Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1938)
- Date
- 1938-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7, Juli .1338) Der Israelit Nr. 27 Seite 7 Die Veranstaltung itt Paris. n Gewiß ist der Sijum auf Dä'f Jaumi in der ganzen Welt, wo Agudisten wohnen, in feierlicher weise begangen worden. Aber wohl nur an wenigen Orten kommt dieser Feier eine solch historische Bedeutung zu wie in Paris. Durch diese Feier, die am Vorabend des 28. Srviran stattfand, merkte man erst deutlich, wie stark' und nachhaltig das große Werk des heimgegangenen Lubliner Räw in der Riesenstadt an der Seine Wurzeln geschlagen hat. Als in der Woche, die dem Sijum voranging, man mit den Vorbereitungen begonnen hat, glaubte man, kaum auf eine nennenswerte Beteiligung rechnen zu können, da innerhalb der offiziellen Kreise der Aguda nicht allzuviele Mitglieder sich am Daf Jaumi beteiligten. Wie erstaunt waren wir aber alle, als auf einmal die Kunde aus einem Beth Hamidrasch kam, das in g'af keiner Beziehung zur Aguda steht, daß man dort regelmäßig den Daf Jaumi gelernt habe und die Absicht habe, den Sijum dort zu feiern. So wurde denn zunächst am Sonntag Abend in der Rue Saulnier unter Leitung von Herrn Rabbiner Schochetmann von den Mitgliedern dieses Beth Hamidrasch dieses Sijum abgehalten. Späterhin um 9 Uhr abends aber hatte der Vorstand der Synagoge in der Rue Gadet seine Mitglieder eingeladen, um zunächst dort in der Synagoge den Hadran Aloch von Herrn Rabbiner Rubinstein zu hören, der in geistvoller Weise auf den Schluß vcm Traktat Nida Bezug nahm und die Einheitlichkeit von Lehre ünd Leben im Geiste der Halacha verlangte. Sodann ergriff der Herr Gemeinderabbiner Dr. Münk das Wort und gab eine hinreißende Biographie des Stifters des Daf Jaumi und schilderte seine persönlichen Eindrücke bei der Kenessio Gedaulo vor 15 Jahren, als der Daf Jaumi das erste Mal eingeführt wurde. Zum Schlüsse kündete er an, daß vom 29. Siwan an in der Rue Cadet der Daf Jaumi täglich gelernt würde. ' Im Anschluß an seine Ausführungen" ergriff Herr Oberrabbiner Liber, Direktor der Ecole Rabbrmque, das Wort, um seiner Freude und, Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, daß sich in Paris ein Kreis von Menschen befinde, welche der Thora ihre Tage und Nächte weihen. Er erinnerte an die; ehemalige Schaß Chewra in Paris und an seinen' Lehrer, Rabbiner Weiskopf, dessen Synagoge nunmehr in Treue die alten Traditionen aufnehme. Schließlich ermahnte er, unter Hinweis auf die Schlußsätze von Traktat Berachoth zum Frieden, Einheit und Brüderlichkeit unter allen Schichten der französischen Judenheit. Er sprach die Hoffnung aus, daß, wenn in zwei Jahren man den 900 jährigen Geburtstag von Raschi feiern werde, in Frankreich die französische Judenheit ihrer Thora Vergangenheit mit Stolz und Freude gerecht werde. Von der Rue Cadet begab sich die gesamte Festessckai*, die aus ea. 150 Teilnelmern bestand) in das nahegelegene Restaurant, um dort als Gäste der Rue Cadet unter der bewährten Leitung des Vorsitzenden der Pariser Aguda, Maitre Mathieu Muller, den Sijum richtig zu feiern. Das Mahl wurde durch Thoraworte. des Herrn Rabbiner B e r m a n n gewürzt. Zum Schluß ergriff Herr Dr. E h.r m a n n , der zufällig in Paris anwesend war, das Wort, um in seiner Eigenschaft als Mitglied des Waad. Hapoel der Agudas Jisroel in Ausdeutung der letzten Zeilen von Schaß und ihrer Verknüpfung mit dem Anfang der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, daß in immer stärker wachsendem Maße sich in der französischen Metropole Limud Hatorah und dessen Betätigung im Leben durchsetze. Seine Worte hinterließen nachhaltigen Eindruck. . Lange nach Mitternacht trennten sich die einzeihen Teilnehmer von dem schönen Fest^V das in überwältigender Weise die Lebenskraft der Agudas Jisroel in- Paris dartat. —h^-. . Walsertal beschlossen, künftig Juden .nicht mehr aufzunehmen. ' Belgien. Ausländer in Belgien. B r ü s s e 1, 3. Juli. Das belgische Generalkonsulat in- Wien teilt miti daß Ausländer, die sich in Belgien niederlassen wollten, sich vor allem die durch die internationalen Konventionen vorgeschriebenen Dokumente beschaffen müßten. Diese Abmachungen basierten auf .strengster Reziprozität. Den belgischen Gendarmerie- und Zollbehörden seien daher bindende Instruktionen erteilt, Ausländer, die die Grenze ohne die erforderlichen Dokumente überschreiten wollten, zurückzuweisen. Ordnungsmäßig eingebrachte Gesuche um Aufenthaltsbewilligungen, worüber die Konsulate Auskunft gäben, würden im Hinblick auf den Schutz der nationalen Wirtschaft und der öffentlichen Ruhe geprüft. Polen. Warschau—Kowno. Warschau, 1. Juli. Heute fuhr, nach einer Pause von fast zwanzig Jahren, der erste Zug von Warschau nach, Kowno ab. Damit ist der normale Eisenbahnverkehr zwischen Polen und Litauen wieder aufgenommen worden. Auch in jüdischen Kreisen begrüßt man lebhaft das Ereignis, von dem man sich die Wiederherstellung der traditionellen geschäftlichen und geistigen Verbindungen zwischen den beiden jüdischen Zentren verspricht. Griechenland. Bet Diu auf Korfu. Athen, 1. Juli. Ein spezielles Regierungsdekret anerkennt das Bet Din (rabbinisches Gericht) der jüdischen Gemeinde auf Korfu als rechtliche Instanz, deren Entscheidungen zwischen Juden Rechtsgültigkeit haben. Neben Saloniki ist Korfu das zweite anerkannte Bet Din in Griechenland. Amerika. Um die Teilung Palästinas, New York, 24, Juni, Eine Delegation des christlich-amerikanischen Pro-Palästina- Komitees unter Führung von William Green wurde heute vom Außenminister Cordeil H u 11 empfangen. Die Delegation übermittelte ihm den Wunsch nach freier Immigration nach Palästina und nach Errichtung eines jüdischen Staates auf dem gesamten Territorium Palästinas. Die Delegation wurde ferner im Weißen Haus und vom britischen Botschafter Sir Ronald Lindsay empfangen. Südamerika. Wir brauchen Einwanderer! Montevideo, 20. Juni. Das „Mitteilungsblatt der Synagogengemeinde Montevideo" bringt eine Erklärung des neugewählten Präsidenten von Uruguay Baldomir, die u. a. lautet: nUrugüay ist ein wenig bevölkertes Land und bedarf der Einwanderung, aber es benötigt eine Einwanderung, die aufs Land geht. Wir brauchen keine Einwanderer, welche ein ernstes Problem der Arbeitslosigkeit in Montevideo schaffen. Ich glaube nicht, daß es in Uruguay eine wirkliche antisemitische Strömung gibt, wenn es auch ein gewisses Unbehagen : unter den Kleinhändlern dev- Hauptstadt gibt, die ihre Geschäfte infolge 'der . jüdischen .Einwanderung zurückgehen" sahen;! die jüdischen Einwanderer machen ihnen eine - erfolgreiche Konkurrenz, weil sie mit' geringem Nützen arbeiten, Und sehr moderne Methoden "anwenden. Ich glaube, daß- Uruguay im Detailhändel ein wenig rückständig geblieben ist, aber seih Handel ist wohl in der Lage, diese Rückständigkeit wieder einzuholen, so daß es nicht wahrscheinlich ist, daß aus diesen Gründen eine bedeutende oder dauernde antisemitische Denkweise entsteht. Es ist klar, daß die Juden, deren Leben in gewissen Teilen Europas unmöglich geworden ist, Asyl in-s anderen Ländern finden müssen,^ und Uru? guay wird daran . ohne Zweifel teilnehmen müssen; Weder., die Yerfassung noch die Gesetze machen Unterschiede aus Gründender Religion' oder Abstammung derEinwanderer, aber im Falle einer plötzlichen Vermehrung der Einwanderung konnte es notwendig' werden, spezielle Gesetze zu machen, um die Einwanderung so zu regeln, daß eine Erschütterung" /des ökonomischen Gleichgewichts des. Landes vermiedeii " wirdi'; Aber diese Gesetze werden sich nicht nach rassischen, nationalen oder religiösen Gründen richten. Man wird den Antisemitismus in Uruguay-unter, meiner Regierung nicht antreffen und ichf 'glaube auch unter keiner anderen. * •' Korrespondenzen. Deutsches Reich. Sammlungen für Jugendalijak./ Frankfurt a. M,, 4, Juli. Die Palästina- Zentr a 1 e der Agudas Jisroel weist erneut darauf hin, daß bei Sammlungen für die Jugendalijah nach Erez Jisroel - bezüglich der Frage, .. ob; orthodoxe Kreise für diesen Zweck etwas geben sollen, Folgendes au beachten ist: Es sprichtnichts dagegen, daß orthodoxe Kreise, sich anden Sammlungen für die Jugendäliiah beteiligen, wenn der jeweilige Spender ausdrücklich bei Uebergabe seiner , Spende bemerkt, daß seine Spende für die agudistische Jugendalijah, bestimmt ist. Es liegt' eine Vereinbarung zwischen, :der^ Palästina-Zentrale und der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah vor, derzufolge alle Spenden, die mit dem Bemerken „für ägudistische Jugendalijah" gegeben werden, ausschließlich dieser bei Ver« wirklichung der agudistischen Jugendalijah zugute kommen. Die Palästina-Zentrale ist also nur daran interessiert, daß auch weite Kreise der Orthodoxie für die Jugendalijah geben, denn um so eher wird es ihr ermöglicht, die ägudistische Jugendalijah durchzuführen.. Eigene Sammlungen ,der Palästina-Zentrale für:■■■■ Jugendalijah.;, finden, auf "Grund' des erwähnten Abkommens jn-ichif,-statte, _ " Neue Verordnungen; ■' - i' ■•- - :i, ..y Berlin, 3- Juli. . . Wie bereits gemeldet,' wird in: einem Erlaß : .des Reichswirtschaftsministers vom 20. Juni bestimmt, daß an sämtlichen deutschen Börsen und amtlichen Großmärkten Juden nicht mehr zugelassen werden, und daß die bisherigen Zulassungen widerrufen werden. Bis auf weiteres wird jedoch jüdischen Firmen die^'Mö'glhjhKeli'^gegfebeni sich durch •nichtjüdische Prokuristen oder Bevollmächtigte vertreten z,u lassen. ^Ab'-l. Oktober 193SV gelten neue, , vom Reichserziehungsm'inister erlassene RichtHnien. siür die .'Zulassung; von "G a;s t h ö r e r n an den deutschen Hochschulen; Danach s; können Juden, Jidie die-: deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, nicht 'mehr:' Gästhörer Sein» J ü Jüdische: Mjsc^inge konWri' zugelassen werden; > " ,". . _ '7 ''" J. Uhler Bezugnahme - aufden .l^riaß^.'de?,. ministers des Innern vom .24. - Mai,,, der den K u'r - o r t e fr die|;Möglichkeit gibt, für jüdische Kurgaste Beschränkungen vorzunehmen,_ haben, mach eiiö!em}Bericht der „C.> V.-Zeitung",rwU-di.%^urk"ömmissi^ Bad Gastein, auch die Bürger^e^ier denverkehrsorte im Oberallgäu und "im Meinen Das Reichsppstministerium hat angeordnet, daß Postwurfsendungen jüdischer Absender nur noch zugelassen sind, wenn die Sendungen an jüdische Gewerbebetriebe verteilt werden. Die Postanstalten werden für ihren Zustellbereich ein Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe aufstellen - und auf dem Laufenden halten. In Zweifelsfällen sincl bei den Industrie- und Handelskammern Rückfragen zu halten, Die jüdische Wanderung. Wien, 4, Juli, Nach' Verlautbarung der Israelitischen K u 1 tu sg e m e i n d e und des P a 1 ä s ti n a a m t e s wurde im Rahmen der Auswanderungsabteilung beider Stellen eine Devisen -Beratungsstelle errichtet, die im Gebäude der Kultusgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, amtiert. Im gleichen Amt ist auch eine Beratungsstelle in wirtschaftlichen Angelegenheiten, Palästina betreffend, untergebracht. Sämtliche derartige Anfragen werden von der genannten Beratungsstelle in der Gemeinde behandelt, bezwy an die „Devisenstelle Wien" weitergeleiter. An alle-Mitglieder der Gemeinde ergeht folgender Aufruf: „Ungefähr 2000 Juden sind bereits mit Unterstützung der Gemeinde ausgewandert. 250.000 RM. wurden im Monat Juni für Zwecke der Auswanderung und der Fürsorge ausgegeben. Die Berufsausbildung und die Sprachkurse erfassen be- {reits 2000 Teilnehmer,„ Für 10Q00 Schulkinder, 2 muß im'kommenden Schuljahr vorgesorgt , werden. . I Erfüllet Eure Pflicht, leistet die Kultussteuer und I den . außerordentlichen Beitrag!!' ' (. : Die Aus Wanderungsfürsorge der Agudas Jisroel, * ' - Wien, 4. Juli; Den Londoner.! AgudasleUen ist es gelungen, die * Bewilligung. > zum" Studienaufenthalt in Engl ä'ix d für 43 junge Juden aus Wien zu erlangen. Es ist ein , zweijähriger Jeschiwabesuch vorgesehen, während dessen auch für den Unterhalt der Bachurim gesorgt werden wird. Die erste Gruppe von ihnen wird bereits in den nächsten Tagen abreisen.^ . , , , "'• ";; ,Auch h inj den V^ex^e i n i g t )i n S t a ät:'e h wird die i Aguda, VöriSufig'." 2ehn* üJeschiwazöglinge üiiter- _ T?_ , "Jfl_ A —t^LU dp"* i«»*»itiii*zni vention -bei;,in. Ü.^S.''"Ä." lebenden Verwandten von AUS Wand erungskiandi!dateni,^^ denen ztf Affida^ vits; .verhplfen. werden,' soll." " - '-' - Von einer ganzen Reihe der Verwirklichung bereitsentgegengehender .Projekte,..sei hier nur .noch de*-Plan einer d/on ,der Wiener Agüdä zu erricfitendeti 1 a n d w ir t sei a f ti.i.c % e n "H a qh'S c h äi'a b «na chib;a:r t en Au s, 1-ft.ttde 'o^wtKhtVi:nn ■i-iui :\k:in