Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-07-14 · Heft 28 (14.7.1938) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 28 (14.7.1938)
Date
1938-07-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451039--83832-2541860
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 Nr. 28 D I s r-a e l -i * , i S^f!^«5^^^^§^^^^^^ ~ \W 14. Juli 1938 dem Liaison CommiUee der pfiv&teii -Organisationen und der zu schaffenden inter-gouvernementalen Konferenz zu regeln. ' Unter denostafrikanischen Kolonien, von denen Lord- Winterton in seiner Einführungsrede sprach, ist zunächst Kenya, in zweiter Reihe. auch Ügarida verstanden. FreitagrSitzung (8. Juli). Am. Freitag, den 8.. Juli, sprachen nach dem australischen Vertreter, dessen Rede eine starke Depression hervorrief, der Delegierte Canadas, Mr. Wrong, Er sagte, daß die von der Konferenz vorzunehmende Prüfung sich nicht ausschließlich auf die, Möglichkeit der permanenten Niederlassung politischer Flüchtlinge aus Deutschland beschränken dürfe. Auf alle Fälle müßten die Ursprungsländer der Auswanderer zur Lösung des Problems beitragen. Das Hauptinteresse konzentriert sich nunmehr auf die Arbeit der aS u b k o m i t e e s.. Vor dem einen dieser Subkomitees, das sich mit ff&l der Anhörung der Vertreter der privaten Organisationen und mit der Entgegennahme ihrer Memoranden beschäftigte, sprach zunächst Prof. Bentwich, der e^ich die jüdische La^Q in Rumänien, Polen und Ungarn berührte. Er unterstrich die in dem gemeinsamen Memorandum enthaltenen Empj fehlungen, das unterzeichnet ist' von folgenden 0 ganisationen: Council for German Jewry (Viscount Samuel); IC A(d'Avigdör Goldsmid) HIA-S (James Bernstein); Joint Foreign Committee (Neville Laski und Leonhard Montefiore); Jewish Aid Committee (Otto Schiff); Agudas Jisroel World Organi S a t i 0 n (Jacob Rosenheim). Das Memorandum gibt eine Uebersicht über den bisherigen Verlauf der Emigration und befürwortet die Fortsetzung der bisherigen Metho den,, die auf eine durchdachte Förderung und Lenkung der individuellen Auswanderung unter zweckentsprechender Vorbildung und Umschichtung der jugendlichen Auswanderer hinausgeht. Auf Prof. Bentwich folgte Lord M a r 1 e y , der namens des ,,0 r t" insbesondere auf die Notwendig keit der Berufsschulung der zukünftigen Emigranten hinweist. Mr. Eduard O u n g r e als Vertreter . der IC A , der HICE M und der All i a n c e Israeli t e zeigte Möglichkeiten der Emigration und Kolonisation. Im Namen des Board of Deputies hob Mr. A. G. Brotmann hervor, daß in Groß britannien die zugelassenen Flüchtlinge sehr stark zur Verminderung der Arbeitslosigkeit beigetragen hätten, indem sie neue Industrien ins Leben riefen; wie man überhaupt anerkennen müsse, daß die Flüchtlinge den Ländern; die sie 'Zu ließen, mit allen Mitteln sich dankbar erwiesen hätten. . Namens der Agudas Jisroel World Organisation überreicht Mr. ' H. A. G 6 o d m a n in Form eines Memorandums eine Reihe' von!,z üj;- sätzlichen Anregungen und Forderungen über die in der gemeinsamen Eingabe Tder großen Organisationen niedergelegten Wünsche hinaus. In seinen mündlichen Ausführungen lenkte Mf. Goodman die besondere Aufmerksamkeit des Komitees auf das Problem der burgenländisehen Juden, wobei es sich um etwa 2600 Seelen handle und für die die Agudas Jisroel die besondere Verantwortlichkeit übernommen habe. Es müßte» unmittelbare. Schritte geschehen, üm'.diese' absolut heimatlosen Menschen' in anderen Ländern so rasch'-wie mögliqh. anzusiedeln. ,Das agudistische Memorandum verzeichnete ferner mit besonderer Befriedigung die sympathischen Aeußerungen des ahierikanischen Vertreters Mr. Taylor und bittet im Sinne dieser Zusicherungen eine Abänderung des gegenwärtigen Affidavitsystems im 'Rahmen derbe st e h e nden Einwa'nderungsgesetzge hu n g nach der Richtung ins Auge zu fassen, daß außer den in-, dividliellen Affidavits auch den Einwanderungsorganisationen die Kollektiv-Garantie für Gruppen vo« Einwanderern freigestellt werde. Endlich wird scharf die Notwendigkeit betont, daß bei der Lösung des Emigrationsproblems, in welcher Form auch( immer, neben den politischen und wirtschaftlichen, aiichu die religiösen Bedürfnisse!1der Auswanderer; viel mehr als b i s^h eifi. b e r ü ck sie h^JLd t . werden. Die Agudas Jidroel-Orgäni^ation. stelle hierfür ihre guten DiensteL gerne zur. Verfügung1." Es müsse ihr aber die Möglichkeit geböten werdend in kollegialer1 Zusammenarbeit" mit den anderen :.Oe-;; ganisationen für die Förderung der religiotznWohXia^ rend der Wanderung und im Einwände r u n gjs l a n d*p(,zü Hvlrken'. ,v. *{ ... f , 11 '* Für Ite E,MC Ö £i sprach4DW*Fr?u4z?k lH; "*ür die;Fr;e:lil ä:ft dl i'ga iDfi S,t ei nh ßü^j-Eine An-, zahl Organisationen verlangten, daß;jnan die Ansiedlung geschlossener Massen vqn Juden In ttnbeyölkerten Territorien in Australien, Afrika und Südamerika trotz alle r 'nh eute scheinbar bestehenden Hindernisse energi-sch ins Auge fasse. M. Boris Gurewitz im Namen des „Komitees .-zur Verteidigung deri' jüdischen Rechte", trat den Ausführungen des australischen Vertreters in der Freitag-Sitzung, der übrigens zufällig Vorsitzender des Subkomitees ist, in eindrucksvollen Ausführungen entgegen. * .[. Das zweite Komitee begann am Samstag seine praktische Arbeit, die darin besteht, Erklärungen der 32 Länder über die Zahl und den Typus der Einwanderer entgegenzunehmen, die die Länder in der nächsten Zeit aufzunehmen bereit sind. Das Komitee beschäftigt sich ferner mit der Frage der Einführung international anerkannter Pässe für die Flüchtlinge, ähnlich den Nansenpässen. Starken Eindruck machte das ausführliche Expose, das in der Plenar-Sitzung der Konferenz von gestern, der High Commissioner" for Refugees, Sir Neill Malcolm, erstattete. Sir Neill Malcolm ging im Sinne des auch von der ICA und dem Council for German Jewry seit langem, vertretenen Standpunktes davon aus, daß sehr wenig Aussicht auf die Möglichkeit einer Massenansiedlung von Juden in Überseeischen Ländern vorhanden sei. Er glaube nicht, daß die privaten Organisationen irgend etwas Wirksames nach dieser Richtung unternehmen könnten. Er sei zu dieser Ueberzeugung gekommen nach Beratung mit den High Commissioners der britischen Dominions und den Vertretern der zukunftsreichsten überseeischen Länder, und diese seine pessimistische'Aüffassung sei ja auch mehr oder minder durch die "Regierungsvertreter während der letzten zwei Tage bestätigt worden. Es sei sowohl für die Dominions als für die anderen Länder viel leichter, beträchtliche Ziffern von Einwanderern aufzunehmen, sofern diese als I n d i v id u e n immigrieren, imstande sind, Beschäftigung zu finden und assimiliert werden können. Eine solche. Infiltration werde deshalb wahrscheinlich bessere Resultate geben, als eine Massenwanderung. Seit 1933 hätten ungefähr 150 000 Personen Deutschland verlassen. Von dieser Gesamtsumme hätten ungefähr 120 000 ein Asyl gefunden, ' so daß nur 30 Q00 ohne endgültige Wohnsitze blieben. Diese Zahl ble:be mehr oder minder konstant, weil immer neue aus Deutschland hinzukämen, die immer , die Plätze derjenigen ausfüllen, die weiter wandern. Aus diesem Grunde glaube er, daß der meist versprechende Kurs derjenige sei, de n: privaten Organisationen in ihrer Tätigkeit zu helfen und dabei könne das neu einzusetzende Komitee eine wichtige Rolle spielen. ••'{"■" Zur erfolgreichen Auswanderung'seien drei Dinge nötig: Land, A u s b i 1 d u n .^ und Geld. Von dem Leiter der ICÄ habe er gehört, daß die Ansiediung einer Familie auf vorhandenem Grund und Boden eine Maximalsumme von Lst. 1000 erfordere. Das YOljgestreckte Geld werde mit Zinsen in eineV' Durehschnittsperiode^von; 14 Jahren zu-'- r ü c k b' e z a h \>VJ Er glaube, , das,. Komitee . würde ein gutes Wearkiiun, . wenn . es, fweitere Summen zur Verfügung der verschiedenen Organisationen stellte, wobei, {las. Geld . jedoch nicht auf philantropischem Wege 'aufgebracht, sondern von den Regier rungeri'in Form von Anleihen zur V e.rf ü g u ng. . g e s t e 111 werden müßte. Angehörige freieiy Berufe, wie Aerzte> Advokaten, Ingenieure | könnten billiger angesiedelt werden. Die wirkliche Schwierigkeit bestehe darin, für die weniger-vorge; biljdeten Massen etwas zu finden, die Europa lyer.- Ias|sen sBÜen. Das zu ernennende Komitee, jclas,? hin- 'iei sich das enorme Prestige .des Präsidenten„und des Volkes der Vereinigten Staaten von Nordanierikä haben werde, könne vielleicht bei der deutschen Regierung erreichen*, daß :dvMe -in Bezug auf die finanziellen Mittel der Auswanderer entgegenkomme und auch den privaten Organisationen, die schon so viel getan hätten, finanziell zur Seite stehe. Dann könne man in ,s p ä t er er'Ze i t' vielleicht sogar an Pläne - einer Auswanderung und Siedlung großen Stiles herangehen, die im Moni«»* unmöglich sei. Vor der Rede Sir Neil! Malcolms gaben die Vertreter der südamerikan i s chen Staaten wohliwbllende, Erklärungen: ab,;- ofene jedoch^ bestimmte jVerpfliehtungen Jzu! übernehmen. Der Vertrfe.te.r ^vdh Columbien berührte in einer Rede die rechtlichen;Fraggnu xjkZL. vc;u ^-y?- ,; V_. -, temperamentvollen1 j Wie,'aus dem Verlauf der Vernehmung lÄer Aptfh .Iten /Öjrganisatioheir hervorgeht, 7feesteht' zwischen diesen ' eine grundlegende Mfinüngsversehiedenheit in BezVg auf ,'d!ie Möglichkeit.) eine;* M a s,s,e;pa s i ed 1 u ng. v o n"*' Ju d e if; i n ü b>ers e ischen Territorien. ^Während die: ICA und der Council for German Jewry in Uebereinstim'mung mit dem; High ..Commissioner for Refugees jede. Ar: .-beit nac,h diese* Richtung z u näc;h/s't für.'aussichts1los halten, stehen eine" gatee^ ÄnzaHl an^r^ großer jüdischer Organisationen auf denT entge^ViBgesetzVen Standpunkt. -Sie halten es, für falsch, die. gegenwärtige ablehnende Haltung der großen ÜDeHeeisc£en Staaten als endgültig hinzunehmen, weil sie offensichtlich vielfach auf ganz irrigen . Voraussetzungen beruhe, so d ,a ß Auf klär ungs a r b e* i\ gute Dienste tun könnte. ''/ ' ' . .;> ' ' : i v In Bezug auf das von der Konferenz einzusetzende permanente interrgouvernementale Organ sind die Diskussionen noch im Gange. Der ursprüngliche Vorschlag Taylors; dieses Organ in?Paris zH domizilieren, scheint keinen Anklang zu finden, td Es wird statt dessen London vorgeschlagen, weil dadurch eine engere Zusammenarbeit mit dem Office des High Commissicmer for Refugees ermöglicht wird. Zwei Beamte, die von der polnischen Regierung als Beobachter nach(jEyian entsandt worden waren, haben, wie man hört, beschlossen, zurückzureisen! weil die beiden Subkomitees sich an die' Weisung des Vorsitzenden gebunden: erachten, sich lediglich mit der Frage der Auswanderer aus Deutschland und Oesterreich zu befassen. Montag-Sitzung (12. Juli). .:•).'' Präsident Taylor teilte gestern mit, daß, die Konferenz von Evian am Freitag mit einer R e s o lution abgeschlossen werden wird. In der öffentlichen Sitzung, die am Montag abgehalten' wurde, betonte der s c h w e d i s^c h e . M i n i s t ejr; E n g z e 1, daß Schweden die Genfer Paßkon=. yention bisher nicht ratifiziert habe, weil die liberalen Bestimmungen des Landes eigentlich über clieste Konvention hinausgehen. Schweden werde jeden Vorschlag der internationalen Zentrale der Konferenz wohlwollend prüfen und die Einwanderung nach Schweden tunlichst erweitern; Der Delegierte verwies als erster Staatenvertreter auf die Notwendigkeit einer materiellen Teilnahme der Regierungen an der Lösung des Problems. Auch hierbei gedenke Schweden mitzuarbeiten. Schweden betrachte die Judenfrage als ein dringliches Weltproblem. . Der Delegierte Irlands erklärte, daß. sein Land zu wenig Boden für seine Bauern und die Industrie zu wenig Möglichkeiten fremden Arbeitern biete und daß auch die freien Berufe überfüllt seien. Ein großes Expose unterbreitete der Chef der eidgenössischen Schweizer Fremdenpolizei, Neun Prozent der Schweizer Bevölkerung bestehe aus Ausländern. Die Schweiz habe 355.000 Fremde, von denen 300.000, mit Arbeitsbewilligungen ausgestattet, den Schweizern gleichgestellt .seien. Im April 1933 seien allein in der Station Basel 10,000 Juden aus Deutschland angekommen. Vom 12. März bis zum 1. April 1938 seien 3 0j0 0 österreichische Einwand'erer in die Schweiz gekommen. Die Schweiz sei als Einwanderungsland ysaturiert. Ihrer Tradition getreu werde Sie aber als Transitland das größte Entgegenkommen zeigen. Von den. außereuropäischen Staaten sprach der Vertreter Nicaraguas im Namen, Cöstaricas, Nicaraguas, von Honduras Und P ä r a g u a y. Die vier Länder seien bereit, in der Landwirtschaft beschäftigte Personen aufaunehmenf lehnen; aber Kaufleute und Intellektuelle ab. Der .Vertreter vpn Paraguay wies außerdem auf die weitherzige Gastfreundschaft seines Landes hin. . .Das Hauptinteresse der Konferenzteilnehmer riöhtet sich,jetzt auf die Schaffung der Permi» n e n ten Z e n t r al e. Mari ist sich dabei endgültig einig geworden, die ZeMrale nicht : in Paris, sondern5 in L'ö n d o nzu etablierjen.i; .; Man hofft, Taylor dazu zu bewegen, daß er die P ,r ä s i d e n t 's c h a f t deri S t ä n d i g en . K o m - .mi s s t o nv annehme.: 'Andernfalls würde. R o o s e - v e ITt:;eine gleich bedeutsame Persönlichkeit große Chancen; hat der ehemalige Außenminister Stirnson — ernennen. Es1 ist jedoch sehr beachtenswert, daß die Vereini^Un Staaten auf jeden F all die L"e itung übernehmen, werde n.. Der Vorsitzende der Kommission würde weitgehende? Vollmachten haben; ihm würde u. ä. die Aufgäbe •zufallen., .mit' den Regier u'n g e nüber die Aus-, '. wandefuh^' ''aller* Personen zu verhandeln,..,die ihr Heimatland ''Verlassen*.wollen.;; .; If. .; ^iehrere - Konferenztlilnehmef^1 -haben ,!'angeregtr daß die TJ^'Ä. "für das gewährte Plus, von Emigranten; aüs Dedts'chländ und QesUi^M^rrrrj-, etwa* 2000 im- Monafcstreie^t) f e nd c «TJf«.' anerkennt. Ih Auswanderer kaufen alle Kurzwaren gkt^Mi^bei ^einimegM <;ö;j »; \:U:-t. nnu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.