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Der Israelit · 1938-06-30 · Heft 26 (30.6.1938) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Meüilletoneilage "r ' - " - - V^SS***5^^ 'jj^ Nummet 26 Das Thema. Nach alten Quellen frei bearbeitet und erzählt von Dr. Bernhard Hirschberg-Schrader. Die Gelehrten der Hochschule hatten sich versammelt, um verschiedene Fragen zu beraten. Unter ihnen waren der greise Rabbi Meir, der scharfsinnige Rabbi Samuel ben Nachman, der geistvolle Rabbi Schimeon ben Lakisch, genannt Resch Lakisch, der besonnene Rabbi Schimeon ben Eleasär und der feinsinnige Rabbi Chanina. Den Vorsitz führte Rabbi Meir. „Ehrwürdige Männer des Kollegiums'-, begann Rabbi Meir-,ich schlage vor, sofort in die Erörterung der dringendsten Angelegenheiten einzutreten und die Diskussion über weniger Wichtige Fragen zurückzustellen. Es ist mir : heute ganz besbnders^.darum zu tun, daß wir möglichst rasch Beschlüsse fassen und uns dann i über-'ein Thema, unterhalten, das sich auf rein geistigem Gebiete bewegt. Das Thema will1: ich nach Beendigung unserer Beratungen bekanntgeben. Von allen Seiten erfolgte Zustimmung, und ' bald war. das- Wesentlichste besprochen. Die ' Gelehrten ' Warteten., mit- Spannung auf . das; Thema; Es. trat eine kurze Pause ein. Dann sprach' Rabbi Meir: - „Ich will; nun das Thema .nennen und' bitte . Euch, es zu überlegen und Eure Meinungen zu äußern. Es lautet:: . - „Alles, was G'tt geschaffen hat, ist herrlich*V Die Versammlung nahm begeistert das Thema zur Kenntnis.; . Als Erster . sprach auf Rabbi Meirs Wunsch Rabbi Samuel ben Nachman. v „Herrlich ist der Trieb, der zur, Ehe führt. Auf diese Weise bildet sich die Familie^ und der Mensch 'lernt, aucji für andere zu sorgen:" „Schön sind die Worte, die Ihr spracht, Rabbi Samuel ben Nachman", sagte Rabbi Meir. „Und nun, Resch Lakisch, was habt Ihr zu bemerken?" Rabbi Schimeon ben Lakisch, der sinnend neben Rabbi Schimeon ben Eleäsar saß, erhob sein mächtiges Haupt und sprach: „Herrlich ist, daß dem Menschen eine Maeht innewohnt, die den bösen Willen in ihm fesseif und unterdrückt." „Weise spracht Ihr, Resch Lakisch. Es geschähe. Furchtbares, wenn der Mensch nicht färhig wäre, den bösen Willen~ in. sich zu bekämpfen," Versetzte Rabbi Meir. „Und nun sprecht; Ihr, Rabbi Schimeon ben Eleasar". „Es ist herrlich, daß der Allmächtige den Schlaf, geschaffen hat. Der Mensch schläft, und in wenigen Stunden sind seine Kräfte erneuert," sagte der Angeredete. „Ihr seid nunmehr an der Reihe, Rabbi Chanina." „Herrlich ist, daß im Leben das Unglück vorhanden ist. Dies lehrt die Menschen mehr als alle Predigten, auf den Ewign zu vertrauen,1' sagte Rabbi Chanina. Rabbi Meir sprach; „Klug und weise sind die Worte, die ich aus Eurem Munde vernommen habe, , und ich weiß nicht, ob ich auch meinerseits noch etwas hinzufügen soll. Aber es drängt mich, Einige Gedanken auszusprechen, die mich so sehr beschäf-' ligen."; . ' „Sprecht, sprecht Rabbi Meir," kam es wie aus einem Munde." Und Rabbi Meir begann: „Herrlich ist, daß der Mensch stirbt. Er wird mit geballten Fäusten geboren, stirbt aber mit weit ausgebreiteten Händen. Wenn er ins Leben tritt, will er alles ergreifen und festhalten, wenn er die Welt verläßt, gibt ,er alles hin. Hört mich an, meine Freunde, ich will!Euch eine Geschichte erzählen, die meine eben gesprochenen Worte beleuchten soll." Tiefe Stille trat'ein, und Rabbi Meir fuhr fort: „Als Alexander von Mazedonien die Welt erobert hatte, drang er vor bis zur Pforte des Paradieses, pochte daran mit dem Griff seines Speeres und begehrte. Einlaß.! Aber rfiemand antwortete. Alexander pochte abermals. Und wieder erfolgte keine Antwort, Er wurde ungeduldig und klopfte zum dritten Mal. „Wer pocht?", fragte man. „Mächt auf! Macht auf! Hier ist Alexander;" „Alexander? Wer ist Alexander?" .-Jfc „Ich bin Alexander, der die Welt vom, Indus bis zum Nil erobert hat. Man nennt mich den Großen." ■ ".' ^r" „Wir; kennen Dich nicht," erwiderte man. ihm. „Hier ist das Gebiet des Herrn. Nur dem Gerechten wird die Pforte geöffnet." Alexander war verblüfft. Einen solchen WiH; derstand hatte er nicht erwartet. Er sann einen Augenblick nach und sprach dann;. „Ich neige mein Haupt in Demut vor Dir. Aber "wenn Du mir schon den Einlaß verwehrst, so gib mir; wenigstens :irgendeih^n Gegenstand mit zum Beweis, daß -ich bis 2ur Pforte Hes Parkdieses vorgedrungen War." ' > ■ *■ ■ -'V i.Weil Dü; so dejctiütig bist, av|11 ich'Öeiheri Wöäscfr erfüllen," entgegnete <^er EngeL E^]üiier-' ,gab ihm ein Stück Knochjenil vom Schädel;:ernes>': Menschen "und sagte: >:; 5;i : ,,Nimm das hin und :denke darüber nach.'' ":'< Alexander kehrte ins Lkgei" zurück. Er'ließj! 'sofort^ die Weisen'^kohinieri, die ihn '-auf -seinen" Zügen .begleiteten;;und.:sprach: ' . : s'':;:: - „Hier ist ein Stück, vom" Schädel eines Menschen. Ich habe den Knochen vom Engel bekommen, der dievPforte des Paradieses bewacht. Deutet mir, f'was; der Engel mit der öab£ beäb-^ -•sichtigte."' '{'''■ .•-<' '■■'■>':&■ l ' V'"' Die Weisen hähmeti einer nach dem;, andern den Knochen in die Hand ünd betrachteten ihn von allen Seiten: Alsdann sprach der; Aelteste von ihnen' v *' - i.Vernimm, o Kjpnig, die : Worte Deines Dieners. Es übersteiget; die Kraft eines Sterblichen, däs RätseLzii erraten. Aber vielleicht-läßt sich der Sinn der> Gabe erkennen, wenn wir den Knochen wiegen." „Es sei, wie Du sagst," versetzte der König. Die Weisen ließen eine Wage herbeiholen und legten den Knochen in die eine Schale. In die andere begann Alexander Gold . und Silber zu werfen. Aber da^s Metall konnte trotz seines großen Gewichtes die Schale, mit dem Knochen nicht hochziehen. Der Herrscher warf immer mehr Gold' in die Schale und legte noch; die Krone ühd ändere Kleinodien seiner Macht hinein. Aber die Schale mit dem Knochen rührte sich nicht von der Stelle. Zuletzt warf einer der Weisen ein wenig Moder auf den Knochen, und die Schale, in der der Knochen lag, schnellte sofort empor, „Was bedeutet das?" fragte Alexander. Der Weise, der den Moder auf den Knochen geworfen hatte, trat vor den Herrscher und sprach: „Mein königlicher Herr und Gebieter, laß Dir offenbaren, was der Engel Dii; sagen wollte, als er Dir den Knochen gab." ,,Sprich," erwiderte der Herrscher. ,Ö Herr," versetzte der Weise, „das Stück;- das_ Du vom Engel erhieltest, ist ein Teil des Knochens, der die Augengrub^e bildet. Der Engel wollte Dir mit der sonderbaren Gabe sägen, daß das Auge des Menschen unersättlich ist, und daß ihm nur der Moder des Todes Eihhalt gebieies kann." « ~ Die versammelten'Gelehrten ernoben.sich vjön ihren Sitzen und - verneigten sich ti^f vor Rabbi Meir. _ . r " , ' ■ \ Aus jüdischem Geiste. i Ein würdiger-armer Thor agelehrter klagte vor: R. Israel Sa 1 a nter sein Leid. R. Israel kramte seine .ganze Barschaft aus und gab ihm einen Rubel und dann noch eine Kopeke (Groschen] dazu. „Wozu noch die Kopeke?" fragten die. Freunde. „Als ich das Leid des: Armen anhörte,", "sagte R. Israel, „führten der: g ü t e und der. b o s e Trieb in -mir schweren Kampf'miteinknde^V.Einetf ganzen Rubel!" plädierte der Jezertöw. „Eine Kopeke genügt," protestierte der' Jezer Höra.; Ich " liebe aber keinen Streit, so machte ich es beiden recht und gab einen Rubel und eine Kopeke." - Nach einer-Klauenseuche in Lodz verloren jüdische Droschkenkutscher -ihr« Gäule,;ihre? einzigen ' Ernähret R. Elia , Ghaim -M.eisels -ging die'.'''reichen Leute an, den armen. Fuhrleuten -zu neuen-i Pferden zu verhelfen. : „Schon -wieder," /empfingein* Magnat ärgerlich den Rabbi. ,,In e i rie t- Woche schon das vierte Mal; -daß ich 'Geld für'ifein Pferd 'hergeben soll!";;''S^^.^:\VV:^y-i;'< -!'^' - „Warum auch nicht?" lächtetder Rabbi. „Es-Schickt sich, daß ein Mann Eurer' Stellung v i e r s p a n. n i'g ins Ganeden fährt;" Mosche Izchok, ein bekannter Großkaufmann, Gelehrter und Phflan,ixoj^;in^^; Pinsk^, hatte .einmal das Pech, daß nach'-Ankauf ein.es; größ.eii' iViehli^hsportes die- Mehlpreise: rapid: zusinken begannen.' 'Alles Zureden: der -Freunde, das Mehl öiit ^Verlust 'a^zU^etzen, uni1 noch . größere Einbuße ,'z.u vermeiden,;, war. fruchtlos, . „Nicht um einen Groschenf-gehe ich vom*Preise herunter," versteiftesich Mos/che,-Izchok. rv •Nach wenigen' Tä^fen brannte ,em Städtchen in der f^fähe von Pinsk- bis auf den Freund ab. Dreihundert /iudische -Familien .waren ohne ßrbt( und Obdach. ■; Mosche - Izchdk schickte den ganzen Mehljvorrat ins. Städtchen und: trüg in seinem Zdokobuche den vollen Kaufbetragals Spende ein.; '„Habe'Ich^ueh nicht gesagt,'- triumphierte Mosche Iz'chokj .,,nicht' e i n e n Groschen .lasse ich inir vom Preise..herunterhandeln . . ." ■!^:' '' v R. Itschel Petersburger besuchte den jüdischen -Magnaten Poliakow, um den hohen Mönatsbeitrag für die . von ihm. geleitete Lehranstalt in Empfang zu nehmen. Poliakow eröffnete ihm aber, daß er fortan seine Beiträge z u rück z i.e h e. R. Itschel ließ sich, für den Rückweg einen W a>- g e n holen; ' ' . . :;, „Gerade jetzt, wo Ihnen alle Unterstützung genommen ist, diese Ausgabe?" wunderte sich der Magnat. '„Jetzt sind wir nur noch auf den Heiligen, gelobt sei Er; angewiesen,", erwiderte der Rabbi '■Stolz . UnÜ ruhig. "JJWas: soll ich. auf seine "Rechnung sparen?" "•' . * * / * 1 „Es "ist doch merkwürdig, daß es auf der einen Seite. R en e g a t e n , auf der anderen P r ose 1 y t c n gibt," sagte\man im Kreise des Gaon zu Wilna: 5 „Gar nicht merkwürdig," .sagte der Gaon. „Als der Heilige gelobt sei Er, seihe Thora1 allen Völkern anbot; sägten sie alle Nein, nür_Israel wurde zum Jasagen genötigt. Völker können; aber i in ihrer Gesinnung nie ganz .einheitlich sein. Qewiß gab es^unter Edpm und. Ismail welche, die. gern .Ja gesagt hätten, . wie Andere unter Israel waren,- die innerlich nicht zum Sinai hielten. Durch den Austausch wird nun der Ausgleich hergestellt." R, Chajim Brisker begann seine tiefe halachische Drascha. Einer der Hörer, ein aufgeblasener Ignorant, bemerkte halblaut: „Däs haben wir vom Rabbi bereits voriges Jahr gehört."; - - . Rabbi Chajim hielt ein und redete; den Zwischenrufer an. , Euer Gedächtnis ist staunenswert,, nun darschent Ihr weiter . ' -;'- Nachum S o kol ö w soll in seinen alten Tagen einmal gesagt haben: „ Wie ich noch -junger B o - ckur war, wußte ich "nicht, wie und wo Röwo und Abaje lebten." aber ich wußte, w aJ.s s i e-rs a g t e n. Als a 11 e'r M a s k i l weiß ich heute genau, wie; und wo. Röwo und Abaje lebten, weniger aber was sie' sagten . . ." ' ~ ' - -

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