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Der Israelit · 1938-06-30 · Heft 26 (30.6.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 26 Der Israelit 30. Juni J93S meinde" sei: darum ging der Streit. Agudismus wie Zionismus bejahten die Frage. Der Agudismus lehnte die religiös neutrale K'hillah ab, weil sie dem nationalen Vorbild von K'nesseth Jißrael nicht entsprach. Der Zionismus akzeptierte sie, weil sie letzten Endes zur Anerkennung der Priorität des Nationalen vor dem Religiösen zwang. Wesentlich aber war, daß der Agudismus in den eindeutig von der Theorie beherrschten Galuthgemeinden Gemeinschaftsformen vorfand, die auch der nationalen Beteiligung, soweit sie in der Galuth überhaupt möglich war, durchaus Genüge taten. Daß der Agudismus seih Prinzip auch auf das heilige Land erstreckte, verstand sich von selbst. Ein Prinzip, das sich unmittelbar vom metaphysischen Urbild der jüdischen Nation herleitet, kann territoriale Grenzen nicht kennen. Es ist entweder überall richtig oder überall falsch. Ob es freilich überall sofort und ohne weiteres, ohne Vorarbeit- und Anstrengung, durchzuführen ist, bildet keine Rechtsfrage, sondern eine Tatfrage. Auf das Beispiel von Polen, dem agudistischen Hauptland, wurde bereits hingewiesen. Eigentliche K'hilloth im europäischen Sinne gab es bis zum Einzug des Zionismus im heiligen Lande überhaupt nicht; es gab nur Institutionen, wie Oberrabbinat, wie Sch'chitah, wie Mazzothbäckereien. Die Mandatarmacht gestattete grundsätzlich nicht, daß sich die Juden im Mandatsland als eindeutige nationale Gemeinschaft konstituierten. Formell wurden sie zu einer religiösen Körperschaft zusammengezogen, die sich freilich — eine blutige Ironie?--den dreimal heiligen nationalen Namen „K'nesseth Jißrael" beilegte. An ihrer Spitze steht, als oberste Verwaltungsbehörde, der — Waad L'umi. In Wahrheit hat sich „K'nesseth Jißrael" trotz des Wortlauts der Verfassung und trotz tausendfältiger sonstiger Hemmungen als die nationale Organisation der Juden des heiligen Landes entwickelt, die, wenn sie auch einstweilen noch schwach ist, die innere jüdische Zerrissenheit deutlich widerspiegelt und an der Jewish Agency sich nicht selten reibt. Man kann von dem Waad L'umi und der Delegiertenversammlung wirkjich nicht behaupten, daß sie sich als religiöse Organe fühlen und religiöse Impulse bei ihnen wirksam sind. Sie haben sich gerne bereit gefunden, die Schechitah — freilich nicht den Chinuch/ — „religiösen" Sonderkommissionen zu überlassen und auch, bei der Wahl der RaKbinen den „Religiösen" das Vorrecht zu gewähren. Ihr ganzes Interesse gilt der nationa- Die Rückschläge im Wüstenzuge. Zu den laufenden Sidraus. Von B. C. r l- Die Ausrufe Mosis' beim Aufbruch der Bundeslade und bei ihrem Sichniederlassen finden wir „wie ein Buch für sich" zwischen zwei Berichten der Thora die miteinander, aber auch mit diesem Aufbruche nichts zu tun haben. Unsere Weisen meinen, sie sei dahin als „Atempause zwischen Unheil und Unheil" gesetzt worden) das vorher erwähnte Unheil sei der Aufbruch Israels vom Sinai, der „wie die Flucht eines Kindes aus seiner Schule" sich vollzogen habe; — das nachherige sei, das Verlangen des Volkes nach Fleisch. Weitere Unheilsetappen bilden die „Kundschafter" und die Revolte K o r a c h s. Wie aber können wir den Aufbruch vom Sinai als eine leichtfertige Flucht, als ein Unheil bewerten? Ist doch die ganze Sidra erfüllt von der Schilderung jener herrlichen G'ttesgefolgschaft, in der unsere Väter in der Wüste lebten. ijnm "t »D ^vi urr i '3 Auf G'ttes Geheiß lagerten sie; auf G'ttes Geheiß zogen sie weiter. Ließ sich G'ttes Wolke über der von den Kehatim getragenen Bundeslade nieder, dann len ^Politik, der nationalen Wirtschaft und wohl auch der nationalen Erziehung. Um das Sch'chitah wesen und um das Rabbinatswesen mögen sich die — „Dathnm" kummern. Die Aguda hat in Jeruscholajim eine eigene Sch'chitah und ein eigenes Rabbinat eingerichtet. Sch'chitah und Rabbinat der „Knesseth Jißrael" in Jeruscholajim werden im wesentlichen vom Misrachi betreut. Aguda und Misrachi sind eben — ,, D a - t h i i m ". Die Führer der Histadruth Haowdim werden damit gewiß einverstanden sein. — VI. Es gibt keinen, dem an K'nesseth'' Jißrael orientierten Agudismus diametraler entgegengesetzten Begriff, als *den Begriff der „Dathiim''. Setzt sich dieser Begrfif im heiligen Lande auch in unserem eigenen Bewußtsein durch, so kann nur noch der Allmächtige allein Rettung bringen. Weil wir nicht zu „Dathiim" herabsinken wollten, haben wir in Deutschland und im alten Ungarn, dem Prinzip. des Agudismus entsprechend, die aposteriorische Einheit der K'hillah gesprengt, da sie der apriorischen Einheit von K'nesseth Jißrael sich entgegenstemmte. ' Im heiligen Lande besteht die Gefahr, daß wir durch Sprengung der aposteriorischen Einheit der' K'hillah erst recht und für die Dauer uns selbst als „Dathiim" deklarieren. Ich urteile nicht. Ich entscheide nicht. Ich frage nur. Und ich warne nur, '--— Wäre die Trennung das Wesen des Agudismus, bedurfte es keiner weiteren Erörterung. Aber das Wesen des Agudismus ist nicht Negation und Trennung, sondern Position urrd Sammlung, ist die Position der ewigen Nation der allbeherrschenden Thora und die Sammlung ihrer ewig wechselnden Glieder in der Welt der Sinnlichkeit. Die Trennung, die der Agudismus infolge der Position von K'nesseth Jißrael vornehmen muß, wendet sich nicht nur gegen die antireligiöse, sondern mehr noch, ja vor allem, gegen die antinationale Gemeinschaftsform, denn K'nesseth Jißrael ist die übersinnliche, von G'tt selbst) durch die Thora, geformte Nation, die eine Scheidung des Religiösen und des Nationalen schlechterdings nicht kennt, der das Nationale so religiös ist, wie das Religiöse national, und die daher einer Gemeinschaft, der das religiöse >Band fehlt, auch die nationale Existenzberechtigung abspricht und den Austritt aus ihr lagerten sie; erhob sich die Wolke, dann brachen sie auf und folgten "ihr. Auch vom Aufbruche vom Sinai heißt es ausdrücklich: "101 BJJBSa B»l» Btffyv '1 ]m "Ol BW TVübV TT1 '1 in» WO'! Die Wolke G'ttes zog ihnen in dreitägigem Vorsprunge bei diesem Aufbruche voraus. Was also war das Leichtfertige und das Unheil an diesem Fortzuge? Kurz vorher lesen wir den Abschied des Mose von Jithro. Mose mußte wissen, daß Jithros Weg andererseits endigen mußte als der des Volkes Israel und daß Jithro nur noch kurze Zeit Israel begleiten konnte. Dennoch widmete er diesem würdigen Manne, von dem er die ersten Elemente des Regierens erlernt hatte, Worte dankbarster Anerkennung: lib .0""^ „Du kannst uns Wegweiser sein" und b uaBm iiV "r am»» im aiarr "nv „Was G'tt uns Gutes erweisen wird, wollen wir auch dir erweisen." —Das war ein Wort zur rechten Zeit, — von seinem sonstigen Wert ganz abgesehen; ein Dank, der den Empfänger mehr erfreut als hundert Geschenke.1 — . Und dies, war es, was das Volk Israel hatte fehlen lassen, als es auf G'ttes Geheiß vom Berge der Gesetzgebung aufbrechen sollte und durfte: Das liebevolle und dankbare Wort fehlte, der Ausruf: Wir waren gern hier; wir danken dem Geber des Gesetzes; wir wären gern verblieben, um seihen Willen und seine Gebote hier weiter zu hören;- wir werden diesen Tag nie vergessen. Von alledem kein Wort. Gleich dem Kind aus dem Schulstäub waren sie davongeeilt. Sie hatten fortgehen sollen, aber sie hätten danken müssen und haben nicht gedankt. Und dies war das eine Unheil. Als gälte es, noch in spätesten Zeiten diesen damaligen Fehler unserer Väter auszugleichen, gaben fordert, damit der täuschende Schein zerstört werde, als gebe es eine apriorische nationale- Einheit, die nicht zugleich religiös sei.. Wir haben es, in Deutschland und im alten Ungarn, getreu , dem agudistischen Prinzip, abgelehnt, als „Dathiim" in einer religiös neutralen Gemeinschaft zu verbleiben. Wir verließen: sie, weil uns eine Gemeinschaft, die nicht Mreligiös" war, auch national nicht band. Wir habenuns, in Deutschland wie in Polen,. einstweilen damit abzufinden—gewußt, wenn die Tatumstände die Bildung thoragemäßer Gemeinschaften nicht gestatteten . und das Verbleiben in der Gemeinschaft unrichtiger Form erzwangn. In solchem Zwang sahen wir keine Anerkennung. Der Agudismus wäre keine Bewegung, fände er sich allerorts alsbald verwirklicht. In Deutschland und-im alten Ungarn betraf die Trennung das gesamte f ü d i s che G e - m e ins chafts wesen. Es war, golamäßig, kärglich genug. Außerhalb der K'hillah war nationale Betätigung kaum möglich. Eine Trennung, die nur „religio s"~ ist und nicht zugleich national, kann sich auf K'nesseth Jißrael als Ureinheit der jüdischen Nation " nie h t berufen. Eine solche Trennung, weit entfernt, K'nesseth Jißrael in der Welt der Wirklichkeit zur Darstellung zu bringen, schafft nur ein Zerrbild von K'nesseth Jißrael: das Bild der Gemeinschaft der — „Dathiim". Ich urteile nicht. Ich frage nur, Und ich. warne nur. — — , Mit der Sch'chitah fing es an.^ Rabbinatr Zwangssteuer, Frauenwahlrecht, Schulen* nichts blieb aus, was nicht von der Gola her rühmlich oder unrühmlich bekannt war. Die Analogie schien vollkommen. Warum im heiligen Lande bei der Neueinrichtung Länder zum Vorbild nehmen, .die dem agudistischen Prinzip nicht entsprechen? Zwischen Gewordenem und Werdendem ist wahrlich ein Unterschied. So trafen sich die Agudisten der Golä und diejenigen Kreise des heiligen Landes, die sich der zionistischen Herrschaft nicht beugen wollten. Erslere kannten das Land nicht. Letztere wollten in ihrem Leben weitabgewandter Heiligkeit nicht gestört werden. ' So kam es zur Trennung durchaus nach dem Vorbild der deutschen Gola. Jeruscholajim und Frankfurt. Sie hatte überall dort einen gewisse*«' Erfolg, wo es eine hinreichende Zahl von Menschen weitabgewandter Heiligkeit gab. Also in Jeruscholajim, in Safed, in Tiberiasv Ueberalf dort, WO die in der Gola durch die Macht der Tatsachen erfolgte Einschränkung des natiounsere Weisen gerade - dem kurzen und flüchtigen Gesetzgebungsfeste den Namen ms»/ Fest des Verbleibens mit G'tt. Und an vielen Orten wird, so wie im Tempel Jerusalems, da die '"in-Opfer der niviSW *• Wallfahrer noch bis zum 13. Siwan angenommen würden, noch heute durch Fortlassen des Vinfl den fünf Tagen nach -nwttt? der Charakter einer nachträglichen Festfeier gegeben. II. Das zweite Unheil, von dem der Bericht über diesen Aufbruch durch die Ausrufe des Mose wie durch eine Atempause abgeteilt werden sollte, war das Verlangen Israels nach Fleisch. Gewiß war jedes derartige Verlangen Israels, das durchs das tägliche Man seine ausreichende und im Geschmacke vielseitigste und gesunde Nahrung besaß, eine Undankbarkeit. Dennoch erscheint es uns erklärlich, vielleicht sogar entschuldbar, daß ^niedere Volkskreise solches Verlangen hegten, etwa das ai sr&> das aus Aegypten mitgezogen war und manchen einzelnen Charakterschwachen in Israel zu seiner ideallosen Gesinnung herabziehen konnte. Und solches Zurücksinken unedler Menschen in niederes Begehren wäre wiederum nicht ein solches Unheil, das man nicht ohne tiefe'. Atempause berichten kann. Darum werden seitens einzelner Erklärer in den «} i d s d k - Leuten, die mit der Fleisch-Begierde scheinbar begannen, nicht die Geringsten, sondern die*' Edelsten im Volke gesehen, die - w'K wvzv ->b naoK - allezeit auf G'ttes Geheiß zur Oberbehörde, Israels versamwelt wurden. Auch betonen diese Erklärer; Nicht man tätige Gier, sondern nur m«n innere Lust am fleisch hatte diese Leute der Elite erfüllt. Denn man ist Wohl von nwn zu^ unterscheiden.

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