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Der Israelit · 1938-07-07 · Heft 27 (7.7.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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7. Juli 1938 Der Israelit Nr. 27 Seite 5 Israel Analphabeten zu werden, ohne Kenntnis unserer Sprache aufzuwachsen, die allein den Zugang zu den kulturellen Werten unserer -Vergangenheit und Gegenwart erschließt." Die Fehlerquelle scheint uns viel tiefer zu liegen, nämlich '' in der Struktur der nationalen Erziehung schlechthin. Es wäre gewiß nicht schwer, den jungen Menschen in Abendkursen öder Berufsschulen nach europäischem Muster die nötige Fortbildung zu sichern- Aber ein Jahr hebräische Umgebung ohne religiösen Halt und Gehalt wird sie vor dem Analphabetentum im jüdischen Wissen und Denken nicht schützen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten tritt für Gruppensi e.d 1 u n g als Auswanderungsbasis ein. Auch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland spricht in ihrem Arbeitsbericht 1937 davon, daß in der Berichtszeit das öffentliche Interesse für Gruppenwand er ung noch stärker als bisher hervorgetreten sei, will aber keine unerfüllbaren Hoffnungen aufkommen lassen und führt erneut den „Nachweis", daß das Schwergewicht der außerpalästinensischen Auswanderung auf der Einzelwanderung beruhe und daß nur bescheidene Ansätze für Gruppensiedlungen, jedenfalls was den zahlenmäßigen Umfang" der durch sie möglichen Auswanderung angeht, zur Verwirklichung bringen können. Zu bemerken sei, daß neben dem Jüdischen Front bunde die Agu d a s Jis r o e 1 es ist,'die seit Jahr und Tag einer Gruppenwanderung und .Gruppen Siedlung das Wort redet und daß das Interesse für diese Siedlungsart, von dem der Bericht der R. V, spricht, nicht zum gering en Teile eben von der Agudas Jisröel geweckt worden ist. Freilich gilt auch hier das Wort: „Wenn zwei das Gleiche tun . . ." Uns ist es in erster Reihe darum zu tun, große Teile des. jüdischen Volkes vor der durch Tropfwanderung bedingten völligen Zersplitterung zu schützen und den guten Geist vieler zur Auflösung gelangenden Kleinund_ Mittelgemeinder, in neue religiöse Gemeinschaften anderer Kontinente hinüberzuretten. Vielleicht schafft Evian die Voraussetzungen dafür, daß die Organisationen, .u. i. auch die Reichsvertretung, die Gruppensiedlung als Auswanderungsbasis nicht mehr als „unerfüllbaren Wunsch" ansehen Es wäre das wenigste, was man von der Roosevelt- Konferenz erwarten müßte. Das Thorafest in Lublin Der Sabbat, Am Sabbat konnte bereits die alte Residenz der Thora zahlreiche Gäste, Rabbiner, Rebbes und jüdische Führer -aus allen Gauen Polens und der Nachbarländer, auch Delegationen aus .Westeuropa, in ihren Mauern beherbergen. Die Jeschiwag'ttesdienste am Freitagabend und Sabbatmorgen hätten festlichen Charakter. Am Ehrenplatz, den früher der Begründer eingenommen hat und seit seinem Heimgange leer steht, brannten zwei Oellämpchen, die aller Augen mehr nach sich lenkten, als die hundert elektrische Birnen, die den Saal beleuchteten. Vor dem Ausheben der Thqra am Morgen hielt Herr Rabb. Aron L e b w o h 1, einer der ersten Jünger im Gründungsjahr der Jeschiwa und ein Lieblingsschüler Rabbi Schapiras ^"XT» eine hinreißende Rede über die Bedeutung des Thoralernens im allgemeinen, der Lehrstätte in Lublin und des Daf Jomi. Nach der gemeinsamen Sabbattatel verging der Tag in Lernstunden und wichtigen Beratungen, auch in geselligen Veranstaltungen, die mit der „dritten Mahlzeit'' ihren Höhepunkt erreichten. Der Sonntag. Am Sonntagmorgen sah man Fahnen an vielen Häusern, und Girlanden prangten in frischem Grün. Von der Jeschiwa herab wehte und grüßte neben der polnischen Flagge die große J e - schiwafahne, Schon am Morgen zählte man etwa 5000 Gäste, unter ihnen 200 Rabbiner und Rebbes. Die Zufuhr aus den Nachbarstädten in Sonderzügen, Autobussen, Autos und auf einfachen Bauernwagen dauerte den ganzen Tag ununterbrochen an. Nachmittag um 2 Uhr wurde der „Kinu s" unter dem Vorsitz des Petrikauer Rabbiner eröffnet. Die Ehre der Thora, sagte er u. a., ist die Ehre des jüdischen Volkes. Der große Lubliner hat mit seinen Einrichtungen die Ehre des jüdischen Volkes gehoben. Darauf bietet Rabbi Rappaport eine Würdigung' R. Meir Schapiras, der sich selber Entbehrungen auferlegt habe, um seinen Jüngern ein schönes Heim zu begründen und durch den Daf Jomi Allisrael um die Quelle des jüdischen Geistes gesammelt hat. Anknüpfend an die Gedenkrede macht der Vorsitzende einige praktische Vorschläge zur finanziellen Sicherung der Jeschiwa und auch zum weiteren Ausbau des Daf Jomi. U. a. soll ein W o c h e n j' o u r n a 1 für tiefere Thoraforschung ins Leben gerufen werden. Nach gemeinsamem Mahl und einer Mittagspause wird abends um 7 Uhr der Kinus fortgesetzt. Es sprechen Räbb. Eisenstadt aus Krakau und in späterer Abendstunde Herr I. ÄJ. Lewin im Namen des Administrativer. Rates der Lubliner Jeschiwa. Ihm schließt sich. R. Aron Leb wohl im Namen der „Freunde und früheren Schüler der Jeschiwa" mit einem ausführlichen Bericht über di«. Entwicklung des Lehrhauses in den acht Jahren an. Das Ideal des Rabbi, sagte der junge Redner, war es, nach dem Muster von Lublin vier große Jeschiwoth zu gründen, und zwar in allen vier Kontinenten der Welt. Die gewaltige Schuldenlast, die auf die Jeschiwa drückte, sei in letzterer Zeit, nicht zuletzt dank den Bemühungen des Rates und seines Präsidenten, E. Mas.ur, ein wenig gelindert, doch sei sie aus ihren finanziellen Sorgen noch nicht ganz heraus. Es ergreift das Wort Rabbi S e m b o im Namen der Geistigen Verwaltung der Jeschiwa. Der aus der jüngsten Kenessio durch seine tiefe und feurige Art bekannte Rabbi macht einige Vorschläge für die geistige Weitergestaltung der Jeschiwa. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß ein Thorafreund 10 000 Zloty eigens für den Zweck gespendet hat, daß zweimal im Jahre, entsprechend einem alten talmudischen Lehrsatze, je ein Sabbat von 31 Stunden in der Lubliner Jeschiwa gehalten werde. Das soll in den Sabbaten nn'» 'S und pnnKI 'Ö' an den Sabbaten der zehn Sinaiworte geschehen: Um die Mitternachtsstunde schließt Herr J. M. Lewin den ersten Kinus, indem er noch einmal mit ergreifenden Worten den Geist des Begründers heraufbeschwört. Die Eröffnung des sechsten Stockes der Jeschiwa erfolgt mit Psalmgesängen, einem Rundgang und mit chassidischen Freudentänzen. Der Festakt am Montag* Der eigentliche Thorafesttag am Montag begann morgens mit einem gemeinsamen Gang nach dem alten Friedhof, zum Grabe von R. Meir Schapira VST* Viele Tausende füllten den Platz und beteten die von den Rabbis angestimmten Psalmen laut mit. Neben dem derzeitigen Leiter der Jeschiwa, dem Koscheklower Rebben, sah man im Zuge den Sochatschower Rebben, die Herren E. M a s u r , Senator Jacob Tfdckcaheim, Deputierten M i n z b e r g u. v. A. Der Festakt begann um 3 Uhr nachmittag. Die alle Räume, Garten und Vorplatz der Jeschiwa füllende Menge wird auf etwa 20000 Menschen geschätzt. Es erscheinen hohe Vertreter der Behörden und übergeben Begrüßungsschreiben. Radioapparate und Lautsprecher tragen die Reden bis weit in die Straßen hinaus Im großen Festsaale sieht man am Präsidententisch u. a. die führenden Chassidimrebbes von Polen und viele angesehene Rabbiner, neben den schon genannten jüdischen Parlamentariern auch den Philanthropen Samuel Eichen- Efäifmmg des ^Festaktes am Montag auf dem Balkone des Jeschiwagartens bäum, dessen Namen mit der Gründung und Entwicklung der Jeschiwa eng verknüpft ist, die von Rabb. Twerski angeführte Londoner Delegation u. v. a. Bei feierlicher Stille eröffnet Präses M a s u r mit einer kurzen Rede den Festakt. Die Judenheit der ganzen Welt nehme Anteil an dieser Stunde. Er überbringt die Grüße des G e r e r Rebben, der aus Gesundheitsrücksichten am Kommen verhindert war. Redner stellt die Feier als hellen Lichtstrahl in der so trüben Zeit für das Judentum hin. Die eigentliche Eröffnungsrede hält Rabbi Menachem S e m b o. Diese Versammlung, sagt der Rabbi, sei ein Ruf der Vorseh ung, sich in kritischer Zeit an den einzigen Rettungsanker zu klammern, an die heilige Thora! Das heilige Erbe von R. Meir Schapira< muß verwaltet und ausgebaut werden. Ueber der Jeschiwa zu Lublin vergesse man aber nicht die anderen Jeschiwoth, die alle Zentren unserer Kraft sind. Nach der Rede setzte ein Massenchor ein mit der polnischen Volkshymne und der schon bekannten Jeschiwahymne „Hajeschiwa hi Chajenu!" Es werden Huldigungstelegramme i das Staatsoberhaupt und an die anderen höchsten Behörden abgesandt. Ein früherer Schüler der Jeschiwa, Rabbi Schi ekler, hält eine zweite Gedenkrede auf den Lubliner Raw. Nun folgen Reden auf Reden. Tiefe geistvolle Worte richten an die gewaltige Festgemeinde u. a. der Czortkpwer Rebbe, der Sadagorer Rebbe aus Przemysl, der Bojaner Rebbe, der Petrikauer Raw, R. Lau, R. Susie Friedmann. Jede Rede hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Form, und von Ost her graut bereits ein neuer Morgen heran, als sich die Menge in gehobener- Stimmung zerstreut, während sich die Gäste im Jeschiwaraum langsam zur Ruhe begeben. Resolutionen. Aus den angenommenen Resolutionen ist die Gründung des Thorafonds unter dem Namen „Nachliel" zu nennen. Es ergeht ein Aufruf an die Thorafreunde der Welt, mit Stiftungen und Legaten den Fonds zu bedenken. Die Kapitalanlagen der Jeschiwa sollen so sein, daß nur die Einkünfte für die Aushaltung des Lehrhau-, ses und der Jünger verausgabt werden. Für besonders befähigte Jünger soll mittels dieser Gel-

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