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Der Israelit · 1938-07-14 · Heft 28 (14.7.1938) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 28 (14.7.1938)
Date
1938-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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14. Juli) 1938 {u! D e r Israelit Nr. 28 Seite 11 Letzte Nachrichten. ■Die Staaf $nkonferenz von Evian* .1/ _ ü „- Evian, 11. Juli. . In derheutigenPlenarsitzung; der Konferenz teilte jer Präsident, Mr. Taylör, mit, 'daß die Schlußsitzung der Konferenzen zum Zwecke der Annahmen der bis dahin ausgearbeiteten' Resolutionen - am F rjejjut a g stattfinden' werde. Der High Cpmmissio.ner for Refugees wird bereits morgen abreisen. * r ,' Ueber den Inhalt der Resolution verlautet, daß sie zunächst die Einsetzung eines Permanenzausschusses' von kleinem Umfange vorsehen werde, ohne das Programm und die Arbeitsweise dieses Ausschusses von vornherein' endgültig festzulegen. Die europäischen Länder werden sich in der bisherigen Weise als Durchgangsländer für politische Flüchtlinge betrachten und werden weitere Flüchtlinge aufnehmen zu ihrer Schulung ünd Ausbildung" mit der Absicht der Wiederauswanderung nach überseeischen Ländern. Die''überseeischen Länder . sind bereit die Ziffer der Einwanderer teilweise zu vergrößern, ohne auf eine Vorsichtige Auswahr zu verzichten. Einige Länder haben bereits erklärt, daß sie bereit sind, das Prinzip5 einer Maximalquote je nach der Größe ihres Territpnums zu akzeptieren, Vorausgesetzt, daß dieselbe >ßa5/s vt>n allen anderen'Ländern, angenommen wird. Es würde demnach zu den Aufgaben des Permanenzausschusses gehören, die Prozentsätze und die Bedingung dieser systematischen Verteilung der Auswanderer auf die einzelnen Länder festzusetzen. Sollte : es hierzu kommen, so würde damit zweifellos ein wesentlicher Fortschritt erzielt sein.; Die Vereinigten Staaten scheinen geneigt zu sein, etwa die Hälfte ihrer Quote für Flüchtlinge im Allgemeinen zur Verfügung zu stellen, für die andere Hälfte jedoch, wie bisher, die strengen individuellen Anforderungen weiterhin in Kraft zu lassen. Aus der heutigen Plenarsitzung sind noch zu erwähnen die Aeußerungen der Delegationen von Schweden, der Schweiz und Irlands, die alle in dem oben angedeuteten Sinne gehalten waren. Die aus Berlin eingetroffene Delegation der Reichsvertretung der Juden in Deutschland überreichte der Konferenz ein Memorandum mit Erlaubnis der deutschen Behörde, Das Memorandum schätzt, daß von der halben Million Juden in Deutschland und Oesterreich heute 200 000 im emigrationsfähigen Alter stehen. Diese 200 000 Juden sollten innerhalb einer Periode von sechs Jahren mit durchschnittlich 35 000 jährlich zur Auswanderung kommen, was man im Hinblick auf die amerikanische Quote, die allerdings auch nichtjüdische Flüchtlinge umfaßt, für möglich hält. Das Memorandum regt ferner die Schaffungeiner . Emigrationsbank an, durch die jüdisches Kapital, soweit es ' Von: den Behörden gestattet wird, transferiert''^Vörden kann. Das zuständige Subkomitee hörte heben den Herren Dr. Löwenherz und Prof. Hch. Neumänn aus Wien', auch Otto Hirsch aus Berlin Und seine Kollegen aus der Reichsvertretung. '.-.;,..«, Nachträglieh hat auch^'cfas Liaison Committee des iHigh Commissioner Jor. Refugees ...der Evian- Konferehz" noch ein - eigenes , Memorandum \ überreicht:, das einen^ Bericht über^yie. bisherige Tätigkeit der ffigh Comniissiqn för^RefügeeS'jund einiger dem Liaison Committee jan'gehörigeri Organisationen enthält und eine Reihe Von konkreten Anträgen stellt. Die Anträge^ beziehen sich zumeist auf die Rechtsstellung und die Arbeitsmöglichkeiten der in den verschiedenen Ländern sich .aufhaltenden Flüchtlinge;: Insbesondere - wird..'das ^Riecht auf.rz'ei|we'fsei| Aufenthalt auch in den an JJeutschland angr^nzet^, den Ländern, . zumindest ,^non dringenden Fällen gefordert. Iriüfeiher von!detijlm\$h Äie$}y^hfer'^r^ anstälteteijr Presse,-Korifer^öZ/ äh .'der;DrwjNatura, Goldjnann,'Dr, Ärthlur ftuji^i»'• ^un*;-«>Miß.IlMycrsen.. sprachen, yrufede. LojjJ Win?ertbh, 'der'''engligolie Ver*; treter, scharf angegriffen. Es sei unfair, 'daß Lord Winterton in seiner großem . Rede Palästina mit seinen großen""Einwanderungsmöglichkeiteji.überhaupt öichjt erwähnt l&abe. Dr. Ru^pin erklärte, fjdä/3 Palästina lÖ'ÖbÖ^Eihwwdere«, täMicHi auäi Deutschland - »*» 'r-. w.. %i A "£v aufnehmen könnte ünd daß somit Palästina 'uria die Vereinigten Staaten zusämmetr das ganze' Problem der jüdischen AuswanHerung aus Deutschland ein- , schließlich Oesterreichs innerhalb sechs Jahren löse^f körinten.;. ' i f '.i" Die Ergebnisse der Evian-Konferenz?;,. '] Evian, 12>-Juli.: Obgleich der offizielle Schluß der Konferenz erst für Freitag in Aussicht genommen ist, lassen sich die Ergebnisse doch bereits jetzt kurz zusammenfassen. tu :> ' Das wichtigste dieser Ergebnisse ist, daß die Konferenz sich zu einer permanenten Institution erklärt, die von Zeit zu Zeit immer wieder zusammentreten soll, und deren nächste Tagung bereits jetzt auf den 3, August ds. Js. nach London einberufen worden ist. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird: dabei durch ihren Gesandten in England, Mr,; Kennedy, vertreten werden, ebenso die übrigen Regierungen durch ihre diplomatischen Repräsentanten in London. Indessen bleiben Mr. Taylor und die anderen USA-Delegierten in Europa, um an der Konferenz teilzunehmen. Des Weiteren wird in London ein permanentes' Sekretariat der Konferenz; eingerichtet, ari dessen Spitze ein Amerikaner als Direktor, stehen soll. ' Das weitere Arbeitsprogramm der Konferenz ist heute ausgearbeitet worden und wird den . Regierungen noch vor der Londoner Tagung zur Genehmigung vorgelegt werden. Dem Vernehmen nach ist dabei die Möglichkeit, daß die Konferenz sich auch mit Problemen der Flüchtlinge aus den osteuropäischen Ländern befaßt, nicht ausgeschlossen worden. Die am Freitag anzunehmende Resolution wird feststellen, daß die nächste Arbeit sich zu beziehen hat auf diejenigen, die Deutschland bereits verließen und diejenigen, die es zu verlassen wünschen. Die Regierungen erklären sich bereit, die Einzelheiten dessen, was sie im Interesse der Flüchtlinge zu tun bereit sind, vertraulich untereinander auszutauschen. Ausdrücklich wird erklär^ daß die Regierungen, wenn sie sich bereit erklären, Emigranten aufzunehmen, keine Verpflichtung übernehmen, die Wanderbewegung >zu finanzieren. Es ergibt sich daher, daß die Konferenz von Evian keines der ihr vorgelegten Probleme gelöst, jedoch die Grundlage geschaffen hat, für eine sachgemäße weitere Behandlung dieser Fragen. In Aussicht steht noch eine Sonderkonferenz zwischen M. Berenger und den Vertretern aus Wien, um die Vorschläge zu diskutieren, die vorliegen, eine bestimmte Zahl von Auswanderern aus Oesterreich innerhalb einer gegebenen Zeit zur Auswanderung zu bringen. Resolution beanstandet. —TJebergangsstation. ' ■ Evian, 14, Juli. (Tel. Bericht.) - i y\- v- * 'Gegen die vorgelegte Resolution machten.mehrere südamerikanische Staaten .-teils sachliche* .teils .formelle Einwendungen, >3so daß sie Mittwoch^ noch nicht 'zur Annahme gelangen konnte. "V!"' ' j ' Präsident Taylor wird auf der Londoner Konferenz am 3, August einen Dringlichkeitsplan vorlegen, 'Wonach einige Länder wenigstens solchen Emigranten, deren ^Auswanderung nach Uebersee garantiert ist, periodischen Aufenthalt von drei bis sechs. Mö- . * , t"j~ na,ten gewahren.; , •■ DjieT Konferenz tritt anr ' Freitag zu;einer öffentliojhe^; Schlußsitzung zusammen. >;; Neue Verordnungen. . i Die' Reichsregierung hat, ein Gesetz'^ zur Aenderung der. Gewerbeordnung,;.für das Deutsche Reich erfassen,! das das Land Oesterreich nicht betrifft. 'Danach wird in die * Gewerbeordnung .ein neuer Paragraph 34 b eingefügt, der Juden und jüdischen Unternehmungen mit eigener Rechtspersönlichkeit den Betrieb nachfolgender Gewerbe untersagt: a) des Bewachurigsgewerbes, j b,^ der gewerbsmäßigen- Auskunftsenteilung jV.be* ''Vprmogens^rhältni'sise öd&t>'persönliche ..Angejegenr .Ll-i"'-''"''''!.1!* ' ', :• ., ». . halten, ' ■ l -IJ i u ,n j' c) des Handels mit Grundstücken,;;.. - , v . ] d)tcder: bGeschäfte;., gewerbsmäßiger Vermittlungsa|ent6a }iftir, Ijwmobiiiarver,träge .und.' Darlehen ^owie rdes Gewerbes, der Jiaus-jji^nd Grundstub'ksverWalter,? e)» dergewerbsmäßigen;% Heirä|lsyennrttlungiä mit t Ausnähme; der Vermittlung^ vpn Ehen zwischen Juden oder1''«zwischen Juden und jüdischen1 Mischlingen ersten Grades; . . . '; '.. ' n; f) des Fremdenführergewerbes. -; Verstöße; werden.jmit Grefängm| .bis zu sechs Mo-;.n"ateri ünd mit-Geldstrafe oder mi^einer der beiden Strafen bedroht. Jüdischen Gewerbetreibenden,"'die 5'zur Zeit. de67-Inkrafttretens , dieses im Reichsgesetzfclatt, teil WM t07!: verkündetejQGe^zes ei^i^Pewerbe. naeh Ziffer c und d betreiben, istdies im, Rahmen der bisherigen gesetzlichen Vorschriften bis zum 31. Dezember 1938 gestattet. Den übrigen jüdi-r sehen Gewerbetreibenden ist die Fortsetzung; ihres Gewerbebetriebes zum Zwecke der Abwicklung, soweit es sich um die in - Ziffer a und b genannten- Gewerbe handelt, für die Dauer von drei .^Monaten, soweit es sich um die in e und f genannten Gewerbe handelt für die Dauer von einem Mönät nach Inkrafttreten des Gesetzes erlaubt. Soweit 'es sich um jüdische Wandergewerbetreibende handelt, verlieren bereits erteilte Wandergewerbescheine 'mit; dem 30; September 1938 ihre Gültigkeit und sW der Ausstellungsbehörde unverzüglich zurückzugeben. Entsprechendes gilt für Legitimationskarten und Stadthausierscheine. Eine Entschädigung für persönliche oder wirtschaftliche Nachteile, die durch die Durchführung dieses Gesetzes entstehen, wird nicht gewährt. " Der Imam der Omar-Moschee erschossen. ™ . r,, Jerusalem, 13. Juli. Der 60,ahrige Scheich Ali el Katib, der Imam au* Jtmar'M,°scheewurde gestern in der Altstadt erschossen. Der arabische Angreifer folgte dem Scheich von der Moschee aus bis zum christlichen Viertel und gab die Schüsse in kurzer Üntternung ab. Am Nachmittag wurde vor dem größten Glas- und Porzellanwarengeschäft, das sich in der Nähe des Hauptpostamts befindet, eine Bombe geworfen. Zwei Juden wurden verJetzt. * J n do" letzten beiden' Tagen wurden, nach „United Preß neun Juden getötet und 4 8 v e r - letzt. ., Nach Hayas" hat die Leitung des Jüdischen tlauptkrankenhauses in Haifa, dessen Betten alle besetzt sind, die benachbarte Schule requirieren lassen, um dort Liegeplätze für die Verwundeten zu schaffen. Der Sicherheitsdienst in Haifa wird von Infanterie, Polizei und Marinetruppen versehen. Die Marinetruppen mußten mehrere Salven in die Luft abgeben, um die Menge zu zerstreuen: Die Polizei hat zahlreiche Araber verhaftet, die der Teilnahme an den letzten Zwischenfällen verdächtig sind. Unter den Opfern der Attentate befindet sich auch der aus England stammende jüdische Industrielle 1 o b i a s , der von einer arabischen Bande aus seinem Auto gezerrt und durch mehrere Dolchstichs getötet wurde. Personalien. London, 11. Juli. Im Alter von 80 Jahren verschied vorgestern der bekannte Schöpfer und Führer des organisierten liberalen Judentums in England,. Dr. Claude Montefiore. Ein Großneffe des bekannten Philantropen Sir Moses Montefiore ^-sn, wollte Claude Montefiore ursprünglich Rabbiner werden, widmete sich aber schließlich freien theologischen und bibelkritischen Studien, die ihn zum Vorkämpfer, des bewußten Refbrmjudentums in England werden ließen. Als solcher hat er eine reiche literarische- Tätigkeit entfaltet. Er war ständiger Mitarbeiter der Jewish Quarterly Review, die er zusammen mit Israel Abrahams herausgab und des Hibbert: JourriäL Als; Mensch übte der Heimgegangene eine starke Anziehungskraft auf alle aus, die mit ihm in Berührung traten, weit über den jüdischen Kreis hinaus. Insbesondere hatte er in der katholischen Kirche Englands' zahlreiche Freunde und Verehrer, Der einzige Sohn "des Verstorbenen, Leonard -"MonteBpre, hat . die . Traditionen der Montefiore- 1 Familie insbesohäer.e .nach, der philahtröpisch-politi- ^schen Seite wieder -aufgenommen und steht im Mittelpunkt,der Arbeit [des' Joint Foreign Committee lind? der Anglo-Jewish Association. n'asarl''' Wochenkalender. Vom 16. — 23.'Juli 1938 /;Vom 17. — 25. Tammus 5698 Samstag Sonntag }vMbntag' 'Dienstag MittwocW' i Donnerstag Freitag Sjunstag ■>»i» sp mann 16 17 3 17 18 K3 t§ > 19 33 Juli 19 nnn . 20 ■ 33 . 20 - r> 2t . 13 Ü :?•:•.«. 22 -!n3-.< 22 23;"' 23 "•7 24 V'WJ1-!'A< i' .■:!ia>n. "t '7i pns pba n3» Tl»fl3 1»» T\V2V >' DM'B inÖ wnn T3ia: i i 'i l' i •. .■ Yf .... : Zweierlei Bildung heißt unser neuer. Roman,, mit .dessen Abdruck , ^fir in der " nächsten Nummer-beginnen...'..... ..... ' - iv'1' ~k ift'r,i 'C! 'i t- T IUJ P i?Kf ■_• Hif,

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