Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1938)
- Date
- 1938-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mm&z& m ^B^I^^SS^^^^^^^^^^S^^^^^^^^^- 1 s^ra e 1 i t. Nr. 24 Seite 5 run^ljiei 'äili^^ ßen und( ganzen mit gcriögen Schwankungen bis in' die letzten Jahre hinein'. Die absolute Zahl verminderte sich freilich in dem Jahrzehnt von 1023—1934 von 201000 auf 176 000 Personen. Demgegenüber ist die jüdische Provinz in Oesterreich; zählenmäßig so schwach (1934: 15 447 Personen), daß sich eine gesonderte Betrachtung erübrigt. Die Gemeinde Wien kann als die heterogenste und in sich uneinheitlichste jüdische Großgemeinde Europas bezeichnet werden. West- und ostjüdische Bestandteile treffen unvermittelt aufeinander. Nach einer Statistik von 1921 waren in Wien geboren 33 Proz.,* im sonstigen Oesterreich 4 Proz., in den nach dem Kriege abgetrennten Gebieten, also der heutigen Tschechoslovakei, Ungarn und Polen 5390. In freier Schätzung kann man damit rechnen, daß etwa 50000 Gemeindemitglieder der alteingesessenen - Bevölkerungsschicht zuzurechnen sind, daß etwa 40 000 Menschen aus den Sudetenländern kommen und sich jener ersten Schicht ziemlich leicht eingliedern, und daß dies beinahe im gleichen Maß von der nächsten Schicht gilt, die schätzungsweise ungefähr 20 000 Menschen umfaßt und aus Ungarn- und der früher ungarischen, seit Kriegsende tschechoslovakischen. Slovakei stammt, Aus diesen Kreisen rekrutiert sieh der größte Teil der orthodoxen Mitglieder der Schiff schul, welche der Agudas Jisroel angehört. Der Rest von ungefähr 60 000 Menschen stammt aus dem jüdischen Osten, vor allem aus Galizien. Es ist anzunehmen, daß etwa 35 000 von diesen polnischen Juden noch heute die polnische Staatsangehörigkeit besitzen, 'während ungefähr 25 000 seit Kriegsbeginn eingebürgert sind. Die weitaus größte Zahl dieser in sich besonders solidarischen Gruppe ist erst seit 1914 zugewandert. Die meisten von ihnen leben materiell und sozial in engen kleinstädtischen Verhältnissen und entfernen sich selbst in der jüngeren Generation kaum von ihrem ursprünglichen Ausgangspunkt. So ist es gekommen, daß nur in sehr geringem Maße von einem allmählichen Zusammenwachsen dieser Schichten gesprochen werden kann. Die Trennung ist selbst innerhalb der Orthodoxie bemerkbar; die um die Aguda gesammelten Kreise sind nahezu ausschließlich ungarischer Herkunft. Die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung Wiens,, über 60 Proz,, wohnte 1935 in vier Bezirken: der inneren Stadt und den östlich, nordöstlich und nördlich anschließenden Bezirken Leopoldstadt, Brigittenau und Aisergrund, wo ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung zwischen 18 Proz. und 38 Proz. betrug; insbesondere die ih außerösterreichischen Staaten ber heimateten Juden Wiens dürften nahezu vollständig in den genannten Stadtgegenden wohnen. Daß die ökonomische Lage dieser Teile der jüdischen Bevölkerung eine schlimme ist, geht allein daraus hervor, daß die Häuser in den vier Bezirken um rund ein Fünftel stärker belegt sind, als es, dem Gesamtdurchschnitt entspräche. Das Zimmer- und Bettstellenvermieten ist eine der stärksten Einnahmequellen der dortigen Juden. Aber auch die Wohnverhältnisse der bürgerlichen Schicht sind unendlich viel bescheidener als in irgendeiner anderen Stadt des deutschen Sprachgebiets. In die b e rufsmäßigeGliederung der jüdischen Bevölkerung gewährt die Berufsstatistik der Kultusgemeinde für das Jahr 1935 einen guten Einblick. Sie enthält alle Steuerzahler der Gemeinde. Die weitaus größte Gruppe bilden Handel und Industrie einschließlich Banken und Börse mit über 18 000 Steuerzahlern, denen sich die Angehörigen der gewerblichen Berufe einschließlich des Gastwirtsgewerbes und der Filmbranche mit über 3000 sowie die Reisenden, Vertreter und Versicherungsfachleute mit 4000 Steuerzahlern anschließen. Die zweitgrößte Gruppe unter den Zensiten sind die Angestellten und Arbeiter mit 12 000 Angehörigen; beachtlich ist weiterhin die Gruppe der akademischen und freien Berufe mit 5000 und der Privaten und Pensionisten mit über 6000 Angehörigen. Dagegen betrug die Zahl der öffentlichen dnd Gemeindeangestellten einschließlich des Militärs nur 753 Personen (für ganz Oesterreich 834 bei insgesamt über 200 000 Gemeindebeamten und öffentlichen Angestellten, das heißt weniger als ein halbes Prozent). Die breite Masse der in Handel und Industrie Tätigen, seien es Selbständige oder Angestellte, hat an der rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung Wiens seit Kriegsende einen überdurchschnittlichen Anteil. . Mit dem ehmals blühenden Großhandel sind z. B. die zahlreichen jüdischen Firmen, die um das Salzgries lokal konzentriert waren, infolge der von den Nachfolgestaaten gezogenen Zollgrenzen so gut wie zugrunde gegangen. Ueberhandnehmender Industriehandel und Provinzhandel taten das übrige. Eine Firma nach der anderen mußte die Tore schließen. Es war. gar nicht so selten, daß Inhaber ehemals blühender Betriebe auf Wohlfahrtsunterstützung angewiesen sind. Gleichwohl gab es immer noch eine Anzahl von Branchen, in denen die jüdische Arbeit von Wichtigkeit war, so z. B. im Textilhandel, im Weinhandel und im Schuhhandel. Am Engroshandel nach den Balkanländern, an der , Kleider konfektion und an der Leder Warenerzeugung waren jüdische Kaufleute führend beteiligt. Andere große Zweige handelsmäßiger Betätigung waren im Absterben begriffen, so daß der Prozeß der Abdrängung ehemals selbständiger Geschäftsleute in unselbständige Berufe von Jahr zu Jahr fortschritt. Dies ist beispielsweise im Ratenhandel, der früher ganz in jüdischen Hnden lag, der Fall. Seit Jahren verkaufte die Stadt Wien Gas- und Elektrizitätsapparate, Oefen, Fliesen, Wandverkleidungen und andere' Produkte in eigener Regie. Dazu kam die vorherrschende Tendenz der Gesetzgebung und Verwaltungspraxis.' man durfte die Ware nicht anbieten, nicht ins Haus schicken, neue Lizenzen wurden nicht erteilt. Die Wiener Bankinstitute beschäftigten im Jahre 1910 insgesamt 25 000 Angestellte, davon mehr als die Hälfte Juden. 1935 hatten sich am Ende eines beispiellosen Schrumpfungsprozesses vier Großbanken erhalten, die 3141 Beamte, darunter 819 jüdische, beschäftigten. Im Schankgewerbe, das in früheren Zeiten sehr weitgehend jüdisch gewesen ist, waren 1935 nur mehr 183 jüdische Betriebe unter insgesamt 3860 zu verzeichnen, .- Der Bericht, den Präsidium und Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien über die Tätigkeit in den Jahren 1933—1936 vorlegen, läßt erkennen, welche mannigfache Arbeit die Gemeinde auf dem Gebiet der Fürsorge zu leisten hatte. Die Zahl der Fürsorgeakten, welche ungefähr der Zahl der befürsorgten Familien entspricht, betrug 23 000, die Zahl der befürsorgten Personen 60 000, also rund ein Drittel der jüdischen Bevölkerung. Da die Steuerstatistik rund 45 000 Erwerbstätige ausweist, bleibt eine Restzahl von ungefähr 70 000 Kindern, nicht befürsorgten und nicht erwerbstätigen Frauen, Studenten, Greisen und ähnlichen Personenkategorien übrig. Seit Jahrzehnten besteht in Wien ein „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis", bei dem z. B. im ersten Halbjahr 1936 1649 Stellengesuchen 1104 Stellenangeboten gegenüberstanden und 569 Vermittlungen getätigt wurden. Während aber die Hälfte der nachsuchenden Mädchen und Frauen, vor allem in Haushaltstellen, untergebracht werden konnte, waren es bei den Männern kaum mehr als 15 Proz., und von diesen wieder beinahe ein Drittel in gewerblichen und industriellen Berufen. Dagegen war die Zahl der jüdischen Studenten an der Universität von 1925/26 bis 1936/37 bei gestiegener Gesamtstudentenzahl an der juristischen Fakultät von 669 auf 251, an der philosophischen von 774 auf 416 zurückgegangen, während an der medizini- Wanderlager rings um das Heiligtum Israels .Wanderung und Lagerordnung, mit denen schön der erste Abschnitt des vierten Buches begonnen hat, finden in der heutigen Sidra ihre Fortsetzung.' Midi-aseh weiß, daß JVlosche nicht ohne Zittern und Beben den Auftrag entgegennahm, Israels Wanderlager nach Stämmen, Fahnen und Farben zu ordnen. „Ich. konnte auf Dein Geheiß Meere spalten," sprach Mosche besorgt, „wie sollte ich aber das Wunder vollbringen, Reuben oder Jehuda zu bewegen, daß sie ohne Widerspruch den Platz im Osten oder im Westen einnehmen?" ,,Keine Sorge!" beruhigte ihn G'tt. bmaKtt srn »f>wi „Wie die Söhne einst das Sterbelager und das Totenbett Vater Jakobs umstanden, so werden sich jetzt Jakobs Stämme um die heiligeLade gruppieren. Jeder findet' sich von selbst zu seinem Platze, der ihm vom Vater -her angewiesen ist." Darum lesen wir auch am Eingänge des Kapitels »ber die Lager- und Fahnenordnung (M.II Kap. 2,2); um nnia» wib y>io bmw >aa'tatr D/na« /ra> mmi» i*:n w* ..Jedermann bei seiner Fahne; nach dem Zeichen aus. dem Vaterhause lagern die Söhne Israels rings um das Heilige Zelt". Vaterhaus: und Heiligtum, Pietät und frommer Glaube, waren und sind zwei der Grundpfeiler, die das Haus Israels bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Wie oft war es leider so, daß sich Brüder vom Heiligtum entfernt, sich weitab vom Bundesgesetze bewegten, und sich nur von Zeit zu Zeit von Gefühlen der Pietät (an Jahrzeitstagen, an gehobenen Festen) zum Heiligtum leiten ließen! Das war nicht zu billigen, aber auch diese dünnen Fäden, die entfremdete Brüder mit dem Vaterhause noch notdürftig verbanden, durften nicht durchschnitten werden. Gemeinden lösen sich auf, ihre Mitglieder nehmen Abschied von der heiligen Erde, die auch die Gebeine ihrer Väter und Urväter birgt, für immer, um sich Israels Galuthmarsch nach neuen Richtungen einzureihen. Mögen die Menschen doch ihr Heiligtum mit in die neue Heimat tragen, und .wissen, daß, wohin sie auch kommen und wo sie auch landen, des Vaters Hand ihnen den Platz in G'ttes Haus anweist. Historische Notizen, 1839 kam aus Bialistok Samuel S a 1 a n t, ein kleiner, schmächtiger, . 26jähriger Mann, aber von imponierendem Aeußeren, großer Energie, wunderbarem Gedächtnis und hervorragendem jüdischen Wissen, nach Jerusalem. Der damalige Jerusalemer OberrabbXner Auerbach machte ihn zum Dajan. Als A. wenige Jahre später starb, wurde S. sein Nachfolger. Fast 70 Jahre war er der Leiter der Gemeinde; nichts geschah ohne ihn, alles ging durch seine Hand. Bis zu seinem Tode — August 1909 — verließen ihn nicht seine! Geisteskräfte. In den letzten zwei Jahren seines Lebens konnte er nicht mehr sehen. * * David von Gutmann, Präsident der Israelitischen Allianz in Wien, stellte in seinen großen Industriebetrieben keine Juden an. In den ihm und Baron Rothschild gehörenden Wilkowitzer Werken gab es im Jahre 1909 unter 465 Angestellten nur noch 26 Juden. Eine jüdische Zeitung bemerkte damals zu dieser Meldung; „Die jüdische Welt dünkt einem heute manchmal durch ihre Vernunftwidrigkeiten als ein Irrenhaus. Rechtsanwälte, Aerzte, Großkaufleute, bar jeglichen jüdischen Wissens, leiten häufig ihr Geschick. Darunter sind viele, die, um ihr Judentum zu verbergen, in ihren Unternehmungen nicht gern oder sogar gar nicht Juden anstellen." * * - ■' Der bedeutende Nationalökonom David Ricardo trat 1819 ins englische Parlament ein, aber vorher aus dem Judentum aus. Vor ihm saß Lord George Gordon, der Führer der „No Popery"-Bewegung von 1780, ein Christ, im Parlament, der später Jude wurde. Baron Lionel de R o t h s c h i 1 d war der erste jüdische Parlamentarier, Er mußte, da er den christlichen Eid nicht leistete, elf Jahre warten, bis er seinen Sitz einnehmen konnte. Vorher hatte Sir David Salomons ohne Eid seinen Sitz eingenommen und eine bedeutende Rede gehalten sowie in Kommissionen mitgearbeitet, wurde aber wegen der Nichteidesleistung bestraft. Sir George .J e s s e 1 war der erste Jude in einem Staatsposten Englands, Lord Rothschild der erste Jude im Hause der Lords. S. G.