Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1938)
- Date
- 1938-06-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 25?%?*^*n'3ffigpsg?y D e r I s.r a e Ii t Die Einwanderung nach England. London, 20. Juni. Eine Deputation unter Führung des Erzbischofs von Canterbury überreichte dem Innenministerium ein ausführliches Memorandum, das der Unterstaatssekretär mit dem Versprechen entgegennahm, die darin gestellten Forderungen wohlwollend in Erwägung zu ziehen. Die hauptsächlichen Anträge, die in dem Memorandum enthalten sind) lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. Zurückziehung der Vorbehalte, welche England gegenüber der Flüchtlingskonvention vom 10. Februar 1938 bisher gemacht hat und die die Anwendung der Konvention auf diejenigen Einwanderer beschränkten, die bis zu einem bestimmten Tage nach England gekommen waren. 2. Die Ausdehnung der Konvention auf die überseeischen Territorien Großbritanniens. 3. Es soll für die Gewährung englischer Eingangsvisa nicht zur Bedingung gemacht werden, daß der Einwanderer auf Grund seines Passes die Möglichkeit besitzt, in sein Heimatland zurückzukehren. 4. Zulassung von Flüchtlingen zur Annahme von Arbeit, insbesondere in solchen Arbeitszweigen, in denen von Einwanderern heue Arbeitsgelegenheiten geschaffen worden sind und eine Schädigung der inländischen Arbeitskräfte also nicht eintritt. Die Eingabe erkennt als berechtigt an, daß nur solche Flüchtlinge zugelassen werden, die genügendes Kapital besitzen, um für eine gewisse Periode ihre Existenz zu sichern oder für die ein britischer Bürger oder eine anerkannte britische Organisation die Verantwortlichkeit für eine angemessene Zeit übernimmt. Die Eingabe beruft sich auf die Bestimmung in den Konventionen von 1933 und 1938, wonach die „Gesetze für den Schutz des nationalen Arbeitsmarktes auf Flüchtlinge nicht in ihrer vollen Strenge angewendet werden sollen*" Endlich regt, die Eingabe an, die Maßregeln zur Naturalisation solcher Flüchtlinge, die bereits die vorgeschriebene Mindestzahl von fünf Jahren im Lande wohnen, zu verbessern und dafür zu sorgen, daß nach Ablauf der Frist die nötigen Erkundigungen mit möglichster Schnelligkeit eingezogen werden. Auch wird gewünscht, daß die Zeit, welche ein Flüchtling auf Schulen oder auf Universitäten zugebracht hat. miteingerechnet werde. Die Eingabe beschäftigt sich dann kurz mit der bevorstehenden Konferenz von Evian, insbesondere mit Bezug auf die Flüchtlinge aus den freien Berufen. Es wird gebeten, die Frage noch einmal zu prüfen, inwieweit Einwanderer aus diesen Kreisen in den englischen Kolonien und auch, in den Dominions auf Befürwortung der britischen Regierung zugelassen werden können. Die Eingabe schließt mit der Zusicherung, daß die mit der Flüchtlingsfürsorge beschäftigten Organisationen bereit sind, mit dem Hörne Office in den in Betracht kommenden schwierigen Problemen zusammenzuarbeiten. Einheitsfront in U. S. A. New Y o r k , 14. Juni. Unerwarteterweise scheint eine Zusammenarbeit zwischen den vier einflußreichsten amerikanisch-jüdischen Körperschaften, die bisher zum Teil in scharfem Gegensatz zueinander standen, zustande zu kommen. In einer Konferenz, an der Vertreter des American Jewish Committee, des American Jewish Congress, wie Delegierte des Jewish Labour Committee teilnahmen, wurde beschlossen, diesen Körperschaften die Bildung einer Einheitsfront zur Verteidigung der jüdischen Rechte zu empfehlen. Das Uebereinkommen sieht vor, daß ein Referendum, wie es der American Jewish Congress geplant hatte, vorerst überhaupt nicht stattfindet, jedoch ist' es dem Kongreß erlaubt, die Wahlen zu seiner September-Tagung vorzunehmen. Der Zusammenschluß erfolgt ausschließlich zum Zwecke der gemeinsamen Verteidigung der jüdischen Rechte, und es sollen alle Fragen der Weltanschauung und der Religion von der Kompetenz der vereinigten Körperschaften ausgeschlossen bleiben. Mit diesem Beschluß ist. der Verband orthodoxer Rabbiner, der gerade jetzt sich der Kongreßagitation des American Jewish Congress zur Ueberraschung weitester Kreise angeschlossen hatte, in eine' gewisse Verlegenheit gebracht. Der Rabbiner-Verband war mit seinem der zionistischen Agitation stark nachgebenden, schwächlichen Haltung im Voraus schon desavouiert worden durch eine Entscheidung des Verbandes orthodoxer Gemeinden, der sicii der Kongreßagitation mit aller Energie widersetzte. Die Motive, die den Rabbinerverband zu seiner Nachgiebigkeit bestimmten, sind nicht ganz durchsichtig. Merkwürdigerweise berufen sich die Führer des Verbandes auf die angeblich von ihnen herbeigeführte Zustimmung osteuropäischer rabbinischer Autoritäten. Die Mandatskommission verhandelt nicht über die Teilungsfrage. Genf, 19. Juni. In den Verhandlungen der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes wurde auf Antrag der Vertreter des englischen Außenministeriums mit Hinblick auf die gegenwärtige Arbeit der Teilungskommission die Prüfung der Frage im Zusammenhang mit der Teilung des Landes von der Tagesordnung abgesetzt. Von vielen Seiten wurde die sog. „Handelspolitik der offenen Türe" in Palästina, wodurch der Industrie der Schutz versagt werde, scharf kritisiert. Von einigen Mitgliedern wurde beanstandet, daß für das arabische Er z i ehungswesen Zuschüsse genehmigt werden, die in keinem Verhältnis zu denen für die jüdischen Erziehungszwecke stehen. Der Bericht der Mandatskonimission wurde diese Woche dem Völkerbundsrat zugestellt. Am Drahtzaune an der Nordgrenze. / J e r u S a 1 e m , 20. Juni. „Official Gazette", das Amtsblatt, veröffentlichte eine Verordnung, wonach Personen, die den Tegartwall, wie der Drahtzaun an der Nordgrenze genannt wird, beschädigen, die Arbeit behindern oder versuchen, den Zaun an anderen Stellen, als den regulären Toren zu überschreiten, vor ein Militärgericht gestellt werden sollen. Veranlaßt wurde diese Schutzmaßnähme durch einen Angriff auf ein Feldlager jüdischer Arbeiter am „Tegart-Walle", Bei der Abwehr durch Truppen wurden mehrere" Terroristen verwundet und drei getötet. * * - Die zwei letzten jüdischer Opferwaren Äron Erb, ein 21jähriger Jude aus Deutschland, der bei einem Ueberfall auf den Kibbuz H a k p - w e s c h bei Kfar Saha von. Arabern erschossen wurde, und Jacob Schachar, ein Eisenbahn- Vorarbeiter von 38 Jahren aus Tel Awiw, der durch Schüsse von arabischen Reitern schwer verletzt wurde und im Krankenhaus in Tel Awiw starb. Keine Rückwanderung nach Polen. Warschau, 15. Juni. 1 Ein offizielles Communique teilt mit, daß als Ergebnis der letzten internationalen Entwicklung ein gewisser Zustrom von Ausländern sowohl, als von früheren polnischen Bürgern nach Polen stattfinde, die sich jetzt wieder in Polen niederzulassen beabsichtigen. Da die Einwanderung solcher Personen nach Polen als den Interessen des Staates zuwiderlaufend beitrachtet werden müsse, wird dringend geraten, von einer Rückwanderung nach Polen anzusehen. Königsgeburtstag in Schweden i*nd die Juden- Stockholm, 20. Juni. Aus Anlaß des 8 0. Geburtstages des Königs fand in der großen Synagoge ein Festg'ttesdienst statt, der von allen Nötabeln der Gemeinde und Vertretern der Behörden besucht war. In seiner Festpredig t sagte Oberrabbiner Dr. Eh renpreis u. a.: „König Gustav V. war dem ganzen Lande ein väterlicher König und so hat auch die Judenheit Schwedens größte Veranlassung, das Oberhaupt des Landes zu feiern." Der Rabbiner wie der erste Vorsitzende der Stockholmer Gemeinde, Gunnar Josephson, waren bei einem feierlichen Empfang im Reichssaal zugegen. Am Vorabend fand eine musikalische Soiree im Schloß statt, zu der der Oberrabbiner als offizieller Vertreter des Judentums in Schweden eingeladen war. Auch bei den anderen offiziellen Feierlichkeiten im Hofe waren Vertreter'der Stockholmer jüdischen Gemeinde und der schwedischen Judenheit anwesend. Die Juden in Alexandrette. Beirut, 20. Juni. In der Stadt Alexandrette leben ungefähr 300 Juden, die wie die 200 jüdischen Bewohner von Antjöcha, sich bei den politischen Reibereien zwischen Arabern und Türken wie zwischen Hammer und Ambos befinden. Durch die angeordneten Wahlen werden sie, aus der bisher eingehaltenen strikten Neutralität herausgerissen und gezwungen, sich für die eine oder andere Partei zu entschließen. Inzwischen ist, wie aus der politischen Presse bekannt, nach einer Aussprache des französischen Militärkommandanten des Sandschacks mit der türkischen Militärkommission eine vorläufige Lösung auf folgender Basis zustandegekommen: Der Hochkommissar des Sandschackgebietes wird von den Franzosen gestellt, dagegen soll als Gouverneur der Sandschackregierung eip T ü r k e amtieren. Die militärische Besatzung besteht zu gleichen Teilen aus Franzosen und Türken. Der Oberkottimahdierende ist ein Franzose. Bis zur Ankunft der türkischen Truppej?. verbleibt die türkische M i I i t ä r k, o m - mission in Antijochia.! Auswanderer (taufen gu£ und billig, bei GELL HORN stein weg 9