Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1938)
- Date
- 1938-06-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451037--83814-2541840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 110 Nie und nimmer durften und konnten Menschen anordnen, daß die.ganze Flur eines Landes ein ganzes Jahr lang brach liegen soll. Eine große Teuerung, gar eine Hungersnot wäre die unbedingte Folge gewesen. Nur G'tt konnte sagen: „Und wenn ihr sagen werdet, was sollen wir essen im siebten Jahr, wir haben nicht gesäet und können nicht einsammeln unsern Ertrag? Ich werde euch meinen Segen entbieten im sechsten Jahr, daß er reiche für drei Jahre." (III 25.) Und wenn trotz dieser Zusicherung die Kleingläubigen jammerten und meinten, sie müßten hungern, vielleicht verhungern, dann holte man ihnen die Mannaflasche aus dem Heiligtum, und die sagte ihnen, daß einmal die Väter in der Wüste am Freitag nur für einen Tag gesammelt hatten. Und wenn sie in ihre Zelte kamen und das Gesammelte maßen, hatte ihnen G'tt das Doppelte gegebn. So war der heilige Boden im heiligen Lande eine laute Predigt die jedermann lehrte, jetzt und in allen Lagen des Lebens auf G'tt zu vertrauen. Unsere Weisen fragen einmal, warum die Tauro mit der Schöpfungsgeschichte beginne und nicht mit dem ersten Gebot, das sie uns gegeben. Und sie antworteten, die Völker konnten unsern Vätern den Vorwurf machen, sie hätten nicht das Recht, das Land Kanaan zu erobern und in Besitz zu nehmen, Aber die ersten Blätter der Tauro lehren uns, und jeder h!W kündet uns, daß G'tt der Schöpfer der Erde ist, und er das Recht hat, sie nach seinem Willen und Wollen dem einen zu geben und dem andern zu versagen. Und er hat die Erde geschaffen Israels und der Tauro willen. Hätten die Väter am Berge Sinai nicht das Gelöbnis abgelegt; „Alles, was G'tt gebieten wird, wir wollen's tun und wollen's hören, es wäre wieder geworden, wie es vor der Schöpfung war. Gewiß, so sagt gleichsam das Schmitohjahr «zu jedem, der auf seinem Acker steht: G'tt hat das heilige Land Abraham, Isak und Jakob verheißen und hat es seinem Volke gegeben. Dir und einem jeden ist sein Erbteil zugefallen. Dünke dich aber nicht als alleinigen Eigentümer deines Besitztumes. Es ist dir nur als Lehn gegeben worden, G'tt ist der wahre Eigentümer. Und daß du dieses niemals vergissest, trittst du ein ganzes Jahr lang von deinem vermeintlichen Eigentum zurück. Und nur dann, wenn du deinen Besitz gleichsam an G'tt zurückgegeben, hast du auch das Recht, denselben wieder zurück zu nehmen. Und die Weisen meinen: Weil unsere Väter die Schmitohgesetze nicht befolgt, mußten sie das Land wieder verlassen. Als der erste Mensch gesündigt und det Garten Eden verlassen mußte, sagte G'tt zu ihm; „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, und Domen und Disteln sollen du aus der Erde hervorsprossen." Arbeiten ist kein Fluch, Arbeiten ist ein Segen. Aber was es heißt; „Im Schweiße deines Angesichts sollst du deifl Brot essen", weiß niemand so, wie der Arbeiter auf dem Felde. Ihm brennt die heiße Sonne aui den Schädel, der Schweiß rinnt ihm unaufhörlich von der Stirne. Die Saat ist aufgegangen, aber neue Arbeit wartet seiner, denn Dornen und Disteln bedecken den Acker. Und ob nicht all die Arbeit umsonst gewesen, ob nicht Sturm und Wetter alles wieder vernichten, ob nicht die heißen Sonnenstrahlen alles versengen und verbrennen? So denkt er voller Sorge. Aber G'tt hat seine Arbeit gesegnet, er macht eine reiche Ernte: „Die mit Tränen säen, ernten mit Jubel. Er weinte, als er auf den Acker den Samen streute, heim fährt er mit reicher Ernte." Aber niemand auch wie er, der Landmann, kommt so in Gefahr, sich zu überheben und stolz auf seine Arbeit zu sein. Könnte denken, wenn er zwischen den reifen Saaten steht: „Meiner Kraft, meinem Fleiß, meiner Kunst habe ich dies alles zu verdanken." Leicht könnte er denken, Ackern, Pflügen, Säen, Keimen, Blühen, Reifen, alles ein ganz natürlicher Vorgang. Jaure Umalkausch müßten kommen wie Tag und Nacht, wie Sommer und Winter. Der Wind entsteht und trägt vom Meere die Regenwolken in das Land. Aber es kommt das sechste Jahr und gibt Brot für drei Jahre. Hat er das bewirkt? Hat die dreifache Ernte nur die „Natur" hervorgebracht? Und es kommt das siebente Jahr, kein Körnchen kommt in den Boden, und doch gibt's Brot für jeden. Menschen und Tieren hat G'tt den miP gegeben, selbst der Sambatjon steht an diesem uns allen heiligen Tage still. Doch die Pflanzen und der Boden, darauf sie stehen, haben die auch eine Ruhezeit? Bei uns wohl in der Winterzeit, da ist kein Leben in der Erde, kein Leben in der Pflanze. Jedoch in den Tropen und im heiligen Land, da gibt es keinen Winter, der alles erstarren läßt, da kennt auch die Pflanze keinen Winterschlaf. Aber, werdet ihr mir vielleicht entgegnen wollen, Pflanzen und Ackerboden arbeiten doch nicht. Mit Verlaub, da seid ihr im Irrtum. Schneidet euch mal imv Hochsommer einen grünen Ast von irgend einem recht grünen Baum und legt ihn in die Sonne. Ich glaube, keine Stunde währt es, die grünen Blätter sind verwelkt und rollen sich zusammen. Stelle dich vor eine Eiche, vor eine Buche, kannst du sie zählen die Blätter all da oben,