Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1938)
- Date
- 1938-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite' 6 Nr. 28 Der 1 s r~a - e l.~i~:t 14. M\i aussetsung, Hand in Hand mit dieser Aktion soll durch Vertrauensleute eine Propaganda zur Hebung des Kaschruth bei' den Auswanderern und in den neuen Siedlungen im reichsten Umfange einsetzen. Es bedarf kaum eines Wortes, dieses Unternehmen, das sich nach vielfacher Richtung zum Segen auswirken kann, der größten Beachtung der zuständigen Stellen zu empfehlen. . * * * Man schreibt uns aus Worms; „In der uralten Gemeindesynagoge Worms wurde die Orgel stillgelegt. Es gehörte zu den — gelinde gesagt — besonderen Geschmacklosigkeiten des vergangenen Zeitalters, daß man in die alte RaSChlSjChul eine Orgel einbaute. Nun hat die Zeit ein Aerg^rnis von 70 Jahren abgeschafft. Besonders in deljde letzten Jahren, nachdem das polnische Min f'ä'n zu bestehen aufgehört hatte, gab die Orgel genug-Anlaß zu Konflikten. Die Umstände, die das Verstummen der Orgel bedingten, sind für die leider so wenigen thoratreuen Juden unserer altehrwürdigen Gemeinde in dieser schweren» Zeit eine kleine Aufmunterung. An die Seite der großen Gemeinde Zürich kann sich nunmehr auch die alte Gemeinde-Worms stellen." Wir registrieren dieses Ereignis mit Genugtuung und in-der Hoffnung, daß mit der Orgel auch alles Andere aus Gemeinde und Synagoge verschwindet, was an die Zeitverirrungen zu Anfang und um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erinnert. Um die Hebräisierung. Von Ari Wohlgemuth in Riga. In der Wochenrundschau der letzten Nummer des „Israelit" wurde zu einer der wichtigsten jüdischen Kuiturfragen der Gegenwart in einer Weise Stellung genommen, die aus verschiedenen, prinzipiellen Gründen nicht ohne Erwiderung bleiben darf. Es. ist m. E. keineswegs gerecht, Chacham Usiel und Oberrabbiner Amiel, den einen durch das Motiv der Muttersprache, den andern durch das Motiv der Zionsliebe, gewissermaßen zu entschuldigen, wenn sie so resolut unserer heiligen Sprache auf. heiligem Boden und in heiligen Räumen den Weg bahnen wollen. Das heißt bewußt oder unbewußt vorbeisehen an der allseits beklagten Sprach-Problematik des heiligen Landes, vorbeisehen an der Herzensnot von jüdischen Führern, die genau wissen, daß nur durch die Alleinherrschaft der hebräischen Sprache auf Eroberung jugendlicher Seelen in Erez Israel zu hoffen ist. Und damit der Artikelschreiber seinem Kritiker nicht vorwirft, er sei inkonsequent und urteile selbst von der Gola aus, sei hinzugefügt, daß einer der führenden Persönlichkeiten des orthodoxen Chinuch, der auch auf der Marienmit dem 614. Gebot in die Schranken gewiesen, so wäre seine Stellungnahme zu begrüßen gewesen. Er behauptet aber zum Schluß seiner kritischen Betrachtung, daß sich die Tel Awiwer Führer „für einen Beschluß einspannen ließen, der mindestens^ um einige Jahrzehnte verfrüht ist." Wir wollen den alten Streit „Hebräisch oder Jiddisch" hier nicht neu aufrollen, obwohl der Schreiber dieser Zeilen als jahrelanger Lehrer an einer hebräischen und jiddischen Schule des Ostens sicfi wohl getrauen'darf, ein Urteil hierüber abzugeben. Eins steht aber doch fesfs Die Wiederbelebung der hebräischen Sprache ist nächst der allgemeinen Orientierung auf Erez Israel7 das 'große geistig-schöpferische Neue unserer Zeit. Man mißverstehe mich nicht» Die Jeschiwoth des Ostens, die Beth Jakob-Schulen, die thoratreuen Kibbuzim im Heiligen Lande sind die Stützen unserer Hoffnung in unserer an Hoffnung so armen Generation. Aber wie sollen diese an Qualität bedeutenden, an Quantität aber - recht schwachen Kräfte in die Zukunft wirken; wenn man nicht voll und ganz das Positive der neuhebräischen Regeneration aufnimmt? Und ebenso . , i . -n 11 wiß man sich einer tätigen Zionsliebe erschlossen cfi^.^?0688!0.?.680!1^15, he!Ttr^^?,abboner hat, obwohl man die Vorarbeit, des Zionismus akzeptieren mußte— eben weilman um der t Silberstein, ebenso wie der sehr rührige Raw von Magdiel, Raw Maayany, ihm gegenüber betont haben, daß ihre Erfolge auch von dem Faktum abhängig sind, daß sie sich des Hebräischen;, ebenso wie. viele andere junge Rabbiner im -Umgang mit den von ihnen Betreuten bedienen. In der Beurteilung der Streitfrage vermißt man auch völlig das so wichtige e r z ieheris'qhe Motiv. Jeder, der lehrend oder lernend mit fremden Sprachen sich, abgibt, weiß, daß das beste 'Mittel, einen wjrkHchen^ Kontakt mit dar lebendigen Sprache zu finden, nur darin zu sehen ist, daß man sich oder1 den Schüler urfter allen Umständen zwingt^'in der ungewohnten Sprache zu reden; ungeachtet de;:, Ünbeholfenheit und Fehlerhaftigkeit,- die; den ersten Sprachversotchen arihaftef; Wer; diese' Ueberwihdung des unechten.''nic^fcrti^;'bringt; de*, wird-'nach dem Wort derjyiischaa auch nich^ so scfciiSil eSn-rsiV sein. Rein instinktmäßig erkläre ich mir. dig ,vora „Israelit'* so 'abfällig behandelte -rabbinailiche Verordnung durch dieses' erzieherische Motiv. Es ist-keihe Frage, daß jeder ernste pzäV'der in einem «marr drüben zu Worte kommen will, sich in Anbetracht des ausdrücklichen Wunsches der zuständigen tD'ja-v weit mehr aber durch das Motiv^ dervt: p*i$n fl.tö'J'Jp bemüßigtfühlen wird, die unechter Scham a^zulegqn,itihd ,äeih jisinßn Gedanken-' auch das reine Gewand- - .der;. Ji^ferai.- sshen., Spracht leihen wird. * ' \. ' Das . Wichtigste aber, was in diesem Zusam-- m^ha^e-zu^feemerkeh' ist, das ist ein Hinweis ■ r v'?*SrTV'?H-''*:'-{%:~&riJi*m&'- -:**.■> auf die Stellung der Hebraisierting in" der-deut- < schein Orthodoxie sejpst, .die^;gera.de in den letzten Sätzen der in Rede siebenden, Wochenrundscjnau unfreiwillig, ihre Charakterisierung VcMlt. Hätte der ^Israelit'Vdiepolitischen Hintergründe, die angeblich die Verordnung mitbestimmt; ha--, ben, nur ins rechte Licht gerückt und die Leute Zukunft derThora willen der Realität ins Angesicht schauen muß — ebenso kann der einge-; schworenste Fxeund'des ..Jiddischen nicht -umhin« die Realität der hebräischen Sprache für Erez Israel anzuerkennen und^ o^eri 'geistigen Führern des Jischuw zu konzedieren, daß sie die große Chance der ipWjy die in dem Ausdruck alles jüdisch Geistigen durch Iwrith Keil/ rücksichtslos ausnutzen n^KriViirtin b^yrb- Und da kann man klaren Sinnes, behaupten wollen, daß der Beschluß der Tel4;Awiwer Rabbinen „mindestens um; einige Jahrzehnte verfrüht ist?" Oder wollte es jemand nicht geradezu als geistige Katastrophe ansehen, wenn der außerdem« 'r&cnon"genug zerklüftete Jischuw Jahrzehnte warten wollte, bis die heilige Sprache, die Sprächen; des vGalüs .im Lande .upiserer Ewigkeit yerdipättgfjhat?1'; :• «».. Das P^Ychqloiiidhe, das hiht^idiesen »-'Äiisr^ Fassungen' iekanntlichf ist., ^niißte. eigentlich ^ine ausführlichere Behandlung;erfahrenj, als jes '/im,' Rahmen dieser Ausführungen ~ möglich ist; Wer nach Jahren der Abwesenheit in Deutschland Feststellungen über den Fortschritt der^Hebräisierung machen konnte, dem wird die betrübliche Erkenntnis -nich^ersr^arjt gebheberi^ein, daß die heilige Sprache: selbst in orthodoxen Kreisen , trotz aller, Propaganda (vgl. P. Wollmanns verdienstliche, Sch ji|t^r|3"pr) :$li$s!,p^Ühatigen u-isk.. m.) 'ein© ^t£-Q^jl9%js dfeSMify^fH"QP^'Sj alh k t ttr säche- ^geblieben j!i$j>»tM< j£$•,y#rd£yei&.) sichert,' daß Iwrith- und Englis^h^Kürse ije jhach der;-. Konjj^ktü/c;' .Pa^tmä; oder^Ei|gla:nd^Ame-;; rikä, / einer i.Wsteigegide olter. ^^ink"T^ääe'"^- siärclierkurve aufweisen. Ein; bfedeulenjäer.jprtbp^ doxer Pätfägoge Deutschlands; deV^/selbst' Neuhebräischen im Unternchinifi6;ä!ußer&älb des' Unterrichts mächtig ist, sprach sich neuerdings dermaßen gleichgjptig über den r el'^ i o< Wert der Hebräisierung aus, daß' die%s dem Schreiber dieser Zeilen schlagartig die .lose Situation offenbarte, in der sich ieine ziehung zu vollgültigen JudenA «zur Zeit kaum mehr realisieren läßt. Was geben wir unserer Jugend mit auf den schweren Weg, den sie nach Erez Israel oder Galuthländern anzutreten hat? Die-Geborgenheit des häuslichen Friedens und die Geschlossenheit des Kehilla-Lebens, diese beiden Grundpfeiler der orthodoxen Erziehung in Deutschland — sie bersten in der Heimat und sie sind kaum in der Fremde anzufinden. Abgesehen von dem kleinen Kreis der Jeschiwa-Jünger, die sich nicht mit einem Dienstjahr der Thora begnügen, sind doch die geistigen Elemente, die ein opferwilliges Judesein für die Zukunft garantieren sollen, allein durch die Schulen und das Außerschulische Kurs- und Zirkel-System zu schaffen. Und diesen Elementen wird doch beim Fehlen jener wichtigen Milieu-Motive eine ganz erhöhte Bedeutung zukommen. Braucht man noch darüber zu reden, daß ein durch mühsame Uebersetzungs-Methoden erworbenes Wissen keine mitreißende und Hindernisse überwindende Macht, im Inneren des jugendlichen Menschen entfalten kann? Kann man den unmeßbaren Wert einer innigen Vertrautheit mit Iwrith; fürdieses Ziel leugnen? Man muß vorsichtig mit Urteilen sein, wenn sie einen y?3 betreffen. Aber vielleicht sind die vorstehenden Ausführungen geeignet, in all' denen, die es angeht, vor allem aber in der Lehrerschaft Betrachtungen darüber. ..anzuregen, ob sie das Ihrige getan hat, ob sie; das Ihrige tat, um durch ein leichtes, natürlich-inniges Eindringen in die Sprache des ewigen (Judentums den Boden für religiöse Energien in der jugendlichen Seele zu bereiten. Denn nicht um die Fertigkeit, hebräisch zu radebrechen, geht es, damit man nach,Ankunft in Palästina iii der Lage ist, sicb# sprachlich notdürftig durchzuschlagen, so wie man Stunden im Englischen und Spanischen nimmt, um in der Fremde existieren zu können. Nein. Es geht um das Medium der Sprache als Schlüssel zum Heiligtum der jüdischen Seele, es geht um Iwrith als heilige. Sprache, will sagen: h'e'i I i i dadurch, daß jedes Wort ein .Sichyerliefen und ein Ringen um das-G'ttrGewollte in ihmHerhgischtM eine .Aufgabe, die weit mehr Intensität} erfordert, als- Sprachkursey' Will sagen: ß j>r a c°h-e dadurch," daß man .Iwrith ^wirklich Spricht^;ääß. man durch; die Gewöhnung und. natürlicheg Y&tjautheit miVr&em.T lebendigen Worte indirekt und oft unbemerkt .^Positionen': für religiöse Ertüchtigung, gewinnt, Positionen,; die früher! anderwärts (vor allem in Milieu-Motiven) lagen und heute unbedingt irgendwo aufgebaut werden müssen, wollen wir ein Ende bereiten4den jträürigen Nächrichten - über den ,Abfall, von Jugendlichen, die zü^enig gestärktLwaren, ..um in jder^Fremde; u^d Isejbst in '.ün$eYe^ri<L«m'de- -"be-. stehen zu könrterf. J^je "heilige"' ^p^äc^^ist'Twöhl h'jßM die;einzige-;--kbecveine jder.^iclli^ste^i "dife: -Ser^'jPositiprieh!.;^/._ -m".-'^'j .•J.rri!-, ' iü : ,|Nacbbemer:lcüng\~.der "Redäktioni Wir haben Iden saehliohenrftnhalt'-der Zü.s^hrift" des Verdienten Pädagogen wiedergegeben, ohne einzusehenv .warum, man, bei aller .Anerken^ng seiriei* Grundgedanken, es nich^ für schädlich und unbillig halten, jsqll, ]wenn, iwan einem Gdehrten,;derri e i>w a^s z u siaig e n*,:?E;a.i^/nfor '^^iweigert; well" er sich tiöch1 nicht dntülwriili: au^^ücken. ikann, den Lehrstuhl versagt. Wenn der Einsender in def ^^rlleitühg ^vöhfe efnad^Sn^n j?0D sprTfcht, :so sei^ gesagt, daß der 'Wortlaut jener ,^rbr$hüng~ /¥e kes w-e g zd,i6in»Fpr m \ e.4 n-e rV Iva 1 a^c h i sr c K-E n t s c h<&AfLu n h ai und äaßP&^ &adu'a.uckh „■Ha^essöd'- zur t.ersehen; jsi, j dief^aßriafifiie iit r ä b bilf i :S'G$k n nKreisenu^emsalem^,^ Waäer'spf ucli hervorgeruferl'' hat;) h '' — •' - - - :-J;i:ibr n s> i rrr ns 'inv'S'.': : . vs