Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
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^5^^g^*5«5iE?'""'i>"6ää?'*i /■e^^mm^X^i-^^' .,14.'. Juli 1938 Der I.s r a e 1 i t Nr. 28 Seite 5 v; ,.. K E R E N HA TQ RAH steht im Dienste unserer Jugend! Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend!, Religionsunterricht in.lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Hatorah-Heime - für unsere Jugend! «" Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend! Landesdirektorium des Keren Hatorah, Hamburg, Postscheckkonto: Hamburg 24753 S e d er, den sie bei den Eltern nie gesehen haben. Es ist dabei praktisch bis jetzt noch nicht viel herausgekommen, aber ein Faktum ist es, daß eine gewisse stille Revolution der kleinen Geister in den Kibbuzim vor sich geht, das gibt den Vätern zu denken. Erez Israel-Kinder sind helle Köpfe, sie lassen sich nicht mit ausweichenden Antworten abspeisen, sie wollen klare deutliche Entscheidungen „haben, sie sehen das Leben mit offenen Augen. Die Väter waren darauf nicht eingerichtet und stehen gegen die Vorwürfe ihrer Kinder, daß sie ihnen so viel Heiliges und Schönes verschwiegen und unterschlagen hätten, ganz ratlos, Es wird am Sabbat nicht gearbeitet. Zum Negativum kommt aber kein Positivum. Die Ruhe ist da, die „Keduscha" fehlt. Man weiß nicht, womit man den Tag ausfüllen soll. Es fehlt im Haus der geistige Reichtum, der im Winkel des Großvaters in Ueberfülle herrscht. Bialik versuchte es mit Kinderfeierlichkeiten am Freitagabend, mit Gesängen, Lichtern und Kiddusch, ähnlich dem ,,Oneg Schabbat" am Sabbatausgang. Mit dem Tode Bialiks hörte auch dieser Ersatz auf, und die Kinder wollen keinen Ersatz, sie wollen den Sabbat. Man versuchte in einigen Kibbuzim, die Leere des Freitagabends und des Sabbat durch Stücke neuhebräischer Literatur und . dergl. auszufüllen. Aber die Kinder flüchten sich zu den Großeltern, um mit ihnen zu „dawnen" und Kiddusch zu hören. In einer Histadruthzeitung schreibt ein Chawer: „Warum haben wir nicht den Mut, unseren Kindern zu folgen und bis zur letzten Konsequenz zu gehen? Haben wir etwa die Verpflichtung, die haskalische Kultur, die mit der G'ttesleugnung begann, fortzusetzen und sie bis zur Selbstaufopferung zu verteidigen? Sind wir dazu nach Erez Israel gekommen?" Andere gaben ihm in der gleichen Zeitung Antwort, ohne den Kernpunkt der Frage zu treffen. Es fragt sich nach allem, ob wir im gesetzestreuen Kreise nicht jetzt unsere Taktik ändern und von der Defensive zur Offensive übergehen müßten? Wir wissen von den Meistern des Mussar, wie sie überall hindrängen, um den jüdischen Geist in düstere Oeden Innzutragen, unbekümmert um den Spott und den Haß der Religionsgegner. Warum tun wir das nicht auch heute? In die Kibbuzim hinein müssen wir unsere Menschen schicken, daß sie dort für die Jüdischkeit arbeiten. Es wäre ein dankbares Feld für jene „Eiserne Garde" unserer Jeschiwamensehen, der „Nowogrudoker", die mit ihrer zähen Unentwegtheit schon geradezu weltberühmt sind. Jüdische Kinder in Erez Israel warten auf G'ttes Wort! Rufet sie im Namen G'ttes an und sie werden den Ruf hören, sie werden Euch folgen, nachdem Orte, den G'tt auserwählt hat! Wochenrtinclschau, Nachklang vonLublin.—Was verschwiegen wird. — Ein beachtenswerter Vorschlag. — Eine Orgel verstummt. Die Festtage in Lublin sind verklungen, aber sie werden nachhallen überall da, wo mangewöhnt ist, den Reden und Rufen der Meister der Thora ein Ohr zu leihen. In einem Manifest, das von Lublin ,an die thoratreue jüdische Welt hinausgegangen ist, lesen wir u. a.: „In der jetzigen schweren Zeit muß unsere ganze Jugend zur Urquelle des jüdischen Lebens zurückgeführt werden, daß sie ihren Halt wie ihren Lebensinhalt nicht in von außen erborgten Gütern, son-. dem in den eigenen Geistesschätzen sucht und findet. Gerade heute ist es an der Zeit, daß sich die jüdischen Massen mit den hohen und heiligen Idealen der Thora vertraut machen, um von hier den Mut, den Trost "und die Kraft zu beziehen, mit denen wir uns in diesen düsteren Zeiten alle wappnen müssen, wenn wir durchhalten wollen. So ruft das Zusammentreffen der Thora das ganze Volk für thoramäßige Erziehung, zum Studium der Thora und zur Hebung der Ehre der Thora auf!" Mit diesem Manifest ist auch die Frage beantwortet, wozu jene rauschenden Feste heute? Gerade heute empfand der Teil des jüdischen Volkes, der treu zum Erbgut der Väter hält, das Bedürfnis, auf die Urquellen unserer Kraft hinzuweisen, Quellen, die durch äußere Umstände nie verschüttet werden können. Diesem Bedürfnis wurde in Lublin in erbebender und" nachhaltiger Weise Genüge getan. Die zionistische wie linksstehende Presse, die jedem Ereignis und jeder Konferenz auf nationaler Basis ganze Artikelserien widmet, hat das Thoratreffen in Lublin so gut wie vollkommen verschwiegen, eine Taktik, die wir auch aus ihrem Verhalten zur jüngsten Kenessio Gedaulo genugsam kennen. Der misrachistische „Hahed" in Jerusalem bringt in seiner Nummer vom Siwan die Anregung eines Mitarbeiters, den Sijum auf D a f Jomi1 nicht auf einen beliebigen Tag zu legen, sondern auf die Chol h a m o e d - T a g e des S u k k o t h f e s t e s eines jeden S c h m i 11 a j a h r es , anknüpfend an die alte Thoratradition der ''Königsversammlung nach Ausgang des Schmitta/ahres. Gegen diesen Vorschlag wäre nichts einzuwenden, er scheint uns sogar akzeptabel. Bezeichnend ist nur, daß die Zuschrift davon ausgeht, daß es „alter Brauch im Judentum sei, täglich ein Blatt Gemoro zu lernen" und daß „vor einigen Jahren ein geistiger Führer diesem alten Brauch im Daf Jomi eine feste Grundlage, gesichert hätte". Daß diese Institution im Schöße der Agudas Jisroel und auf der ersten Kenessio Gedaulo entstanden ist, daß jener geistige Führer zugleich ein Führer der Agudas J is r o e 1 war, daß es überhaupt eine Agudas Jisroel Weltorganisation auf Erden gibt, von all dem weiß der „Hahed" des Raw Benjamin nichts, oder hält es für ratsam, nichts zu verraten. * * * Vor kurzem machte Herr Rabbiner P e r i t z in Marburg im „Israelit" einige wertvolle Anregungen zur Verbringung von Schochtim und anderen Relirfioösbeamten nach neuen Siedlergemeinden in Uebersee. Herr Rabbiner P. übermittelt uns nun die von ihm der Agudas Jisroel und anderen interessierten Stellen eingereichten Thesen und praktischen Vorschläge zur Ausführung des Plaües. Die Aktion ist so gedacht, daß durch Rundfrage zunächst festzustellen wäre, wie viele Schochtim in ihrem Bezirk vorhanden seien, die bis April 1933 mit Zustimmung des zuständigen Rabbiners in zufriedenstellender Weise ihr. Amt ausgeübt haben und wie viele von ihnen heute noch befähigt und gewillt wären, ihr altes Amt in Uebersee auszuüben. Festzustellen wären dabei auch ihre Qualifikationen für die Ausübung anderer Kultusfunktionen (Vorbeter, Kore, Sof er usw.) Neue Uebungskurse werden in bestimmten Fällen vonnöten sein, wofür rabbinische Persönlichkeiten im Auslande gewonnen werden sollen. Verhandlungen mit dem nHilfsverein" und Einvernehmen mit zuständigen Rabbinern oder anerkannt gesetzestreuen Männern in den Ländern, wo sich die Neusiedlungen befinden, ist Vor- E . vJHHpiHHrF $fIMSm ■,. - ■ Die Wandlung. Zum Wochenabschnitt. °\ Von A. Mannheimer in Dettelback. Eine seltsame Wandlung geht in der Seele des heidnischen Propheten vor. So also sieht das Volk aus, das ich verfluchen soll? Das jedem Menschen naturhaft eingeborene Gefühl für Wahrheit und Gerechtigkeit wird wach. Und die Gefühle werden stärker, stürmischer, drängen ungestüm zum Ausdruck. Das Auge feuchtet sich; wie von selbst öffnet sich des Sehers Mund und ihm entströmen Segnungen, wie sie schöner und beglückender vielleicht nie über unser Volk ausgesprochen Vörden. Ja, die Sprache nimmt poetischen Sehwung an. Hinaus in die freie Bergesluft, ruft er ergriffen: „Wie schön sind doch deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel! Wie Bächlein sich hinziehen, wie Gärten am Strome, gleich Aloebäumen, die der Herr selbst gepflanzt, gleich Zedern am Wasser. Man sieht nichts Falsches in Jakob und erblickt nichts Unrechtes in Israel. G'tt sein Herr ist mit ihm und Königshuldigung., erschallt »bei ihm. Vom Gipfel herab beschaue ich es, von Felsen aus sehe ich es: siehe, das ist ein Volk, das für sich lagert und unter die Weltenvölker sich nicht einrechnen läßt." * * * Und die Begeisterung reißt ihn förmlich fort zu dem Wunsche: „0, möchte einst meine Seele den Tod dieser Redlichen sterben und mein Ende gleich sein dem ihrigen!" Zu fluchen war er ausgezogen — und er segnet! Als Feind war er Israels Lager genaht — als Bewunderer und Verehrer kommt er heim. G'tt hat uns unter das Auge der großen Welt gestellt. Zu allen Zeiten und von allen Seiten fielen die kritischen Blicke ins jüdische Lager und nicht immer nahmen vorgefaßte Meinungen eine so günstige Wendung und Wandlung wie in der dramatischen Szene an Moabs Grenze. Wir sind keine Engel und wollten niemals als solche gelten. Das talmudische Wort: die Thora -ist nicht Engeln gegeben worden, galt und gilt unverändert fort für .alle Geschlechter. Aber jeder Einzelne hat als Glied der großen Gemeinschaft die Pflicht, durch sein religiös-sittliches Verhalten dieser Gemeinschaft zum Ansehen und G'tt zur Ehre zu gereichen. Man nennt das Kiddusch Haschern. Niemals prägte sich dieser schöner aus als in dem Schmeichelhaften Worte: „Wie schön sind doch deine Zelte, o Jakob, deine Wohnungen Israeli" Möge ein Abglanz auch auf uris fallen! Kleines Feuilleton. Eine hundertjährige Statistik*). Eine Aufstellung aus dem Jahre 1838 gibt über die Juden in Syrien, Palästina und Aegypten folgenden Ueberblick: 1. Syrien und Phönizien. Damas (Damaskus) 4—500 F., Aleppo 800 F. und 40—SO F. (d.), Kills 50 F., Aintab 40 F., Antiochien 25 F., Latakia 15 F., Hama 4 F., Tripoli 25 F., Sidon 30 F., Sur (Tyrus) 12 F., Beirut 25 F., Acre 10—12 F., Kaifa (Haifa) 25 F., außerdem zerstreut auf dem Libanon. Die Juden sind meist Kaufleute. 2. Palästina. Sameo 15 F. (Hirten und Bauern), Kaisarie 15 F. (Bauern), Begscheri 30 F. (Bauern), Jaffa 10 F. (Handelsleute), Safed 80 F., 30 F. Berber, 200 F. Chassidim, leben-fast alle nur dem Studieren, Tabaria (Tiberias) 25 F. und 50 F. (d.), Nablus 25 F. (auch d.) (Bauern), Jerusalem") 3000 F. (auch d.) 150 Ff (d.) nur dem Studium, 8—9 F. Karaiten, Hebron 50 F. und 50 F. (d.). 3. Aegypten. Alexandrien 200 F. und 2 F. (d.), Rosette 25 F., Damiata 30 F., Kaffo Schich 5 F., Kahira (Cairo) 7 bis 800 F. und 90—100 F. Karaiten. G.. *) Abkürzungen: F. Familien, d deutscher Ritus, wo nickt d bemerkt, stets spanischer Ritus. ••) Damals gab es in Jerusalem für den jüdischen G'ttesdienst außer Stuben in Wohnhäusern nur ein besonderes, aus Brettern und Balken bestehendes Gebäude.