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Der Israelit · 1938-07-07 · Heft 27 (7.7.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 27 (7.7.1938)
Date
1938-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 27 Der Israelit n. Juli-1938 Kein jüdisches Haus ohne die KEREN HATQRAH Sammeldose! Bitte Dosen bei der Zentrale anfordern: Hamburg 1.3/ Heinrich Barth straße 21 IX. Nur auf dem Wege einer höchst schädlichen Fiktion kann die unter der Leitung des Waad L'umi stehende Nationalgemeinschaft, genannt „K'nesseth Jißrael", einem Reformgememdeverband westeuropäischer Struktur gleichgestellt werden. Diese Fiktion führt zwangsläufig zu der Forderung, daß „K'nesseth Jißrael" sich der „religiösen Belange" überhaupt entschlage und sich nur mit rein „weltlichen" Angelegenheiten befasse, Also Trennung von Staat und Kirche noch vor Gründung des Staates. Es gibt keine verderblichere, keine dem agudistischen Prinzip von der Totalität der herrschenden Thora schärfer zuwiderlaufende Forderung, als diese. Sie bedeutet die Preisgabe des realen nationalen Lebens. Sie bedeutet die völlige Verkümmerung der Thora. Sie bedeutet die buchstäbliche Anerkennung der zionistischen These. Sie bedeutet das Bündnis mit der — Histadruth Haowdim. Sie bedeutet den Ersatz des Thoret- Nationalismus durch den — Klerikalismus: „Dathiim". Weder als Fraktion von „Dathiim" noch als Organisation von „Dathiim" erben wir das Land der Thora. Nur die nationale Organisation der Thora erbt das nationale Land der Thora. Zu einer solchen nationalen Organisation der Thora im nationalen Land der Thora muß es. wird es kommen. Ob sie den Namen der Aguda tragen wird oder nicht: auf jeden Fall wird sie dem agudistischen Prinzip entsprechen. Unsere Gegner irren sich, wenn sie glauben und hoffen, es dauernd mit untereinander hadernden „Klerikalen" zu tun zu haben. Darauf sollen sie nicht bauen. Schon weht ein Hauch durchs Land, der langsam zu einem Sturm anschwellen kann. Di« drohende Medinah Jehudith hat die Augen Vielen geöffnet. Schon ahnt man, schon fühlt man und bald wird man wissen, daß der unausbleibliche Kampf kein Kampf sein wird zwischen der Nation und ihrem klerikalen Flügel, sondern ein Kampf zwischen — Nation und Nation. Steht erst einmal die in der übersinnlichen K'nesseth Jißrael wurzelnde jüdische Nation auf. und wäre sie selbst zunächst nur — „nationale Minderheit": ihr ist der Sieg, ihr ist die Zukunft sicher. Zum Wochenabschnitte. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. ~~ Als i~I31D ^xo bezeichnen unsere Lehrer Israels Kinder, die „undankbar" die G'ttesgnade nicht anerkennen und das täglich immer von neuem herabfallende, die Fürsorge des Herrn in besonderem Maße bekundende Manna als ^pbpn onb, als gehalt- und gestaltlose Nahrung herabwürdigen, In der Tat war es der höchste Grad der Undankbarkeit, deren sich das Wüstengeschlecht schuldig machte, als er „ungeduldig ward auf dem Wege" und gegen G'tt und Mosche sich auflehnend die folgenschweren Worte sprach; "tanaa nwb a»is»» wiis.i mb „Warum habt ihr uns aus Mizraim geführt, in der Wüste zu sterben?" So wenig war also Israel sich der Gnade des Herrn bewußt, die ihm täglich in so anschaulicher Weise vom Himmel herniederleuchtete und die Gefahren der Wüste bannte, daß es schon hart an der Grenze des gelobten Landes, fast am Ziele der Wüstenwanderung sich bar allen Glaubens an das Walten der Vorsehung noch zeigte, als ob es nicht die besondere Liebe und Gnade des himmlischen Vaters mannigfach erfahren, die ihm den Weg ebnete und es auch mitten in der öden Wüste nicht hungefn und nicht dürsten ließ. Wochennmdschaü. Ein Achtzigjähriger und ein Achtzehnjähriger. — Barmizwa ohne Mizwa. — Gruppenansiedlung als Auswanderungsbasis. Mit einem achtzigjährigen Scheich wurde die Skala der kriegsgerichtlichen Verurteilungen und Hinrichtungen in Palästina vor mehreren Monaten eingeleitet, an einem Achtzehnjährigen wurde dieser Tage sinnfällig demonstriert, daß die englischen Militärgerichte bei ihrem Reinemachen Unterschiede zwischen Juden und Arabern, oder Altersunterschiede nicht kennen. Man hat in Erez Israel den Attentatsverpuch der Juden, ' vorausgesetzt, daß er erwiesen ist, in der Presse und in der Oeffentlichkeit mißbilligt, man durfte aber hoffen, daß bei aller gebotenen Parität die Tat der noch fast im Kindesalter stehenden, von Angst und Aufruhr zum Wahnsinn getriebenen Menschen, die übrigens zum Glück ganz ohne Folgen geblieben ist, von den Gerichten anders bewertet werden wird, als die von organisierten Mordbrennern. Stattdessen wurde ein Todesurteil gesprochen. Man erschrak und hoffte auf Begnadigung. Die Besten Jerusalems, die geistigen Führer, unternahmen einen Bittgang bei den höchsten Stellen. Und als die Hoffnung bis auf den Nullpunkt herabgedrückt war. demonstrierten einige mit Lärm, mit Streik, mit Steinwürfen gegen die Polizei, mit Ladenschluß, mit Trauerfahnen. Aber am kommenden Morgen war es im Gefängnishof zu 'Akko geschehen. Es blieb der jüdischen Oeffentlichkeit nur noch übrig, sich Rechenschaft über das Vorgefallene zu geben und, da Wiederholungen zu befürchten stehen, die Lehre für die Zukunft daraus zu ziehen. Schlimm und verhängnisvoll war der Anfang, die Tat selbst; vollkommen falsch der -S c h 1 u*ß , nämlich die Demonstrationen, die die Sache für Ben Joseph nur verschlimmern mußten. Folgerichtig und logisch war nur all das, was dazwischen liegt. Es war richtig, daß die jüdische Oeffentlichkeit und die hebräischen Zeitungen jede« Gewaltversueh mißbilligten und verurteilten. Es schien gerechtfertigt, auf Begnadigung zu hoffen, und es war richtig, dieser Hoffnung durch allerhand Interventionen der führenden Kreise weitere Stütze zu bieten Von diesem Punkte an war aber alles falsch, unklug und ungerecht. Es mußte doch jeder einsehen, daß. die lauten und wilden Demonstrationen ihren Zweck verfehlen und im Gegenteil den Militärbehör- ^rwö ai nö,>i osn xi« •owi a^vn o^nm m osn n nbw>i Jetzt sollte dem Volke es zu klarem Bewußtsein kommen, daß täglich und stündlich die Fürsorge des himmlischen Vaters über Israel waltet, wenn es trotz der mannigfach drohenden Gefahren sicher seines Weges zieht und den Schlangen und Skorpionen und dem Gewild der Wüste nicht zum Opfer fällt. Nun kommen sie und sprechen voller Reue und Erkenntnis: 131 '13 uian '3 ilKDn „Wir haben gesündigt, daß wir gegen G'tt und gegen dich" gesprochen." Gegen G'tt gewiß, aber auch gegen Mosche, der in unendlicher Selbstverleugnung immer wieder das Volk belehrt und an Pflicht und Aufgabe mahnt und immer wieder es erfahren muß, wie wenig dieses Volk seine Mühe lohnt und seiner Führung vertraut. Das ist es, was des Midrasch Weisen sagen fM»»M nn« a»nfl» i^»iw «■> "in« Bjnnnn „Wer sich gegen den Lehrer auflehnt, der fällt von G'tt ab." Die Sünde gegen Mosche führt unbedingt zur Sünde gegen G'tL So ist es immer in Israel gewesen, und gar nicht anders war es in unsern Tagen. Unser Geschlecht wollte g'ttgläubig sein, behauptete, gut jüdisch zu sein, aber an _ Moses und alle übrigen Sendboten des Herrn, von denen Lehre und Tradition uns berichten, die den Bau unseres Judentums aufgeführt und unserem jüdischen Leben seine Grundlagen und geinen Inhalt verliehen, glaubte man die Sonde der Kritik anlegen zu dürfen, das führte zur Sünde gegen den jüdischen Geist, zu Abfall und Preisgabe unserer jüdischen Ideale. Da folgte die Strafe. Der Herr erinnerte uns durch seine Schickungen an; unsere» Bestimmung, Ob wir nun unseren Vätern gleich sprechen und bekennen: den den Anreiz bieten, zu zeigen, daß sie sich' von der Straße nichts diktieren lassen. Und auch nachträgliche Demonstrationen wären abwegig und zwecklos. Wir wollen hoffen, daß sich keine Gelegenheit mehr bietet, über Gewaltversuche von jüdischen Menschen und ihre blutigen Folgen, sei es für ihre Opfer oder für sie selbst, zu berichten. Eines wissen wir aber und wußten wir immer; Unsere Waffe 'saa rzpiunrai bedarf der Unterstützung. der Straße nicht. Es wäre grauenvoll, zu denken, daß die Fürbitte für den Angeklagten vielleicht durch die Resonanz, die ihr die Straße zu verleihen für nötig fand, ihre Wirkung verfehlte.' * * * Zum Kulturproblem der Jugend aus Deutschland schreibt Kurt Wilhelm aus Anlaß einer Barmizwahfeier im ,,Kfar Schmarjahu" in der J. R. u. a.r „Die Jugend des Bar Mizwa-Alters in diesen naturgemäß deutschsprachigen Siedlungen ist dazu verurteilt, langsam deutschsprechende Analphabeten zu werden. Die Schulbildung in Deutschland war zu kurz, die dort erworbenen Kenntnisse verblassen. Der Zugang zum Hebräischen ist nicht vorhanden, man hört im Dorf kaum ein hebräisches Wort, man lernt — von wenigen besonders Eifrigen abgesehen — nicht hebräisch, man ist müde nach der schweren körperlichen Arbeit des Tages, zu müde, um von bestehenden Kursen Gebrauch zu machen, zu müde, als daß ein Zwang auf diese Jugend ausgeübt werden darf. Es mag im Lande in allen mittelständischen Siedlungen von Juden aus Deutschland 'etwa 30 bis 40" Kinder dieses Alters und dieser Problematik geben. Die Kinder sind von jeder „Schuld" freizusprechen. Sie tragen durch ihre Mitarbeit ein großes Maß von Verantwortung für die elterliche Wirtschaft. Auch die Eltern trifft keine Schuld. Sie sind auf die Arbeitskraft der Kinder, angewiesen, die Wirtschaft erfordert die Mitarbeit aller Familienmitglieder, und die Eltern empfinden selbst oft die Tragik, daß sie sich mit ihrer Alija den Wunsch jüdischer Eltern ZU allen Zeiten versagen müssen, dem Kinde eine- Bildung zu vermitteln, für die der Jude der Diaspora zu den größten Opfern bereit war. Wenn von einer „Schuld" die Rede sein kann, so trifft sie die jüdische Oeffentlichkeit. Siesorgt durch die Jugendalija dafür, daß junge Menschen in ihren entscheidenden Jahren nach Erer Israel kommen, um hier ihre körperliche und geistige Ausbildung zu erhalten, und sie übersieht, daß es: eine Jugend im Lande gibt, die noch nach der Alija die „Alija" vollziehen muß, der von außen her geholfen werden muß, in Erez Israel Jude und Bürger zu werden. Ein Jahr hebräische Umgebung, ein Jahr Kibbuz oder landwirtschaftliche Schule wäre für diese Jugend eine wesentliche Bereicherung in kultureller Hinsicht. Darüber hinaus würde ein solches Jahr den Kindern auch eine arbeitsmäßige Förderung eintragen und käme deshalb/ auch der elterlichen Wirtschaft zugute. Vor allem aber würde es die Kinder davor bewahren, in Erez- „Wir haben gesündigt, gefehlt und geirrt? ... Seht," mahnen hier unsere Alten an die große Kraft der Reue, orft nvim T>n UKün nnnw r"3. Kaum hatten Israels Kinder Selbsterkenntnis und Selbstzucht geübt, sogleich, noch bevor Mosche betend für Israel sich eingesetzt, wandte sich der Herr in Gnaden seinem Volke zu, — und Mosche, der niemals seinem Volke sich entzog, betete für die Gesundung und Erhaltung derer, die etwa noch litten." Diese echte Umkehr müßten auch wir anbahnen. Wir sind' solange nicht ganze, volle Juden, als wir nicht auch a'jran njiBK besitzen, den Glauben an die Lehrer und Großen unseres Volkes, nach deren Worten und Weisungen wir unser Leben aufbauen sollen. Briefkasten. F. Ist ein alter rabbiniseher Ausdruck in Anknüpfung an das WH am» im Achtzehngebete. K. B. Der Barmizwa-Sabbat ist 3py 's- F. L. Wir können Ihnen leider den Namen des Autors nicht nennen. K, M. in R. Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158.

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