Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-06-16 · Heft 24 (16.6.1938) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 24 (16.6.1938)
Date
1938-06-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451035--83778-2541802
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

und Institutionen ausführen, die sich dafür ihren Sitz in der Leitung gesichert haben. So werden die Fehler, über die geklagt wird, (viele jüdische Geschäftsleute sollen infolge der Unzuträglichkeiten wieder den Haifaer, ja sogar auf Umwegen den Jaffaer Hafen benutzen), auf die Leitung oder richtiger auf den Mangel' an einer Oberleitung zurückgeführt. Wir möchten bei der Gelegenheit daran erinnern, daß als vor einiger Zeit von orthodoxen und bürgerlichen Seite über Aus- und Verladungen am Sabbat im Tel Awiwer Hafen Klage geführt wurde, der verantwortliche Hafenkommissar die Sabbatarbett mit der Hochsaison des Orangentransportes erklärte und in einer diktatorischen Anwandlung weiter verfügte daß, solange er an der Spitze des Hafens stehe, Arbeit nicht „durch den Fanatismus der Sabbatfreunde" beeinträchtigt werden würde. Wir wissen nicht, ob sich solche Mißstände seitdem wiederholt haben, jenes eigenmächtige Vorgehen und die Sprache des heute noch seines hohen Amtes waltenden Beamten zeigt abef zur Genüge, daß dia Klagen der nationalen Presse über Mangel an Leitung und Aufsicht im Tel Awiwer Hafen mehr als berechtigtsind. * * * Das übliche Memorandum der Jewish Agency an die Pelrmanente Mandatskommission des Völkerbundes über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheimes wurde, wie bereits in jüngster Nummer berichtet, abgefaßt und der genannten Stelle überreicht. Auch darin bleibt man sich der Traditiorit reu, daß man dem Berichte einen Brief des Präsidenten der J. A., Dr. Weizmann, anhängt. Man muß schon großer Meister der Beschränkung sein, um in solchen Briefen und Berichten aus der unheimlichen Fülle des angesammelten Materials das herauszugreifen, was für uns lebenswichtig ist und es in konzentrierter, übersichtlicher Weise, als Unterläge für Verhandlungen zu Papier zu bringen. Ob dieses Meisterstück im vorliegenden Memorandum und Begleitschreiben gelungen ist oder nicht, wollen wir hier nicht beurteilen. Ein Bild der jüdischen Lage, der jüdischen Sorgen und Wünsche bietet das Dokument auf alle Fälle. Es wird im Schreiben Weizmanns das Zögern und Zaudern der Regierung bei ihren Entscheidungen in und über Palästina festgestellt und auf die Unhaltbarkeit der Situation der Ungewißheit hingewiesen. Selbstverständlich wird gegen die Einwanderungsbeschränkung mit triftigen, von keinem zu bestreitenden Argumenten protestiert. Die jüdische Hilfspolizei, so heißt es im Briefe, habe sich in schwerer gefahrvoller Zeit so glänzend bewährt, daß man ihre Vermehrung und Verstärkung erhoffen müsse. Gewünscht wird eine autoritative Neuinterpretation des Art. 18 des Mandates, die Palästina in die Lage versetzte, seine eigenen Handelsverbindungen mit anderen Ländern zu unterhalten. Man dürfe mit einem Entschluß in diesem Punkte bis zur definitiven Entscheidung überr die politische Zukunft des Landes nicht warten. Den Appell der J. A. an die Regierung, größere und bessere Entwicklungsmöglichkeiten für den jüdischen Aufbau im Lande zu schaffen, wird jeder Jude, auch derjenige, der sich weltanschaulich vom Zionismus weltenfern fühlt, unterschreiben müssen. Das Memora n d umselbst schildert die letzte Krise in ihren Entstehungsursachen und Auswirkung gen. Es entwirft ein Bild über die Arbeitslage, über den Stand der Finanzen usw. Da wo die Ziffern über die Erziehung angeführt werden, hätten wir im orthodoxen. Kreise manches zu bemerken und einzuwenden, manche Sonderwünsche anzumelden. Die Leitung der organisier-, ten Orthodoxie hat es bei passender Gelegenheit an zuständiger Stelle getan und tut es immer wieder, so daß sich in diesem Zusammenhange erübrigt, noch ein Wort darüber zu verlieren. SCHMITTA IN DER WELT. Mit- und Rückwirkungen des Aufrufes zur Schmittaaktion. Als wir vor einigen Wochen zum Schmittawochenabschnitt in einer Sondernummer die jüdische Welt zur Mitarbeit am Keren Hajischuw und, innerhalb desselben, an der Schmittaaktion aufriefen, konnte man im Zweifel sein, ob der Ruf bei der heutigen Situation auch die nötige Resonanz und das richtige Echo finden, ob er nicht im weiten öden Gelände der jüdischen Sorgen verhallen würde. Indes ersehen wir aus den Berichten und jüdischen Zeitungen, die uns aus aller Welt zugehen, daß wir mit unseren Ausführungen in jener Nummer einerseits genau die Gedankengänge unserer Gesinnungsfreunde anderorts wiedergegeben haben und daß unser Weckruf in vielen Ländern von Ost und West Kundgebungen, Sammlungen und Aktionen ausgelöst hat, die uns wieder einmal die tröstliche Gewißheit geben, daß ^m^1» p1?« In Deutschland. Fast in allen orthodoxen Synagogen wurden am Sabbat *vn alle Einkünfte für die Mizwoth und reichen Spendengelder dem Schmittaf o n d s zugeführt. Am Schowuausfeste nahmen die Rabbinen Veranlassung, ihre. Gemeinden für die Unterstützung der Schmittahaltenden in Erez Israel zu erwärmen. In der vollgefüllten Synagoge der Frankfurter Israelitischen R e 1 i g i o n s g e s e 11 s c h a f t, Friedbergeranlage, stellte Herr Gemeinderabbiner J. Horovitz den Schmittagedanken mit in den Mittelpunkt seiner Festpredigt und legte jedem Gemeindemitgliede die Pflicht ans Herz, sich an dem Keren Haschmitta zu beteiligen. Hier wie in anderen Gemeinden stellte sich ein großer Stab aus der jüngsten Agudageneration in den Dienst der Sammelaktion und brachte ansehnliche Beträge ein. In Polen. Aus Polen liegt uns das Siwan-Bullet i n des polnischen Keren Hajischuw-Direktoriums vor, das auf der ersten Seite einen Aufruf an alle Keren Haschmitta-Komitees im Lande enthält, aus dem zu ersehen ist, wie zielbewußt, wohlbedacht und organisatorisch vollkommen die Arbeit für die Schmittaaktion in Polen durchgeführt wurde. Der offiziellen Bekanntmachung schließt sich eine Aeußerung vom Gaon unserer Zeit, Rabbi Chaim Oser Grodzenski in W i 1 n a , an, in der seine Freude ob „des Restes im heiligen Lande, der die heiligen Belange hütet", sich deutlich widerspiegelt, zugleich aber die Hoffnung, daß "das ganze Volk der Thora „in diesen Auserwählten ihre Vertreter und Sendboten sehen" und dementsprechend unterstützen wird Im gleichen Hefte sind auch die Resolutionen des Zentralrates der polnischenAgudas Jisroel, der, wie berichtet, vor kurzem in Warschau egtagt hat, veröffentlicht. In der Resolution über Keren Haschmitta wird der ganze Monat-Siwan als Sammelmonat für die Schmittaaktion proklamiert. Man ersieht aus den Mitteilungen, welch weiten Raum die Schmittaangelegenheit in den Verhandlungen des Zentralrates eingenommen hat. Viele Teilnehmer) unter ihnen Rabbinen von Ruf, gelobten unter dem Eindruck der Verhandlungen, bei ihrer Heimkehr ihre ganze Kraft zugunsten der Schmittaaktion einzusetzen. In Litauen. Aus Litauen liegt uns ein Plakat unter dem Titel „Keren Haschmitta" vor. Der erste hebräische Aufruf schließt mit folgenden Worten: „Alle G'ttesfürchtigeti, alle die an G'tt und seine Thora glauben und von dem Gedanken durchdrungen sind, daß rwi^ai yStfrl n*?i daß G'tt die Erde, und was sie füllt, gehört, sind gehalten und verpflichtet, diesem heiligen Zwecke beizusteuern/-Das Fest der ^Gesetzgebung bietet—die geeignete Gelegenheit, ein Gesetz der Thörä, das Gefahr lief, im Galuth in Vergessenheit zu geraten, in seine alten Rechte einzusetzen." •Dem wirkungsvollen Appell schließt sich eine Aufforderung des A g u d a t h Haraban i m in Litauen an alle Rabbinen der litauischen Gemeinde an, die Gemeindemitglieder für den Schmittagedanken und die Schmittaaktion so zu erwärmen, daß sich das Interesse in tätige Hilfsarbeit umsetzt. Wertvolle Dokumente auch über den zeitlichen Anlaß hinaus sind die in der Kundgebung veröffentlichen Briefe der rabbinischen Führer in Litauen, an deren Spitze das Schreiben vom Kownoer Raw, Oberrabbiner Bär Sc h a - p i r o. Er nennt, wie die anderen Großen (siehe unseren Leitartikel in Nummer 20) die Schar der Schmittahaltenden in Erez Israel rp "Hiax "H3*7 f er nennt sie auch ni*1 "man, da sie Geist vom Geiste jener Helden seien, die es allezeit verstanden, all ihre materiellen Interessen ihren geistigen und Thoraidealen zu opfern Von den weiteren bekannten litauischen Rabbinen kommen der Telser RaWj R. Abraham Jizchok Bloch, Rabbi J. Backst in Schaulen, die Rabbinen von Kaidanny, Janowa, Kibarti und Rabbi Hirschowitz aus Wirballen in ähnlichem Sinne zu Worte. Neben diesen großen „Litauern" sprechen aber aus dem Plakate zur litauischen Judenheit auch R/ Chaim Oser, Wilna, Oberrabb. Duschinski, Jerusalem und die beiden Oberrabbiner von Tel Awiw, Rabbi Amiel und U s i e 1, in Aufrufen, die wir bereits in anderem Zusammenhange dem Sinne oder dem Wortlaute nach wiedergegeben haben. Zi erwähnen ist auch eine Aktion für Keren Haschmitta. die die Agudas Jisroel in Lettland mit bestem Erfolg durchgeführt hat. In den westlichen Ländern. Die Pariser Aguda veranstaltete zu Schowuaus sinnige „Blumengrüße" zugunsten der Schmittaaktion des Keren Hajischuw. Das beigelegte anmutige Kärtchen hat folgenden Wortlaut: Le Keren. Hayishouv-Fonds „Pro Palestine" se pennet de yous offrir ces roses ä l'occäsion de la fete de Chabouoth - fete des fleurs. II serait heureux si, lors de la distribution de vos dons en faveur des oeuvres, vous vouliez egalement penser au KEREN-HAYISHOUV, lequel, en Terre Sainte, dans" ses institutions et ses cölonies, veille au maüntien de la Thora. Les dons peuvent etre adresses ä M. le Rabbin S. Langer, 31, Rue de Montevideo ou ä M. le Rabbin E. Münk, 18, Rue Notre-Dame de Lorette. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß Dr. Isaac Breuer unmittelbar nach dem Schowuausfeste wiederum eine P r o p a g and are isc nach der Gola angetreten hat und in den nächsten Wochen in der Schweiz und anderen Ländern Westeuropas für den Keren Hajischuw tätig sein wird. Man darf hoffen, daß nach all dem, was hier berichtet werden konnte, der Boden in Europa für die aufopfernde Arbeit Isaac Breuers genügend aufgelockert ist. Alles in allem wird die Tätigkeit des Keren Hajischuw in dem Schmittajahre 5698 ein Ruhmesblatt in der Geschichte der organisierten Oj> thodoxie ausmachen, ein Ruhmesblatt in einem düsteren Kapitel der jüdischen Gegenwartsgeschichte schlechthin. Zur Struktur der jüdischen Bevölkerung in Wien. Von Dr. Werner Cahnmann in München«*) Die heutige Israelitische Kultusgememde Wien, mit rund 170.000 Menschen die größte deutschsprachige der Welt, ist aus sehr verschiedenen Gruppen entstanden. Den Kern bildeten vor 100 Jahren privilegierte Hofjudenfamilien, und um sie herum gruppierten sich kleinere und *) Aus dem letzten Hefte der „Jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", Berlin., mittlere Kaufleute und Agenten aller Art, die den deutschsprachigen, wenn auch häufig in slawisch oder madjarisch sprechenden Gegenden gelegenen Judengemeinden Böhmens,- Mährens und Ungarns entstammten. Doch blieb die Gej meinde zunächst klein,' sie zählte im Jahre 1857 erst 6000 Seelen, d... h. kaum 2 Proz* der Gesamtbevölkerüng. Im Jahre 1880 dagegen hatte sie schon die Zahl von 72 000 Seelen erreicht und umfaßte mehr als 10 Proz. der Gesamtbevölke-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.