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Der Israelit · 1938-06-30 · Heft 26 (30.6.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 26 (30.6.1938)
Date
1938-06-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit i IM «a\ Eia Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M. 30. Juni 1938 1< Tammus 5698 Nummer 26 Was wir von Evian zu erwarten haben. Am kömmenden Mittwoch, den 6. Juli, beginnt in Evian, dem französischen Badestädtchen am Genfersee, die vom Präsidenten der amerikanischen Union Roosevelt einberufene Konferenz der Staaten zur' Beratung über durchgreifende Hilfe für Äusw ändere r und Flüchtlinge, vornehmlich durch Ansiedlungsmöglichkeiten in überseeischen Ländern. Etwa 30 amerikanische und europäische Staaten werden an der Konferenz teilnehmen. England werden auf tler Konferenz der Minister Lord Winter ton und Charles M. P a 1 a i r e t vertreten. Winterion ist ein Freund der Araber und hat schon wiederholt ihren Interessen in Palästina das Wort geredet. Um so mehr hofft man, daß er für weite Oeffnung der Tore anderer Staaten für <lie jüdische Einwanderung plädieren wird. M. Palairet war bis vor kurzem englischer Gesandter in Wien und sind ihm die Fragen und Nöte der jüdischen Auswanderung nicht unbekannt. Die französische Delegation in Evian wird von Senator Berenger, dem Vorsitzenden, des Auswärtigen Ausschusses des Senates, geführt. Die drei skandinavischen Staaten wollen eine gemeinsame Linie in Evian einhalten, zu welchem Zwecke ihre Vertreter dieser Tage in Kopenhagen eine Vorkonferenz abhielten. Ueber die Haltung Englands auf der Konferenz kann man noch nichts Genaues sagen. Vor kurzem, tauchten in englischen und auch ausländischen Zeitungen Klagen aus den Dominien besonders aus Australien über Mangel an Menschen und Arbeitskraft auf, auch Anklagen gegen die Regierung, daß sie eine Auswanderung aus dem überfüllten Mutterlande nach den Dominien'nicht organisiere und nicht genügend ermutige.! Wer dabei an die Hunderttausende aus Mitteleuropa dachte, die als Menschen ohne Land in: die Länder ohne Menschen verbracht werden könnten, wurde bald eines besseren belehrt. Wie aus London berichtet wird, wird der Vorschlag, die Dominien in den Mittelpunkt der "Beratungen vön Evian zu stellen, verworfen. Ueber die Einwanderung in die Dominien hätten die Regierungen der betreffenden Länder, die sich an der Konferenz betejligen werden, zu bestimmen, und ihre Maßnahmen im Interesse; ihrer Länder werden von etwaigen Emigrationsbredürfnissen;.. m' Europa - unbeeinf 1 u ß ti b 1 e ib en. Ferner wird bekannt, daß England''die Finanzierung der Immigration ausschließlich für eine Sache der privaten Organisationen innerhalb der verschiedenen " Länder hält. Von keinem Lande werde man verlangen, daß es eine größere Anzahl von Einwanderern aufnehme, als nach seiner bisherigen^' Gesetzgebung möglich war.. Durch diese Erwägungen in Verbindung mit den starken Vorbehalten, unter denen andere Staaten die Einladung nach Evian angenommen haben, werden die Hoffnungen, die man von jüdischer Seite auf die Konferenz gesetzt hat, stark heral>gedrückt. Immerhin wollen die jüdischen Organisationen gerüstet sein. Der Board of Deputies in London widmete den Fragen der Konferenz eine eigene Sitzung, auf der der Präsident, Mr. Laski, u. a. mitteilte, daß auch Lord Samuel ein Meeting zur Beratung der auf der Tagesordnung stehenden Probleme einberufen habe. Als Vertreter der englisch-jüdischen Gemeinschaft werden Mr. Brodm a n und der Sekretär des „Joint" neben anderen Herren in Evian weilen. Die A g u d a s Jisroel hat mit der Vertretung in Evian Mr. Goodman und ihren beständigen Delegierten in Genf, Dr. Engel, betraut. Nach einem Vorbericht der „Times" sei die Konferenz für zwei Tage einberufen, doch wird allgemein erwartet, daß sie ihre Beratungen auf . mehrere Tage ausdehnen wird. Aus dem Inhalt: Der Thoratag in Lublin.......Seite 2 Todesurteil gegen einen Juden vollzogen Seite 2 Wochenrundschau ......... Seite 5 Mandat und Teilungsplan in der Mandatskommission. Von Jacob Fränkel, Amsterdam . Seite 6 Berichte aus Wien.........Seite 7 Die Ausführung des ungarischen Judengesetzes Seite 7 Neue Niederlassungsbestimmungen in Frankreich . . . ,.....Seite 7 Ansiedlungsmöglichkeiten in Ost-Airika Seite 7 Die Einwanderungsverhältnisse in Argentinien Seite 8 Erez Israel.............Seite 9 Der Kleine Israelit Die Prinzipien der Aguda und das Heilige Land. Von Dr. Isaac Breuer. I. Flüchtigkeit oder Böswilligkeit neigen noch immer dazu, das Grundprinzip der Aguda in der Trennung zu erblicken. Jede Trennung setzt ein ursprünglich Ganzes voraus. Wäre in der Tat die Trennung das Wesen der Aguda, sc müßte ihre ganze Daseinsberechtigung an das Vorhandensein dieses ursprünglich Ganzen, sowie an die Notwendigkeit seiner Zertrümmerung geknüpft sein, und sie würde sich in einer zeitlich durchaus bedingten Negation erschöpfen. In Wahrheit bedeutet der Agudismus — es ist höchst bedauerlich, daß es immer noch gesagt zu werden braucht — prinzipiell nicht Negation und Trennung, sondern Position und Sammlung. Das Grundprinzip der Aguda ist die absolute Position von K'nesseth Jißrael als der von G'tt durch das Recht der Thora gegründeten, übersinnlichen und darum unzerstörbar ewigen Einheit! der jüdischen Nation, einer Einheit, die sich zu den immerzu wechselnden Gliedern, der Nation wie die Natur zu den ein-, zelnen Naturerscheinungen verhält. K'nesseth Jißrael ist der Aguda kein erstrebenswertes, weil nicht mehr oder noch nicht erreichtes Ziel, sie ist ihr vielmehr," weil von G'tt gegründet und weil übersinnlich und weil unzerstörbar, die realste Realität, gegen die zwar die Freiheit der immerzu wechselnden Glieder der Nation in Einzelempörung oder organisierter Empörung verstoßen, die sie aber aus dem geschichtlichen Prozeß, zum mindesten als ihr- Schicksal, nicht ausschalten kann. Die Realität der Natur setzt sich gegenüber den einzlnen Naturerscheinungen mit unmittelbar und sofort wirkendem Zwang durch. Die Realität von K'nesseth Jißrael fordert vor der Freiheit der immerzu wechselnden Glieder der Nation unmittelbare und sofort wirkende, die Glieder zur Einheit der Thora sammelnde Tat anerkennung, Und sie setzt sich gegenüber der Freiheit der Glieder mit dem Zwang des geschichtlichen Schicksals durch. Zu dieser Tat hat der Misrachi bis zur Stunde sich nicht aufzuraffen vermocht. In dieser Tat, geboren aus der unbedingten Position von K'nesseth Jißrael als realster Realität und der daraus resultierenden Pflicht zur Darstellung der immerzu wechselnden Glieder der Nation als Glie-. der der ewigen Nation der souveränen Thora, liegt das Wesen und zugleich das Verdienst des Agudismus. Ohne die Tat des Agudismus wäre die ewige Nation der souveränen Thora in dieser Welt der Erscheinungen nur zankvoll um-, strittene Forderung, nur schicksalumworbene Idee. In der übersinnlichen Welt weilt die ewige Nation der souveränen Thora, geschmückt mit der Krone der Größe und der Pracht des Heils. In der sinnlichen Welt entspricht ihr nur, in all (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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