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Der Israelit · 1938-06-09 · Heft 23 (9.6.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 23 (9.6.1938)
Date
1938-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 23 Der Israelit 9. Juni'?1938 Rabbiner Dr, Hahn (Essen) sprach dann über „Für und wider eine jüdische Theologie", wobei er die Stellung der jüdischen Richtungen zu einer jü dischen Theologie aufzeigte, die aber alle die Notwendigkeit einer Theologie anerkennen. Der Referent grenzte dann die Theologie gegen die Religionsphilosophie ab und wies als Zentralpunkte einer jüdischen Theologie die Offenbarung und die Prophetie nach. An der Aussprache beteiligten sich die Rabbiner Dr. Eschelbacher, Philipp, Bayer, Schönberger und Neumark. Als letzter Referent sprach Bezirksrabbiner Dr. Auerbach (Recklinghausen) über „Din berachah Vissure achila" und^ zeigte die Entwicklung dieses Din von den talmudischen Quellen bis zu den jüngsten Dezisoren, unter denen besonders die für die Praxis wichtige Entscheidung des Aruch haschulchan hervorzuheben ist. Planmäßige Emigration. Wien, 3. Juni. Die Auswanderungsabteilung der Israelitischen Kulturgemeinde gibt folgendes bekannt: 1. Mit der Durchführung der planmäßigen jüdischen Emigration aus Deutsehösterreieh sind von der zuständigen Behörde beauftragt worden.' a) Für Wanderung nach allen Ländern mit Ausnahme Palästinas die Auswanderungs-Abteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I, Seitenstetten - gasse 2—4. b) Für die Auswanderung flach Palästina; Das Palästinaamt in Wien, I, Marc Aurelstr. 5, 2. Zur Erfassung aller auswanderungsbereiten Juden ist die Ausfüllung des von der Auswanderungs- Abteilung der Kultusgemeinde ausgegebenen Fragebogens notwendig. Diese Fragebogen sind unentgeltlich im Hause Wien I, Seitettstettcngässa 4, pt., orhältlich, woselbst auch die ausgefüllten Bogen abzugeben sind. 3. Die Behandlung der bereits über 25.000 eingereichten Fragebogen kann naturgemäß nur allmählich erfolgen, Gegenwärtig hat eine persönliche Vorspräche im Amte nur für solche Parteien Zweck, die bereits eine Einreisebewilligung in irgend ein Land besitzen. In diesem Falle sind alle erforderlichen Dokumente und Nachweise mitzubringen. Parteienverkehr bei dieser Sektion der Auswanderungsabteilung täglich von 9—1 Uhr. ..,.u,s^_ Nach weiteren Fingerzeigen übeKqEtawäit^ojhlsmöglichkeiten^ undj^^e^fsberottxu^ heißt-es1 in der Kun^d^ebung^r7'vpvv-f"" "' -?asU T^cödis öjtirchfuhrung einer planmäßigen Emigra- ■ loh^sjotwie* im Interesse der Auswanderer selbst wird vor einer überstürzten Liquidierung von Vermögenschaften, beaw. Geschäften dringendste gewarnt. Die Auswanderer sollten erst dann allfällige, nicht mitzunehmende Vermögensteile veräußern, sobald es endgültig feststeht, daß sie in absehbarer Zeit auswandern können. Welche Bestimmungen hinsichtlich einer Ueberführung von Geld oder Waren ins Ausreiseland in Anwendung kommen werden, wird erst nach Erlassung der bezüglichen gesetzlichen Anordnungen bekannt sein. Alle Auswandernden werden gebeten, vor ihrer Abreise bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Meldung über ihre Auswanderung zu erstatten, gleichgültig, ob 2u dieser die Hilfe der Kuitusgemeinde in Anspruchgenommen wurde oder nicht. Ausbildungsstätte iür Emigranten. Wien, 2. Juni. Prof. Norman B entwich, der Vertreter des Council for Germ an J e w r y aus London hat in einem Interview in Wienmitgeteilt, daß der Bürgermeister von Wien, Neubacher, jede mögliche städtische Unterstützung in Aussicht stellte zur Er» richtung von jüdischen Ausbildungsstätten für Emigranten. Bis zur Errichtung dieser Ausbildungsstätten für jugendliche Auswanderer in Wien selber werden wahrscheinlich etwa 200 junge jüdische Leute nach verschiedenen jüdischen Ausbildungsstätten der Reiehsvertretung in Deutschland geschickt werden. Die Kultusgemeinde hat ein Stück Land bei Wien zur Verfügung gestellt, um eine Hachscharah für Landwirtschaft einzurichten, während eine ziemlich umfangreiche Fabrik in Wien zur Verfügung der Gemeinde gestellt wurde, um einige hundert Juden während dieses Sommers handwerklich auszubilden. Es sei indessen nicht möglich, das Budget für das Auswanderungswerk aufzustellen, bevor die nötigen Unterlagen dafür beschäfft sind. Im Palästina- Amt warte man sehnsüchtig auf die vom Council for German Jewry versprochenen 200 Sonder-Zertifikate für Palästina. Polen. Massenauswanderung von Juden aus Polen. Warschau, 2. Juni, Eine von dem Generalrat der jüngst gegründeten polnischen Arbeiterpartei, unter deren Förderen sich auch der berühmte ehemalige Ministerpräsident P a - derewski befindet, gefaßte Resolution verlangt die Massenauswanderu n g von Juden aus Polen. Der Generalrat verwirft jede gewaltsam« Lösung der Judenfrage in Polen, erhebt aber die Forderung, daß die Position der Juden im ökonomischen Leben und in den freien Berufen zurückgedrängt werden müsse. Eine Rekonstruktion der-ökonomischen Verhältnisse Polens sei nur durch eine starke Auswanderung der jüdischen Elemente möglich. Dieses Progranlm müsse mit Hilfe der Regierung und auf^.dem Wege diploniaiischgr Aktionen - ausgeführt 'werden': Antijüdisch?. B"«olütitfh^''Wurden auch vom internaftignale^ Aerzteyefbandy von' der Association jüngerer Anwälte' und-^von den Reverseoffizieren gefaßt. * *. * Warschau, 3. Juni. Der „Club der jüdischen Abgeordneten". nimmt in einer Öffentlichen Erklärung zu einer Resolution, die der Vorstand des „Lagers der nationalen Einigung" gefaßt hat, Stellung. Die Unterzeichner des1'Aufrufes erklären, daß sie mit allen ihnen zur Verfügung siez henden gesetzlichen Mitteln gegen die geplanten Ge-' setzentwürfe gegen die jüdische Minderheit auftreten würden. Ministerpräsident Slawoj Skladkowski empfing eine Abordnung jüdischer Parlamentarier, deren Sprecher die Abgeordneten Dr. Emil Sommerstein, Rabbiner Rubinstein und Leib Minzberg waren. Der Ministerpräsident. erklärte, daß die Resolution nicht von der Regierung, sondern vom Lager der nationalen Einigung gefaßt worden sei. Der Berichterstatter zur Judenfrage in jener Sitzung, Stanislaw Paprocki, habedort nicht als Chef der Nationalitätenabteilung des Kabinetts, sondern als Privatmann gesprochen. Auf einer Sitzung des; polnischen H a u s b,e s i tzervereins, auf der 200 Delegierte anwesend wa*, ren, wurde, nachdem die 40 jüdischen, Vertreter zum Zeichen des Protestes den Saal verlassen hatten, der Arierparagraph einstimmig angenommen. Von 50 studentischen Korporationen der Universität W i 1 n a unterschrieben nur 20 eine Eingabe an den Rektor für die Einführung des Numerus riullus. Das Sekretariat der Universität lehnte, die, Annahme der Eingabe ab. __ Tschechoslovakei. Jüdische Mandate im Prager Stadtrate, Pr ag , 2. Juni. Bei den Gemeindewahlen trat von jüdischer Seite nur die „Jüdische Partei" mit einer eigenen Liste auf, die zwei Abgeordnete für das Prager Stadtparlament durchbrachte und zwar Ingenieur. Oskar Aschermann und Dr. Frantisek. Friedmann, - England. Jewish Agency an die Mandatskommission.' London, 3, Juni. Durch Vermittlung des Gberkömniissafs; von^Palästina hat die Exekutive der Jewish Agency der Mandatskommission des Völkerbundes den Jahresbericht über die Entwicklung des jüdischen Nationalheims für das Jahr 1937 übemittelt., Aehnliah wie ui den. .vergangenen Jahren leitet diesen Bericht ein^ Brief des Präsidenten der Jewish Agency, Dr. W e i z nrä n n , ein, welcher die wichtigsten. palästinensischen Fragen bespricht und die Forderungen der Jewish Agency. ..gegenüber der engliScfieX'Reg^rlmg^^'^er rMaridatsjmacht des Völkerbundes über Palästina formuliert. In der: Hauptsache wird freie Einwanderung in Palästina gefordert. London über die Technische Kommission. - , . - Ld h.dp n,,3. Juni. -In Londoner offiziellen Kreisen sind die ersten: in» offiziellen Meldungen über, die .Kommission eingelangt, die sich jetzt in Erez Israel aufhält, Sie besagen, daß die ganze Atmosphäre im . Lande g e g e.n d i e Teilung ist. Alle Teile blicken mit Haß auf diesen Gedanken der .Teilung -dejä." äelUgen„L^ände8..:Maii erwartet keinen allzuöptimisflscheh offiziellen, Bericht .seitens "jdfer Kommission; . . Es kursieren Meldungen im - Parlament, daß der neue Kolonienminister deutlich zu verstehen gegeben habe, daß wie immer der Bericht dei* Kommission ausfallen^ er einen Alternativ-Vorschlag zu m Peel - P1 ä n darstellen, werde. Um die Teiluhgs-Arihänger' zu beruhigen, wird man ihnen mitteilen, daß es fünf Jähre. dauern, werde, ehe Ordnung und Ruhe im Lände hergestellt sein werden. Nachher werde man eben erst sehen . . . Die Aussichten sind jetzt sehr'groß, daß der Peel- Plan spurlos von der Arena der Politik verschwinde^ Die Ewigkeit unserer Aufgabe. (Schowuausnachklang.) Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Wie wir Tag für Tag, wenn die Sonne sich zu neuem Glänzen und Strahlen erhebt, dem Weltenschöpfer zujubeln und ihn preisen als den, der das Schöpfungswerk immer wieder neu gestaltet, so jauchzt unsere jüdische Seele mit jedem Tage neu Ihm dem himmlischen Vater, zu, ua *ina *it?s, der uns erwählt hat, der aus der Tiefe der mizraitischeri Sklaverei zum Sendboten seines . erhabenen. Willens. uns erhoben und damit unserer nationalen Bestimm rr ung einen erhabenen Inhalt und einen weihenden Sinn verliehen. Wie schlagen vollends am Tage vom Sinai so voll unsere Pulse und jubeln wir mit jeder Fiber und Faser unseres Herzens, daß wir gewürdigt worden sind, die Lichtfackel vom' Sinai durch alle Zeiten und Geschlechter fortzutragen, daß sich an ihr alle Herzen entzünden und „die Erde voll werde der Erkenntnis G'ttes, wie Wasser die Mee- 1 restiefe bedecken." Wir zählten nun wieder dem Feste der Gesetzgebung entgegen, in froher Erwär-.' tung der heiligen Botschaft, die es uns von neüem kündet und zum Inhalt unseres ^eins, unseres Lebens und Webens macht. Und nun die Tage des1 Sehnens und Hoffens vorüber'waren und wir wieder ' im Geiste uns um den G'ttesberg scharten, da war es uns, als hörten wir selber das Wort, das über alle Zeiten und Nöte des Daseins Israel trägt und hält, erhebt und weiht: „ '338 „Ich bin!" Ich, der Urgrund alles Seins, der ewig Unveränderliche, alle Wesen., und Geschlechter formend und..gestaltende alle Zeiten durchdringend und überdauernd, — Ich, eines jeden Erdenkindes Schöpfer und Erhalter und Erlöser aus Not und Gefahr, bin es, der dich- Israel berufen, dem deine Ahnen sich hingegeben und geweiht und damit die Saatenkeime der Treue und Hingebung in ihr Volk hineingesenkt, daß es würdig bleibe seiner Erlösung und Erwählung. Dieses ''SSK das zuersf am Sinai durch die Lüfte drang, vor dem die Natur wie gebannt in Ehrfurcht erschauernd ihren Atem anhielt, dieser n;e verhallende Ruf von Gi'ttes alles bezwingender Majestät wird von unsern Alten gedeutet rrnni p^V als unversiegbarer Quell des Trostes und der Zuversicht.. Am Feste der Offenbarung erneuerten wir frohen Herzens den. Treueschwur jun.- Iserer Ahnen und sprachen wir. mit dem Propheten: '131 nrVy« 'na 'JK! „Ich jauchze im Allgütigen und jubele im G'tte meiner Hilfe!" Wir überdenken unsere Bestimmung und verwinden aües Lei6L-und;.al.le; Sorge im Glauben an Ihn, der uns gerufen, und "es wachsen die Flügel unserer Kraft rund gestärkt wird unser Wille zum Judentum, das Sinngebung unseres Schicksals ist und Läuterungsquell unseres Wirkens und; Schaffens bleiben soll. Un^ere^^HE^^wählun^'^^bel^^n^t die Heiligung unseres .Levens'. tind; :.die-.Yeredlung\un- . seres irdischen .Schaffens und Wirkens. - .! ,-; .; Ein. jedes Volk hat seine Bestimmung,,.die, ihm vom Weltenlenker zugewiesen. Israel .soll. «als. Priester, des Herrn heiligen Dienst am Altäre 'Menschheit,: verrichten,, als »lip »tto/ein. Volle,-, das sich dem fiel- , Ilgen weiht, durch ein Lehen'der^ajxrheit^ünd Rein-, : heit >"für t die .Heiligung, des,, g'ttlich^n; Naniens. ,auj,. Erden werben. Das .ist u.niere/^u/ga'be^^uhd j^fegfie . Verpflichtung, die nimmer aufhört und nicht an Raum und Zeit geknüpft ist. Wie vu» von Ewigkeit zu Ewigkeit währt, so ist unsere Aufgabefür die Ewigkeit der Zeiten und macht uns zum ta» e£w, zum Volke, das alle Geschlechter überdauert und alle Stürme überwindet.. Des wurden wir uns am Feste von neuem bewußt. Wo uns des- Herrn Wille auch verpflanzt, wo wir auch unsere neuje Zukunft uns zu bauen haben, e i n e:s; sollen wir unverändert als. unsern Stab und wie unsern Talisman mit uns führen: das Bewußtsein unserer ewigen Verpflichtung, denr Herrn in Treue zu dienen und' vorbildlich zu bleiben im Ringen nach der Verwirklichung unserer jüdischen Ideale, >Das ist.;die i heilige Verkündigung "?rr innnsa pi?} „Der Gerechte lebt, inseiner - Treue". r Treue^.um Treue, das bleibt unsere Aufgabe, unsere-Zuversicht und unser Läuterungs-. quell. ________ ... Wochenkalender. Vom II. — 18. Juni 1938 / Vom 12. — 19. Siwjjo 5698 o W S|i ■ .... ,. J yttTr. va 'K j?ns;ÄtM;natfr Samstag ' 11 12 i T3 '• Sonntag 12 13 13 m V -. ' . --.■!_. Montag 14 m '< Dienstag < Juni H P'0 15 -0. :!"{["!.';<- iJ Mittwoch 15 i6 'K0- - ' : - : i- '. 'j ■: ■ tu Donnerstag 16 17 ■' 30 ' ' S ' i'j Freitag 17 18 30 Samstag 18 •' ' '■ u 19 .'-TO'/ "t <i qnVfoa'rav ■! .. .—;- . :-• j-" . 'z ■ ■■ i -. ■; -.r-io d .

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