Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-06-30 · Heft 26 (30.6.1938) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451037--83809-2541835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 26 Seite 9 ER E Z ISRAEL Über die Erez Jisroel-Arbeit der Nowaj. (Schluß,) Die religiös-weltanschauliche Verankerung der zukünftigen Frau und Mutter ist "in jedem Falle und an jedem Ort von entscheidender Bedeutung für ihr Haus und ihre Gemeinschaft. In Erez Jisroel aber ist diese Verankerung im jüdischen Gesetz und die ihm gemäße Lebensführung von einer besonderen Bedeutung, weil auf dem heiligen Boden die Verantwortung um so schwerer wiegt, da Mizwoh und Aweroh hier anderen, schwereren Beurteilungen mit Hinsicht auf die Heiligkeit des Ortes unterliegen, Und ferner ist Erez Jisroel heute dasjenige Land: auf welches Freunde und Feinde unseres Volkes gleichsam wie auf sein Angesicht schauen. Die Haltung unserer Töchter und Frauen in Jerusalem, Haifa und Tel Awiw wirkt urteilbildend - für das sittliche Verhalten, die Arbeitsfähigkeit und den sozialen Leistungswillen der Jüdin, mehr als ihr Benehmen in New York, London, Warschau oder Paris. Die Einrichtungen, die dort im heiligen Lande geschaffen werden, gelten als Norm für jüdisches Können und Wollen, Deshalb wirkt Leistung oder Versagen nirgends weittragender als in Erez Jisroel, Diese drei Gesichtspunkte waren es, welche die Entschlüsse und die Tatkraft der jungen Organisation für ihr Erez Jisroelwerk förderten. Bereits für die Mittel aus den ersten kleinen Eingängen bei der Zentrale wurden im Monat Marcheschwan die Leiterin der Arbeitsvermittlungsstelle in Jerusalem, Frl. Jochebed Wolf, und im Tewes der provisorische Leiter der Arbeitsvermittlungsstelle in Haifa; Herr Schimon Heckscher, engagiert, während der bestehenden Bnoth-Kibbüz in Tel Awiw den gleichen Betrag als Zuschuß erhielt, welchen die beiden anderen Stellen für Gehalt und Miete erforderten. Die Notwendigkeit der Einrichtungen trat durch den Erfolg sofort sichtbar zutage. Während bisher auch gut agudistische Häuser sich an keine richtig funktionierende Vermittlungsstelle wenden konnten (die freiwillig arbeitenden Frauen hatten nicht immer die erforderliche Zeit, um Stellen zu suchen, oder Mädchen zu schicken), und infolgedessen oft genötigt waren, die gut eingerichtete Misrachivermittlung in AnsPrucn zu nehmen, gelang es unseren Beamten, allmählich soviel auf Kaschruth kontrollierte Stellen zu beschaffen, daß der Aprilbericht aus Jerusalem eine Beschäftigung sämtlicher 90 angeschlossenen Poaloth'meldet, und auch Haifa meldet ein nahezu ebenso günstiges Ergebnis. In Jerusalem konnten drei Stellen an fromme * Misrachistinnen abgegeben werden. Für die Zukunft besteht die Hoffnung, daß unsere Mädchen durch Vermittlung von Frau Dr. Breuer Plätze in den Küchen des Hadassahhospitals erhalten. Ein Komitee, bestehend aus den Damen Frau .Oberrabbiner Herzog (Misrachi), Frau Vilma Frankel (Misrachi) und Frau Dr. Breuer (Aguda), ist bemüht, alle vorhandenen großen Institutionen allmählich zu kaschern. Es bedeutet einen gewaltigen Fortschritt für den religiösen Jischuw, wenn er auf diese Weise Einfluß auf das Kaschruth der großen Organisationen gewinnt. Entsprechend agudistischer Auffassung wurden unsere Arbeitsvermittlungsstellen, welche uns viele Mädchen zuführten, in den Dienst religiöser und geistiger Erziehung gestellt, Unseren Beamten liegen diese Aufgaben gleichzetiig auf, denen sie sich mit Hingebung und Eignung unterziehen. Die -Stundenpläne für den vergangenen Winter umfaßten religiöse und profane Disziplinen, wie" T'nach, Iwrith, Englisch und Turnen. Der Oneg Schabbath wurde ganz besonders ausgewertet, und am nn m~\ und an sonstigen, besonderen Tagen wurden Zusammenkünfte eingerichtet, um für gesellschaftliche und geistige Bedürfnisse zu sorgen. So bilden sich allmählich agudistische Zentren, deren Zusammenhang mit -der Or- S,?anisation ein festes Band zur Agudas Jisroel bildet. Die freundschaftlichen Beziehungen, welche unsere Jerusalemer Mädchen mit ihrer Führerin verbinden, müssen als ein grundlegendes Ferment gewertet werden. Diese sind es auch, welche Frl. Jochebed Wolf als Leiterin des neueröffneten Kibbuz in Jerusalem empfehlen und bestätigen. Der Initiative Frau Dr. Breuers ist es zu verdanken, daß dieses Heim, wenn auch zunächst in bescheidenem Umfang, bereits am 7. Siwah eröffnet werden konnte. Eine Sammlung von Lst. 300.— war notwendig für die Einrichtungskosten, zu denen Frau Baronin James de Rothschild Lst, iOO,— zusagte. Die übrigen Lst, 200.— sind bereits zum größeren Teil durch die Nowaj aufgebracht worden, und nach Beendigung dieser Sammlung liegen den Gruppen in aller Welt monatliche Verpflichtungen für die Unterhaltung dieses Kibbuz auf. Der gleiche Betrag muß für den bereits bestehenden Kibbuz in Tel Awiw beschafft werden. Der Kibbuz Ironi Jerusalem befindet sich Rechow ben Gabirol Nr. 11. Er enthält einen Klubraum, ein Arbeitszimmer für die Arbeitsvermittlungsstelle und die Wohnräume für die jungen Mädchen. Ein ausführlicher-Bericht aus Jerusalem mit Photos über Eiariehtung, Führung und Statuten des Heimes folgt s. G. w. in einer der nächsten Nummern, Die Leitung des Kibbuz bittet wiederholt um Einrichtungsgegenstände und Bücher, Die Leitung der Nowaj Antwerpen, Av. des Eglantiers 3, nimmt diesbezügliche Mitteilungen gerne entgegen. Neue Attentate in Palästina. Jerusalem, 26, Juni, Von Samstag bis zum Sonntag, den 26. Juni, haben nach „Europapreß", die Unruhen in ganz Palästina wieder zugenommen. Aus Haifa wird gemeldet, daß dort zwei Männer in das der Mandatsverwaltung unterstehende Hospital eindrangen und einen verwundeten Araber erschossen haben. Die in dem gleichen Zimmer liegenden anderen Kranken konnten die Mordtat nicht verhindern und auch den Täter nicht verfolgen, Polizei und Militär haben sofort die Verfolgung der Täter aufgenommen, ohne bisher ihrer habhaft zu werden. Zwischen Tel Awiw und Jaffa kam es am Sonntagy^wieder zu Bombenanschlägen. Dabei wurden zwei F r a u e n und ein Kind schwer verletzt. An einer anderen Stelle von Jaffa wurde ein Anschlag auf eine arabische Siedlung verübt. Drei arabische Frauen wurden schwer und drei weitere leicht verletzt. In einem Dorfe in der Nähe von Nablus würde ein Araber, der sich auf Militär-Urlaub befand, von Unbekannten entführt. Die Polizei hat bisher keine Spur von den Entführern entdecken können. Die Olim aus Deutschland und das religiöse . Leben. Jerusalem, 24. Juni. In seinen Berichten über den Streit und den Streik der Tel Awiwer Cafehausbesitzer fand es der misrachistische „Hazofeh" für wichtig, wiederholt zu betonen und zu unterstreichen, daß die Verhandlungen in der Versammlung der Sabbatgegner nicht in hebräischer, sondern in deutscher Sprache geführt wurden. Dazu schreibt Rabbiner Dr., Isaac Unna, Jerusalem, an das genannte Blatt voni 3. Siwan wie folgt; „Ich weiß nicht, ob dem Berichterstatter eine Sabbatentweihung, die rein hebräisch betrieben wird, lieber ist, oder ob er nur andeuten will, daß all das Unheil von den Einwanderern aus Deutschland ausgehe, Gegen die letztere Behauptung muß mit aller Entschiedenheit Verwahrung eingelegt werden. Es ist uns allen bekannt, daß unter unseren Olim welche sind, deren religiöses Verhalten mit Recht Anstoß erregt, aber es muß bemerkt werden, daß die Öle Germania nicht als Erste die Entweihung ins Land gebracht* haben. Diese Kategorie von Einwanderern kommt aus einem Assimilationsmilieu, das * von Religion nichts weiß. Ihrer Viele sind nicht nach Erez Israel gekommen, sondern nach einem Erez, das ihnen Zuflucht bietet. Eine prinzipielle Gegnerschaft gegen die Religion kennen sie nicht, sie stemmen sich gegen das Sabbatstatut nur aus Unkenntnis auf und weil bei ihnen jedes Gefühl für die religiösen Heiligtümer seit Generationen abgetötet ist. Auf der anderen Seite frage man sich, wer als erste Pioniere den Geist der Thora in die Kibbuzim hineingetragen hat. Es waren Chaluzim. die _aus Deutschland kamen, die ..Rodges" gegründet haben, aus dem dann auch „Tirath Zwi" hervorgegangen ist. Diese beiden Punkte des Poel Hamisrachi (und erst die Kibbuzim der Agudas Jisroel? Red.) sind Zentren der Jüdischkeit im Lande, Darum bin ich der Meinung, man kämpfe gegen jede Art von Thoraschändung, wo und wie sie sich auch -zeigt, ohne Unterschied zu machen, aus welchem Lande und welchem Kreise sie kommt, ob sich die Treibereien in hebräischer oder in einer anderen Sprache äußern." Die Subventionen für jüdische und arabische Schulen. — Aus dem Bericht der Regierung an die Mandatskommission, _ : Jerusalem, 24. Juni. Im Berichte wird betont, daß der fortdauernde Terror sehr hemmend auf die Entwicklung des arabischen Schulwesens wirkte. Viele Schulgebäude mußten vom Militär bezogen werden, so daß das Volksschulnetz empfindliche Risse erfuhr. Demgegenüber zeigt das jüdische Erziehungswesen im Lande steten Aufstieg, Im Schuljahre 1935 bis 1936 besaßen die Araber 754 Schulen, die 76.760 Schüler und Schülerinnen umfaßten. Im folgenden Jahre sank die Zahl der arabischen Schulen um 16. Die Zahl der jüdischen Schulen stieg in diesem Jahre auf 373, die der' jüdischen Schüler von 60.200 auf 67.273, Und trotzdem: Für arabische Schulen gab die Regierung 245.702 Pfund aus und für die jüdischen nur 52,770 Pfund, Schätzungsweise gibt es in Palästina 265 920 schulpflichtige Araberkinder. Die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder beträgt 66.546. Die Tätigkeit der Hitachduth Olej Austria. . Tel Awiw, 20. Juni. Im Hinblick auf die verstärkte Auswanderung der Juden aus Oesterreich hat die Hitachduth Öls; Austria ihre Tätigkeit gesteigert, Ihr Hilfswerk setzt im Hafen ein. In Haifa als auch in Tel Awiw befinden sich bei jeder Landung Vertreter, welche an Armbinden erkenntlich sind, Sie stehen jedem Neuankommenden zur Verfügung, helfen ihm bei der Erledigung der Formalitäten und beraten ihn über die Unterkuriftsfrage. Es sind Verhandlungen im Gange, welche es den Vertretern ermöglichen sollen, die ankommenden Schiffe zu betreten und gleich dort die Ratsuchenden zu empfangen. Es ist zu hoffen, daß die englischen Behörden sich dieser Forderung nicht verschließen werden. Mit der Fürsorge der Ankommenden ist eine eigene Kommission betraut und es ist erfreulich, festzustellen, daß sie alles aufbietet, um " den neuen Einwanderern über die Schwierigkeiten der ersten Tage hinwegzuhelfen. Dank den Bemühungen des Verbandes haben Restaurants und Cafehäuser in Haifa und in Tel Awiw bisher 600 bis 800 Tagesmahlzeiten gestiftet. Es wurde, ferner eine große Anzahl von Schlafstellen sowohl in Hotels als. auch in Privathäusern zur Verfügung gestellt, so daß für die ersten Tage jeder, der es benötigt, versorgt ist. Im Falle einer weiter notwendig werdenden Betreuung sorgt der Verband für die Unterbringung der Leute im Beth Olim. Es wurde außerdem eine Sammlung veranstaltet, welche Möbel Und Kleider in reichem Maße gebracht hat. Auch Geldspenden wurden zur Verfügung gestellt, um erste Unterstützungen geben zu können. Außer dieser ersten Hilfe bei der Ankunft berät der Verband im täglichen Parteienverkehr jeden Ratsuchenden in allen Fragen, und zwar sowohl bezüglich der Berufswahl, Festlegung des Wohnsitzes, Einschulung der Kinder usw., als auch bezüglich aller Fragen, die sich auf die Einwanderung der noch in Oesterreich befindlichen Angehörigen baziehen. Der Fürsorgestelle ist eine Stellenvermittlung angegliedert. Eine besondere Kommission befaßt sich mit der wirtschaftlichen Einordnung der neuen Einwanderer. --- Allerlei aus Erez Israel. Jerusalem, 26. Juni. Bei der feierlichen Eröffnung des neuen Postgebäudes und der Telefonzentrale in Jerusalem, die auf Sabbat gelegt war, waren sämtliche jüdische Postbeamten, die sonst am Sabbat frei haben, aufgefordert worden, aus Anlaß der Einweihung zur Arbeit anzutreten. Dank der Intervention der Agudas Jisroel wurden die jüdischen Arbeiter vom Erscheinen und der Arbeitsleistung auch an diesem Sabbat nachträglich befreit. Einen guten Abschluß weist die Bank „Kupaih Milwe" der Poale Agudas Jisroel in Tel Awiw auf. Ungeachtet der schweren Zeit konnte die Bank über 2000 Pfund an Darlehen im letzten Jahre ausgeben. Der allgemeine Umsatz betrug über 22.000 Pfund. Nach Uebernahme der Bank in den kooperativen Verband ergeben sich für das Institut noch neue Möglichkeiten. Große Aufregung und Erbitterung in der religiösen Bevölkerung erregte der Beschluß des Gemeinderates von H e r z 1 i a , Pflanzungen in der Kolonie vorzunehmen. Die Bitte einer Delegation unter Führung des Ortsrabbiners an den Vorstand, mit Rücksicht auf das Schmittajahr mit der Ausführung der Arbeiten bis zum nächsten Herbst zu warten, blieb ohne Erfolg. Dieser Tage beginnt eine neue religiöse Arbeiterzeitung als Organ der Poale Agudas Jisroel unter dem Titel „Haatid" zu erscheinen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.