Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 28 D 1 s r a e 1 i t ste Jii&1938 , . , ■ /.;., ■ - h Ebenso ist die Stelle Nidda 23 nach , dem Pschat gar nicht anders als wie ich es tat,, zu deuten. piri'A bedeutet (wie die Randnote bemerkt) nicht Freude, (r-rwfr-ipnx und pnxos *m übersetzt Jonathan mit pmih sondern lachen, spaßmachen. Oder hat der Sadduzäer der Sanh. 39 a zu Rabbi Abuha sagte; Ntm jana o^p»^»' (was Raschi erklärt: er spottet seiner Propheten) sagen wollen: Euer G'tt' erfreut den Ezechiel mit Seinem Befehl? So sind die Einwände Breuers '"3 hinfällig. Aber auch die iGrundtendenz meines Aufsatzes kann unmöglich die Größe und Einzigartigkeit unsrer Talmudmeister verringern. Ich glaube ganz im Gegenteil, und darin hat mich manche begeisterte Zuschrift von Kollegen und Sachverständigen und der Beifall, den meine ursprünglich als Vortrag in der Hamburger Klaus vor Lamdonim und Rabbonim gehaltenen Darlegungen s. Z. gefunden haben, nur bestärkt. Meine Darstellung zeigt die originale geistige Eigenständigkeit jedes Einzelnen unsrer Amora'im, die durch die allbesiegende Kraft des Lehrh'auses zu der überwältigenden Harmonie der Geister geführt worden sind. ' - Oberrabb. Dr. Carlebach. Bücherbesprechungen. nawft ww'i 'Kraam bv vrmbn Von Gerschom Scholem. Schocke n- Verlag, Jüdis c h er Buchverlag. Die Sabbatai Zwi-Litoratur ist umfangreich und schießt heute noch auf schöngeistigem wie wissenschaftlichem Feld üppiger in die Höhe, als erwünscht erscheint. Man kennt die Kräfte und die •Menschen, die der Bewegung Sabbatais den Schwung verliehen, sich wie eine reißende Flut über die Judenheit der ganzen Welt zu ergießen, zumal die Zeit nach den Chmelnitzkimetzeleien in hohem Maße den Boden für jene gefährlichen Träume und Träumer auflockerte. Man: kennt den falschen Propheten Nathan aus Gaza und auch Abraham Jachini, der Sabbatai falsche Dokumente in die Hand spielte, die seinen Ehrgeiz bis' zum Wahnsinn anstachelten. Man weiß um seine Emissäre im Orient und Okzident, r Weniger bekannt ist aber jenen Mordechai Aschkenasi, dem Schalom und der Schocken- Verlag mit diesem Büchlein ein Denkmal setzen. Der '„Mekize Nirdanim", der ungemein wertvolles Material aus jener Irrlichter-Periode an den Tag gefördert hat, ist an den Träumen des Mordechai, des Schülers von Abraham Rowigu, vorübergegangen. Das 'wird jetzt von Schalom durch die Veröffentlichung . des Tagebuches Mordechais, eines führenden ' Sabbatianers, mit einer Liebe und Gründlichkeit nach- <geholt, die einer besseren Sache würdig wären. Man ■ sollte meinen, daß das Judentum den bösen S. Z.- TraUm im Ellul 1666 endgültig abgeschüttelt hat. Von den nachwirkenden Alpdrücken müßte es sich (auch in der Wissenschaft) endlich ebenfalls befreien. Mordechai Aschkenasi ist in der jüdischen Lite- .ratur durch ein kabbalistisches Standardwerk Oman (gedruckt in Fürth im Jahre 5461) bekannt. .In den Kommentaren und Randglossen zu Soharstellen in diesem Werke ist nicht die geringste Anspielung auf S. Z.' und keine Spur von sabbatiani- . sehen Ideologien zu finden. Durch die Veröffentlichung seiner Manuskripte,, die ihn als glühenden Sabbatianer (ohne Abkehr von Glauben und Tradition) ausweisen, steigt er nicht sehr in unserer Achtung;r Wir finden in diesem hebräisch gehaltenen Buche die Biographie Mordechais, . eine Schilderung seines. Wirkens,: iti Polen, eine Charakteristik seines Manuskripte^ ' und . aüch einehistorische Wertung desselben, all 'das in, der bekannten Scholem'scheri Gründlichkeit.' Wir erfahren aus dem Buch, daß'auch; der Lehrer Mordechais, Abraham Rowigu, im Gegensätze, zu den alten Sabbatianern, das' Fasteri. des 9/ Ä1> wieder einsetzte und unter allen; Umständen beibehalten wollte. Zum Interessantesten dieses Buches gehört der Nachweis von der Einstellung der Sabbatianeranhänger zu Erez Israel. Daß sich einige Stellen dieses Werkes wie eine Rechtfertigung und Rehabilitierung mancher „ehrlicher Sabbatianer" und ihre Verteidigung gegen Vorwurfe von^R. Jakob Emden ausnehmen, berührt uns nicht angenehm. —tz. Von jüdischer I Gemeinde - und . Gemeinschaft Von Kurt -Wilhelm. Schocken-Verlag, J ü d i sc h erBuchverlag. In einer Zeit, da kleine und Mittelgemeinden nacheinander liquidieren, ist es von ganz besonderem Reiz« Steh in historische Dokumente alter Kehilloth in der Welt zu vertiefen. Sorgen und Leiden, Aengste, aber auch frische Kraft in schweren und geruhigen Zeiten hinter den Ghettomauern sprechen aus jenen alten Papieren, Da sind Länder und Städte aufgeführt, von deren einstiger Pracht nur noch diese alten Dokumente als papi.erene Zeugen verblieben sind. Wir lesen die Statuten der Gemeinden auf Kreta aus -jp.--- dem .13. Jahrhundert. Aber auch die Schulverfassung. atMi'N p r d f r a n k r e i c h aus dem * gleichen Jahr^v hundert ist heute Literaturgeschichte nur. Es war eijmiai/,. . . Die Vorsehriff über die Wis> s trn g1 c h a f t e n ,f aus der Zeit des „Rosch" und „Raschbo" in Barcelona behält allerdings ihre prinzipielle Bedeutung über die Zeit und das Land, die sie hervorgebracht haben, hinaus. Wußten es alle, daß es in Saragossa um 1336 eiixe jüdische Schuhmachergilde gab, die ihre Statuten hatte? Man kann sie in diesem Büchlein nachlesen. 1603: tagte in Frankfurt eine Rabbinerve rsammlung, es war die Zeit, da sich bereits die Gewitterwolken des Fettmilchaufstandes am Horizonte zeigten. Der Aufruf dieser Versammlung an Gemeinde und Gemeinden zur Teschuwa, die Mahnungen, jede Art und Abart von cdvt) '-p-fcn zu vermeiden und vieles Andere hätte uns auch heute noch was zü sagen. Es folgen Worms er, Prag er, Londoner und Litauische Gemeindeverordnungen-. In Berlin gab es schön 1676 eine „Heiratsgesellschaf t" und in Franki u r t damals schon einen Wohltätigkeitsverein, deren Statuten uns erhalten sind und zum Teil" heute noch in den neuen Satzungen solcher Vereine ihr Leben fortführen. . _ Wer sich für jüdische Altertumskunde interessiert hat, wird vielen alten Bekannten hier begegnen. Die Dokumente sind nicht alle neu und auch nicht direkt aus den Archiven geholt, sondern zumeist aus zweiter und dritter Hand hier zusammengetragen, was aber den Wert der Sammlung nicht im geringsten vermindert. Diese 22 aneinandergereihten Akten und Dokumente sind Grüße aus alter Zeit, Marksteine auf dem Weg der Geschichte, der oft genug ein schwerer Leidensweg war, aber stets die gerade Richtung zu-großen jüdischen Zielen einhielt. —tz. G'ttes Gesalbter. Von Moritz Zobel. Der Messias und die messianische Zeit in Talmud und Midrasch. Schocken-Verlag, Jüdischer Buchverlag. V: Es ist wieder die Zeit der großen-Sehnsucht, weil die Zeit der großen Not. In Leiden sieht das jüdische Volk von jeher den Uebergang und Messias-11 spuren. Aus dieser Stimmung heraus wird manch einer das Bedürfnis verspüren, sich über den Mes-' siasbegriff im Judentum Klarheit zu verschaffen.. Zobel kommt diesem Wunsche nach und hfclt dabei ziemlich weit aus. Er registriert im Großen alle in Talmud und Midrasch genannten „Vorzeichen", des. Messias und seiner Vorläufer. Die dort genannten,, und leider überholten, Endtermine werden zum großen Teile angeführt, Weissagungen, denen keine Er-' füllung geworden ist, registriert. Messias in der Bibel, Messias im talmudischen Schrifttum, Messias im Gebete spricht zu uns, der leidende Messias sowohl wie der e r 1 ö s e n d e. Betrachtungen über die Messiaslehre und Messiashoffnungen von R. S a a d j a Gaon und R. M o s c h e b e n M a m o n beschließen die Schrift. * Wer den jüdischen Messias an der Quelle kennt, erfährt hier nichts Neues, wer ihn nicht kennt, wird kein klares Bild erhalten, was aber gewiß nicht am?! Autor liegt, sondern ah der verwirrenden Fülle Yori\ oft sich widersprechenden Belegen, die hier -an-, neben- und auch gegeneinander gestellt werden. Was wir in diesem an sich schönen und gemütsvollen Werke sehr vermissen, ist eine Erwähnung der mes-■•; sianischen Verirrungen einzelner Jahrhunderte und' ihrer Träger. Eine kurze Schilderung . dieser Hoff-' nungen und Irrungen an Hand der Pseudoerlöser hätte vielleicht viel drastischer zum Ausdruck'; gebracht, Was wir im Wandel der Zeiten vom Messias erhofften, als viele Stellen aus der Urzeit, idiei aus einer ganz anderen Situation zu uns : herüb'errlt kommen und vielfach deutbar sind,-Vielleicht'-ft&Äi-eif dieses Versäumnis; in einer zweiten.••Aufläge, die"jiviriri, dem Bu'cheu;.wüns'ch&n,;-nachgehplt.'Verden.; i], . ,!';". ■'■ <; ■■'.-< ' ' _ ,; :';~%\\\ Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubens^; geschiente.. Von Leo B a e c k. S c h o c; k e;5M1'■ Verlag,, Jüdischer Buchverlag. '"" . '■_:." .' > - -: •" ■;] Leo Baeck stellt der Ueberlieferung des Evange>!i liums die Ueberlieferung des Judentums gegenüber, um Gemeinschaft und Distanz festzustellen. Er bespricht die biblische Wirklichkeit, die erst in den „Chroniken" ihre Vollendung finde. In den talmudischen Schriften setzt sich, wie die Einleitung. zu den Vätersprüchen erklärt, die biblische Wirklichkeit fort. Das'gibt Baeck Veranlassung, über Stil? und Logik der Ueberlieferung, im Vergleich zü denen in den Evangelien Betrachtungen anzustellen. Auch die griechisch-römische Welt muß zum Vergleiche herangezogen werden. Die Absplitterung der im Ju dentum wurzelnden neuen Religion von der Mutterreligion wird im Großen gesehen und geschildert. Alles in allem: Religionsforseher von Beruf oder ' Passion finden in diesem -Buche.zwar nichts Neues.:. aber gute Kombinationen und neue, man möchte fast sagen Baeck'sche Formulierungen. Wer aber Judentum von innen heraus sucht und begreift, losgelöst vom Spiegel und - Einfluß fremder Gewächse, egal ob sie auf Wildfremdem oder verwand- . tem Feldegewachsen sind,:^dem iß& dies|*s Buch nichts, aber r elf fn n i.c h t sj^usagen.'^Es "lisffft kaum ein Interesse öajer>'.lein>::B'e^ürfnis vor, unseren Kindern das Judentum im Lichte einer Geistesjjfrelt zq zeigen, die sich von uns seit;']Jahrtausenden mit Bedacht und^e^üßtseihdistanziert: hat. . J.—i. Worte an die '" Jugend. Von Marti n. B Hi b e r. Src hoc k e n:V e r 1 a g , j ü d-i s c h er B u c hverlag. •' Das wie alle Schockenbücher schön] und anmutig ausgestattete, 86 Seiten starke Bändchen enthält R e d e h <y Vn B ü b e r , zum größten Teil', .an die Jugend gehalten, von 1904 bis 1937. Manche" Entwicklung und Wandlung in dem stets wachen Geist des Denkers ist wahrzunehmen. Aber noch 1937 sucht Buber die Vorurteile der Jugend gegen den Glauben zu verstehen, ja, bis zum gewissen Grade zu rechtfertigen und * jetzt noch spricht er von einer „Glaubenswirklichkeit" in einem Gegensatze zu „den religiösen Ordnungen und. Anstalten", die dfesej Glaubenswirklichkeit ^trübten. Wenn er aber am Schluß die nie verstummende G'ttesstimme die stürzenden G'ttesbilder übertönen läßt, so möchte man nur hoffen, daß die Jugend, zu der Buber spricht, aus vielen Erkenntnissen dieses Buches zu anderen .Konsequenzen kommt: Zu G'tt, zum wahren Glauben, zum Judentum der Thora. J.—i. Twenty Centuries of Jewish Thought. By Dr. Adolph Lichtigfeld. Second Impression. London. 1938; Shapxro, Vallent i n e u. Co. Der Verfasser, der sich schon in seinem vorigen Buche „Philosophy and Revelation" als guter Kenner des Stoffes und geschickter Darbieter erwiesen hat, veröffentlicht nun ein ähnliches Werk, das statt des dort behandelten Einzelproblems einen weiter gespannten Rahmen bietet. Es handelt sich hier um eine Anthologie aus dem jüdischen religionsphilosupKischen Schrifttum, es sollen grundlegende Aeußerungen des jüdischen Bewußtseins in zwei- Jahrtausenden gegeben werden. Die Zeitgrenze ist nur an ein paar Stellen durchbrochen, wo Bibelstücke uns viel weiter zurückführen. Unter' den behandelten oder zitierten Persönlichkeiten wird' der eine oder der andere nicht von jedem Leser;! als originaler Denker angesprochen werden, dochdienen sie immerhin zur Kennzeichnung der "Strömungen an der Oberfläche. Ihre Aufnahme in das Buch hängt;;,damit zusammen, daß die7: SrJrecher aus'der neuen Zeit und insbesondere aus der Gegenwart verhältnismäßig viel ausführlicher bedacht^sind als die der .älteren;Zeiten. Eine Anzahl der Bebänderten und' Zitierten fällt jinler den Titel des Werkes, insofern „jüdisch" -in ihm nicht das Adjektiv ist zu Judentum als dem Inbegriff eines Komplexes bestimmter überlieferter Religionsinhalte, sondern das-Adjektiv zu Jude Person jüdischer Geburt. Denn wenn .man auch bei als Juden geborenen Pantheisten, Liberälreligiöseni Nationalisten usw. jüdisches Gedarikenerbe in individuell verschiedenem Umfang festzustellen vermag oder'.versucht, so ist das doch nur möglich, wenn * und -l^eil man dabei von jenen Inhalten als Maßstab ausgeht. Für die Leser dieses. Blattes sei. erwähnt, ^daß im Kapitel „Philosophie; des Judentums" auch S. R. Hirsch, l^athan Birnbaum, und I. Breuer besondere Abschnitte gewidmet sind. Die andern Kapitel sind; G'tt. und die..Welt, Das Gesetz — die Zehn Gebote, Häupttypen im talmudischen Gesetz betonter sittlicher Pflichten oder Rechte, die Pflicht des Menschen in. der Welt, Judentum und das neue Judäa. Das Buch füllt eine Lücke. Die Auswähl macht es zu einer interessanten Lektüre. Reichliche Angaben führen den Leser zu Quellen und. Autoren. : "r S. B. jJ/J;'i ^Litefarisclfe |$ötiz* ' In der .Sitzungj^r^G.e.s e l 1 s ch'af t' z.ur F ö rd e r u n g der W i.sjs e n s c h a f t: :d?e s J ü d e n - t u ms teilte ihr erster,Vprsitzende'fi .Prof. Db. Eugen jÜ-i 11 w o c h; mit,;: daß das Organ;;de'ri'Gesellschaft, die „Monatsschrift. für Geschichte 'und Wissenschaft des Judentums", Weiter regelmäßig' erscheint. An größeren Einzelwerken wurde; die- S'! i f r a - Uebersetzung Prof. Dr. Jacob Winters herausgebracht. Die Herausgabe t des Sifre zu D e u t e r o n o m i u m macht Fortschritte; von dem Gesamtregister zu den 75 ersten Bänden der Monatsschrift konnte Teil I erscheinen und Teil II zum Drück-gegeben werdpn. Ueber die Vorarbeiten zum, zweiten Bände - der G er m ania J u d a i c a , der ..die- Zeit von 1238 bis 1350 umfassen wird, i machte Prof.. Dr. Ismar Elbögen aufschlußreiche MiUeüungen. Danach iye^den bei den Vorarbeiten die siedluhgsgeschichtlicheh Probleme, die sozialen Bedingungen: und die rechtliche»? Verhältnisse stärker, als bei - der . Anlage des. Werr , kes geplant sein mochte, im Vordergrund stehen, wahrend die; Gelehrtehgeschichte für diese.. Periode ein wenig zurücktreten wrr3. Es ist gelungen, einen Stab geeigneter Mitarbeiter zu schaffen/ Für viele Gegenden, besondere Mitteldeutschland, aber auc!'. z. B. Westpreüßen, Posen und Oesterreich liegers schon fast'-alle Artikel vor. N . ' :;.■>■■ ■> _