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Der Israelit · 1938-06-16 · Heft 24 (16.6.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 24 (16.6.1938)
Date
1938-06-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr, 24 ^ä^f^^^^^^^^^^^^^^^^S^^^^^^I^P Der Isiaedit >, l&iJuhi 1938? sehen Fakultät ein leichtes Ansteigen der absoluten Zahl bei allerdings gleichzeitigem Absinken der Prozentziffer festzustellen war. Die übrigen Wiener Hochschulen wurden im Studienjahr 1936/37 nur mehr von 335 jüdischen Hochschülern besucht, während 1925/26 allein an der Hochschule für Welthandel 934 Juden eingeschrieben waren. Alle diese Zahlen werfen ein symptomatisches Licht auf die Berufsaussichten für Juden in den letztvergangenen Jahren. Bei all dem kann es nicht verwundern, daß seit Kriegsende die A u s w a(n d e r u n g die Einwanderung überwiegt, Die Einwanderung war minimal, die Auswanderung umfaßte im Zeitraum von 1918—1936 immerhin rund 20 000 Menschen, deren Mehrzahl nach Palästina gegangen sein dürfte, nur ein geringer Teil nach überseeischen Ländern. Stärker fällt, neben der Austrittsbewegung, ins Gewicht, daß ungefähr 2500 Todesfällen im Jahr nur rund 700 Geburten gegenüberstanden. Aus dem Zusammenwirken, aller dieser Faktoren erklärt sich der , bereits oben erwähnte mehr als 12prozentige Bevölkerungsrückgang von 1923 bis 1934. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Religiöse Auswanderer-Betreuung. B e r 1-i n , 13. Juni. Von der Agudas Jisroel Berlin wird uns geschrie ben: Zu der in der Vorwoche gebrachten Notiz über die Eröffnung der von Agudas Jisroel, Ortsverband eingerichteten Religiösen Auswandere r-B etreuung sei darauf hingewiesen, daß die Anschrift lautet: Johannisstraße 8, 2. links, nicht, wie versehen! lieb angegehen, 4. Gesellschaft „ORT", Berlin, 9. Juni. Die Gesellschaft „ORT" Abt;. Deutschland E. V schreibt uns: Um unnötige Anfragen, die zum Teil auf irrtümliche Presse- und Buch - Veröffentlichungen zurückgehen, zu vermeiden, machen wir hier durch darauf aufmerksam, daß in unserer Lehr Werkstatt e Berlin NW. 87, Siemens-Straße 15, Umschichtungslehrgänge lediglich im Fach der Elektrotechnik bestehen. Der zurzeit im Gang be findliche Umschichtungskurs endet mit dem laufenden Jahr, also im Dezember 1938; Einstelluri gen in diesen Kurs können zurzeit keinesfalls vor genommen werden. Auswandererguthaben. Berlin 14. Juni. Ueber die Neuregelung der Abtretungen berichtet Bernhard Blau im ^Berliner Jüdischen Gemeindeblatt wie folgt: Die Abtretung von deutschen Sperrguthaben, einschließlich der Aüswandererguthaben, an ausländischen Plätzen vollzog sich, wie in dem Runderläß der 'Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung 36/37 dargestellt ist, häufig in der Form, daß der Besitzer eines eigenen Sperrguthabens der kontoführenden Devisenbank den unwiderruflichen Auftrag erteilte, den Betrag zur Verfügung des Sperrguthabenkäufers, im allgemeinen einer ausländischen Bank, zu halten. Da sich dieser Vorgang mehrfach wiederholen konnte, sammelten sich bei der Devisenbank auf diese Weise häufig eine ganze Kette derartiger unwiderruflicher Auftragserteilungen. Erst wenn eine genehmigungsbedürftige Auszahlung aus dem Sperrkonto erfolgen sollte, wurde die Genehmigung zur Abtretung des Sperrguthabens bei der Devisenstelle nachgesucht,- und zwar zur Abtretung von dem ersten. Kontoinhaber unmittelbar auf den letzten Begünstigten. Daneben wurden Genehmigungen zur Abtretung von Auswanderersperrguthaben durch die Devisenstelle auch dann erteilt, wenn der Sperrguthabenkäufer hinsichtlich der beabsichtigten Verwendung des Sperrguthabens noch keine Angaben machte oder Anträge stellte. ~ Um diese Abtretungsgenehmigung, und zwar iür Auswandererguthaben, d. h. für Guthaben von Personen, die n&ch dem 3. August 1931 ausgewandertsind, handelt es sich bei' der jetzigen Neuregelung im Runderlaß des Reichswirtschaftsministers vom 4. Juni 1938. Durch diesen Runderlaß ist mit sofortiger Wirkung, also auch für schwebende Anträge, ange ordnet worden, daß Genehmigungen zur Abtretung von Auswandererguthaben an devisenrechtliche Ausländer — Personen, die im Ausland ihren Wohnsitz, gewöhn liehen Aufenthalt, Sitz oder Ort. der Leitung haben — bis auf weiteres nicht mehr zu erteilen smd Das gleiche gilt für Vorbescheide, durch die eine Genehmigung zur Abtretung .künftiger Auswandere guthaben in Aussicht gestellt wird. -— Die Regelung bezieht sich auf alle Arten von Auswandererguthaben. Als solche kommen in B facht. 1. Die im Zeitpunkt der Auswanderung bestehenden Guthaben eines Auswanderers bei einem inländi sehen Kreditinstitut. 2 .Sperrguthaben eines Auswanderers, die durch Kreditrückzahlungen entstanden sind. , ... 3. Sperrguthaben eines Auswanderers, die. durch die Veräußerung von inländischen Vermögensanlägen insbesondere von Grundstücken oder von Gegenständen, die zu einer Erbschaft gehören, entstanden sind 4, Nach dem neuen Rund erlaß vom 4. Juni 1938 sind ferner Sperrguthaben eines Auswanderers, die erst nach der Auswanderung aus der" Veräußerung von Wertpapieren oder dadurch entstehen, daß Wertpapiere rückzahlbar geworden sind, als Auswan- " dererguthaben zu behandeln und unterliegen somit der erwähnten Neuregelung. - In diesem Zusammenhange ist auch die bisherige besondere Regelung für Aus wanderer, nach der die Erlöse von Wertpapieren nur auf Antrag als Auswandererguthäben behandelt werden konnten, aufgehoben. Ausnahmen von der Regelung, wonach bis auf weiteres Abtretungsgenehmigungen für Auswanderer^ guthaben nicht erteilt werden, gelten Jn, folgenden Fällen: Die Abtretung von Auswandererguthaben kann im Rahmen der allgemeinen Richtlinien genehmigt werden, wenn das Guthaben nicht einem . Juden (§ 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935, Reichsgesetzblatt I, S. 1333) oder wenn es einem ausländischen Staatsangehörigen zusteht. Die Abtretung von Aüswandererguthaben kann ferner genehmigt werden, wenn das gesamte Vermögen des Antragstellers ohne Berücksichtigung der * Verbindlichkeiten RM 5000.— nicht übersteigt, eine Bestimmung, die mit § 3 der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden vom 26» April 1938 übereinstimmt. Ferner ist in dem neuen Erlaß des Reichswirtschaftsministers eine Bestimmung enthalten, wonach in Fällen, in denen eine Genehmigung zur Abtretung von Aüswandererguthaben aus besonderen volkswirtschaftlichen Gründen ausnahmsweise geboten erscheint, dem Reichswirtschaftsminister von den Devisenstellen zu berichten ist. Es wird ferner in dem Erlaß bestimmt, daß, wenn einem devisenrechtlichen Ausländer die Genehmigung zur langfristigen Anlage oder sonstigen Verwendung von Auswandererguthaben im Inlande erteilt worden ist, auch die zur Durchführung des vorgesehenen Geschäfts erforderlichen Abtretungen von Aüswandererguthaben genehmigt werden können, sofern in der Person des bisherigen Inhabers des AuswanderergUthabens keine Bedenken bestehen. Von der Wiener Kultusgemeinde. W i e n, 13. Juni. In einem Appell an die Gemeindemitglieder lesen wir: „Die Gemeinde hat bereits Hunderten durch Gewährung von Reisebeiträgen zur Auswanderung verholten, Sie bereitet die Umschichtung der. jüdischen Jugend vor und steht allen Juden mit Rat und Tat zur Seite. r Sämtliche Anstalten der Kultusgemeinde arbeiten im vollen Umfange, täglich werden 12 00p Personen ausgespeist. y Die Aufgaben der Gemeinde sind die Aufgaben aller ihrer Mitglieder. Erfüllet Eure Pflicht, zahlt die Kultussteuer und den außerordentlichen Zuschlag, Wer seinen Beitrag für die Gemeinde leistet, sichert sich und den Seinigen Rat und Hilfe.'" , AtisWanderungsaussichten Jü Wion. ' Wien, 14. Juni.. Der Vertreter des American Joint Distribution Committee,;Dr. David J. Schweitzer, der dieser Tage in, Wien weilte, erklärte, daß aus England und Amerika die notwendigen Hilfsgelder, kommen werden, sobald die Wiener Jüdische Gemeinde, :die vor kurzem erst ihre Tätigkeit wieder aufnehmen konnte, in der Lage sein wird, diese Gelder zu verwalten. Falls sich eine fortdauernde Zusammenarbeit. untereinander ergeben wird, wird der bereits verfügbafCi jetzt :noch nicht sehr große Betrag ausländischen Geldes bald zur Verwendung^ gebracht werden können/ Für die sofortige Auswanderung. von mehreren hundert Personen,, außerdem von etwa hundert Kinde'rn, stehen die Mittel schon jetzt bereit. Zunächst wird jenen Personen zur Auswanderung verholfön, bei denen das Auswanderungsbedürfnis am dringlichsten-ist und denen die Tore Palästinas, Amerikas oder anderer Länder offen stehen. Dies betrifft das. Sofort-Programm. Vor Beginn der Durchführung des Programms auf weite Sicht muß zunächst eine Reorganisierung der Jüdischen Gemeinde vor sich gehen, in der Weise,, daß die Funktionen der getrennt arbeitenden Organisationen innerhalb der Gemeinde verschmolzen werden. Dies fürs erste. Zweitens bemüht sich die Gemeinde darum, Gelder aus dem Auslande zu bekommen, so daß-jeder Dollar, jedes Pfund, diej. aus ^dem Auslande kommen, ausgenutzt werden können. ■= Im Augenblick läßt, sich noch nicht sagen; wie vielen Personen die Möglichkeit zur Auswanderung mittels englischer und amerikanischer Hilfe im ersten Jahre wird gewährt werden können. Aber schon in der Tatsache, daß das Joint Distribution Committee in diesen Belangen zu der Jüdischen Gemeinde in Kontakt getreten is.tt.sieht man .in jüdischen Kreisen einen wichtigen konstruktiven Schritt zur Lösung der Riesenaufgäbe, vor die man sich jetzt gestellt sieht. Die ausländische Hilfe wird jetzt wirksam werden durch Unterstützung der jüdischen Supperiküchen, in denen jetzt über 10 000, Personen täglich; gespeist werden. Seit Mitte März trafen .für, diese Zwecke wöchentlich 5000 Dollar aus Amerika und England ein. Man habe den Wiener- Juden die Gewißheit gegeben, daß die Emigrationshilfe' des Auslandes im Begriffe ist, konkrete Formen anzunehmen. / , ^Weniger optimistisch , äußerte sich gegenüber jüdischen Führern in Wien der Generälsekretär der HICEM, Dr.-James Bernstein. Seine Organisation, sagte er ,könne eine Massenauswanderung von Juden nicht bewerkstelligen, doch werde sie jede andere nur mögliche Unterstützung gewähren. Tschechoslovakei. Rückkehr zum Judentum. Prag, 14. Juni. Das Statistische Amt in der Tschechoslovakei führt seit 1935 Listen über Rückkehrende zum frü* heren Glauben. Genaue Zahlen werden , nicht bekanntgegeben, doch wird berichtet, daß eine wahre Welle der Rückkehr;zum Judentum unter den Getauften in der Tschechoslovakei. eingesetzt hat. . Italien. König und Kaiser Viktor Emanuel in Tripolis« Rom, 14. Juni. Anläßlich des Besuchs des italienischen Souveräns in Tripolis nahm auch die jüdische -Gemeindevertretung mit dem Oberrabbiner Dr. Aldo Lattes an der Spitze an den offiziellen Empfangsfeierlichkeiten teil. Auch unter den geladenen Tribünengästen befanden sich zahlreiche Juden. Der Monarch besuchte zu Fuß auch das zu seinen Ehren prächtig geschmückte Judenviertel und war Gegenstand begeisterter Huldigungen der jüdischen Bevölkerung» Er gab dem ihn begleitenden Dr. Lattes gegenüber seiner lebhaften Befriedigung über die bewiesene Ergebenheit der. jüdischen Bevölkerung Ausdruck. England, Das Lubliner Thorafest und die Vorbereitungen in London. .London, 14, Junil, Im Zusammenhange mit dem Thorafest am 28, Siwan in Lubh'n hat das Londoner Besdin unter Führung von Chiefräbbi Dr. H e r t z einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung erlassen, auch in den Gemeinden Englands in diesen Tagen eine starke Propaganda für die Thorä zu. entfalten.-U. a. haben den Aufruf Chacham Gast er wie auch andere führende Rabbinen in England unterschrieben. Es ist interessant, zu bemerken, daß der Londoner Stadtrat die Erlaubnis erteilt hat, in den Hauptstraßen der Stadt mit entsprechenden Transparenten in; Jiddisch, und Englisch auf den Thoratag hinzuweisen. Aus England wird sich eine größere Delegation nach Lublin zur Thorafeier: begeben. (JPB.) Eine Agudadelegation beim Kolonienminister. London,. 14, Juni. Im Auftrage der- Aguda-E;xekutiv,e in London war Rabb. Dr. Sc h ö n f e 1 d in Sachen : der jüdischen F l ü c h 11 i n g e beim Kolonienminister vorstellig. Der Minister hörte mit größtem Interesse die Vorschläge der Aguda-Exekutive an, die' die Emigration in Erez Israel,;auf Zypern und nach anderen, Teilen des britischen Imperiums betreffen. r.;;.. ,' .. { > ^••'■•^'^^IfelrBih

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