die Banken vermietet. Die Mietsbedingungen sind überall gleich: mindestens 6 Monate Deposito (für 6 Monate Miete) sind bei der Bank zu hinterlegen und bleiben dort gegen Verzinsung von 3 bis 3,5 Proz. stehen als Sicherheit. Die allmonatlich fällige Miete ist dann stets am Monatsende fällig bezw. bis zum 10. des folgenden Monats. Hier zahlt man also nichts im voraus, sondern hinterher. Die von mir angenommenen 40 Dollar sehen aber in Wirklichkeit so aus: Miete 40 Dollar, dazu kommt: Türsteuer, Müllabfuhr, Wasser, Licht- und Kraftstrom 5 Dollar bei bescheidenen Ansprüchen. Das sind dann aber schon 45 Dollar, und dazu kommen dann noch an Fahrgeldern etwa 5 Dollar, denn solche Häuser liegen nicht im Zentrum, so daß also 50 Dollar monatlich auf die eine oder andere Art zu bezahlen sind. Das Anfangsgehalt eines Neuankömmlings, sofern er der übliche Kaufmann ist und entweder handeln gehen oder Arbeit (Handarbeit) suchen will, dürfte aber 25 bis 30 Dollar in den meisten ■■MMaMBHBBWWIWWMWaraMWWMBMMMMawWMaMaacCTaBBwaw Er kommt ferner, nach Mischna, als letzte Instanz zur Entscheidung aller strittigen Fragen und Probleme, also als ">3vn- (so wie nvtfrip p/r »atwö- Er kommt schließlich, Israel in all seinen zerstreuten Teilen zu sammeln, als njfa» als Erneuerer des Bruderbundes beim t?—8*33- Ein „großer" Buchstabe. Von Rabbiner Dr. M, Lewin in Hamburg, Die Erhabenheit und Heiligkeit unserer Thora heischt von uns ewiges Versenken in sie, Erforschen und Ergründensuchen aller ihrer Sätze, Worte und Buchstaben. Nichts ist in ihr ohne Absicht und Zweck, alles Weisheit aus dem ewigen Quell aller Weisheit. Das lehren und bezeugen uns immer wieder die Großen und Größten unseres Volkes, in deren Licht wir Licht schauen, die mit ihrem tiefgründigen Verstände in ganz wunderbarer Weise unsern Sinn auch für die leisesten und schwächsten Andeutungen unserer Lehre schärfen. Ganz bedeutungsvoll weisen unsere Lehrer auf einen Satz unserer Sidroh hin, auf den Satz, der mit einem in seiner Form in die Augen fallenden Buchstaben schließt: "x ''isb T,xssvn ns rmn a-ip'i „Da brachte Mosclie ihren Rechtsfall vor G'tt". Das nach der Ueber- Iieferung groß zu schreibende 2 kann nicht übersehen werden und soll offenbar das Vorgehen der Töchter Zelofchads ins rechte Licht setzen. Nicht Sucht nach Hab und Besitz trieb sie in ihrem Wunsche, bei der Verteilung des heiligen Landes als die einzigen Erben ihres in der Wüste verstorbenen Vaters berücksichtigt' zu werden. Es ist das heiße Verlangen und pietätvolle Sehnen der Kinder, ihrem Vater, der ohne männlichen Nachkommen ge- Fällen kaum überschreiten. Die .Verzollungs¬ und- Transportkosten für den Lift, die ersten Wochen „Leben" usw. werden gar nicht mitberechnet. Bloß nachher stehen die Herrschaften da und wundern sich ganz entsetzlich darüber, wie schnell die mitgebrachten paar Sechser alle geworden sind. Dann aber heißt es: Wie komme ich nur aus meinem Wohnungsvertrage raus, ich kann allerhöchstens ein leeres Zimmer bezahlen! Und das muß im Zentrum oder in der Nähe der Arbeitsstelle liegen, damit ich Fahrgeld spare. Ohne Sprache ist man hier ein ungeborenes Kind, denn keine hiesige Firma wird einen Sprachunkundigen als Angestellten engagieren, höchstens als gelernten oder ungelernten Arbeiter. Meine Frau näht bei einem polnischen jiddischen Schneider, ist im März zwei Jahre auf ihrer Stellung. Sie hat erst 1 Dollar, dann 1,50 und jetzt 1,70 Dollar verdient. Höher kann sie nicht kommen, denn in dieser Branche zahlt man eben nicht mehr. Ich habe 10 Monate lang bei einem Holländer in einer Zigarettenfabrik als Arbeiter gearbeitet und 1 Dollar pro Tag verdient, zuletzt pro Woche 10 Dollar. Höher konnte ich auch nicht kommen. Viele Neuankömmlinge fangen Geschäfte an und verlieren dann natürlich allerschnellstens alles. Sie kennen weder Sitte, noch Gebräuche, kennen auch die Geschmäcker und den Bedarf nicht, und schon ist die gerade neuaufgemachte Bude wieder zu. Viele Einwanderer kaufen sich, weil sie eben absolut nichts anderes finden, eine „Lecheria"' (sprich: läscheriia). Leche (Latsche) ist Milch. Eine Lecheria verkauft; Milchprodukte, auch Brot und Brötchen und solche in den Rahmen passende Artikel, auch Bier, Brause, Siphon usw. So eine Lecheria ist geöffnet von morgens um 6 Uhr bis nachts 11 Uhr. Es ist meist eine Reparte vorhanden, d. h. es sind eine Anzahl fester Kunden vorhanden, denen man die Milch zuträgt. Manche Lecherias geben auch Essen. Das ist immer ein ziemlich sicheres Geschäft, ohne viel Risiko, aber eine einigermaßen anständige, kleine Lecheria erfordert doch ein Kapital von etwa 1200 bis 1500 Pesos. Andere wieder fangen einen Almacen an, aber das muß man schon kennen; denn dazu gehört viel Kapital, wenn man nicht krebsen will. Auch eine Panderia: Brotverkauf. Alles das sind, Geschäfte, bei denen Centesimos verdient werden, an 1 Liter Milch, der 12 Centesimos kostet, wird 2,5 Centesimos verdient. Bei allen Geschäften ist man angebunden, d. h. man kommt niemals aus der Bude 'raus. Tag und Nacht und Sommer und blieben, in dem von ihnen erbetenen Erbteil ewiges Gedenken zu sichern. Deutlich genug, überzeugend- und eindringlich, wahrhaft wenn, nwan» weise und schriftgewandt, begründen sie ihren Erbanspruch: '131 mnsB?» ■pna rras av sna» n»S> „Warum soll der Name unseres Vaters aus der Mitte seiner Familie schwinden, weil er keinen Sohn hat?" In Erfüllung ihrer Kindespflicht stehen sie vor dem Lehrer und Meister. Dieses Bewußtsein gibt ihren Worten ihre besondere Note und Bedeutung. Ihr Rechtsfall pss?» zeugt von der edlen Gesinnung dieser Töchter, von ihrer mit heiligem Eifer und tiefem Scharfsinn vorgetragenen Idee. Ob auch in den Augen des Lehrers die eben so tapfer vertretene Forderung wirkliches Recht war, ]onv>n m HP» a-ip'v so brachte Mosche doch diesen Rechtsfall vor den Richterstuhl des ewigen Richters, daß Gesetz, ewig unverrückbar gültig wurde, was diese Frauen vorgetragen. Und ihre lautere Gesinnung wurde auch gekrönt, daß der Herr entschied: r-)"m insVx 71133 p „Recht reden die Töchter Zelofchads". Dieses G'ttesurteil ist ein Ruhmeszeugnis für die, die es herausgefordert und das jüdische Erbgesetz bereichert haben, die mit ihrer Redeführungt mit ihrer Darstellung für die reine, lautere Gesinnung, die sie beseelte, zeugte und darum für ewig würdige Vorbilder ihrem Geschlechte sind. Von den Töchtern Zelofchads lernen die frommen jüdischen Frauen aller Zeiten nicht abseits vom Wege zu bleiben, wo es gilt, für G'tt und Judentumsrecht zu werben und mit aller Kraft der Ueberzeugung sich einzusetzen. Das „jüdische Haus", in dessen Mittelpunkt das jüdische Weib im frommen Walten als Gattin und Mutter, steht, hat einst in Bilearifs Munde das Wort des Fluches in Segen gewandelt und ist der eherne, granitne Boden geblieben, auf dem sich unser von dem Geiste unserer Lehre getragenes. Berufsmöglichkeiten in Uruguay.

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