Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1938)
- Date
- 1938-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10. Nr, 24 ■ ^^^^^^T^^^S^^^^^^^^^^^^^^^^K^^^^^m i j ' » < * "'-•fr . v' ,_„SB HS*a»flJfca^ LITERARISCHE WARTE. Rabbi Sera u. Rabbi Jirmija Eine Replik von Rabbiner Dr, Brauet1, In der Pädagogischen Beilage des „Israelit" erschien von Herrn Oberrabbiner Dr. Cariebach ein Aufsatz ,,R. Sera und R. Jirmija", der es mir zur Pflicht machte, mich zunächst in einem persönlichen Schreiben mit dem ehrw. Verfasser auseinanderzusetzen. Ich bedauere außerordentlich, daß ich nunmehr genötigt bin, wnn 'n pa^ in aller Oeifentlichkeit gegen. den erwähnten Aufsatz Verwahrung einzu legen. Denn je größer die Wertschätzung des ehrw. Verf., dem namentlich für seine großartigen Aufsätze gegen die bibelkritischen Machwerke aufrichtiger Dank gebührt, desto unbegreiflicher erscheint es, die sen Aufsatz mit seinem Namen in Verbindung setzen zu müssen. Für R. J. findet dieser Aufsatz Bezeichnungen wie „voll ironischer Tücke, ungebärdig, ungeschlacht, der infolge . seiner nörgelnden, spitzfindigen Ader unangenehm auffiel, dem parodierende Fragesucht eignete, Extravaganzen, ein zügelloser Geist, ein Allesbesserwisser" — wahrlich, das traurige Charakterbild eines .schwer erziehbaren Schuljungen könnte nicht schwärzer gezeichnet werden t~?*"i! — Charakteristiken, die, man verzeihe, wenn ich es sage, dem Repertoire der Herren Grätz und Weiß zur Ehre gereichten! Diese Charakterzüge glaubt Verf, aus Auseinandersetzungen und Vorgängen, die. der Taimud aufbewahrt, herauslesen zu dürfen. Sie dienen ihm... als -Nachweis, daß R. J, erst allmählich unter dem Einfluß seines Lehrers R. S. die seinem Charakter anhaftenden schweren Schlacken abgestreift Und sich zu dem großen Meister der Halacha emporgeläutert habe. Zunächst muß es auffallen, daß Verf. die bedeutsamen Forschungen Halevys '"T'f und deren Ergebnisse für das in Frage stehende Thema vollkommen ignoriert. Denn dort wird der Nachweis erbracht; daß jener Vorgang, von dem B. B. 23b berichtet, 'W "i btf Tö' rpoa fiel," in eine Zeit, in der R. J. als der "inn ]j?T dastand, auf dessen Entscheidung ein ganzes Geschlecht angewiesen war! Damit allein wird der Darstellung des Verf. jede Basis entzogen. Welche Motive übrigens bei jenem Vorgang maßgebend waren, ist gleichfalls bei Halevy nachzulesen — Ausführungen, die .zudem nicht neu, sondern auf 'Din das. basieren. Wir verweisen auch auf die von ehrfürchtender Scheu getragenen Erörterungen des ">aio Dnn das. Was Verf. „Extravaganzen", Ausgeburten eines „zügellösen Geistes" nennt, sind doch in Wirklichkeit für jeden Kenner schwerwiegende Erwägungen, die von dem heiligen, wissenschaftlichen Streben getragen sind, den in Frage stehenden rTD^n bis auf den letzten Grund nachzugehen! Was unbegreiflicher Weise als „parodierende Fragesucht" bezeichnet wird (Sukka 12a), die R. S, demütig duldet, ist nach Raschi das, ein Fall, der R, J, höchste Anerkennung von R, S, einbringt! (s. auch Toss. das.) Um die unendliche Geduld zu beleuchten, die R, S. mit dem unbotmäßigen Schüler hatte, dient Verf. der Vorfall Sabbat 10a. Dort ist freilich nur davon die Rede, daß R. J., während sie -beim Lernen weilten, sich beeilen wollte, um noch rechtzeitig die Tefilla zu verrichten, R. S. jedoch der Ansicht war, daß dies nicht nötig sei, und seine Ansicht in die Sprache des Mischle-Verses kleidete — daß aber R, S, R. J., den „Allesbesserwisser",, mit den Worten „was erdreistest Du Dich" angefahren haben soll, ist dort mit keiner Silbe zu lesen! —- Zudem entscheidet die Halacha das. (IIa s, auch Rosch) im allgemeinen für das Verhalten von R. J.! In dem Fall von Nidda 23a war es R. J. durchaus nicht, wie Verf. sich ausdrückt, um „Lappalien" zu tun, hält es doch Toss. das. für geboten, diesem Fragenkomplex weiter nachzugehen. Und wenn auch die Fragestellung in ihrer letzten Zuendeführung Heiterkeit zu erwecken vermochte, so war es doch jene Heiterkeit, die, wie "]i")tf 'b das, bemerkt, aus dem nnaws 'n m nay fließt, zu der R. J. bestrebt war, den tiefen Ernst seines Lehrers zu mildern — Verf, aber stempelt dieses Verhalten zu einer Angelegenheit, bei der (ich weiß nicht, woher Verf. diese Kenntnis hat) R. S. Mühe hatte, den Glauben an seinen schwer erziehbaren Schüler nicht zu verlieren! Jedoch abgesehen vor allem: und gelänge es auch dem Verfasser, den Nachweis zu erbringen, daß die in Frage stehenden Talmudstellen — wie es nicht der Fall ist — in seinem Sinne aufzufassen seien, selbst dann steht es uns nicht zu, den heiligen, großenMännern unseres Volkes „von deren Munde wir leben", und für deren Größe, selbst zur Zeit, da sie noch Schüler waren, uns jeder würdigende Maßstab abgeht, (es sei denn, daß wir uns bewußt bleiben: wmx na ö»aws-> qki mmx "oa ux a'at^ö *ja a>ai»in os 'i3i anvana Sabbat 112b), mit Charakteristiken, wie sie leider der Aufsatz in erschreckendem -Ausmaß enthält^ >'?n zü nahe zu treten, Wohl verschweigt nicht unser heiliges Schrifttum etwaige Fehler unserer Großen, wif aber haben nicht "das Recht, ihre etwaigen Schwächen 2tt vergrößern und erst recht nicht, 'in Fehler zu entdecken, wo sie gar nicht vorhanden sind! Diese Fragen, wie sie R, J. aufgeworfen, ah denen Verfc vor allem sich stößt, eignen nicht nur ihm; ein treffendes Beispiel bietet hierfür Chulin 70a, und auch Sanhedrin 59b bringt eine aus der gleichen Tendenz hervorgegangene Frage, freilich nicht aus dem Munde R, Jirmijas, sondern von dem von Verfl gefeierten R. Sera! Und dieser Frage folgt das, eine Antwort, die unserem Empfinden nach recht derb ausfiel, die aber TN' hin ' n"w K. 152 Anlaß gibt, uns zu belehren, mit welch ängstlicher Scheu wir an Talmudstellen heranzutreten haben, die auf den Charakter unserer Großen einen Schatten zu werfen geeignet sind und uns daher zunächst befremden, wir jedoch gerade bei solchen Stellen mehr denn je uns bewüßt sein müssen: „ein G'ttesmann, ein heilig Großer war es, deshalb fürchte ich mich, über ihn zu sagen, er habe in der Tat nicht ganz korrekt gesprochen'' (das.) — . Und so hegen wir die feste Zuversicht, daß der ehrw. Verf. nicht anstehen wird, diesen Aufsatz als ungeschrieben anzusehen und durch solche Haltung nur zu bestätigen, daß lrPTiatt wn paYl D'Ti». Bücherbesprechungen. Grundzüge der Ethik des Judentums". Von Oberrabbiner Dr, F r i e d i g e r , Kopenhagen, In diesen Tagen hat der Kopenhagener Öberrabbiner Dr. Friediger, welcher im letzten Jahre eine außerordentlich umfängreiche und wirksame Tätigkeit als Sachverständiger in Prozessen um die Ehre des Judentums und des jüdischen Volkes erfolgreich zu entfalten hatte, eine Schrift unter obigem Titel herausgegeben, welche in dänischer Sprache das skandinavische Lesepubliküm, das jüdische wie das nichtjüdische, mit den wichtigsten Begriffen .'und Forderungen der jüdischen Ethik vertraut macht. . Verfasser stellt die bekannten Worte aus der Einleitung des Mesilath Jeschorim, daß er nichts Neues, sondern allgemein Bekanntes wieder in Erinnerung bringen wolle,- seinem Buche voran; dennoch wird das Buch dem Leserkreis, für den es in erster Reihe bestimmt ist, Seite auf Seite Neues und Schönes bringen; und auch der mit dem jüdischen Schrifttum Vertraute liest dieses Buch mit außerordentlichem Gewinn und Nutzen, weil es eine Fülle von Material aus Bibel, Talmud, Midraschim und späteren Quellen in vorzüglicher Anordnung bringt und in herzgewinnender Weise darstellt. Und weil es darüber hinaus, an vielen Stellen eigene Deutungen des Verfassers bringt, welche in wenigen Worten ein Talmudzitat beleuchten (z, B. nnpns xrpaym kuk : „Nur, wer selber mal hungert, weiß, wie weh Hunger* tut!") In 16 Abschnitten werden die wichtigsten ethischen Gesetze des Judentums dargestellt; das einleitende Kaiptel: „Judentum, Thora, Talmud" enthält zugleich das Bekenntnis des Verfassers: „Es ist die Thora, . welche die Juden zu einem Volk machte, nicht die politischen Anschauungen". Besonders gelungen sind die beiden Kapitel über die „soziale Gesetzgebung des Judentums", das ausführlichste Kapitel des Buches, (wobei unter „Leket" die schöne Bemerkung eingeschaltet ist, daß diese Form der Armenfürsorge zugleich die Pflicht des Armen andeutet, sich nicht damit zu begnügen, nur die I Hand auszustrecken, sondern das ihm Gereichte möglichst durch Mitarbeit zu erwerben!) und die Ausführungen über die „Familie", wobei der Begriff des rnas mat in seinem vielgestaltigen Sinn dargestellt, aber eindringlich davor gewarnt wird, ihn als Freibrief für persönliche Pflichtvergessenheit zu mißbrauchen; „Durch das .Verdienst der Väter' wird die persönliche Pflichtversäumnis erst ins rechte Licht gestellt!". Das Buch Oberrabbiner Dr. Friedigers ist, wie eingangs erwähnt, vermutlich im Zusammenhang mit der dem Verfasser aufgezwungenen Abwehr von An-* griffen auf das Judentum entstanden: um so erfreulicher ist es, daß das Buch in keiner Weise den Charakter einer „Verteidigungsschrift" hat, sondern aus der Liebe zu seinem Gegenstand entstanden ist. Als a^n ]» inw cmaT wird es die Leser nicht nur belehren, sondern auch packen! 1 J. Neue rabbinische und hebräische Literatur. Von der Monatsschrift „Knesses Israel", herausgegeben von den Hörern der Slobotkaer Jeschiwa, liegen uns zwei Nummern für Schwat und Adar vor. Eine Fülle herrlicher halachischer Schätze und tiefer Mussargedanken ist in diesen beiden Heften, die sich als eine Fortsetzung der Israel Salanter'schen Mussarzeitschrift J-Miafl darstellen, niedergelegt. Nicht weniger, als zwanzig talmudische Abhandlungen von lomdischer Tiefe, wie sie die* litauische Schule auszeichnet, enthalten die beiden Hefte, dazu-Aufsätze aus den „Gesprächen des Alten" (Rabbi Finkel) vom Rektor i des Berliner ■ Rabbiner-Seminares. Dr. sj. ^||,Tijn b e r g , und . gentüfsreic^ef^ Aufsätze über'Begriffe'des Mussar und des Chassidus, in denen sich; zwei ^Richtungen...beL aller Differenaierth.ei,t-;auf., gjit/j jüdischem Geleise treffen. - :--; Unter dem Titel RT»V rn 'i ]i83in mVin erzählt uns Abraham Aba Eisner die Lebensgeschichte des Gaon Rabbi*David Lida, (Selbstverlag Breslau, Ei~- sässerstr. 20). Es ist mehr als. eine bloße-Biographie, denn der Verfasser holt bei .der Aufsteilung seiner Stammbäume sehr weit aus und bietet uns. ganze Chronologien und bis in die frühesten Zeiten hineinreichende Monologien, die zwar teilweise ,der ^wissenschaftlichen Nachprüfung bedürfen, im Ganzen aber eine Fundgrube für jüdische Kulturhistoriker sind. Rabbi Jakob Tay er, Jerusalem, ein den Frankfurtern nicht unbekannter Thoragelehrter, läßt im Verlage Choreb, Jerusalem, ein Werk erscheinen unter dem Titel apy *aa«. iso- Das leicht leserliche und gut ausgestattete Buch enthält Aufsätze und Homilien, auch exegetische Bemerkungen zu Bibelsätzen, sowie Deutungen von Midraschim, die die beiden Himmelslichter in ihrer Beziehung zum Welt- . Schicksal und zum Schicksal Israels zum Thema haben. Ein Anhang bringt alle einschlägigen Vorschriften zu r-nab mr>p wie die dafür vorgeschriebenen Gebete samt Kommentaren. - Das Werk, das von Oberrabbiner Duschinski wärmstens empfohlen wird; wird Freunden der jüdischen Lehre Freude bereiten. Von der Sammlung agadischer Erklärungen zu den laufenden Sidros in jiddischer Sprache, „Der Thoraquell", herausgegeben von Alexander S Friedmann (Choreb-Verlag, Warschau), ist der dritte Teil zu „Wajikra" erschienen. Dieser Band reiht sich mit seiner prachtvollen Ausstattung, seinem soliden Einband, aber nicht zuletzt mit seinen gut gewählten, aus allen Teilen des chassidischen und rabbinischen Schrifttums herbeigeholten Erklärungen den ersten .Bänden würdig an. Von den gewaltigen Fortschritteri,'die der orthodoxe Chinnuch in Polen nach der Richtung der modernen Pädagogik gemacht hat, zeugt das. soeben bei J, Milner, Warschau, (Novolipje 44) unter dem Titel '33» "na? erschienene Schulbuch von Jabniel, In lichter Schrift und mit ganz vortrefflichen Bildern bringt das Buch dem Kinde die Anfangsgründe nicht allein des Hebräischlesens, sondern auch des jüdischen Denkens bei. Die Uebungsstücke sind aus der Gedankenwelt der Feste und aus auch den Kleinen bekannten Gebeten genommen, so daß hier Form und Inhalt sich die Hand reichen, den Grundstein jü-. discher Denkart in junge Herzen zu versenken, —tz. Ein Volksbuch über die Propheten Israels, Von Prof. Dr, Ignatz Z i e g 1 e r. M ä h r. - O s t r a u. 19 38. Verlag Julius Kittls Nachfolger. Zum fünfzigjährigen Amtsjubiläum des Verfassers als Rabbiner hat seine Karlsbader Gemeinde dieses Buch herausgegeben. Voran schickt derVerfasser einen Abriß seiner Lebensgeschichte in etwas jovialem burschikosen Ton, erzählt, wie er eigentlich Schauspieler werden wollte und dann doch auf dem Rabbinatsthron landete. Er bekennt sich als; ein liberaler, ja radikaler Rabbiner, der schon in seinen Studienjahren seinen verehrten Lehrern Bacher und David Kaufmann manch schweres Problem aufgegeben hat. Es kann nun natürlich nicht wundernehmen, daß sein Volksbuch über die Propheten diesen Geist des Liberalismus und Radikalismus atmet. Eine Auseinandersetzung über den bibelkritischen Standpunkt des Verfassers halten wir deshalb1 auch nicht für ,geboten. Obwohl er die psychologischen Wurzeln der Bibelkritik in der Voreingenommenheit gegen die. jüdische Religion bei den Schöpfern der Quellenhypothesen durchschaut und darlegt, so glaubt er es doch seinem eigenen Liberalismus schuldig zu sein, in ihren Fußstapfen zu wandeln, ja sogar ein „Volksbuch" auf die luftigen und schwankenden Grundlagen einer alle paar Jahre sich wandelnden liberalen Einleitungswissenschaft zu bauen. Das Buch selbst ist flüssig und packend geschrieben, hat manche treffende Uebersetzung und bringt oft über die ethische Gewalt prophetischer Ideen treffende Partien, versinkt aber dann wieder in das leichte Geplätscher, das dem Ernst der behandelten Probleme nicht gerecht wird. Dann spürt man etwas von der milden Luft der Karlsbader Kurpromenade. J. C. Die Wunderleiter. Gedichte v. Benno Kess techer. Joachim G o 1 d s t e i n. Jüdischer Buchverlag- Berlin. j Die „Wunderleiter" ist der kleine Vorhof zu diesem hübschen Blumengarten, in dem wir Moses und/ Hanna, Saul, David und Rabbi Akiba und viele wie vieles Andere finden, Schöne,'Gedanken sind, in gute Sätze ' und Reime gekleidet. ^saass