Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 28 PWIPMPSPWW»fflWPÄ^^ Der I s r a e 1 i t fS^^^^^^^L,^.. S*V < " 14.-Juli J938 IE! 2h Das blutige Wochenende in Palästina. Haifa, 11. Juli. Am Mittwoch Nachmittag brachen, wie in einem Teile der letzten Nummer bereits mitgeteilt, in Haifa schwere Unruhen aus, die bis heute, Montag Abend, trotz der strengen Maßnahmen der Polizei und der Truppen zu deren Unterstützung Kriegsschiffe in den Hafen herbeieilten, noch nicht als behoben betrachtet werden können. Die Ausschreitungen setzten sich am Freitag und Samstag in Jerusalem und anderen Teilen des Landes fort. Noch am Montag Nachmittag wird über Tote und Verwundete und Zugentgleisungen berichtet. Gestern, Sonntag, wurden bei Jaffa durch, einen Bombenwurf auf einen Autobus von neuem sieben Juden verwundet. Das Kleine St andre cht ist seit Donnerstag sowohl über Jerusalem wie über Haifa und das Gebiet zwischen Jaffa und Tel Awiw verhängt. Wie nachträglich bekannt wird, wurden bei den Ausschreitungen in Haifa am Mittwoch Nachmittag 20 Araber und 6 Juden getötet. Die Namen der getöteten Juden sind: Abraham Jordon, Tuwia Donnie (Schwager Dr, Weizmanns), Ahr. Hebroni, Mosche Foister, David Esrachi und Josef Cohen. Donnie wurde, als er einen verwundeten arabischen Polizisten in sein Auto aufnehmen wollte, von der tödlichen Kugel getroffen. Das Attentat am Jaffator zu Jerusalem. Am Donnerstag Vormittag erschütterte am belebtesten Platz vor dem Jaffator in Jerusalem eine Explosion die Luft. Eine furchtbare Panik trat ein» Als Polizei und Militär erschienen, lagen zwei tote Araber auf dem Platze, den die Menschen fluchtartig geräumt hatten. Die Nachforschungen führten zur Verhaftung von zwei jungen Juden und einer, jungen Jüdin, die im Verdachte stehen, die Bombe auf den arabischen Autobus geworfen zu haben. Wie aus London berichtet wird, erließ das britische Kolonialministerium am Sonntag folgende Bekanntmachung: „Die Regierung Sr. Majestät hat die Entsendung der Her-Husaren Yon Aegypten nach Palästina genehmigt, und zwar zusätzlich zu den bereits nach Palästina beorderten zwei Bataillonen Infanterie. Diese zwei Bataillone sind das 1. Bataillon des Essex-Regiments und das 1. Bataillon der irischen Gardei Die ller-Husaren, die so rasch wie möglich abgehen werden, sind ein Panzerwagenregiment.'V Eine weitere Verlautbarung des Kriegsministeriums gibt bekannt, daß außerdem noch drei Inf anteriebataillone in absehbarer Zeit nach Palästina abgehen werden, um die Palästina-Truppen auf eine Gesamtstärke von drei Infauteriebrigaden zu bringen. Die folgenden Einheiten werden zu diesem Zweck am 1. September verschifft werden: das 2. Bataillon des Kings-Own- Royal-Regiments, das 2. Bataillon des Leicestershire-Regiments und das 1. Bataillon des Worchester- Regiments. Die <G esamtzahl der Opfer der letzten Woche in Palästina beträgt nunmehr 52 Tote und 145 verletzte Araber und 12 tote und 20 verletzte Juden. ISRAEL Die Lage bis Dienstag. Jerusalem, 12. Juli. Während der Nacht zu Montag wurden von dem großen Kreuzer „Repulse" aus die Straßen von Haifa Unter Seheinwerf erb eleuchtung gehalten, in deren Licht Militär und Polizei die Straßen abpatroullierten. Weitere Marinetruppen sind in der vergangenen Nacht gelandet, um dte erschöpften Polizisten zu entlasten. Aber die Terrorakte dauern weiter an. Als eine Matrosenpatrouille zwischen Haifa und Nazareth. eine größere Bande von Aufrührern stellte, kam es zu einem Gefecht, in dessen Verlauf ein britischer Offizier leicht und ein Marinesoldat schwer verwundet wurden. Ein jüdischer Unteroffizier wurde getötet. In größtem Umfang wurden Telefon- und Telegrafenleitungen während der Nacht durchschnitten. Im ganzen Norden Palästinas ist eine Verbindung mit Nazareth, Tiberias und anderen Zentren des Galiläa- Distriktes unmöglich. Im Ganzen waren von Sonntag bisJVLontag Nacht weitere sechs Todesopfer in Palästina zu verzeichnen. Im Verlaufe des Sonntag Abends wurde in Tiberias ein jüdischer Knabe und ein Jude in der Siedlung Anovim erschossen. Ueberfälle im Emek konnten von den Siedlern und der;'üdi-< sehen Hilfspolizei zurückgeschlagen werden, aber die Hilfspolizei hatte den Verlust von zwei Toten und einem Verletzten zu beklagen. Montag früh wurde in Tulkarem ein arabischer PolizeJinspektor in einem Rasierladen erschossen. Ein Zusammenstoß in Jerusalem tfj&fiää&äSstR Posten auf den Straßen von Jerusalem Aus Pefach Tikwahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in Petach Tikwah. (Fortsetzung.) Bereits nach einem Jahre erfolgreicher Tätigkeit kehrte R. Sorach nach Erez Jisrael zurück. Das neuerworbene Vermögen benützte er zum Bau von Häusern in Petach Tikwah und zur Anlage von Weinbergen. Auch diesmal war ihm kein Erfolg beschieden: die Felder brachten keinen genügenden Ertrag. Das Schmittajahr näherte sich. Er sah keine Möglichkeit durch den Verkauf seiner Habe sich für die nächste Zeit über Wasser zu halten. Zerrissenen Herzens sah sich der so oft Enttäuschte zur achten Rückkehr nach London gezwungen. Seine Mittel waren derartig zusammengeschmolzen, daß er Möbel und Hausgeräte öffentlich versteigern mußte, um das Geld für" die Rückreise zu erhalten. In London arbeitete Barnett wieder mit großem geschäftlichen Erfolg; er erwarb in drei Jahren ein großes Vermögen. Dann aber hatte er keine Ruhe mehr; sein Herz trieb ihn zur Heimkehr nach Erez Jisrael. Die schwere Landarbeit, ungewohnt und bei mangelhafter Ernährung - in ungesundem Klima geleistet, hatten aber die Kräfte des nunmehr Siebenundvierzigjährigen derart geschwächt, daß er es nicht mehr wagen durfte, den heißgeliebten Heiligen Boden selbst zu bearbeiten. Es hieß daher sich nach einer anderen Möglichkeit umzutun, um die Aufbauarbeit weiter zu unterstützen. Barnett machte demnach alle seine Londoner Häuser zu Geld und reiste mit recht erheblichen Summen nach Ere2 Jisrael, Einstweilen wohnte er in Jaffa. Dort waren damals bereits eine große Anzahl jüdischer Familien ansässig. Sie hausten in den-häßlichen arabischen Wohnungen ohne Licht und Luft. Nun faßt R. Sorach einen großen Plan. Er kaufte an der Stadtgrenze von Jaffa 15.000 Quadratellen Sandboden für einen Franken pro Dunäm (1890). Aber kein Kaufmann in Jaffa wollte einen so hohen Scheck in Zahlung nehmen, und es gab damals dort keine Bank, die ihn honorieren konnte. So; blieb R. Sorach nichts anderes übrig, als eigens deswegen nach Jerusalem zu fahren. Dort bekam er denn das Bargeld. Er ließ sich aus starker Leinwand einen großen Beutel anfertigen, indem er das Geld verwahrte. Den Beutel trug er unter dem Hemd auf dem bloßen Körper. So fuhr er in einem Wagen nach Jaffa zurück. Mit seinem Gelde kam er dort unbehelligt an; aber der Druck des Beutels hatte die Haut dermaßen entzündet, daß R, Sorach einige Tage zu Bett liegen mußte, Nach seiner Wiederherstellung ließ er von einem-Sachverständigen den Boden ausmessen. Und am 15. Aw 5650 (1890) lud er die angesehensten Juden von Jaffa und die Ethrogimhändler von Jerusalem, die gerade um diese Zeit zum Einkauf in Jaffa weilten, zur Grundsteinlegung des ersten Hauses ein. Es war dem immer" wieder unternehmenden Manne ein großes Fest; aber bei den Eingeladenen gab es großes Kopfschütteln. „Es ist Unsinn, zum Fenster hinausgeworfenes Geld", meinte einer der Ethrogimhändler. „So wenig Gemüse auf deiner Hand wächst, so wenig ziehst du Frucht aus diesem Boden" meinte ein anderer. Einigen Gästen, die den Weg über das Stein- und Sandgeröll nicht wagen wollten, schickte Barnett Wagen oder Esel. Er erntete einstweilen nichts als Spott; aber nichts konnte Barnett beirren. Er war überzeugt, daß* auch die städtische Siedlung in Erez Jisroel sich entwickeln würde. Die großen Mizwoth des Aufbaus erfüllt zu haben, dieses Verdienst würde ihm beistehen, daß das hineingesteckte Geld nicht verloren sein würde. Einstweilen sah es nicht danach aus. Die Juden von Jaffa blieben lieber in den engen arabischen Löchern, als daß sie in die „Sandwüste" /gezogen wären, trotz aller günstigen Mietbedingungen. Sie sollten die gleiche JVtiete zahlen, wie bisher in der Stadt, überdies wurde sie ihnen als Ratenzahlung für den Kauf des gemieteten Hauses angerechnet___Nichts half! Barnett und seine Familie blieben einstweilen die alleinigen Bewohner der Schechunah. Auch eine andere Warnung, die Barnett von seinen Freunden erhalten hatte, schien berechtigt zu sein. Bereits im ersten Monat überfiel .eine Räuberbande das einsame Haus. Sie bettelten um Geld, aber ihre Messer bewiesen, daß sie sich nicht abweisen lassen wollten. Bärnetts erste Verteidigung war in altjüdischer Weise das Gebet, dann trat er den Räubern mutig entgegen, und es gelang den Männern de.3 Hauses, die Bande zu entwaffnen. Erst dann schenkte er ihnen Geld. Der Ueberfall wurde nicht wiederholt. Nach einiger Zeit erkrankte die Frau von Raw Naftali Herz in Jaffa sehr schwer. Nachdem es ihr wieder besser ging, verordnete ihr der Arzt Luftwechsel. Nun zog der Raw mit seiner ganzen Familie in eines der luftigen, neuen Häuser Barnetts; Frau Herz erholte sich" dort bald, und der Raw kaufte zu günstigen Bedingungen das Haus. Jetzt folgten bald andere diesem Beispiel, und "die Schechunah „Newe Schalom" entwickelte sich. Aber Barnett hatte wieder sein ganzes Vermögen investiert und sah sich genötigt, zum neunten Male nach London zurückzukehren. Diesmal blieb er mit seiner Familie zwei Jahre in England. Nach seiner" Rückkehr nach Jaffa nahm er sich der Gemeindeangelegenheiten an. Er baute in Newe Schalom ein Beth Hakenesset — bisher wurde in seinem Hause gebetet — eine Mikwah und ein Dampfbad. Nachdem die Wasserleitung der -Mikwah eine Zeitlang gut funktioniert hätte, versagte plötzlich die Zuleitung.. Barnett stieg auf das Dach, um die Angelegenheit zu untersuchen. Auf einmal verlor er das Gleichgewicht und stürzte aus einer Höhe von zwölf Metern ab. G'ttes Gnade stand ihm bei: nicht ein Glied war verletzt! Voller Dankbarkeit spendete er eine große Summe zum Bau einer Talmud Thora-Schule in Petach Tikwah, wo» bei sich seine Freunde eifrig beteiligten. "Eines Tages kam zu R. Sorach ein sefardischer Makler und bot ihm an verschiedenen Stellen Boden an, darunter auch 375 Dunam, auf denen heute einige Straßen von Tel Aviv stehen. Barnett hatte den dringenden Wunsch, Newe Schalom zu erweitern und besichtigte, den Boden. Der .Makler brachte ihm vierzehn Fellachen, die sich'als die Besitzer bezeichneten. u Man einigte, sich auf den Preis von 400 Napoleons d' Or. 30 wurden sofort ausbezahlt; der Rest lag auf einer Bank in Jerusalem zur Auszahlung bereit, wenn der Kauf im Grundbuch eingetragen sei, was immerhin Zeit in Anspruch nahm. (Schluß iolgt;^