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Der Israelit · 1938-06-23 · Heft 25 (23.6.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 25 (23.6.1938)
Date
1938-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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2TJÜN/1338 I^PSPIllPllilPPPW Frankfurt a. M. 23, Juni 1938 24. Siwan 5698 Nummer 25 Zum Thoralag in Lublin. Am Montag, den 28. Siwan, versammeln sich Lehrer und Freunde der Thora aus aller Welt in Lublin, wo die große Jeschiwa wie ein licht umflossenes Monument für den genialen Begründer des Lehrhauses, Rabbi Meir Schapira y'ST dasteht, um zum zweiten Male im Rahmen des Daf Jomi ö"2? zu Ende zu lernen und in einer Zeit, da unser Schrifttum allenthalben so verkannt wird, ein Bekenntnis zum jüdischen Glauben und zur jüdischen Lehre vor aller Welt abzulegen; Die Wucht, mit der der Thoratag von Lublin sich schon seit Wochen ankündigt, hat auch über .den Kreis der organisierten Orthodoxie, die die eigentliche Festgeberin ist, hinaus alle jüdischen Teile aufgerüttelt und bis ins Innerste aufgewühlt Beweis dafür die Artikel von Hillel Zeitlin im / 'Rigaer „Hajnt" und Joaschsohn im zionistischen Warschauer ,,Hajnt". „In allen Periöden der jüdischen Geschichte", schreibt Zeitlin, „in Zeiten der Aufrüttelung und des Umbruches, jedesmal wenn das jüdische Volk wieder einmal am Scheidewege stand, wenn eine Wende der jüdischen Geschichte eintrat, fühlte es das Volk in seinem Innersten, — und die Führer und Lehrer gäben dem Volksempfinden Ausdruck, — daß es Zeit sei, die Fahne der Thora hoch und stolz zu erheben. Indes B a r K o c h b a mit dem Schwert in der Hand für die jüdische Ehre und Selbständigkeit kämpft} baut R. Akiba, der an Bar Kochba glaubte, am ragenden Bau der Halacha. Bar Kochbas Schwert ging in die Brüche, die von R. Akiba uns geschmiedete Waffe, blieb, behielt und behält ihre Kraft bis in alle Ewigkeit. Bar Kochba hat uns kein Fest in der Geschichte hinterlassen, R. Akibas Kronen, mit denen er die Thora geschmückt hat, seine öffentlichen Thoraversammlungen in einer Zeit, da der Römer auf die Verkündung des g'ttlichen Wortes die Todesstrafe setzte, sein Märtyrertod, all dieses lebt heute noch in uns, gibt uns die Kraft und den Schwung, fundiert unseren Glauben und befruchtet unsere Hoffnung. Und ein Gleiches erlebten wir bei der Abfassung und Verbreitung der Mischna, des babyloiSischen und jerusalemitischen Talmud, und noch später in den Tagen der Gao n i m i und in der Zeit, da M a i m o n i d e s in seinem Riesenbande „die starke Hand" des Judentums im Geistigen zeigte. Und nicht anders war es auch in jener Kabtfa list enschule im Oriente und in detL Zweiten der schwersten Prüfungen im europäischen Mittelalter. So war es auch bei der Hervorkehrung der innersten Seele cler Thora durch den Kreis des Baal Schemto.w, bei der Ausgestaltung des Lehrgebäudes in all seinen Gemächern durch den Wilnaer Gaon, seine Schüler und späteren Nachfolger. Kein Wunder, daß'sich auch in unserer Zeit Männer fanden, die einsahen, daß die Stunde Jeschiwath Chachme Lublin (Die Weltjeschiwa von Lublin) wieder einmal zu einer Renaissance der Thora drängt. Und einer dieser wundertätigen Baumeister war R. Meir Schapira in Lublin, der Begründer der Weltjeschiwa und der Sammler aller Lernenden im Daf Jomi." Ein dreifaches Fest wird am 28. Siwan in der älthistorischen Residenz der Thora gefeiert werden: Sijum des Daf Jomi, Jeschiwafest und Einweihung der als Gabe der Nation gestifteten Thorarolle. Und es war ein glücklicher, die Bedeutung {dieser Anlässe . im tiefsten erfassender Gedanke, dieses Fest zu einem Feste des gesamten thoratreuen Volkes auf Erden zu machen. Die Thora, mit Israel im Galuth, sucht Zuflucht bei ihren Kindern. ' „Rettet mich, schützt mich, verteidigt mich!" Und ihre Kinder hören auf das FJehen und sammeln sich zu einem Festet mit dem sie von neuem Bekenntnis zur Mutter Thora ablegen! . Die „Ehre der Thora" (nilrin TQ3)' das war die Devise, die auf der Fahne R. Meir Schapiras in goldenen Lettern prangte, so oft er zu neuer geistiger Sammlung, zu neuen Unternehmungen rief. Was war das Besondere und Bedeutsame am Werke Schapiras? Daß man gut und tief lerne? Man lernt ebenso intensiv auch in den litauisch - polnischen Jeschiwoth, wie Mir, Baranowici, Kamenitz, Telsiai, Slabotko. Liegt es an der ethisch-mofalischen Note dieser grandiosen Jeschiwa? Wir wissen, daß die Mussarlehre heute auch in den litauischen und westpolnischen Jeschiwoth ihr Bürgerrecht und ihre Ehr,enstellung haben. Oder war Bedarf an einer speziellen chas* sidischen Jeschiwa? Polen hat keinen Mangel an chassidischen Kibbuzim, die Pflanzstätten der Thora sind. Das Besondere und Bedeutsame an der Leistung R. Meir Schapiras^ bestand aber darin, daß er mit einer traurigen Tradition gebrochen hat; Mit der Vorstellung, daß der Jeschiwajünger von kargem Brot in Armut und Dürftigkeit leben muß; daß er, wie heute noch in vielen litauischen Städten üblich, um unter einem Dache zu nächtigen, gewissermaßen als „Nachtwächter" nachts einen verlassenen Warenladen beziehen muß; daß er schon durchs seine dürftige Kleidung den „armen Bachur" hervorkehren muß. Darin hat, R. Schapira eine durchgreifende Wandlung geschaffen. Ein monumentaler Bau mit allem Komfort ist das Heim seiner Jünger. Sie finden einen gedeckten Tisch, der, ohne luxuriöse Ueppigkeit, ihnen täglich die für ihre Geistesarbeit und ihr körperliches Gedeihen nötige gesunde frische Nahrung bietet. Und sie haben die Ruhe und die Muße, ihren Lehrern bis in die tiefsten Tiefen, der jüdischen Geistesarbeit zu folgen. Der Geist der Jeschiwa stimmt den Jünger Demut, aber ihr Aeußeres, ihre Struktur, und Hausordnung geben ihm den (Fortsetzung siehe Seite 3.) zur Einrichtung mm

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