Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1938)
- Date
- 1938-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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"; 30/^uni' 193t8 I ' ' ' ■ " D ie! t -I s r a e Iii t Nr. 26 Seite 3 Die Prinzipien der Aguda und das Heilige Land- (Fortsetzuhgt^von .Seite 1.) - 'ihrer Armut und Dürftigkeit, die Welthütte der Aguda. Es geht-der ewigen Nation der souveränen Thora in der sinnlichen Welt um kein Jota besser, als der — Aguda-, Dies ist das Leid der Aguda, und dies; ist der Stolz der Aguda. Dies: ist aber zugleich die unsägliche* Verantwortung der Aguda. . iL.. S■ Ii. " .Die unbedingte Position von K'nesseth Jißrael. führt, allerdings, nach dem Gesetz des Widerspruchs, zur ebenso unbedingten Negation nicht etwa,der,jüdischen Nation, wie sie in .der sinnlichen' Weit entsprechend, dem jeweiligen. Niveau ihrer ^ig wechselnden Glieder wirklich vorhanden' ist -— ganz im v Gegenteil beansprucht ja der Agudismus, gleichwie K'nesseth Jißrael, diese jüdische Nation der Wirklichkeit bis zum verlorensten' ihrer Glieder; — wohl aber jedes konstruktiven Versuches, die jüdische Na-.. tion der Wirklichkeit. von .K'nesseth Jißrael a's; ihrem -übersinnlichen Wesen realster Realität; iheoretisch und praktisch zu, scheiden und 5n £inen"Nafa^ aus dem für .die Dauera Kraft uid?Gedeihen ihr nicht zuströmen; Icann, jjv^mehrHK'nesseth; Jißrael als unentrinnbarer Schicksalsfaktor ihr Verdorrung und tau-, sendfältige Gefahr entstehen läßt. Des : Agudis-' mus, dessen konstruktive Grundidee eben K'nesseth- Jißrael und ihre souveräne Thora ist, erachtet einen jeden, solche das völlig ^uK-unftlose( jj£Jnterfanger^ feiner. Trennung 'yöii'' K'nesseth Jißrael.h die"'alleini ihm - nicht nur ' dasursprünglich, -sonide£n.!,,-aach' :-,*las-./ ünzerstörUeh Ganzer ist, under antwortet dafäül nicht 'mit Trennung und \Austritt, sondern mit Ablehnung und 'Nichteihtritt. Wo die - alleinherrschend^ Thora nicht geladen ist, kannauch der Agudis1-' inus iiieht erscheinen. ... 1,5 . ■''?;;., Dife'^ agudistische A.blch^ung:; cfstreckt: siö|||| weder, auf Menschen noch äuf ■ Tatsachen. Mehf?l' sehen darf sie nicht 'und; Tatsachen: känii=\ sie; nichjt;l?etreffeh.j; : Schlechthin ah ^älle ^üdischeäi; Menscheri ergeht der agudistische Ruf nach Versirinlichung von K'nesseth!Jißrael. Hierbei ist; «ich freilich der Agudismus . .durchaus bewüß^ <faß leider nun eirinial ein bedeutender Teil de*; gegenwärtigen Glieder der jüdischenNation sidjl? diesem Ruf versagt und seinerseits Tatsachen schafft,.* deren Existenz zu leugnen eine Torheit wäre.: f(Keineswegs zwingt der Agudismus seine Bekenner, etwa die: religiös neutrale jüdische; Gemeinde oder die zionistische Organisation und ihre Institutionen als nicht vorhanden zuerachten. Dies wäre eine durchaus schädliche. Fiktion. Aber der Agudismus mißt die religiös neutrale jüdische Gemeinde und die zionistische Organisation an K'nesseth Jißrael als ewnfem Vorbild der jüdischen Nation und. lehnt sie deshalbals; jüdische' Gemeinschafts-, form ab.. ..•'.'»..' . ' : _: . .'" ,.' ■; ' . Man kann , eine Gemeinschaftsform nicht ablehnen und zugleich > der. von ihr geformten Gemeinschaft 'aus | freien Stücken. beitreten. ,^ r Dies, ist der innere .;Widerspruch des Misrachi, der sich .zur übersinnlichen K'nesseth Jißrael und:; zugleich zur- - sinnlichen zionistischen Organisa-' tion bekennt. Man kann die zionistische Gemeinschaftsform ablehnen und danach zionistischen Leistungen Anerkennung zollen. Die Ablehnung richtet sich gegen die Gemeinschaftsform als solche; die Anerkennung betrifft Menschen und; Ta^sachenC Je klarer - und grundsätzlicher die' Ablehnung der 'Gemeinschaftsform geschieht, um so unbefangener kann die Beziehung zu dien Mensehen und ihren Leistungen sein. Wo freilich die abgelehnte Gemeirisehaf tsf prm in die Leistung selber wesentlich eingeht, enthält die Ablehnung der Gemeinschaftsform zugleich die Ablehnung der Leistung. Wann dies zutrifft, ist TatfrageT ' HI. , . ( ■ In der Gola traf der Agudismus als Lehre Von der richtigen jüdischen Gemeinschaf tsf orm an jüdischen-^Gemeinschaften im wesentlichen die K 'h 111 o t h an. Ihre Konstruktion war In den einzelnen europäischen Ländern verschieden. Am ehesten entsprach dem Agudismus die Verfassung der orthodoxen K'hilloth im alten Ungarn, die die Alleinherrschaft der Thora in einem ^völlig autonomen und staatlich anerkann ten Landesverband zum Ausdruck brachten. Das alte Ungarn hätte naturgemäß das Vorland des Agudismus werden müssen. Es würde zu weit ,: führen* hier diei Gründe zu erörtern, warum dies niemals der Fall gewesen ist. Nicht das alte Un garn,: sondern . Deutschland mit ( seinen wenigen größeren K'hilloth, die der agudistischen Idee Entsprechen, und weiterhin Pplßny dessen" bedeutendsten K'hilloth keineswegs agudistisch , konstruiert wären, wurden die Hauptsitze des Agudismus. Der Gedanke, daß die lokale jü-;di#he Gemeinschaftsform der K'hilloth und die universale jüdische Gern einsenaf tsf orm, deren Urbild K'nessoth Jißrael ist, in innigste Bezie- ■hurijs zü setzen seien.^ist wohl nur in Deutschland wirklich, lebendig geworden. In Polen mag i der Chassidismus dazu beigetragen haben», die lokale Gemeinschaftsform zu bagatellisieren und •riuV^'iäer^ universalenruGememschäftsform ... entscheidende Bedeutung zuzuerkennen. So stieß der ÄjgjUdisnius in Polen vor allein.:mit dem Zionismus zusammen. ,? :> ^ennv .der1., Agudismus ' in;' Deutschland, die; neofbgen; öder die «religiös Neutralen Gemeindenahlehnie,' so fand er entweder' Gemeinden vor, di^jder agudistischen Idee einigermaßen Genüge" taten,, öder er erachtete, einen: 'Notstand als vorliegend, der es seinen - Bekennern gestattete, jeiner;;; Gemeinde f -.unrichtiger; Gemeinschaftsform \ anzugehören;. 1 uncj. von ihren Institutionen Gebrauch zu machen, otne < daß .hierin eine Aner- . kennung der unrichtigen Gemeinschaftsform zu s;erblicken war,. Die Ablehnung "■ betiraf :praktisch nuif;^djie eigentlich ..religiösen''';,Düige, weil auf anderen Gebieten W^scb^r ^tjion pin der Golavi|sich nicht originell zu .^betätigen vermag. Der. Kampf gegen die liberale Assimilation wurde, im wesentlichen in Synagoge und Lehr-, haus ^ausgetragen. .Der Kampfplatz des freien jüdischen Gebens War nicht vorhanden. Nur der Sabjbat bewies auch hier seine iebengSstaltende Macht. Auch die Auseinandersetzung zwischen Agudismus und Zipnismus war in der Gola eine wesentlich theoretische. Es war die Auseinandersetzung zwischen der Lehre von der richtigen und der Lehre von der unrichtigen jüdischen Gemeinschaftsform. Eine zionistische Wirklich-, keit gab es in der Gola so wenig, wie eine agudistische. Wiederum mußte man zu den K'hilloth mit ihrem rein „religiösen": Aufgabenkreis greifen, Um wenigstens einen Sehein des Lebens zu gewinnen. Es gab Wahlkämpfe und es gab Kämpfe für un<j gegen Kereii Kajemeth. Aber was war schon an der „Nationalgemeinde" wirklich national? Und wann war wirklich Keren Kajemeth eine Frage des Daseins? '. , IV. Aus dem heiligen Lande drang der gellende Hilferuf der Gezählte» ins agudistische Lager, die sich der Herrschaft des Zionismus, dem sieg reichen englischen Heer auf dem Fuße folgend, nichtf unterordnen wollten. In Ruhe gelassen zu sein wünschten sie. Sie wollten weder vom Waad L'umi zur Zwangssteuer herangeholt werden noch aus den Händen des Waad L'umi Rabbiner oder Schächter entgegennehmen*. Zwangssteuer? Zwangsrabbiner? Zwangsschächter? Welch bekannte, . welch wohlvertraute Töne im Ohre jedes, deutschen Agudisten! Die Gern e i n d e f r a g~e scheint im heiligen Lande entbrannt! Darin sind wir doch Fachleute seit unserer Väter Zeiten! In flammender Liebe sinken sich Jeruscholajim und — Frankfurt in die Arme. , 7 Jeruscholajim und Frankfurt verhindern die Zwangssteuer. Jeruscholajim und Frankfurt verhindern den Zwangsrabbiner und den Zwangsschächter, ja vor allem den Zwangsschächter. Wer nicht will, braucht im heiligen Lande einer K'hilla unrichtiger Gemeinschaftsform nicht anzugehören. ' Was der Agudismus in Polen bis zur Stunde nicht erreichte, vielleicht nicht einmal ernstlich erstrebte, hat im beiligen Lande wirklicher Heldenmut, durchgesetzt. In Deutschland brachte«jer einst die Rettung. Auch im heiligen Lande? In der Gola konnte, eswurde bereits gesagt,, die .Auseinandersetzung zwischen richtiger und unrichtiger Gemeinschaftsform, eine, Auseirianh de^setzung, die um nichts Geringeres, als um K'nesseth Jißrael geht, also bis an die tiefste ttttd heiligste Wurzel der jüdischen Nation reicht, nur entweder theoretisch oder höchstens an der ■im wesentlichen auf >rein ,,religiöse," Dinge be- ,; schränkten K-hilläli.' erfblgen. Viele haben daher ' die ■ geschichtliche Bedeutung :: dieser Auseinan-r dersetzung verkahnj und namentlich das pror; pbetische Wort Rabbiner Hirschs s. A. nicht begriffen, der sie mit unserer einstigen nationalen'Erlösung in unmittelbaren Zusammenhang brachte. Aber im heiligen Lande, mußte sie < ihr Jwahres Wesen offenbaren. Dort mußte es sich zeigen, daß die agudistische Lehre Von der richr tigen Gemeinschaftsform nicht etwa auf einer gäluthmäßigen Zusämmensehrümpfüng des gäm zeii nationalen Denkens und Woldas auf rein, ^religiöse"; Dinge beruhte,1 daß sie |fvielmehr im " Gegenteil, aus der Fülle» nationalen Denkens und Wollens bereits die K'hillah der Galuth nur an K'nesseth > Jißrael als Urform umfassendsten nationalen Gemeinschaftslebens hatte messen können. Der Kampf Um die Art der nationalen Gemeinschaft, in der Gola fast nur symbolisch führbar, könnte nur im heiligen Lande sinnvoll zum Aastrag kommen,*»Haben alle sich bewußt als Juden fühlenden Menschen das rein „Nationale" gemeinsam und gehen sie „nur" in den rein „religiösen" Dingen auseinander, so ist allerdings das agudistische Prinzip ein Prinzip der „Trennung", weil es ein ursprünglich Ganzes, nämlich das rein „Nationale", dem rein „Religiösen" zuliebe'zerreißt,- statt unter Wahrung der „nationalen" Einheit dem reih „Religiösen" Beachtung und Geltung zu verschaffen. Auf, d;i"e Z ui ä s s i g k e it der Scheidung., zwischen dem Nationalen und dem Religiösen kommt alles an. In der- . Gola freilich kam dieser Frage fast nur ideolo- \^ gische Bedeutung zu. Dort konnte auch das Nationale sich fast nur auf dem Gebiete des „Religiösen" auswirken. Dort kam, zum mindesten in Westeuropa, höchst charakteristisch, der Zionismus in seiner Ablehnung der Assimilation beinahe dem „Religiösen" zugute. Dort war ohne weiteres, die agudistische Ablehnung der religiös neutralen K'hillah der-Ablehnung einer _ fälschen nationalen Gemeinschaftsform gleichr zusetzen, denn auch das Nationale mußte sieh/ mit dem engen Raum der Galuthk'hillah begnügen. Ob diese Galuthk'hillah „Nationalge-, iilRBIBiffi auch Herrenwäsche, Trikotagen und Badewäsche Jetzt W un ■ leichte Sommerkleiduno für Herreh und Knaben.yon