Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1938)
- Date
- 1938-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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t'^stt^^^jjgjt^ 7. Juli 1938 D e r I s 1 i t Nr. 27 Seite 3 ' Die Prinzipien der Aguda und das Heilige Land. (Fortsetzung von Seite 1.) dern — Kommune. Im heiligen Lande der Gegenwart bestehen Hemmungen seitens der Mandatarmacht in weit geringerem Maße, als irgend sonst auf der Welt. In Tel Äwiw, in Petach Tikwah, in den jüdischen Kolonien sind sie überhaupt nicht vorhanden. In all diesen Orten müßte die Forderung des Agudismus lauten: Kommunen der Thora! Statt dessen: In Jeruscholajim und Safed und Tiberias reine — „Religionsgemeinden", deren Leistungen bei weitem nicht einmal den Leistungen „unabhängiger" Galuthk'hillah entsprechen Zur Fraktion der „Dathiim" ist die O r - ganisation der „Dathiim" getreten. Nur daß die Fraktion der „Dathiim" immer noch wenigstens fraktionelle Beziehungen zum gesamten nationalen Leben dartut, indes die Organisation der „Dathiim" auf ihre eigene Zielsetzung beschränkt bleibt. Konnte der Agudismus schon in der Gola, trotz anfänglicher Gegenströmungen, eines klaren und eindeutigen nationalen Standorts nicht entraten und bekannte er sich schließlich, in höchst konsequenter Entwicklung, ganz und gar als Repräsentant der G'ttesnation, so gilt dies tausendfältig für das heilige Land, das Land der G'ttesnation. Wuchs sich dem Agudismus schon in der Gola die „Religionsgesellschaft" zur gesamten Nationalgemeinde der Thora aus: wie kann man des Glaubens sein, es werde der Agudismus im heiligen Lande im Zeichen der „Religionsgesellschaft" sich durchsetzen können! — Die agudistische Gola kennt das heilige Land nicht oder will es nicht kennen, um dem Gesetz der — Beharrung nicht entgegentreten zu müssen. Es gibt im heiligen Lande einen jüdischen Jischuw. Dieser Jischuw bildet — die Zeiten der {jefahr haben es gezeigt.' — eine weit größere Zusammengeschlossenheit, als es in ruhigeren Momenten den Anschein hatte. Sie ist natürlich mehr tatsächlicher, mehr gefühlsmäßiger Art, als juristischer oder organisatorischer. Sie ist immerhin vorhanden, und es wäre namentlich für die Jugenderziehung höchst bedenklich^ sie außer Acht zu lassen. Das ganze Leben des Jischuw beruht auf einem höchst komplizierten Wirtschaftsapparat, der keineswegs dem Ungefähr überlassen werden darf. Waad L'umi und Jewish Agency, aber auch Keren Kajemeth und Keren Hajessod .haben ihm unausgesetzt vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Auf sie richtet sich der Blick des Jischuw, wenn schwere Störungen des Apparats zu befürchten oder schon eingetreten sind. Inmitten dieses Jischuw nun, durch zahllose Fäden mit ihm verknüpft, bewegen sich auch die Agudisten, soweit sie nicht ein Leben heiliger Enthaltsamkeit führen. Ein eigener nationaler Wirtschaftsapparat des Agudismus besteht nicht und wäre wohl auch, selbst wenn Mittel zur Verfügung stünden, praktisch nicht in Bewegung zu setzen. Von allen Stellen, die das Wirtschaftsleben wirksam beeinflussen, hat man sich in aller Form getrennt und findet an eigenen organisatorischen Stützpunkten lediglich wenige — „Religionsgesellschaften" vor. Dies ist im Grunde die Trennung von Staat und Kirche, noch ehe — der Staat daist. An der zeitweiligen territorialen Nichtdurchführung des agudistischen Prinzips — Polen beweist es.' — ist die Aguda nicht gescheitert. An der vorzeitigen Durchführung des agudistischen Prinzips — das heilige Land beweist es! ~- kann die Aguda leicht scheitern. Das agudistische Prinzip der realen Einheit von Thora und Nation gelangt in der Tatsache des Bestehens der völlig autonomen, nur der Herrschaft der Thora untertänigen Weltaguda zu klarem und öffentlichem Ausdruck. Ein jeder Jude hat die Möglichkeit und die Pflicht, durch Beitritt zur Weltaguda sich zur Einheit von Thora und Nation zu bekennen. Inwieweit das agudistische Prinzip der vielen Einheit von Thora und Nation in den einzelnen Länderri heute schon und heute bereits restlos durchführbar ist, bleibt Tatfrage. Den steten Impuls, dieses Ziel anzustreben, empfangen die einzelnen Länder von der Weltaguda, die es für die gesamte Nation bereits darstellt. Wo immer die Möglichkeit der Durchführung besteht, bedeutet die Unterlassung eine schwere Versündigung am agudistischen Prinzip. Wo immer die Möglichkeit der Durchführung besteht, bedeutet das Eingeständnis zeitweiliger Unmöglichkeit keinerlei Verletzung oder Schwächung des agudistischen Prinzips. Ganz im Gegenteil kann die nur scheinbare Durchführung des Prinzips zu einer dermaßen starken moralischen Ueberschuld u n g führen, daß dabei das Prinzip selber Gefahr läuft, sich dem Bankrott ausgesetzt zu sehen. Das beste Kennzeichen für die territoriale Durchführbarkeit des agudistischen Weltprinzips ist die Aequivalenz der Leistung. Dieses Prinzip bedeutet ja nicht Negation, sondern Position. Die Weltaguda „setzt" die Nation der souveränen Thora. Erst aus dieser „Sitzung" ergibt sich die Negation der zionistischen Gemeinschaftslehre und des zionistischen Weltverbandes. Ist die „Sitzung" der von der Thora beherrschten Wirtschaft im heiligen Lande noch nicht möglich, fordert das agudistische Prinzip den Kampf um diese „Sitzung". Erst wenn der Kampf die „Sitzung" ermöglicht hat, ergibt sich aus ihr die Negation einer Wirtschaft, die sich der Herrschaft der Thora entzieht. Eine Negation von Lebe n s n o t w e n d i g k e i t e n ohne vorher i g e oder mindestens gleichzeitige Position aequivalenter Lebensnotwendigkeiten läßt die Armen schuldig werden und überläßt sie dannderPein. Die Gemeinde Rabbiner Hirschs s. A. und die Gemeinde des K'saw Sofer S, A, sind älter, als der von beiden vorgenommene „Austritt". Der Agudismus im heiligen Lande hat um die ganze' Vielfalt des nationalen Lebens zu ringen. Denn die Thora ist die Thora des ganzen nationalen Lebens. VIII. Die Souveränität, der Thora gelangt im Agudismus, sehr im Gegensatz zum Misrachi, als Streben nach S e 1 b s t ä n d i g k 3 i t zum Ausdruck. Die Weltaguda trat, die, nur von der Thora beherrschte Nation darstellend, als autonome Organisation ins Leben. Auch territorial wird der Agudismus überall das gleiche Streben aufweisen müssen. Eine andere Grenze dieses Strebens, als die der konkreten Möglichkeit, wird er grundsätzlich nicht anerkennen. Er wird sich damit nicht, begnügen können, daß etwa eine Gemeinschaft unrichtigen Rechts die „Belange der Thora" einer „Kömmission" überweist und dieser Kommission unter Wahrung eigener Finanzhoheit die erforderlichen Mittel ZUr Verfügung stellt. Zu den Belangen der Thora gehört schlechthin —r alles. Der g'ttliche Rechtsetzer hat am Sinai die Thora nicht einer Sonderkommission, sondern dem ganzen jüdischen Volk übergeben. Er wird sich freilich auch damit nicht begnügen können, für die „Belange!der Thora" eine eigene Organisation zu gründen, das gesamte übrige nationale Leben aber unbeeinflußt zu lassen. Dieses gesamte übrige nationale Leben bildet ja gleichfalls einen integrierenden Bestandteil der Thorabelange. Die bisherigen Ausführungen wären gründlich mißverstanden, wollte man in ihnen die Anempfehlung erblicken, das kleine Maß wirklicher Selbständigkeit, dessen sich die Aguda im heiligen Lande zu erfreuen hat, deshalb preiszugeben, weil sie nur allzuweit davon entfernt ist, die Selbständigkeit im ganzen Bereich des nationalen Lebens zu besitzen. Davon kann gar keine Rede sein. Wenn etwa die Aguda in Jeruscholajim eine eigene Sch'chitah und ein eigenes Rabbinat innehat: warum in aller Welt soll sie sie gegen eine Sch'chitah und gegen ein Rabbinat eintauschen, denen die Unabhängigkeit vom Waad L'umi, der sich der Aliherrschaüt der Thora versagt, nicht gesetzlich garantiert ist? Aber eigene Sch'chitah und eigenes Rabbinat, selbst in der Gola doch nur der — Beginn der Gründung einer — Galuthk'hillah, dürfen erst recht nicht im heiligen Lande zur Aufstellung der leeren Fiktion führen, als sei nun der nationalen Gemeinschaftsform der Gegner eine irgendwie — aequivalente Gemeinschaftsform gegenübergestellt. Diese Fiktion ist es, die den Agudismus im Heiligen Lande aufs schwerste gefährden muß. Die agudistische Gola sollte endlich einmal erkennen, daß selbst die besteingerichtete Galuthk'hillah, nach dem heiligen Lande transferiert, durchaus unzulängliches Stückwerk bleiben muß, solange es ihr nicht gelingt, das ganze nationale Leben in ihren Rahmen einzuspannen. Mir ging diese Erkenntnis vcr fünf Jahren auf, als ich zum ersten Male die Möglichkeit hatte, die Verhältnisse des Landes gewissenhaft zu studieren. Sie brachte keinen Umbruch meiner Ideologie. Sie näherte mich wahrlich nicht dem — Zionismus. Erst recht nicht dem — Misrachi. Sie trennte mich nicht von der Weisung meiner heimgegangenen Lehrer. Aber sie zeigte mir die gegenwärtige Wirklichkeit des heiligen Landes. Sie konfrontierte mir das agudistische Prinzip mit dieser Wirklichkeit. Sie wies mir die Fehler auf, die wir bei Anwendung des agudistischen Prinzips auf die Wirklichkeit des heiligen Landes begangen haben. Mit Fiktionen arbeiten, heißt die Wirklichkeit nicht gestalten, sondern sich an ihr und ihren Menschen versündigen. Solange der Agudismus im heiligen Lande eine eigene nationale Gemeinschaft nicht zu formen vermag, hat er den Kampf um die Thoraherrschaft über das nationale Leben innerhalb der vorhandenen nationalen Gemeinschaft zu führen, gleichwie etwa der Agudismus in Warschau sich innerhalb der Warschauer Gesamtgemeinde durchzusetzen bestrebt war. Nicht aber darf der Agudismus im heiligen Lande aus einer Fiktion das Recht herleiten, sich aui etliche Institutionen für „Thorabelange" zurückzuziehen und das nationale Leben sich selbst zu überlassen. Hat sich erst einmal die Erkenntnis dieser agudistischen Notstandspflicht im heiligen Lande durchgesetzt, so ist unschwer ein Weg zu finden, der die erreichte Selbständigkeit nicht aufgibt und dennoch die Selbsteinschaltung ins nationale Leben ermöglicht. Un v e r r ü c k b ar b I ei b t d a s ag U d i stische Ziel immer mehr wachsender Selbständigkeit im Heiligen Lande. Aber dieses Ziel fällt der Weltaguda nicht als Geschenk in den Schoß. Sie muß es sich schon etwas kosten lassen. Selbständigkeit ist teuer. Der Keren Hajischuw ist das Instrument der agudistischen Selbständigkeit im heiligen Lande. Weiß dies die Gola? Handelt sie danach? DAS LICHT DER EWIGKEIT von Rabb. Dr. Elle Münk in Ansbach broschiert RM. 4.00 Lwbd. RM. 5.00 VERLAG DES ISRAELIT UND HERMOH GMBH., Frankfurt a, Mi Schützenstr. 12 Postsch. 19802 II Kleidung für Auswanderer Maß - Konfektion TP D :- Verarbeitung Frau F. MAIER WW. Fahrgasse 94 1 Minute von der Konstabier Wache