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Der Israelit · 1938-07-14 · Heft 28 (14.7.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 28 (14.7.1938)
Date
1938-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr, 28 Der Israelit 14. Juli 1938* Aus den Einvernahmen der großen amerikanischen Organisationen ergibt sich, daß die für das Flüchtlingswerk notwendigen Summen — man spricht jetzt von 30 Millionen Dollar — aufgebracht werden können, wenn die Regierungen auf anderem Gebiet den Verbänden entgegenkommen. Andere jüdische Vertreter, so der Vertreter des Jüdischen Weltkongresses, verwiesen allerdings darauf, daß die Organisationen . höchstens ein Drittel der benötigten Summe bereitstellen können. Der Vertreter der Flüchtlinge aus Oesterreich bezifferte die bisher legal erfaßbare österreichische Emigration folgendermaßen: 1000 Emigranten in Frankreich, 2000 in England, 200 in der Tschechoslovakei, 2000 in den Vereinigten Staaten, 500 in der Schweiz,'» 1000 in anderen Ländern. Neben dem genannten Ausschuß hat auch der Technische Ausschuß getagt. Hier warfen England und die südamerikanischen Staaten den Gedanken in die Diskussion, offiziell zu bekunden, daß sich die Konferenz und ihr ständiges Büro nur mit Flüchtlingen aus Deutschland und Oesterreich zu befassen Esch, Paris, im Juli. Die ersten Ergebnisse der Konferenz zu Evian stimmen durchaus hoffnungsfreudig. Es zeichnet sich bereits in großen Umrissen ab, wohin die zukünftige Wanderung sich in erster Linie bewegen wird. Nachy dem das Mitglied der Senatskommission für die Einwanderung in den Vereinigten Staaten, Senator King, in Washington im Zusammenhang mit der Konferenz bereits hat hören lassen, daß die Zahl der Einwanderer aus Deutschland und dem ehemaligen Oesterreich über die bisherige Ziffer von 27 370 Personen pro Jahr hinaus nicht erhöht werden wird, nachdem sowohl Cattädä, die englischen Dominions von Australien und Südafrika gewisse Reserven geltend gemacht haben, nachdem das französische Kolonialgebiet, also auch Madagaskar, für eine Masseneinwanderung kaum als geeignet bezeichnet worden ist, bleiben die Länder von Mittel- und Südamerika übrig. Nicht nur Nicaragua und Mexiko, letzteres Land wünscht vor allem Ingenieure und Handwerker aufzunehmen, sondern auch vor allem Brasilien und Argentinien haben sich in positivem Sinne erklärt, Bei den Vertretern aller Regierungen ist der gute Wille festzustellen, an der Lösung des Problems praktisch mitzuarbeiten, um die Auswanderung von etwa 1/1 Million Menschen zu ermöglichen. Zwei Unterkommissionen sind in voller Arbeit. Die erste steht unter Leitung des ersten Delegierten von Australien, Colonel W. White, und hat die Aufgabe übernommen, die Berichte der großen Privatorganisationen entgegen zu nehmen und, soweit er- Vori Benjamin Minz in Tel Awiw. Auf der letzten Konferenz der Histadruth drang immer wieder der Schrei nach mehr ,, K e d u - scha" durch. Es fehlt uns an der Weihe des Lebens, uns und unseren Kindern. Immer wieder wurde es sogar von führenden Mitgliedern der verschiedenen Linksparteien betont. " Es scheint, daß dabei "auf unsere Kinder" die Betonung zu legen sei. Die Kinder zwingen förmlich die Alten, einmal über die Leere und Oede des ewigen Werktaglebens in den Kibbuzim nachzudenken, wobei freilich zugegeben werden muß, daß sich zuweilen auch in das Herz der älteren Generation etwas wie Heimweh nach der alten schönen „Jüdischkeit" schleicht. Um Mißverständnissen von vornherein vorzubeugen; Noch meinen sie nicht mit der „Keduscha" die Heiligkeit der 613 Ge- und Verbote in all ihren Ausstrahlungen. Was sie eigentlich wollen, wissen sie vorerst selber noch nicht. Sie wissen nur, daß sie einmal in früherer Jugend im Elternhaus etwas hatten, was ihnen hier verlustig gegangen ist und um das sie auch ihre Kinder bringen. Es ist bisher nur ein Gefühl, von dein sie sich nicht befreien können tttid dem klaren präzisen Ausdruck zu geben, sie sich noch ein wenig schämen. Es ist eben das Gefühl der großen Leere, der ewigen Werktätigkeit auf einer Ebene ohne Höhen und Tief en. Man hat ein Neues habe. Dieser Versuch einer Einschränkung der Konferenz scheiterte aber am Widerstand der USA. und Frankreichs. Der Ausschuß beschloß, einen Fragebogen an die Regierungen zu richten. Das weitere Ergebnis der Aussprache läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Die Konferenz wird ein perman e n t e s Büro mit dem Sitz in London beschließen. Das Büro wird in Zusammenarbeit mit den privaten Verbänden einen Finanzplan ausarbeiten. Es wird in allen wichtigen Städten Zentralen, eine Art von „ F lüchtlingsgesandtschaften" errichten. Diese sollen von den Regierungen in den einzelnen Fällen der Emigranten vor allem zu Rate gezogen werden. , Als Präsident der Flüchtlingsorganisation des Völkerbundes, der in erster Linie die P a ß e r t e i - 1 u n g unterstehen wird, ist Sir N e i 11 vorgesehen. Man hofft, die Organisation schon im SeptemberMns Leben zu rufen. Die Arbeitsteilung der beiden Organisationen, des Londoner Büros der Konferenz und des Völkerbundorgans, wird also ungefähr so beschaffen sein, daß Genf für die Pässe und Identifizierung des einzelnen Emigranten, London aber für die Unterbringung der Flüchtlinge und ihre Einordnung, in den Arbeitsprozeß sorgt. forderlich, die Delegierten der Privatorganisationen zu empfangen. Hierbei ist ausdrücklich zu betonen, daß. nicht das Komitee in seiner Gesamtheit mit den Repräsentanten der Vereinigungen Fühlung nehmen wird, sondern nur die in diesem Unterkomitee sitzenden Vertreter der einzelnen Länder. Damit Süll der Tatsache Rechnung getragen werden, daß die Konferenz zu Evian keinen internationalen Charakter hat, sondern eine Zusammenkunft einzelner Regierungsvertreter ist, die jeder für sich nur für ihr Land die Frage der Einwanderung prüfen, ohne dabei innerhalb der Gesamtheit sich international zu binden. Diese Tatsache schließt die Zusammenarbeit aller auf der Konferenz vertretenen Länder nicht_aus. Die zweite sogenannte technische Unterkommission steht unter der Leitung von Hanson-Norwegen, dem Präsidenten des Nansenbüros für russische Flüchtlinge. Diese Kömmission wird die von den einzelnen Ländern unterbreiteten Dokumente ^vereinigen, um zu studieren, wieviel Einwanderer die einzelnen Länder aufnehmen wollen, welche Art von Einwanderern erwünscht 'sind und welche besonderen Verhältnisse in den einzelnen Ländern berücksichtigt werden müssen. Nachdem die Kosten für die Niederlassung einer Familie auf etwa 1000 Pfund Sterling geschätzt worden sind, wird die Konferenz studieren, in welcher Form die erforderlichen finanziellen Mittel bereit ge-« stellt werden können. Hief wird insbesondere daran gedacht, in Zusammenarbeit mit dem Ursprungsland der Auswanderer die vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden.- aufgebaut und darin alle Hoffnungen versenkt. Mit dem Heranblühen von Kindern merkt man aber, daß man seelisch vor dem Nichts steht und man den Lieben so gut wie nichts zu bieten hat. Und ein Wunder geschieht. Nach zwanzigjähriger Abkehr von der Religion blüht religiöses Empfinden mit Kindern neu heran, die religiöses Leben nie gesehen haben, deren Auge sich nie am Scheine von Sabbatlichtern geweidet, deren Ohren nie ein Gebet gehört haben. Ein großes Staunen ging durch die Arbeiterreihen. „Wir verspüren etwas wie Heimweh nach einem verlorenen Paradies. Aber diese Kleinen, die in unsere harte Arbeit und Sachlichkeit hineingeboren sind, woher bei ihnen dieser Drang, dieser Schrei nach Weihe und Vertiefung?" Man sucht nach Gründen oind übersieht den einzigen wahren Grund: das Erbe im Blute, den jüdischen Geist, der sein Recht im Herzen des jüdischen Menschen sucht und sich nicht verdrängen läßt. . Zwanzig Jahre freireligiöse Erziehung, bei der das Kind den Namen G'ttes nicht" hören durfte, weder bei Freud; noch bei Leid. Wir haben Schulbücher, in - denen beispielsweise, das "- Sukkothfest mit den Originalworten aus M. III verzeichnet wird: Und Ihr nehmt Euch am ersten. Tag eine Frucht vom schönen Baume, Palmstenl*el und einen Zweig aus Myrtenholz und Bachweiden und Ihr freut Euch...." Punkt! Die Fortsetzung des Satzes „vor Eurem G'tte" wird einfach unterschlagen. Selbst Josef Klausner, der gewiß nicht im Verdachte der Ueber-* frömmigkeit steht, sprach es auf der Lehrerkonf.erenz im Nissan des vorigen Jahres aus, „Ich sah, wie ein Lehrer den Kindern die biblische Geschichte (nicht die Bibel selbst)- vortrug und über clie Dinge geradezu hinwegraste. Als ich ihn zur Rede stellte, rechtfertigte er sich, er könne doch den Kindern nicht Sätze vortragen, in denen so oft der Name G'ttes vorkomme." Klausner erzählte auf der Konferenz, daß er wertvolle junge Menschen kenne,., die keine Spur von Keduscha gelten lassen. Erez Israel ist für sie so wenig heilig wie Iwrith. Als ein arabischer Gelehrter im Emek auf die Frage eines Jung ens, woher er komme, die Antwort gab: „Aus der heiligen Stadt", sah ihn der Junge groß an und fragte: „Was willst Du mit der Heiligkeit, wieso ist die Stadt heilig?" Und Klausner beschwört die Konferenz, endlich für die nationale Erziehung etwas zu tun. Dabei vergißt er, daß diese Zustände ja eine Folge der nationalen Erziehung s in d. Er sprüht von „Keduscha" und will dabei nicht wissen, daß er selbst, bewußt oder unbewußt, an der Schaffung dieser Atmosphäre der Unheiligkeit eifrig 'mitgewirkt hat. Aehnlich wie Klausner auf der Lehrerkonferenz hat auf jener Histadruthversammlung Berl Katzenel s o n , der Redakteur vom „Dawar", manches harte Wort über die nationale Erziehung in den Kibbuzim gesprochen. Es kommt dabei nicht viel heraus, — weil keiner von diesen Mahnern bis zur Quelle des Uebels vordringt. Sie sagen das Olef, haben aber nicht den Mut, bis zum Taw zu gehen ... Es wäre schade um jedes Wort darüber,, bätt& man alle _ Hoffnung verloren. Es wäre beispielsweise müßig und unsinnig, sich mit. dem Polnischen „Bund" über diese Dinge auseinanderzusetzen. Hier in E, «L zeigt sich j e do.c h ein b e s s eres Erk e n n e n. Es glimmen Funken, die vielleicht auch noch zur Flamme angefacht werden können f Die Kinder in jenen Eckpfeilern der Religionslosigkeit, wie in. En Charod, machen ihren Eltern große Sorgen, besonders nachdem die Poälim ihre alten Eltern, also die Großeltern der Kinder, kommen ließen. Man hat den Alten besondere Winkel mit besonderen Küchen zugewiesen, gewisse „Isolierräume", in denensich auch eine Thorarolle befindet, und wo man sogar mit Minjan betet. Was geschah? Die Kleinen und die Kleinsten verlassen in jeder freien Minute ihre Eltern und laufen zu den Großeltern, um mit ihnen zu beten, um eine Sefer Thora zu küssen, um Sabbätlichter zu sehen, um sich vom Großvater die biblischen Geschichten im Original und in ihrer Vollständigkeit und. auch einiges über die Fest- und Fasttage vortragen zu lassen. „Was sind das für Schächtelchen, die der Großvater auf dem Kopfe morgens trägt?" fragen sie. Und wenn sie einmal -wissen, was darin geschrieben steht, fragen sie, warum nicht auch der Vater so was anlege. Plötzlich wissen die Kinder, daß es einen Schöpfer der Welt gibt, der die- Tore des jüdischen Hauses mit den „Mesusoth" beschützt. Auf einmal lernen sie einen ganz anderen S a bbat kennen, als wie sie ihn im Kibbuz erleben: erfahren, daß es überdies einen Rosch Has'chana und einen Jomkippur gibt. Eine Umwälzung geht in ihrem kleinen Gehirn vor. Eine Stunde Anschauungsunterricht beim Großvater hat ihnen mehr gegeben, als jahrelanger Unterricht in der Schule und im Leben des Kibbuz. Es kommt vor, daß Kinder am Freitagabend unter Tränen wünschen, daß Mutter Licht anzünde und der Vater Kiddusch mache. "Kinder weigern sich, in derPessachwoche, be£ /ihren Eltern Chomez zu essen und flüchten sich;in den pessachmäßig hergerichteten „Isolierraum" der Großeltern/ Sie sprechen mit ^blanken Äugen vom Die ersten positiven Ergebnisse der Konferenz in Evian. Weitere Berichte über die Staatenkonferenz unter Letzte Nachrichten auf Seite 11. ■■■■■■^■■■■■■■■■■BHBHnHHHHHHBBHHMHHHHHHnHHHHHHHriBn Erez-Israei-Kinder.

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