Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1938)
- Date
- 1938-06-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr, 22 schick und feinem Verständnis das Material zu sammeln und zu deuten verstand; wir sehen in ihm (besonders in Band I) an vielen Stellen die Quelle, aus der die Paitanim das Material für ihre synagogalen Dichtungen schöpften. Die späteren Bände enthalten^ meistens Beiträge zu den Themen, die auch die Apokryphen zum Gegenstand haben. — Damit daß das jedem der sechs Teile vorangestellte Vorwort in die Neuauflage mit übernommen wurde, gewinnen wir Einblick in die Werkstatt des Herausgebers. Der bitteren Klage des noch jungen Jellinek gegenüber (in Band III), daß die Gelehrten seinerzeit seine Arbeit nicht genügend unterstützten, (das hat Jellinek durch seine religiöse Einstellung selbst verschuldet. D. Red,) mutet das Unternehmen der heutigen Verleger als ein Versuch an, die Schuld wieder gut zu machen. Auch bei diesem Werk sei die technisch sehr gut gelungene Reproduktion (durch Photographie) hervorgehoben. Für die Zukunft möchten wir anregen, besonders bei Neudruck von Standardwerken der Frühzeit jüdischer Wissenschaft, durch ein Wort der Einführung dem Werk von Neuem seinen Platz in der jüdischen Wissenschaft anzuweisen. Eine kurze Uebersicht über die Fortentwicklung der Midraschliteratur könnte auch dem Wissenschaftler ein nützlicher Wegweiser sein. Rabb. Dr. Josef Unna, Ramat Gan. Nach Zion. Der Sarospataker Oberrabbiner Ph. Fischer veröffentlicht Unter obigem Titel, teils in ungarischer, teils in deutscher Sprache, eine Reihe von Aufsätzen, die in ihrem vollen Werte selbst unter den ungarisch verstehenden Lesern nur der wird einschätzen können, der genau die Konstruktion und die Verhältnisse der ungarischen Orthodoxie kennt. Dazu kommt noch, daß der Sarospataker Oberrabb,iner eine zugleich anerkannte und verkannte Persönlichknit ist. Die eine Seite bekämpft seine antichassidische Einstellung, die andere seine strengen Prinzipien bezüglich der Selbständigkeit der Orthodoxie. Andererseits wird aber auch seine Konsequenz allgemein anerkannt. Man weiß, daß schon vor Jahrzehnten Oberrabbiner Fischer den Posten eines ersten G emeinde-Oberr ab b i n e r s hätte bekleiden können. Er zog aber das Leben eines kleinen, auf dem Boden der mm stehenden Kehilla vor, von wo aus er für. die Interessen der Orthodoxie in Wort und Schrift kämpfen konnte. Die offizielle Orthodoxie hat ihm dafür schon vor Jahren gedankt. * * ~ Der erste Teil des Buches führt den Titel „Zionismus" und etnhält Aufsätze über die Stellungnahme zum Zionismus bezw. dessen Organisation. Der Tenor seiner Ausführungen ist: „Die geistige Konstruktion der zionistischen Organisation widerspricht dem Geiste der min und muß daher von den Thoratreuen abgelehnt werden". Neu für Ungarn ist sein Gedanke, daß sich die Orthodoxie nicht mit negativer Kritik begnügen solle, sondern Aufbauarbeit leisten möge, und es sei die Schuld der Orthodoxie, daß nicht für Ansiedlung thoratreuer Familien in Erez Israel gesorgt wird. Der zweite Aufsatz „Judenstaat und G'ttesstaat" ist stark von den. Gedankengängen Dr. Isaac Breuers beeinflußt. Im dritten Aufsatz „Pseudoreligiösität und Zionismus" setzt sich Fischer mit dem hebräischen Dichter und Schriftsteller Haaiair auseinander, eigentlich nutzloses Bemühen, da sich diese Seite von Fischer doch nicht wird belehren lassen. Es folgen nun eine Auseinandersetzung über die Stellung der ungarischen Orthodoxie zur Agudohbewegung, ein Nachruf auf den Großwardeiner Raw, eine Antwort an den Soproner Raw. ' Es ist erfreulich,' festzustellen, daß der Verfasser in der ungarischen Landessprache über Themen schreibt, für die das hiesige Publikum, dem es bisher an geeigneten Schriften fehlte, Interesse findet. Weitere Aufsätze des Verfassers nach dieser Richtung werden gleiches Interesse finden. J. K. Vitt na» rvsrnw *xn nj?'s? •nü'affn min .5698 ntfatfi anff -a *^ w i *i» jiaonj Der Verfasser dieser zeitgemäßen Broschüre ist ein Schüler des bekannten Gaons, Rabbi Isser Salman Melzer, des Leiters der großen Ez Chajim- Jeschiwah in Jerusalem. In der übersichtlichsten und präzisesten Form werden in 19 Kapiteln auf knapp 29 Seiten alle Vorschriften der Schmittagesetzgebung zusammengefaßt und durch. Anmerkungen und Quellenangaben in den Einzelheiten klargestellt, wobei man einen klaren Einblick auch in die unter den späteren Dezisoren strittig gebliebenen Fragen erhält. Insbesondere ist dabei die Feststellung interessant, daß, wie es auf Seite 25 Paragraph 87, heißt, auch derjenige, der sich, gestützt auf den Hetter der Gaonim der vorigen Generation im Hinblick auf den großen Geldschaden und auf die Notwendigkeit der Erhaltung der- Kolonisation von der strikten Beobachtung des Schmittojahres dispensiert, doch persönlich, auch nach dem Verkauf des Feldes an den Nichtjuden, nicht verbotene Arbeiten verrichten darf, sondern sich dazu der Vermittlung eines nichtjüdischen Arbeifers bedienen: müsse. Insbesondere gelte dies für biblisch verbotene Feldarbeit. Im letzten Kapitel werden die Vorschriften über hb'nff susamnvengestsllt. Der Verfasser beabsichtigt, den Erlös des Werkchens zur Herausgabe seines im, Manuskript fertiggestellten, bisher aber erst in einem halben Bogen gedruckten größeren Werkes über Trummotß und Masser zu verwenden, und es ist schon darum dem Büchlein dringend ein lebhafter Absatz zu wünschen. Es ist zu beziehen vom Verfasser Chanoch Sundel Großberg in Jerusalem, Altstadt. —m. •DTOnvüVijwr jup-n *)wvo f^n •>-a a n j'di p Zusammengestellt von Nachum Bregner, Lodz. Selbstverlag des Verfassers. Warschau 5697. Der Herausgeber beabsichtigt eine neue umfassende systematische Zusammenstellung aller Midraschim und Agudoth der talmudischen und naehtalmudisehen Literatur, die auf 12 Teile berechnet ist, uns zu geben. Der vorliegende erste Teil, der aus zwei Bänden besteht, behandelt die Schöpfung der Welt und des Menschen. Er zeugt vom enormen Fleiß und emsiger Forscherarbeit. Dem Werke, das die Approbationen vieler Gedolim enthält (u,. a,... der Gerer Rabbi, R. Chajim Oser Grodzenski u. m. a«) geht eine Einleitung über das Wesen der Agada und der midraschischen Literatur voraus, in der die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung über diese Fragen zusammengefaßt sind. Es wäre hier vielleicht am Platze, hinzuweisen, daß die Bacher'sche Definition des Begriffes Agada in der letzten Zeit durch Chaim Tschernowitsch in seinen roVnn nv^w angezweifelt und wohl auch widerlegt wurde. Aus der Aufzählung der Werke, aus denen der Herausgeber geschöpft hat, sieht man, wie umfassend die Quellen für die vorliegende „Encyklopädie der Agada" sind, Der Vorteil dieser Sammlung, dem Bialik'schen Sefer Hagada und anderen ähnlichen Werken gegenüber, die zumeist zu homiletischen Zwecken zusammengestellt wurden, liegt aber nicht nur darin, daß hier ein viel größeres Material zusammengetragen ist, sondern auch in der Tatsache, daß der Verf. mdie Quellen fast lückenlos auswertet, ohne sich durch irgendwelche subjektiven Momente zum Fortlassen irgendwelcher Stellen — wie es z. B. Bialik getan hat —. verleiten zu lassen. Allerdings ist auch dem Verf. hier derselbe Fehler unterlaufen, da er, wenn auch aus begreiflichen Gründen, glaubt, lan'bv nm« fortlassen zu dürfen (vgl. EinL S. 32, § 6). Als weiterer Vorteil ist die Tatsache zu werten, daß alle Aussprüche in der Originalsprache gebracht werden und die Erklärung hierzu aus anerkannten Werken und Kommentaren am Rand hinzugefügt ist. Die Lehrsätze werden vom Verf. systematisch zusammengestellt, so daß fast jeder eine Fortführung der Gedanken, die im Vorangehenden geäußert wurden, bietet und im Folgenden seine Fortsetzung findet. Im Anhang zu jedem Abschnitt finden wir Ausführungen aus den klassischen Werken der nachtalmudischen, halachischen, philosophischen und »m- Literatur, die auf, die im Text zitierten Midraschim Bezug nehmen und so ihre Auswertung erleichtern. Alles in allem muß diese Ausgabe als sehr verdienstvoll angesehen werden; und da sowohl die Ausstattung wie auch der Druck recht gut sind, wollen wir zusammen mit dem Herausgeber hoffen, daß er Gelegenheit zu baldiger Fortführung und Vollendung des Werkes findet: K. Hebrew Union College Annual Volume XII—XIII Cincinnati 1937/38. Das soeben erschienene vorzüglich ausgestattete Werk umfaßt Band 12 und 13 des von dem Hebrew Union College in Cincinnati herausgegebenen Jahrbuches. Ueber 800 Seiten stark, enthält es eine Fülle von Arbeiten aus den verschiedensten jüdischen Wissensgebieten. Allerdings ist ein Teil der Aufsätze bibelkritischer Natur und muß von uns abgelehnt werden. Vieles Neue dagegen, das hier veröffentlicht wird, wird auch der traditionstreue Jude mit großer Freude begrüßen. Eine eingehende Würdigung ist im Rahmen dieser Anzeige unmöglich. Indessen wird das nun folgende Inhaltsverzeichnis bereits genügen, um einen Begriff von der Bedeutung des Werkes zu geben: ' Julian Morgenstern: Arnos Studies, II the Sin of Uzziah, the Festival of Jerobeam, and the Date of Arnos; Israel Eitan S't: A Contribution to Isaiah Exegesis; Joseph Reider: The Etymology of Hebrew mül or mol and its a Bearing pn tmol and 'etmol; Julius Lewy: Lexicographical Notes; Alexander Sperber: Hebrew Based upon Greek and Latin Transliterations; Paul Kahle: The Mishnah Text in Babylonia, II; Sheldon H. Blank: The Death of Zechariah in Rabbinic Literature; Sol Finesinger: Che Custom pf Looking at the Fingernails at the Outgoing of the Sabbath; Georges Vajda: Jeüne Muselman et Jeüne Juif Joshua Finkel: An Arabic Story of Abraham; Jacob Mann: An early Theologico — Polemical Work; Zewi Diesendruck; On the Date of the Completion of the More Nebukim; Jehuda Fries Horeb b^thü p*nn wivaa rnfwm nnrn? Henry Englander: Grammatical Elements and Terminology in Rashi's Commentaries Part II Rashi's , Vowel " Terminology; ^Louis Finkelstein: Fragment. of an unknown Midrash on Deuterönomy; Michael Wilensky: Abötit Manuskripts I a Psalm MS; and its Entries II, has Josef b. Eliezer Hasefardi A Sürename? III Again R. Moses Roti; Israel Beftan: The Sermons .of Isaacs Äramä; Abraham Cronbach: The Me'il Zedakah; Cecil Roth: Supplement to „Some Revolutionary Purims"; Jacob Moses Toledano: ''.nwaDI 'mJD3|?Ra 'p»«tfl?D33?l ■•fu Israel Davidson: A New Supplement to the „Thesaurus of Mediaeval Hebrew Poetry": "Schließlich veröffentlicht David Philipson einen Briefwechsel Zwischen Max Lilienthal und Samuel David Luzatto. ferner einen Brief, den Max Lilienthal an Dr; Loewi, Rabbiner in Fürth, gerichtet hat. ' 'Ml. Beiträge zum Chazarenproblem. Von Maximilian Landau. Stefan Münz, Jüdischer Buchverlag und Buchvertrieb, Breslau. (Zu den Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums' Nr.-43.) Ueber das Chazarenproblem ist bereits in wissenschaftlicher und dichterischer Form viel geschrieben worden. (Es sei u. a. auch Schachnowitz: „Im Judeni Staate der Chasaren" erwähnt.) Die von Maximilian | Landau zum Thema gelieferten Beiträge werden dem j Historiker wie dem Dichter wertvolle Unterlagen i bieten. Mit der Landau eigenen Gründlichkeit prüft er die Echtheit des bekannten Briefwechsels zwischen dem Chazarenkönig und Chasd'ai Ibh Schaprut, unter Zugrundelegung der Forschungsarbeiten des russischen Orientalisten . Kok o v c o v. Er kommt zum Schlüsse, daß der Brief Chasdais, wenn auch unvollständig und ein wenig verstümmelt, von Anfang bis zu Ende authentisch ist, den Gelehrten am Hofe Chasdais, Menachem ben Sarulc, zum Verfasser hat und von dem Weltreisenden Eid ad Hadani stark beeinflußt ist. Berücksichtigt und verwertet wird in dieser Schrift auch das in Cambridge befindliche Genizafragme n t. Sprache und Form der Schrift sind, \vie man es vom Verfasser gewöhnt ist, so klar und übersichtlich, daß sie auch den Laien viel bietet. ' J—i. Judenstaat wird Wirklichkeit. Von Hubert Pollack, Joachim Goldstein, Jüdischer Buchverlag, Berlin. Der Verfasser bespricht die neuen englischen Pläne, die eine Abwendung von der bisherigen Mandatspolitik bedeuten, Er verwirft den ■ Teilungsplan, aber auch das ganze Palästina sei noch nicht letztes Ziel/Die Aufgabe, in Palästina, mit allergrößter Beschleunigungein Notquartier für möglichst viele Juden zu schaffen, sei nicht Zionismus, sondern philanthropische Träumerei. ,,Die Judenfrage wird erst gelöst werden können, wenn das ganze jüdische Volk auf seinem eigenen Boden im Schutze seines eigenen Staates daran geht, ein erneutes Judentum zu leben". Dieser Meinung sind wir auch, aber mit einigen Vorbehalten. Ein erneute-s Judentum streben wir an, aber in ä 11 e s t e m Sinne. „Erneuere unsere Tage", beten wir, „daß sie werden wie in der Vorzeit". —tz. Ein Schiff unterwegs. Die Geschichte einer Ueberfahrt, Von Herbert Friedenthal. Joachim Goldstein, Jüdischer Buchverlag, Berlin. In der heutigen Reisezeit des jüdischen Volkes dürfen Bücher unter . obigem Titel von vornherein schon großes Interesse voraussetzen. Das Buch ist flott geschrieben, die Schilderungen erheben sich stellenweise — so beispielsweise der Sturm auf der Adria — zu dramatischen Höhepunkten. Das Schiff trägt Menschen und Schicksale, die nebeneinander einhergehen, oder auch ineinandergreifen^ Aber sind es jüdische Menschen und jüdische Schicksale? Diese Männer und Frauen aus Berlin, Wien und Paris mit ihrer mehr oder minder geistvollen Konversation, mit ihren galanten Liaisons, könnten sich gerade so gut und viel besser auf einem Schiffe mit dem Kurse nach Nordamerika oder Südafrika treffen. Ein Stück müdes und morsches Europa schunkelt und tanzt dem Lande der Verheißung entgegen. Und an den Jonischen Inseln vorbei beherrschen die Bilder aus den griechischen Tempelruinen ihre Phantasie weit mehr als die Heiligkeit am Jordanufer, dem sie entgegensegeln, Man weiß nicht, wozu dies alles jüdischen Menschen geboten wird, noch dazu in ganz unmotiviertem Zusammenhange mit Palästina. ——tz. Spatz macht sich. Von Meta Samson. Philo G. m. b. H. 7 Das Buch verschafft uns keine ungetrübte Freude. Eine Reihe von Einzelheiten sind" freilich zu beanstanden. Am Freitagabend wird .ohne weiteres mit der Straßenbahn gefahren. \ Lichter werden nach der Synagoge entzündet., usw. Die Wirklich großen Werte des Judentums, die .wir unseren Kindern nicht früh genug nahe'bringen können, werden fast gar nicht ausgeschöpft.;Nicht ganz verständlich ist es ferner, daß die Freundschaft zwischen einem 10jährigen" Mädel und einem 13jährigen Jungen einen Anstrich für die Zukunft erhalten mußte. MI