Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-06-23 · Heft 25 (23.6.1938) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 25 (23.6.1938)
Date
1938-06-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451036--83796-2541821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Über die Erez Jisroel-Arbeit der Nowaj. Das Arbeitsprogramm der agudistischen Frauenoi'ganisation ist vielseitiger, als das der nur sozial arbeitenden allweltlichen jüdischen Frauenorganisationen, denn sie hat die Aufgabe, für eine religiöse Erneuerung der jüdischen Frau lind Mutter ,zu wirken. Die agudistische Frauenorganisation hat mehr Aufgabengebiete als die übrigen politischen Frauenorganisationen, deren Blick ausschließlich auf Palästina gerichtet ist, denn der Agudas Jisroel erwachsen in jedem Lande ' der Gauloh ständig neue Aufgaben durch die zunehmende politische und soziale Not, Dennoch ist sich der Marienbader Frauenkongreß darüber einig gewesen, daß die erste praktische Aufgabe der Nowaj in Erez Jisroel liegt. Lange Zeit ist Erez Jisroel von der Agudas Jisroel als eine Aufgabe unter Vielen betrachtet worden,, denn Jischuw Erez Jisroel galt für eine unter 613 Mizwaus, Die politischen Ereignisse und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten haben es jedoch mit sich gebracht, daß die lebendige Entwicklung neue Tatsachen schuf. Erez Jisroel besitzt heute eine wertvolle agudistische Jugend, welche die beste Tradition ihrer Emigrationsländer als Aufbaüsteiöe elftes wahre« MMtpn p« mitgebracht hat. Ihr Idealismus und ihr Opferwillen für eine Lebensgestaltung im reinen Geiste der Tauroh bestätigten lebendiger als alle bisherigen Versammlungen von Taurohgelehrten und agudistischen Führern den Sinn einer lediglich an der Tauroh orientierten Volksbewegung, wie die Agudas Jisroel sie in diese Zeit geistiger und nationaler Assimilation überzeitlich hineinstellt. Aber diese Jugend muß in Erez Jisroel eine bescheidene materielle Existenz finden, ohne welche kein Ideal, auch nicht das des Taurohjuden, denkbar oder erfüllbar ist. Sie hat kaum ein Trittbrett vorgefunden, auf welches der Fuß des Landenden treten kann.. Wohl gibt es die allgewaltige Histadruth, jene Gewerkschaft, welche sich dem materialistisch eingestellten. Nichtagudisten als feste Stütze für Arbeitsbeschaffung, Gemeinschaftsleben, Kulturbedürfnisse, Arbeitslosen- und Krankenfürsorge, für Darlehen und, für weitere Berufsausbildung im Lande darbietet. Sie hat die staatlichen Arbeitsplätze zu vergeben, und die Landarbeiter finden Arbeit im Zuge des zionistischen Kolonisationsprogrammes mit dessen ausreichenden Mitteln. Sie gibt den Mitgliedern ihrer Organisation Siedlungsmöglichkeit, mit der Hoffnung auf die Basis für eine Familiengründung. Alles dies fehlte für unsere agudistischen Einwan-. derer, die sich aus Protest gegen eine materialistische Wirtschaftsordnung im Täurohland der Histadruth nicht anschließen konnten, bis vor kurzer Zeit völlig. Bis1 heute sind noch so ungenügend soziale Einrichtungen für sie vorhanden, daß wir Taurohjuden nie ohne ganz besondere Sorgen an unsere Jugend im heiligen Lande denken können. Und was für die männliche Jugend gilt, gilt für die weibliche Jugend nicht weniger, im Gegenteil. Während die agudistischen Instanzen sich bemühten, seit 1933 verstärkt für ihre männliche Jugend zu sorgen, mußte die weibliche Jugend warten und warten, bis endlich die Sammlung der agudistischen Frauen und der Marienbader Kongreß einen Hoffnungsschimmer erweckten. Dem Marienbader Kongreß wurden Briefe und Anträge aus Erez Jisroel zugestellt, die in der allerdringlichsten Form baten, daß endlich, endlich etwas durch die agudistischen Frauen für ihre Schwestern in Erez Jisroel geschehe. Der Frauenkongreß wurde nicht vergeblich angerufen. Die Fülle der Aufgaben auf organisatorischem, religiösem, kultruellem und sozialem Gebiet hat die versammelten Frauen dennoch zur Ueberzeugung gebracht, daß die erste Aufgabe der Nowaj darin bestehen müsse, Arbeitsvermittlungsstellen und Wohnheime für die agudistischen Arbeiterinnen zu schaffen. Neben der dringenden Notwendigkeit waren es drei Hauptgesichtspünkte, welche diese Aufgaben an die erste Stelle im Programm der Nowaj rückten. Man kann von unseren Jugendlichen nicht verlangen und erwarten, daß sie in unserer Weltanschauung leben und denken sollen, wenn die agudistischen Organisationen alle diejenigen sozialen Einrichtungen nicht schaffen, die ein reales Leben innerhalb derselben zu gewähren vermögen. Deshalb waren Arbeitsvermittlungsstellen die erste Einrichtung, die geschaffen werden mußte. Bei der in Erez Jisroel üblichen Form ausgeprägten Gemeinschaftslebens, ist es für ein agudistisches Mädchen unmöglich, sich — selbst wenn sie in einem nichtreligiösen Heim die Kaschruth- und Schabbosgesetze zu halten vermöchte — in einer Gemeinschaft aufzuhalten, deren Lebensauffassung sie nicht teilt. Deshalb ist die Forderung eines eigenen agudistischen Wohnheimes so dringend, damit die junge Agudistin ein Heim hat, welches ihr als Ersatz für das meist fehlende Elternhaus das so notwendige Milieu gibt. (Schluß folgt.) Die Aguda vor der Technischen Kommission. Jerusalem, 15. Juni. Die Partition Commission hörte heute Morgen hinter verschlossenen Türen das Zeugnis des Obersekretärs der Palästina-Regierung. Für die Agudas Jisroel werden Oberrabbiner Duschinski sowie die Herren Mosche Blau, Samuel Eden und Dr. B u x b a u m vor der Kommission erscheinen. Tegart scheidet aus Palästina. Jerusalem, 15. Juni. In einem amtlichen Communique wird mitgeteilt, daß Sir Charles Tegart seine Aufgabe als Berater der Palästina-Regierung beendet habe. Die Regierung würde jetzt seinen Ratschlägen entsprechend vorgehen. Sir Charles wird Palästina in Kürze verlassen^ wird jedoch wahrscheinlich später zur weiteren Unterstützung der Behörden dorthin zurückkehren. Ein Achtzigjähriger seinen Verletzungen erlegen, T i b e r i a s , 13. Juni. In der Nacht zum Mittwoch erlag in Tiberias der sefardische Chacham Abu C h a z e r a seinen Verwundungen. Der Achtzigjährige wurde am Sonntag von Banden, die eine Bombe abwarfen, mit Dolchen so bearbeitet, daß er nun nach schweren Leiden seine Seele aufgab. Bei der Bestattung ruhten alle Geschäfte und Arbeitsstätten in Tiberias. Auf dem Wege vom Krankenhaus bis zum Friedhof wachte ein großes Polizeiaufgebot über die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, Am offenen Gi*abe hielt R. Seew Werner die Gedenkrede. Ein jüdischer Markt auf Hadar Hakarmel. Haifa, 13. Juni. In Berücksichtigung des rapiden Wachstums der jüdischen Stadtsiedlung auf Hadar Hakarmel in Haifa wird nun im Zentrum dieses Viertels eine moderne große Markthalle errichtet. Die Errichtung der Markthalle wurde auch durch die Zustände auf dem Markte der unteren Stadt notwendig, der schon seit langem als Herd gefährlicher Unruhen gilt. Viele Ueberfälle der letzten Zeit hatten im Gedränge des arabischen Marktes ihre Dekkung. Die große Markthalle sieht ihrer Vollendung entgegen und wird noch im Laufe dieses Sommers eröffnet v/erden So ist die einzige jüdische Antwort auf das Zerstörungswerk der arabischen Banden: Aufbau! Hebräisch in den Synagogen und Lehrhäusern. Tel A w i w , 15. Juni. In einem Rundschreiben an die Vorsteher aller Bet- und Lehrhäuser, das von den Oberrabbinern A m i e 1 und U s i e 1 unterschrieben ist, werden diese ersucht, nicht ferner zuzulassen, daß in ihren Synagogen in einer anderen Sprache als in Hebräisch vorgetragen, gelehrt und gepredigt wird. U. a. wird darin gesagt, daß einzig durch die Beherrschung, Benutzung und Verbreitung der hebräischen Sprache uns gelingen könnte, ins Herz der Jugend zu sprechen und sie für die Thoraideale zu gewinnen. Ohne die Absicht der Oberrabbiner irgend zu bagatellisieren, zieht der „Kol Israel" gegen die Hintermänner und Veranlasser dieses Aufrufes in den linksgerichteten Kreisen scharf ins Feld insbesondere gegen das Schlagwort von den „614 Geboten" (zu den 613 noch das Gebot des Iwrith). Als ob jene Initiatoren schon die 613 in ihrer Totalität hielten! Der High Commissioner in Chedera. Chedera, 3. Juni. Der neue High Commissioner machte vorige Woche seinen Antrittsbesuch in der jüdischen Kolonie Chedera. Das Oberhaupt der Kolonie, Herr Meyersohn, empfing den hohen Gast mit einer Ansprache, in der er die Pionierarbeit der Kolonisten und die von ihnen gebrachten Opfer hervorhob. Ueber 5600 Seelen, sagte der Redner, beherberge zur Zeit Chedera. 20.000 Dunam seien mit ■4 Zitrüsbäumen und über 12.000 Dunam mit Getreide angepflanzt. Etwa 1000 Wohnhäuser, Geschäftsräume und Werkstätten zähle die Kolonie. Ihr Budget betrage 12.000 Pfund im Jahre. Herr Meyersoha äußerte dann die Wünsche der Kolonie, die sich auf weiteren Ausbau der Straßen und auf besseren Schutz beziehen. Der High Commissioner sagte in seiner Antwort, er wolle sich in seiner Verwaltung Chedera zum Muster nehmen. So wie es der Kolonie gelungen sei, alle Widerstände zu überwinden, so hoffe auch er, alle Hemmungen und Hindernisse, die sich seiner Verwaltung in den Weg stellen, mit der Zeit vollkommen zu überwinden. Was die Forderungen der Kolonie betrifft, so bat er, Rücksicht auf die finanzielle Lage des Landes zu nehmen. Der High Commissioner ließ sich über die Geschichte und Entwicklung der Kolonie berichten und begrüßte besonders zwei Kolonisten, die bereits über 40 Jahre ununterbrochen in der Kolonie leben und arbeiten. Die Forderungen dieser alten Kolonisten zur Hebung der Produktion der Pardessim und Besserung der Transportmöglichkeiten hörte der High Commissioner mit Interesse an und sagte, er sei durch M. Smilianski über die Zustände vollkommen informiert und auf eine Erfüllung aller Wünsche im Rahmen des Möglichen bedacht. Der hohe Gast verabschiedete sich von den Kolonisten in wahrhaft herzlicher Weise und hinterließ den Eindruck, daß hier -wirklich ein Mann an der Spitze der Regierung stehe, dem das Wohl und Wehe des Jischuw sehr am Herzen liege. Aus Petach Tikwahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in Petach Tikwah. (Fortsetzung.) Dr. Rabinowitz schickte ein zweites Dokument, auf das R. Joel Mosche Salomon und R. David Gutmann ungefähr folgendes antworteten: „Wohl haben sich Rischon LeZion und Sichron Jakob unter dem Schutze des Barons gut entwickelt. Aber die Beamten und Lehrer, die er dorthin geschickt hatte, zerstörten den jüdischen Geist. Dieser Gefahr soll Petach Tikwah nicht ausgesetzt werden." Die klugen Männer mit ihrem Weitblick sahen die Gefahren, die dem Thorajudentum durch das Hervorkehren des Reinmateriellen drohten. Als Barnett noch im gleichen Jahre nach Petach Tikwah zurückkehrte, fand er sein Haus zerstört und seinen ganzen Anteil verwüstet. Er richtete das Haus wieder auf und baute ein zweites, zweistöckiges: ein Stockwerk . für seinen Gebrauch und das andere als vorläufiges Beth Haknesset. Dann wurde ein Weinberg angelegt und Oelbäume gepflanzt. Die Freunde aus Yehudije baten Barnett, bei ihnen zu bauen; er schlug das aber aus. Das Dorf sei zu weit von Petach Tikwah entfernt, um die jungen Anlagen wirksam schützen zu können, und dann wollte er auch die junge jüdische Kolonie Petach Tikwah vergrößern und kräftigen helfen. Dringende Geschäfte riefen R. Sorach wieder nach London zurück, woselbst seine Familie noch geblieben war (1884). Er hatte dort den ganzen Winter zu tun. Aber während der ganzen Zeit verließ ihn nie und nirgendwo die selbstübernommene Pflicht gegenüber Petach Tikwah. Er warb eifrig bei seinen Londoner Bekannten für den Aufbau der Kolonie. Gegen Ende des Winters führte den vielbeschäftigten Mann sein Weg nach Leipzig; es gelang ihm dort sein Vermögen erheblich zu vergrößern. Auch dort arbeitete er fleißig für den Aufbau Erez Israels, zu welchem Zweck er eigens in Leipzig eine „Chewrath Erez Israel" begründete. Von dieser Gesellschaft wurde er als Delegierter nach Kattowitz geschickt, woselbst die erste Versammlung der Chowewe Zion stattfand. Niemand kannte Barnett dort, auch der Name „Petach Tikwah" war den Kongreßteilnehmern fremd. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, trug Barnett dort den türkischen Turban, den er vor Erez Israel her besaß. R. Sorach ging damit ins Hotel de Rome, wo die angesehensten Gäste abgestiegen waren. Nun entstand dort große Aufregung: ein „Erez Israel-Jude" ist da! Alles umdrängte ihn und bestürmte ihn mit Fragen. Barnett lud die Anwesenden zu einem Glase Tee ein und berichtete den atemlos Lauschenden von den bereits geleisteten Aufbauarbeiten mit ihrer großen Freude und den — ach, so großen Nöten und Sorgen. Nachdem er seinen Bericht beendet hatte, stand der Vornehmste der Zuhörer, R. Kaiman Seew Wissotzky, von seinem Platze auf und umarmte und küßte den tapferen Erez Israel-Kämpfer. (Fortsetzung folgt.) y

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.