Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1938)
- Date
- 1938-06-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451035--83782-2541806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Nr. 24 HSP^HPÜP '^mmmmmmmKmmmmsm Der* 1 s r-a e^l^iM' ' W:' ,: -U£v^ '.W:.-.i EREZ ISRAEL Eine Aktiengesellschaft zugunsten der Sabbatheiligung. London, 14. Juni. In London wurde eine A. G. mit einem Kapital von 3000 Pfund ins Leben gerufen, mit dem Ziels, gesetzestreue und sabbathaltenden Arbeitern und Gewerbetreibenden in Erez Israel Hilfe zu leisten. Direktoren der Gesellschaft sind Dr. Pazifizi, Dr. T. Duschinski und Herr H. A. Goodman. Es sei bemerkt, daß es die erste und bisher einzige Gesellschaft in England ist, die auf religiöse Grundlage gegründet ist. Es war schon einmal die Gründung einer solchen A. G. in Palästina geplant, doch stieß sie bei den Behörden auf Schwierigkeiten. Nachdem aber die Gesellschaft in London ins Leben gerufen worden ist, darf man hoffen, daß sie auch von den palästinensischen Behörden legalisiert wird, •i ~ "~ Der Stacheldraht an der syrischen Grenze und die Juden. Jerusalem, 5. Juni. Bei den Stacheldrahtarbeiten an der Nordgrenze von Erez Israel sind Juden in großer Zahl beteiligt. Nach Fertigstellung der Absperrungen werden die jüdischen Arbeiter dort bleiben und sich in einem Jischuw unter dem Namen „Kadosch Naftali" (es ist der Name eines jüdischen Arbeiters, der vor kurzem von Araberhand ermordet wurde) zusammenfinden. Wie schon berichtet, befindet sich unter den Arbeitern auch eine Anzahl von agudistisehen und misrachistischen Arbeitern. Straßennamen in Jerusalem. Jerusalem, 5, Juni. Letzthin wurden vom Stadtrat heue Namen für Straßen im jüdischen Zentrum der heiligen Stadt bestimmt. Zwei Straßen tragen die Namen von Rabbi Samuel Salant und Rabbi C h a j i m Sonnenfeld. Auch andere Gaonlm des letzten Jahrhunderts fanden auf diese Weise ihr Denkmal im Straßengebilde, was im gesetzestreuen Jischuw große Befriedigung ausgelöst hat. Aus Petach Tikwahs Jügettdtageu. Nacherzählt von Helene Woll in Petach Tikwah. (Fortsetzung.) 30 Tage war große Feier in Meah Schearim: die* Siedler Petach Tikwahs gaben den Leuten von Jerusalem große Festmähler und diese schickten ihnen köstliche Gaben dazu. Die Gelehrten der heiligen Stadt nahmen innigen Anteil an dem Jubel; sahen sie doch darin den ersten Schritt zur Geulah (Erlösung). Viele Leute aus Jerusalem schlössen sich nun der jungen Siedlung an, die bedeutend erweitert werden konnte. Der Dunam kostete 4 Francs. Wenn es den Siedlern auch gelang, Frucht aus der Erde hervorsprießen zu lassen, so konnten sie dpch das Bemühen ihrer Hände nicht speisefertig machen. Sie besaßen keina Mühlen. Darum waren sie gezwungen, ihr Getreide zu verkaufen und das Mehl aus Jaffa zu beziehen. Dieser ungesunde Zustand drückte besonders schwer, da es ein sehr regenreicher Winter war. Nach sehr schweren Regengüssen im Jahre 5640 (1880) fehlte ihnen das Mehl. R. Sorach sollte nach Jaffa eilen, um Vorräte Zti holen. Aber die Regengüsse ließen ihn auf dem durchweichten Boden nur langsam vorwärtskommen. Seine Kleidung war bald ganz durchnäßt — trotzdem strebte er weiter. Da kam er an einen kleinen Bach, der im Sommer ausgetrocknet war, aber ietzt reißendes Wasser in den Jarkon führte. Eine Brücke gab es nicht, und die Ufer waren weithin überschwemmt. Viele Araber warteten dort auf ein Abfließen des Wassers. Barnett, der ja wußte, daß nicht nur seine Familie, sondern die ganze Siedlung Hunger litt, versuchte mehrere Male, auf-seinem Tier den reißenden Strom zu durchschwimmen, vergeblich! Die Araber rissen ihn schließlich mit Gewalt zurück. Blutenden Herzens und mit leeren Händen kam er abends nach Petach Tikwah zurück. Als man ihn kommen sah, war große Freude; um so schlimmer war die Enttäuschung über den Mißerfolg. Einige Frauen brachen in bittere Vorwürfe aus gegen die ganze Arbeit der Siedlung. Es hielt schwer, die Aufgeregten zu beruhigen und ihnen klar zu machen, daß es Prüfungen seien, die der Allmächtige ihnen geschickt habe. Sie sollten nicht schon bei der ersten versagen und ihren großen Plan nicht darum aufgeben. Es versuchten noch andere, nach Jaffa zu reiten, aber ebenso vergeblich. So beschlossen sie, ihr Brot so herzustellen, wie die benachbarten Araber. Sie ließen sich von djesen zeigen, wie Mais mit Steinen zerkleinert wird, um daraus das schwarze Brot zu gewinnen. Eine neue Schwierigkeit ergab -sich: sie hatten kein Holz mehr, um den Bäckofen zu heizen, und mußten sich mit Maisstroh und alten Holzstücken behelfen. Alles, war feucht. Der scharfe Rauch, biß den Bäckern in die Augen, sie konnten kaum sehen. Aber trot2dem waren sie sehr beglückt, daß sie nun das arabische Brot herstellen konnten. In diesem regenreichen Winter durchdrang das Wasser allmählich die Dächer, die nach arabischer Art aus Stroh und Sand hergerichtet waren. Menschen, Vieh und Gertäschaften waren aus Furcht Yor Dieben in einem Raum untergebracht. Barnett brachte das Getreide in den am meisten geschützten Winkel seines Hauses; er selbst, legte sich an eine Stelle, wo es sanft durchtropfte. Allmählich aber verwandelte sich das sanfte - Tröpfeln in eine kräftige Dusche, und er war gezwungen, sich auf die Q&ir&id&- säcke zu legen, die auch allmählich feucht wurden. Schließlich verbrachte er einige Nächte mit seinem Töchterchen im Arm auf der Schwelle, um das Kind vor der Nässe zu schützen. Auch die anderen Häuser hatten sehr gelitten; es war eine ständige Gefahr des Einstürzens, Es wurde nun beschlossen, für alle Familien zusammen zwei Steinhäuser zu bauen. Dazu aber bedurfte es der Erlaubnis seitens der türkischen Regierung, die sehr schwer, eigentlich überhaupt nicht, zu erlangen war. Die Siedler beschlossen daher, ohne Erlaubnis zu bauen, und zwar nachts. Am Tage besorgten sie ihre Feldarbeiten. Aber ihr Hausbau wurde der Regierung mitgeteilt, und sofort kam ein Trupp Soldaten nach Petach Tikwah, als ob ein Aufstand niedergeschlagen werden müßte! Durch reiche Geschenke aber wurden die Anführer gewonnen, die grimmigen Feinde verwandelten sich in Freunde, ja,' sie gaben sogar gute Ratschläge. Nach türkischem Gesetz braucht ein unerlaubt gebautes Haus, das bereits ein Dach hat, nicht mehr zerstört ZU werden. Die Siedler sollten nachts notdürftig ein Dach bauen; während dieser Zeit wollten die Soldaten im arabischen Dorfe bleiben und dessen Einwohner hindern, an den Bauplatz zu gehen. Es geschah so; das „fertige" Haus durfte stehen bleiben; aber das zweite, mit soviel Fleiß und Geld, errichtete, mußte zerstört werden! Nachdem ein Steinhaus gebaut worden war, sollte ein Lehrer für die 15 Kinder der Siedlung angenommen werden. Da traf Petach Tikwah ein schweres Unglück: Vier Kinder erkrankten an Malaria und starben bald; es fehlte jede ärztliche Hilfe in der Nähe. Die Kinder wurden in Jaffa begraben. Die am Jarkon gelegene Siedlung Tajan litt noch schwerer. Häufig trat Fieber auf, das Todesopfer forderte. Der Weg dorthin war voller Sümpfe, die den Transport von Lebensmitteln und Arzneien oft unmöglich machten. Eine Frau erkrankte schwer und starb. Ein arabischer Bote benachrichtigte die Einwohner von Petach Tikwah. R. Sorach spannte zwei. Maultiere vor seinen Wagen, um die Leiche nach Jaffa-zu bringen. Bevor sie noch das Sterbehaus erreichten, versank der Wagen im Schlamm. Mühsam zogen sie ihn heraus. Sie stellten die Bahre auf den Wagen. Aber bald stürzte ein Maultier, und nur mit Hilfe von Arabern, die den Wagen ziehen halfen, konnten si§ den Leichnam nach Jaffa auf das Beth-Olam (Friedhof) bringen. Als bald darauf wieder mehrere Frauen und Männer am Fieber erkrankten, erklärte der Arzt von Jaffa, die einzige Rettung bestehe darin, die Kranken sofort aus dem Fiebernest fortzubringen. Sie zögerten nicht, brachten die Frauen gleich nach Jaffa; aber da sie nur zwei Wagen zur Verfügung hatten, konnten sie zwei ebenfalls kranke Männer nicht mit fortbringen. Als Sie am anderen Tage diese holen wollten, war inzwischen einer gestorben. Die Siedler waren jetzt sehr' niedergedrückt. Sie waren breeit gewesen, schwerste Arbeit zu tun, auf alle Bequemlichkeiten zu verzichten, um das Land wieder aufzubauen. Aber gegen die furchtbare Krankheit konnten sie nicht ankämpfen. Die meisten schickten ihre Familien nach Jerusalem zurück, auch einige der Männer gaben ihre Mitarbeit auf. Aber der größte Teil beschloß, auszuharren. Indessen war die Ernte dieses Jahres nicht gut, und das folgende war Schmhtah (Erlaßjahr, in dem der Boden nicht bebaut werden darf)! Es war schwer, Rat zu finden! Sie verloren das Vertrauen nicht, daß G'tt schließlich doch ihre Arbeit gelingen lassen würde. „Die in Tränen säen, werden in Freuden .ernten." Das Psalmenwort gab ihnen Mut zum Ausharren. R. Sorach, der in dieser Zeit wieder den größten Teil seines Vermögens eingebüßt hatte, beschloß nochmals, nach London zu gehen. Es fehlte ihm aber das Geld für die Reise, so daß seine Frau ihren Schmuck dafür verkaufen mußte. Er übergab einem Freunde, R. Michel Leib Katz, die Aufsicht über seihen Besitz, in Petach Tikwah, und verließ schweren Herzens die neue Heimat, die mit soviel Arbeit und Energie gewonnen war. Beim Abschied schwor er seinen Freunden zu, daß er die feste Absicht habe, wiederzukommen. Tränenden Auges sah R. Sorach Bärnett vom Verdeck des Schiffes aus den Strand von Jaffa und die sanften Hügelketten des Scharon verschwinden. Dann schloß er sich in seine Kajüte ein, die ihn ein Grab dünkte. Im Schmittahjahre 5642 (1882) verließen fast alle Siedler Petach Tikwah; einige gingen in ihre' frühere Heimat. Aber die ersten Gründer fürchteten, daß das mühsam Aufgebaute in ihrer Abwesenheit zugrunde gehen "würde, und beschlossen, in dem 3A Stunde entfernten Dorfe ' Yehudije einen Platz anzukaufen, um dort während des Schmittähjahre's zu „lernen". Nur wenige blieben als Hüter in Petach Tikwah zurück. Einer von diesen war R, Arje Leib Frumkin,' der Herausgeber der „Toledot Chachme Jeruschalajim" und des Siddur von Raw Amram Gaon — des Tikkun Schemuel, das die Gebetsöfdnung der Chabad-Chassidim enthält —. Er hattea sein ganzes Vermögen in die Gründung yojx Petach Tikwah gesteckt, und alle Vorstellungen seiner Freunde konnten ihn nicht zur Trennung von der geliebten Siedlung bringen .Um ihn zum Verlässen des gefährdeten Platzes zu bringen, verboten die Jehudim den Bau eines Hauses. Er aber errichtete einen Kuhstall, in den er heimlich ein Zimmer für sich einbaute. Schwer lastete die Einsamkeil auf dem Greis; doch allen Widerständen zum Troü; verlor er den Mut nicht. Er hoffte auf das große Wunder des Aufbaus von Petach Tikwah, (und diesem seinen Bitachon danken wir wohl in erster Linie die heute so blühende Kolonie). Er nützte die Zeit seines Alleinseins während des Schmittajahres nicht nur zum „Lernen" aus, sondern schrieb eifrig an Vereine und an einzelne verständnisvolle Glaubensgenossen, setzte ihnen die Notlage *dn Petach Tikwah auseinander und die Pflicht eines jeden Juden zur Hilfe am Aufbau, Ein besonders schweres Mißgeschick traf diesen' tapferen Mann, als beim Bohren eines Brunnens auf seinem Grundstück zwei Araber tödlich abstürzten. Es herrschte natürlich große Aufregung unter den benachbarten Arabern, sie schrieen „Mord" und wolltet* übet" die Juden herfallen. Nur durch viele Ueberredung und noch mehr durch das bekannte Mittel gelang es, die türkischen Behörden von der- Unschuld des Raw Frumkin zu überzeugen und alle üblen Folgen abzuwenden. Inzwischen hatte sich Barnett in Lohdon fleißig bemüht, das Interesse weitere Kreise für den Aufbau von Erez Jisrael wachzurufen. Auf seinen großen Geschäftsreisen trat er mit maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten in Verbindung, denen er die schwere Notlage von Petach Tikwah schilderte. Die Tapferkeit der Gründer, die sich trotz der vielen Unglücksfälle, die die ganze Siedlung betroffen hatten, nicht irre werden ließen an ihrer großen Aufgabe, mußte ja Bewunderung erzeugen. Als R. Sorach im Sommer 1873 in Paris war, bat er seinen Freund Michael Erlanger. ihn bei Baron Edmond de Rothschild einzuführen, dessen großes Interesse für_ das Heilige Land bekannt war. Der Baron empfing Barnett sehr freundlich. Als er ihn aber um Hilfe für die Jerusalemer Kolonisten, die Petach Tikwah aufbauen wollten, ansprach, erwiderte der große Philanthrop, daß er bereits in Rischon LeZion und Sichron Jakob viereinhalb Millionen Franken investiert habe' Barnett bat, den Siedlern von Petach Tikwah eine Anleihe zu gewähren) Dazu war Rothschild bereit, wenn ihm Barnett für die Rückzahlung garantieren wollte! Sie schieden schließlich damit voneinander, daß de*1 Baron sich die Angelegenheit reiflich überlegen wollte. Der Erfolg dieses Besuches bei Baron Rothschild war für R. Sorach keine Sicherheit. Er ging deshalb zu dem großen Gelehrten Dr. Rabinowitz, der einige Teile des Talmud ins Französische überse.tzt hatte, und bat ihn um Aufsetzung einer Bittschrift an Baron Rothschild im Namen der Kolonie Petach Tikwah, deren .Zusammenbruch drohte, trotz der großen Opfer an Geld und Blut. Man wandte sich demnach an den Baron Rothschild mit der Bitte um eine Anleihe zum Ankauf von Vieh und Saatgut, sowie zum Wohnungsbau, Dieses j Schriftstück schickte Barnett nachv Petach Tikwah, ' um die Unterschriften,der Siedler und die Bestätig j gung des Jaffaer Französischen Konsuls vermerken zu lassen; es kam aber dort nicht an. (Fortsetzung folgt.) Mü mm&