Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Rashi 7× ep/1002670
- Amoraim 1× ep/1003430
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Die Psalmenüberschriften. Von Rabb. Dr. E. Baß in Slezska, Ostrava (CSR.)*) Den Erklärern bieten einige Ueberschriften der Psalmen bedeutende Schwierigkeiten, fla die gewählten Worte scheinbar ohne irgend einen Zusammenhang mit dem nachfolgenden Inhalt dastehen und außerdem auch schwer übersetzbar sind. Es sind etwa zehn solche strittige Ueberschriften, von denen hier die vier meist umstrittenen behandelt werden sollen.. Die Ueberschrift des 22. Psalmes lautet; "intffn fi^N *?V nXHaV Raschi bringt mehrere Erklärungen, daß es nämlich ein musikalisches Instrument wäre, ferner eine symbolische Erklärung mit der Hindeutung auf jiqjs UTJd die Erklärung von Menachem, nV'N bedeute Stärke. Mendelssohn übersetzt „Morgenflöte", S. R. H i r s c h deutet die Worte: „über die stärkende Kraft der Morgenröte *. Von den Philologen äußert Gesenius die Ansicht, daß die Ueberschrift den Namen eines bekannten Liedes bezeichne, nach dessen Melodie der Psalm, vorzutragen wäre. Wie geistreich es sein mag, so bleibt es doch sehr gewagt, eine symbolische Deutung als die richtige Auffassung hinzustellen. Die einzige gerechte Behandlung des Textes kann nur die treu reale Klarlegung der Worte sein, und dies scheint uns auch ganz gut möglich. Das Wort nt?,K behält mit Menachem (nach Raschi) und S. R. Hirsch den Sinn von „stärkende Kraft" und nicht von „Hindin" oder „Reh". Das Wort *ir?12? bedeutet aber hier nicht Morgenröte, sondern Helle, Klarheit. Die beiden Worte verbunden, sollen nach unserer Ansicht dem Musiker, welcher den Vortrag begleitet, dem nä.Jö' die Sangweise, den Ausdruck und das Tempo bezeichnen, ähnlich wie es die italienischen und französischen musikalischen Termini tun. Hier würde es also heißen; ,.crescehdo" und „sonante", das heißt mit stärkender Kraft helltönend. Diese Vortragsweise' würde dann völlig im Einklänge mit dem fortschreitenden Inhalte des Psalmes sein: am Anfange ein verzweifelnder Aufschrei, die ständig, steigende Schilderung der Bedrängnis, die Anrufung der Hilfe, schließlich die Verkündung des Heils und der Allherrschaft G'ttes! Der. 56. Psalm trägt die Ueberschrift: nsaa"? ö*pfTl Ö^H MV» ^Raschi sowie auch S, R. Hirsch erklären hier gleichartig „über die verstummende Täube .der Fernen", wobei sie unter der *) Der .Verfasser brachte vor kurzem eine tschechische TJj e b ersetzung; der Psalmen, die erste ' von' jüdischer ' Seite und getreu nach der traditionellen Auffassung; (Verlag Dir. Flesch, Prag), heraus. ' Taube den Sänger in der Verbannung verstehen. Im pi^o des. ersten Tages von Rosch Haschana wird der Erzvater Jizchak darunter verstanden. Auch hier handelt es sich anscheinend um die Angabe der Vortragsweise, aber nach keinem bekannten Liede, sondern die Worte der Ueberschrift allein enthalten die Weisung. Es heißt demnach: Nach Art der Taubenstimme, verstummend in Entfernungen, d. h. in Absätzen, nach den musikalischen Termini: „flebile", „sordimente", „staccato", weinerlich, gedämpft, in Abständen. In der Tat stimmt hiermit auch 7£.y der Inhalt überein. Im Verse 9 spricht der Sänger von seinen Tränen und erhebt sich von seiner Klage bis zu deren Ueberwindung. Die Psalmen 45, 69 und 80 haben die Ueberschrift UWW hV' der 80. noch überdies das Wort finff« Hierfür gibt es zwei Erklärungen. Raschi und S. R. Hirsch deuten symbolisch, und zwar der erstere versteht darunter die Thoragelehrten, der letztere das königliche Ehepaar, R. D. Kimchi meint, es wäre ein Musikinstrument, ähnlich auch Gesenius, welcher aber wieder die obgenannte Theorie des bekannten Liedes im Namen Ewalds anführt. Alle diese Vermutungen sind schwer zu beweisen. Der Sänger würde sich selbst kaum mit einer Rose vergleichen, ferner wäre zu erwarten, daß ein Instrument dieses Namens ebenfalls wie die übrigen auch an anderen Stellen mit ihnen genannt werden müßte, und die Annahme von Gesenius mutet uns zu, zu glauben, daß der königliche Sänger, welcher oft in seinen Liedern an künftige Generationen und alle Völkerschaften denkt, voraussetzt, daß einige seiner Lieder überall und immer nach ihrer Melodie bekannt sein müssen. Deshalb wollen wir hier das Wort tP3W als Rosette oder Verzierung begreifen. Auch die Hinzufügung rifTP beim Psalm 80 stimmt damit überein, da das Wort nach R. D. Kimchi soviel wie Schmuck bedeutet, von" vjj? ähnlich in II, B. Könige Kap. 11 V. 12. Der Inhalt des Psalmes 45 als eines Hochzeitsliedes stimmt damit überein. Am meisten widersprechen sich die Erklärer der Ueberschrift möVtt in Psalm 9 und 46 Raschi und S, R. Hirsch bringen eine ganze Reihe von Deutungen und Uebersetzungen, Kimchi sieht darin den Namen eines Instrumentes, Gesenius eine „Mädchenstimme", von föbyr was aber beim Psalm 46 absolut nicht passen kann, da der Psalm von stürmenden brausenden Wogen und Welterschütterung spricht. Eben dieser Psalm 46 zeigt mit seinem Inhalte auf die richtige Erfassung der Ueberschrift. Er singt vom Weltenumsturz und Aufruhr, endet aber mit der Befriedung der Völker durch g'ttliche Hilfe. Unter den musikalischen Termini gibt es auch solche, welche die Kraftabnahme bis zum Absterben bedeutet, z. B. „smorendo". Hingegen hat maVy auch die Bedeutung von Instrumenten (vgl. L B. Chronik, Kap, 15, V. 20) und zwar von Streichinstrumenten im Gegensatz zu Blech- und Schlaginstrumenten, wie aus dem dortigen Zusammenhang hervorgeht. Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch auf eine alte Streitfrage verweisen, welche vielleicht nur dadurch keine richtige Lösung gefunden hat, weil die alte einzig richtige Antwort unserer Chachamim aus dem Talmud von der Hand gewiesen wurde. Es ist der Begriff des Wortes S e 1 a , welches der Talmud im Sinne von isn ü^tt nS3 d. h. immerdar, völlig, absolut oder unbedingt auslegt. Ebenso erklärt Raschi dieses Wort z. B. in den Psalmen 68, V. 8 oder in Habakuk Kap. 3 V. 9. Der Haupt - beweis dafür, daß das Wort weder eine Pause noch einen besonderen Tonfall bedeutet, wie dies manche glauben machen wpllen( ist die Art und Weise, wie es in unserem täglichen Gebete, im Schemone Esre und Ahawa raba eingefügt ist, wo es S. R. Hirsch mit den Worten „für immer" Übersetzt, obzwar er in den Psalmen stets nur einen Gedankenstrich dafür einsetzt. Mit der angeführten talmudischen Auffassung kommt man überall aus, nur muß dabei im Sinne behalten werden, daß es sich um keinen Begriff der Zeit, sondern der Modalität handelt, im Sinne des Absoluten, wie es übrigens schon A. Ibn Esfa mit psii flöX erklärt. Rabbi Sera und Rabbi Jirmija, Zur Replik des Herrn Rabb. Dr. Breuer bitten mich meine Freunde, einige Worte der Erwiderung zu sagen, obwohl ich die Angriffe als nicht stichhaltig empfinde. Die Bemerkungen von Halevy zu der Ausweisung Rabbi Jirmijas aus dem Lehrhaus sind alle bei Bacher, den ich anführte: (Pal. Amoräer 1899, S. 96) vorweggenommen. Auch dort ist nachgewiesen, daß alle Vorgänge in Jirmijas palästinensische Epoche fallen. Allerdings ist das an»- in Bfl» inbü> worauf Doroth Harischonim den Nachdruck legt, kein Beweismittel, denn es fehlt in der Handschrift und bei Raschi. (B. B. 165 z. St.). Worauf es aber ankommt, ist Folgendes; Bei der Ausweisung bemerkt Raschi □ipVy rmoa "W n-j?ös ^9 deshalb schloß man ihn aus, weil er ihnen zur Last wurde, oder wie Raschi (165b) sagt; mno «V» weil er nicht gebührend gefragt hatte. Wenn in Sabbat 10a Jirmija an die fällige Gebetszeit erinnert und Rabbi Sera sagt; wer sein Ohr Thora zu hören verschließt, auch dessen Gebet ist ein Greuel, so karfn es eine schärfere Zurückweisung gar nicht geben. Gerade weil Jirmijas Mahnung eigentlich der Halacha entspricht, ist Rabbi Seras starker Vorwurf der Beweis, daß er in seinem Schüler etwas ihm anhaftendes Ungebührliches zu tadeln hatte.