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Der Israelit · 1938-06-30 · Heft 26 (30.6.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr, 26 Der Israelit Das ThorafeSt in Lublin / Vorbericht. L u b I i n , 9. Juni. Das große Treffen in Lublin gestaltete sich weit über das aufgestellte Programm hinaus zu einer Manifestation der T h^o ratreuen, die in ihrer äußeren Form, in ihrer frohen Bewegtheit und mit ihren einzelnen Höhepunkten an die großen Kenessiotage in Wien und Marienbad erinnerte. Nur daß hier, unter Ausschluß aller politischen Fragen, hoch über der Realität und der Not des Tages, alles um die Thora kreiste, um die Lehrer und die Lernenden, um Lublin und seine grandiose Jeschiwa, um die Vereinigung in der Zerstreuung auf dem Boden des D a f J o m i. Schon der Sabbat stand in der althistorischen Gemeinde des Maharschal, Maharam und des Chose im Zeichen des großen Thoratreffens. Gäste, darunter prominente Thoralehrer und gesetzestreue Führer aus ganz Polen und anderen Ländern, kamen am Freitag mit jedem Zuge an und gaben dem Thorapalast auf der Höhe von Lublin, wo sie Domizil nahmen, einen Glanz, der auf die ganze Stadt ausstrahlte. Auch die Gemeindemitglieder begaben sich zu vielen Hunderten zum Freitagabend- und zum Sabbatg'ttesdienste in die Jeschiwäsynagoge, um Zeugen der großen Vorgänge zu sein. Der Hauptschiur in der Jeschiwa bildete den Mittelpunkt des von Lernen ausgefüllten Festsabbat. Eine „dritte Mahlzeit" und eine „Melawe Maikaieier", die bis in die späten Nachtstunden hinein dauerte, schufen die Gelegenheit, bei der sich die jüdischen Herzen in Innigkeit und Freudigkeit, wie sie nur der Osten bei solchen Anlässen kennt, fanden. Der Sonntag als Rüstetag hatte noch seine eigene Note und seinen eigenen Charakter Einer der Angeklagten ' hingerichtet, — Ausnahmezustand über Jerusalem. Jerusalem, 30. Juni. Am 23. Juni wurde bekannt, daß der kommandierende General das am 3- Juni von dem Haifaer Militärgericht ausgesprochene Todesurteil über Schlomo ben Josepph bestätigt hat, während der zweite Angeklagte, Abraham S h e i n , der erst 17 Jahre alt ist, zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt wurde. Ein dritter Angeklagter wurde, wie schon berichtet, wegen Unzurechnungsfähigkeit dem Irrenhause überwiesen. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich beim Bekanntwerden der Bestätigung des Todesurteils eine große Erregung. Sofort begab sich eine Abordnung, bestehend aus den Oberrabbinrn Duschinski und Dr. Herzog und durch die Tagung der vierten Landeskonferenz derZeiireAgu da s Jisroel in Polen, die am Nachmittag von R. Zwi Hirschhorn, dem verdienten Führer der polnischen Agudajugend, eröffnet wurde. Mit einer gemeinsamen „Thorastunde" wurde die Tagung eingeleitet, worauf die Begrüßungen folgten. Der Stunde und dem Anlaß angepaßt, war das erste Referat (R. Reuben Wmkler) dem Andenken R. Meir Schapiras ^"XT und der Würdigung seiner ewigen Werke gewidmet, Es folgten weitere Referate, über die noch zu berichten sein wird, Am Montag wurde das eigentliche Thorafest begangen, das sich in drei Teile gliederte: Sijum auf Daf Jomi, Einweihung des sechsten Stockes der Jeschiwa, der bisher noch leer stand, und Einweihung einer von R. Meir Schapira seinerzeit in Angriff genommenen „Sefer Thora des gesamten thoratreuen jüdischen Volkes," Es waren drei Feste, die ineinander flössen. Der Tag begann, gleich nach dem feierlichen Morgeng'ttesdienste, mit einem gemeinsamen Gang nach dem Friedhof, zum Grabe von Ri Meir Schapira und den anderen heiligen Gräbern, und schloß in später Nachtstunde mit einer Tafel, an der die Freude an der Thora höchste Wellen schlug. Das Schreiben der letzten Buchstaben der Thorarolle wird noch während der ganzen Woche fortgesetzt, wie überhaupt die Festklänge in Lublin in den weiteren Beratungen der Z. A. J. und anderen kleineren und größeren Veranstaltungen noch nachhallen. Ueber das Hauptfest am Montag gehen uns noch ausführliche Berichte zu. | Rabb. Mosche Blau zum High Commissi o n e r und baten um Gnade für Schlomo ben Joseph, indem sie in der Hauptsache geltend machten, daß der Verurteilte erst 18 Jahre alt sei und daß aus ihrem Attentatsversuche kein Unheil entstand und keiner Schaden an Leib und Leben genommen Hätte. Es sei auch die durch den anhaltenden Terror geschaffene Verwirrung in Betracht zu ziehen, die manche junge Menschen, allen Warnungen von jüdischer Seite zum Trotze, wenn sie sich bedroht fühlen, förmlich zum Wahnsinn treibe. Nach all dem durfte man glauben und hoffen, daß das Todesurteil nicht zur Vollstreckung komme. Um SO mehr erschütterte am Dienstag die Nachricht, daß die Hinrichtung unter allen Umständen vollzogen werden soll. Am Mittwoch früh wußte man schon, daß Schlomo ben Joseph im Gefängnis von Acre beim Morgengrauen r .. v. „*Tr~n,- ..^.r.^^^y^^^jfii»^^^^'.;.. - _- 30. Juni 1938 durch den Strang hingerichtet wurde, Die furchtbare Erregung führte am Dienstag nachmittag und Mittwoch früh in den engen Gassen von Jerusalem, wie auch in manchen Teilen von Tel Awiw/ wo die Stimmung durch die Vorfälle der letzten Tage ohnehin sehr gereizt war, zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und jüdischen D emonstranten. In Jerusalem wurden dabei einige Polizisten durch Steinwürfe verletzt und etwa zehn Juden verhaftet. Infolge dieser Unruhen wurde am Dienstagnachmittag über Jerusalem der Ausnahmzustand verhängt. Zwischen Tel Awiw und Jaffa. Die neue Terrorwelle und die neuen Opfer. Jerusalem, 25. Juni. Schießereien und Messerstechereien gab es am Donnerstag auf dem Karmelmarkte, der an der äußersten Stadtgrenze von Tel Awiw nach der Richtung Jaffa liegt. Zwei der verwundeten Juden, ein Jemenite namens Abraham S c h a - r a b und der 24jährige Arie Rubikow, erlagen ihren Verletzungen. Die weiteren verwundeten Juden sind Noah F i n k e 1 s t e i n (21 Jahre alt) und der 19jährige Abraham K e - sehet. Bei dem Kampfe wurden zwei Araber getötet und vier verwundet. Iii einem Polizeibericht heißt es, daß die Vorfälle an der Jaffa—Tel Awiwer Grenze damit begannen, daß ein arabisches Cafe beschossen worden sei, worauf es zu Kämpfen zwischen Juden und Arabern kam. Am Freitagmorgen wurde an der Grenze zwischen Jaffa und Tel Awiw Ezra G i n d i , ein 45jähriger sefardischer Kaufmann aus Rischon le Zion, der nach Tel Awiw kam, um der, Hochzeit seines Sohnes beizuwohnen, von Arabern mit Messerstichen getötet. Weitere Vorfälle und Bombenwürfe führten dazu, daß ein Ausgehverbot yon 6 Uhr abends bis 6 Uhr früh über das Gebiet, in dem sich die Zwischenfälle ereigneten, verhängt wurde. Das Ausgehverbot erstreckt sich auf den Teil von Tel Awiw von der Allenby-Straße bis an die Grenze von Ja£fa und alle angrenzenden; Teile von Jaffa („Menschije-Viertel"). In R o s c h P i n a wurde Arie Kleinstein in dem Kolonialwarengeschäft seiher Mutter von einem Araber ermordet. Drei junge Juden, die in den Feldern von. Giwath Ada bei Sichron Jaakow arbeiteten,, wurden von bewaffneten Arabern verschleppt. Es handelt sich um den 13jährigen David Auerbach, den 18jährigen Isaak K r üpick, einen gebürtigen Palästinenser, und David Frank, einen 19jährigen Einwanderer aus- Deutschland. Die umfangreichen Nachforschungen durch Polizei und Truppen blieben erfolglos. Ueber einen Mord an der Nordgrenze weiß Palcor zu berichten. Dort wurde Elimelech R e z n i k , ein 25jähriger jüdischer Arbeiter, der bei der Errichtung des Drahtzaunes beschäftigt: war, von Terroristen erschossen. Die Ter* roristen überfielen eine Gruppe jüdischer Arbeiter, die unter dem Schutze jüdischer Ghaffirim Wasser zu dem Feldlager trugen. Es kam zu einem längeren Gefecht, in dem drei be*i waffnete Araber erschossen wurden, (Siehe auch „Erez Israel" auf Seite 9,) Agudas Jisroel im Jahresbericht der Palästina-Regierung an den Völkerbund für 1937. Genf, 21. Juni. Der offizielle Jahresbericht der Palästina- Regierung an den Völkerbundsrat für das Jahr 1937 enthält folgende Stellen, die sich auf Agudas Jisroel beziehen: „Poale Agudas Jisroel, Die Arbeiterorganisation der Agudas Israel hat ihre Tätigkeit erweitert und eröffnete ein Büro zum Abschluß von Verträgen betr. die Uebernahme öffentlicher Arbeiten. Die Organisation hat auch vier landwirtschaftliche Kibbuzim gegründet, einschließlich eines für Frauen. Westmauer und Rachels-Grab. Es hat eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem Waad Leumi, dem Oberrabbinat und der Agudas Jisroel während der Berichtsperiode stattgefunden in Angelegenheit der Wahrung der jüdischen Interessen an der Westmauer und an Rachels Grab. Schulen der Agudas Jisiöel Organisation. Die Zahl der Schulen der Agudas Jisroel-Organisation ist gegenüber dem Vorjahre von 18 auf 20 gestiegen. Die Zahl der Schüler, welche diese Schulen besuchen, von 1783 auf 2079. Es ist ersichtlich, daß somit eine schätzenswerte Vermehrung in der Zahl der die Agudas Jisroel-Schulen besuchenden Schüler eingetreten ist. Diese Schulen haben einen orthodoxen und religiösen Charakter. Einige von ihnen jedoch verbinden jetzt den religiösen Lehrplan mit weltlichem Studium." Um die Angeklagten von Rosch Pina. GELLHÖRN stein weg 9 ttmt^tu*.

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