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Der Israelit · 1938-06-30 · Heft 26 (30.6.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Die KEREN HATO RAH-S am meld ose-gehört »n jedes jüdische Haust Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hotorah zu fördern. Bitte Dosen anfordern! Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 30. Juni 1938 jialen Lebens auf die eigentlich „religiösen" Dinge wUlensmäßig oder traditionsm ä ß i g geschah. Nicht als „Dathi", sondern als Jude schlechthin schied man sich ab. Man tut es mit größtem. Heldenmut, mit unerschütterlichem Opfersinn. Hierüber und über alles Nähere ist in der Schrift „Das jüdische Nationalheim". das Erforderliche nachzulesen. — Viele Jahre sind inzwischen vergangen. Jahre ^unerhörter wirtschaftlicher Entwicklung; Jahre beispielloser nationaler Konsolidierung; Jahre furchtbarster Krisen; Jahre schmerzlicher Blutopfer. Mehr und mehr wurden auch die getrennten Menschen oder doch wenigstens ihre Kinder ins Leben gerissen-. Von der Gola strömten Menschen herbei, denen Anlage ünd Erziehung den Standort mitten im Leben anwiesen. Wirtschaftlicher Zwang schuf tausend Gemeinsamkeiten. Liebe zum Land, Liebe zur Sprache, Liebe zur Zukunft, geteilte Gefahr( geteilter Schmerz, geteilte Teilnahme am Schicksal der grauenhaft erschütterten europäischen Gola brachten bis tief in die Reihen der Getrennten ein Nationalbewußtsein zustande, vor dem die Trennung vielfach nur noch als — ,,religiöse" Trennung bestehen konnte. Nun aber -war es wirklich — „Trennung". Nun aber waren sie wirklich — „ D a t h i im". Hierzu kam die Entwicklung des Waad L'uhii selbef.Schfen es in der ersten Zeit seines Bestehens, daß er sich als oberstes Verwaltungsorgan einer religiösen Körperschaft wirklich ernst nehme und kein wichtigeres Anliegen kenne, als die Ordnung von Rabbinat und Sch'chitah, so ist es allmählich um diese Fragen erheblich stiller geworden. Mehr und mehr vermied man es tunlichst, die „religiöse Gewissensfreiheit" der Getrennten erheblich zu kränken. Man ließ sie im wesentlichen „religiös" gewähren. Man hatte „Wichtigeres" zu tun. Ganz und gar fühlte man sich als Repräsentant des nationalen Gemeinwesens mit seinen unendlich weit über den in der Gola künstlich eingeengten Begriff hinausreichenden nationalen Aufgaben und Betätigungen. Man bagatellisierte das „Religiöse" und überließ es den — „Daihiim" innerhalb und — außerhalb von „K'nesseth Jißrael". Inden rvmin mwy der *nh' 'S ist jede Begierde, sowohl die nach der Frau als die nach dem Besitze des Nächsten mit dem Worte iisnn «V verboten. Dieses nttnn »V ist nach . Meinung der b"m in ö*a nicht direkt an die Gesinnung gerichtetes Verbot, sondern bezieht sich zunächst auf Vorkehrungen, die der Begehrende trifft, um das Begehrte zu erlangen. So ist z. B. durch Tinnn «6 verboten, jemandem etwas abzuschwatzen oder durch Mittelsleute abschwatzen zu lassen, selbst falls man diesen Gegenstand bezahlen will. Nur Unkundige können wähnen, dieses Verbot bezieh« sich all&in auf unbezahlte Gegenstände. Der Sinn ist; Selbst, das, was du bezahlst, soll nicht durch Vorkehrungen deines Begehrens aus der Hand deines Nächsten an dich gelangen. In den nvwn mv* der pnnxi'? dagegen ist darüber hinaus selbst" die innere r-nkn verboten, die Begierde, die innen bleibt und keinerlei Vorkehrungen zu ihrer Erfüllung zeitigt: msrin nb ^isnn'a. Dieses ganz innerliche Begehren wandelt iedoch in einer Hinsicht gelegentlich selbst den Edelsten an, und das ist das Begehren, in den Frieden, und die Ehre, anderer Familien einzudringen. Von diesem Begehren, so sündhaft und verbrecherisch es ist, sagen die Weisen, es gehöre zu den dt Vaa ona Vx'i n^s piw onai mbv den Dingen, vor denen niemand ausnahmslos allezeit bewahrt bleibt. Deshalb sagt die min nicht nvs. nisnn ttf>/ denn diese Selbsterziehung will erst allmählich efarbeitet sein. So. auch hier. Die >|lODOKrt, Edelsten des Volkes trafen nicht ..etwa Vorkehrungen, um ihre Begierde nach Fleisch zu befriedigen. Aber miwi Yiann sie hegten ein / inneres Begehren danach. Und dieses innere Abirren der Edelsten, die sonst vorbildlich wirken sollten, konnte auch dem Volke nicht verborgen Ein eigenes nationales Gemeinwesen hat die Aguda im heiligen Lande nicht geschaffen. Ihre Gemeinden in: Jeruscholajim, Safed und Tiberias sind, bei günstigster Beurteilung, auf die Zielsetzung einer G o 1 a k ' h i 11 a h beschränkt. Während aber in der Golak'hillah thoragemäßer, Gestaltung eine # Scheidung' zwischen den Religiösen und den Nationalen völlig unstatthaft ist, ihr ganzes Sonderdasein vielmehr, entsprechend dem Urbild von K'nesseth Jißrael, die untrennbare Einheit des Religiösen und des Nationalen geradezu verkörpert und* den Begriff des auf Basis eines religiös neutralen Nationallsmus sich erhebenden „Dathi" unbedingt perhorresziert, Wochenrundschau. Soll man vom „Tachlis reden? — Das hebräische Wort und der jüdische Gedanke — Sabbatgesetz und Sabbatstatut. Joeschsohn, der Redakteur des zionistischen „Hajnt" in Warschau, schreibt nach einer Besichtigung der Lubliner Jeschiwa: „Vor acht Jahren, als. die Jeschiwa gegründet wurde, wurde die Frage des „Tachlis" aufgeworfen. Was sollte aus den Hunderten von Jüngern werden, wenn sie die Jeschiwa verlassen, mit großen talmudischen Kenntnissen, aber ohne profanes Wissen und ohne berufliche Ausbildung? Heute, nach den bitteren Enttäuschungen und den traurigen Lektionen, die uns die letzten Jahre erteilt haben, sind wir mit der Frage nach dem „Tachlis" etwas kleinlaut geworden. Zu welchen herrlichen Resultaten, zu welchen glorreichen Zielen haben all unsere anderen Versuche und viel verheiß enden Unternehmungen geführt? Bei der wachsenden Arbeitslosigkeit unter den Juden Polens dürfen wir uns schon leisten, ein paar hundert jüdische Jünger ohne bestimmte Tachlis'-Ziele auszuhalten. Und im übrigen: Beim erschreckenden Ansteigen der Ignoranz auch in der östlichen Judenheit ist die Großziehung von einigen hundert Gelehrten, künftigen Wegweisern, vielleicht auch Ganoim, s c h on an sich ein ganz gewaltig e s T a c h I i s. Möglich, daß der Jünger, den man mir vorstellte, und der in den sechs Jahren seines Jeschiwaaufbleiben. Das Volk hat dafür einen scharfen Blick, selbst falls die Edlen "darüber nicht reden. Und so erlaubte sich denn das ganze Volk auf dieses innere Begehren der Edlen hin auch lauten und unfriedlichen Protest gegen den Fleischmangel. Und dies war das zweite Unheil, das man nicht ohne Atempause nach dem undankbaren Abschiede Israels vom Sinai berichten kann. III. Durch nichts aber kann diese notwendige Atempause besser ausgefüllt „werden als durch jenen Bericht, der ein nao für sich ist, eine Welt in sich und für sich, — den Bericht von Mose, der unbekümmert um alle solche Meinungen und Strömungen, nur* den Blick auf G'tt gerichtet hielt und des G'tteSVOlkes Wanderungen von hoher Warte betrachtet, — jeden Aufbruch Israels als einen Sieg über das Böse in der Welt und über die G'ttesfeinde, — und jede Ruhestation Israels als eine neue Beheimatung G'ttes auf Erden feiert. Die schönste Rühepause zwischen dem Beobachten menschlicher Verirrungen ist das Erlebnis, Menschen zu sehen, welche unbeirrt von Allem die Lade G'ttes mit ihren Gedanken begleiten. Korach und sein Anhang haben dieses lao nicht verstanden, daher ihre Abkehr, darin lag ihre Schuld und ihr Schicksal. Briefkasten. G. O. in T. Der Barmizwa-Sabbat ist am 6 Mai — Tins 'S MW' der Geburtstag am 1. Mai. Nr. 26 Seite 5 h-at die Anwendung des agudistischen Prinzips im heiligen Lande, nach der Art, wie sie erfolgt ist, ganz im Gegenteil dazu geführt, dem- Begriff des „Dathi" unmittelbar Vorschub zu leisten, indem sie eine Trennung forderte, die nur auf dem „religiösen" Gebiet geschah« die sie aber national durchzuführen weder imstande noch, vielleicht, selbst willens war. Ich urteile nicht. Ich entscheide nicht. Ich frage nur. Ich warne nur. — — (Schluß folgt.) enthaltes bereits sechzigmal die Ordnung »«Hp durchgelernt hat, keine große Karr^re im Leben machen wird, vielleicht wird auch der kleine „Terespoler", der mir sein tiefgehendes halachisches Werk über die „Absicht beim Korban" überreicht hat, keine Reichtümer damit erwerben, und sicherlich wird der elfjährige bleiche Junge, der Jüngste der Jeschiwa, der eine lange Sugja, eben erst gehört, mit allen Feinheiten und Vertiefungen wiedergab, es nicht bis zum Fabrikanten oder Bankdirektor bringen. Aber ich bin gewiß, daß diese Menschen uns später ungleich mehr Ehre einbringen werden, als manche unserer Großen, als viele Magnaten, die heute im jüdischen Leben und in der Gemeindepolitik das. große Wort führen." Was hier über die „Tachlis"-Pläne unserer Nachkriegsjugend gesagt wird, gilt heute nicht allein für Polen . . . * Das Tel Awiwer Rabbinat wünscht in einem Rundschreiben von den Vorständen der Tel Awiwer Lehr- und Bethäuser, daß sie künftighin nicht mehr zulassen, daß in den ihnen unterstehenden Bote Midrasch in einer anderen Sprache gelehrt, unterrichtet, vorgetragen und gepredigt wird als in Iwrith. Wir haben über diesen Schritt des Rabbinates bereits berichtet und auch eine Glosse des orthodoxen Organs „Kol Israel" dazu wiedergegeben. Ohne uns von der Leidenschaft des Parteikampfes irgend mitgerissen zu fühlen, müssen wir doch gerechterweise jene rabbinatliche Verordnung als verfehlt und den in Palästina und Tel Awiw obwaltenden Umständen nicht angepaßt erklären. Gewiß, es wäre unser aller Ideal, daß die hebräische Sprache, die dort die Straße beherrscht und leider auch zu profanen, allzu profanen Zwecken ge- und mißbraucht wird, vor allem da einzieht, wo sie hingehört, in die Stätten der Lehre und des Gebetes. Man erinnert sich, mit welcher Energie und Kraftaufbietung die Orthodoxie in Deutschland für das Hebräische im Geb.ete gekämpft hat, als zu Beginn der Reform die heilige Sprache im G'tteshause von der Landessprache —rin-PM BTW1 nnBff— verdrängt werden, sollte. Aber solange es im jüdischen Lande und in der jüdischen Stadt Hunderte, ja Tausende gibt, die, obwohl mit dem hebräischen Gebete wohlvertraut, nicht oder noch nicht in der Lage sind, fließend hebräisch zu sprechen und dem Fluß der Gedanken ohne Hemmung die hebräische Ausdrucksform zu geben, wäre es ein Gewissenszwang, ja sogar eine Minderung und Schwächung des Thorastudiums, das Lernen und Vortragen in dem bisher gewohnten Jiddisch zu verbieten. Die Verordnung wird auch nicht befolgt werden, — weil sik zunächst gar nicht befolgt werden kann, ohne einer großen Reihe von Lernenden und Lehrenden, die, egal in welcher Sprache, ihren Hörem etwas zu sagen haben, den Mund zu schließen. Wozu also de jure Bestimmungen erlassen, die d e facto unausführbar sind und nur Verwirrung anrichten? Chacham U s i e 1, dem als Sefardi die hebräische Zunge angeboren ist, meint es gewiß ganz ehrlich, und für Oberrabbiner Amiel, den altbewährten Zionsfreund, ist es unstreitbar ein Ziel sehnlich zu erwünschen. Die Initiative ist aber, wie man aus den linksstehenden Zeitungen ersehen kann, nicht im Rabbinatshause entstanden, sondern anderswo, in Schichten, denen das hebräische Wort weit mehr wiegt als der jüdische Gedanke. Um so bedauerlicher, daß sich die Rabbinen Von diesen Kreisen für einen Beschluß einspannen ließen, der mindestens um einige Jahrzehnte verfrüht ist, * Im Laufe des Streites und Streikes der Cafehausbesitzer in Tel Awiw ergeben sich zuweilen groteske Zwischenspiele, über , die man lachen könnte, wenn sie nicht so ernsten Hintei*-

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