Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1938)
- Date
- 1938-06-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ein Vers Jehuda Halevis. Von Saul Kaatz, Eine vielumstrittene Stelle in den Gedichten Jehuda Halevis ist die elfte Strophe (Zeile 21] des Q'n 5$ überschrieberien, mit ">T)pWT\ 'jnp'ün beginnenden Liedes, welche lautet: >mK tp»> aVa *wuv*|K tyi *p ^tf }Vn 'nVim Das Gedicht steht bei Brody, Diwan'Jehuda Halevis in der Abteilung mvx TPS3 Kt&a „Sehnsucht nach Zion" Nr. 13, S, 173, sowie in der im Schockenverlag erschienenen Auswahl „Zionslieder Jehuda Halevis mit der Verdeutschung von Franz; Rosen zweig und seinen Anmerkungen" S. 45. Die Frage ist, was *]X ^>$n *p bv bedeutet. Rosenzweig in seiher genialen Intuition übersetzt die Strophe: „Und ich hör auf, zu gehn wo -Weg und-Steg ist und richte meinen Pfad durch Meeresweiten." Er fügt die Anmerkung hinzu; i,Zeile 21 habe ich ebenso wenig verstanden wie-irgend jemand vor mir. Brodys Interpretation ... geht mir gegen den Geschmack und den Zusammenhang; die Konjekturen der andern sind mir zu kühn." Brody zitiert nämlich S. 129 die verschiedenen Erklärungsversuche und sagt, ihm erscheine die Interpretation Kaempfs plausibel, wonach *?37i «p bv «]K so viel bedeute wie =tD,QK Vsn Q'SD Vtf d. h. der Dichter wolle nicht mehr mit zur Erde gebeugtem Antlitz vor Menschen gehen; daher lenke er seine Wege zum Herzen des Meeres, auf daß er zur Stätte des Heiligtums gelange, um vor dem Ewigen seine Seele zu ergießen und seine Hände zu erheben und nicht vor Menschen sich zu beugen. Brody führt noch die Versuche anderer an, z. B. die Rappoports, der die Lesart für falsch hält und eine andere verschlägt. Man muß Rosenzweig beipflichten, daß alle diese Interpretationen abzuweisen sind. Ich glaube nun, einen neuen Erklärungsversuch bieten zu können, der, wie ich glaube,, der Stelle gerecht wird. Jehuda Halevi, den unbezwingliche Sehnsucht nach dem Heiligen Lande zieht, schildert in dem Gedicht, wie er die Behaglichkeit, Heimatlichkeit und Sicherheit seines bisherigen Lebens der heiligen Stätte freudig zum Opfer bringe. Unsere Strophe stellt die Unsicherheit und Gefahr seiner Seereise der Sicherheit seines Wohnens auf1 dem Festlande gegenüber. Die zweite, an mehrere Bibelverse anklingende Zeile 'niX-ÖW a^a Timi ..und ich lenkte mitten ins Meer meine Wege" weist auf die bedrohliche und gefahrvolle Unsicherheit der Meeresfahrt hin. Demnach muß als Gegensatz hierzu die erste Zeile tyl-«p bv T?H Tl^mi bedeuten, daß der Dichter die Sicherheit des Festlandes aufgegeben habe. Der Hinweis auf diese Sicherheit steckt in dem Worte *]K, welches eine Anspielung ist auf das des SatzQS üian ^>3 ^in Von der sich mehrfach in der Bibel findet Ps. 93, 1; 96, 10; 1. Chr. 16, 30. ^3r) ist das Festland im Gegensatz zum Meer. „Fest ist gegründet der Erdkreis, er wanket nicht." Aus diesem Satz wählt der Dichter das Wort rjx, das er aber nur als Anfangswort des zu ergänzenden Bibelsatzes zitiert, wie auch bei tp zu ergänzen ist ">bV\- Die Zeile wäre also sinngemäß zu übersetzen: „Ich horte auf zu gehen mit den Füßen auf der sichern Erde." Das ganze Gedicht gewinnt gleich vielen ändern in (der Gegenwart seine besondere Aktualität, In seine Schönheit .und Tiefe führt uns Franz Rosenzweig ein, der ihm die kurze, aber eindrucksvolle Kommentierung anfügt: „Nur kürz spricht er von den Mühen der Pilgerschaft, denen er sich unterwirft; schon werden sie verschlungen von dem mit allen Süßigkeiten seiner Sprache umspielten Sehnsuchtsbild dessen, was ihm am Ziele seiner Fahrt winkt. Man spürt: es ist wirklich die „Sehnsucht nach dem lebendigen G'tt", die ihn eine ihm lebendige Weit klaglos — fast klaglos — aufgeben läßt. Fast klaglos — die leisen Töne der Klage, die noch in ihm klingen, "bewahrt dieses Gedicht." Bücherbesprechungen. in payn 's ö» 8"m '"'W'vs s,;n ösr 'mw ,0 )^ia iTn.T "»as ^nsn "tV San amn "»si •mn d'^wyt -mw mvrna •pkVRYiö 'i'^nb nai anin "»ai nai p»j?n "»s5? maoin ••»nvan d^pw» 'j^na *r>xa am •nww-nnaKi o*w ü'aop. D'ma nun »emon ma mnna: Dmn 'i »p 2, y, ji i n k '*» isoxa '->ri',ta)Bfi ö^»tv» -unv Bet ha-Midrasch. Von Adolph' J e 11 i n e k. Sammlung kleinerer Midraschim und vermischter Abhandlungen aus der älteren jüdischen Literatur, J erusalem. 1Q38. 6 Teile. 2. Aufl. Die "Verlagsfirma Bamberger und Wahrmann in Jerusalem hat es sich in dankenswerter Weise zur Aufgabe gemacht, alte, längst vergriffene Werke, speziell aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, neu herauszugeben. Im Vorfahre erschien in diesem Verlag die Tosefta von Zuckermaiidel (mit Wertvöllen Anmerkungen und Ergänzungen von Raw Libermann) und auch Steinschneiders ,j Vorlesungen" in zweiter Auflage. Zwei Werke von ganz' besonderer Bedeutung hat nun die genannte Firma in den letzten Monaten durch Neuausgabe der Vergessenheit entrückt: ■1. die Erklärung des R. N. Z. J. Berlind"*«.:) zur Thora und 2. die Agadasammlung „Bet ha-Midrasch" von Ad. Jellinek. I. Der Verfasser des erstgenannten Werkes, Raw Berlin, war Jahrzehnte hindurch Leiter der n^»' in Woloszyn, die unter seiner Führung zu großem Glänze gelangte. Fast alle Gelehrte des Ostens im letzten Halb jähr hundert waren Schüler dieser nj'»' . Der vorliegende »ivs zerfällt in zwei Teile: p»j?n und im amn. Auch hier, wie bei fast allen Erklärern zur min ist der Name zugleich Programm: Vertiefung und Erweiterung des Thorawortes, In letzterem Teil, der auch äußerlich die Form von Fußnoten hat, werden die in dem Hauptteil dargelegten Gedanken in anderen Teilen der jüdischen Literatur nachgewiesen. Auf .diese Weise erhalten wir „nebenbei" lichtvolle Erklärungen zu vielen D'pioö in Ta sowie vauch zu Gebeten und einzelnen V"Tn nasa- Hieraus geht schon hervor, was das Ziel des WS ist: die Gedankentiefe jedes einzelnen Wortes der} «VYin nachzuweisen, uns sowohl in der Darstellung der geschichtlichen Vorgänge als auch in der' Halacha, die Weltanschauung vor Augen zu führen, die die Thora uns lehrt. In der' Einleitung, die .an sich schon: als ein Mosaik schnöster, Deutungen von 5>*tn »nana . und Midraschim genannt werden kann, legt der Verfasser hauptsächlich seine Forschungsmethode dar. Grundan- schaüung ist ihm, daß mit Rücksicht auf die verschiedene Fassungskraft der. Menschen für geistige Dinge, G'tt seine nhWals rn'P gab; wie bei jeder. Dichtung sind wir auch.,bei der min auf Erläuterung angewiesen; Sprache und Form einer solchen bringen es mit sich'/ daß man ihren Inhalt nur auf Grund bestimmter Deutungsregeln ganz erfassen kann, Hier die oiVVa des Verfassers zu zitieren, erübrigt sich auch schon deshalb, weil der Verfasser selbst in der Einleitung zugibt, dort nicht alle Regeln genannt zu haben, die sich ihm im Laufe der Arbeit ergaben. Wo sich das Schriftwort nicht mit einem solchen ^5 in Einklang bringen läßt, soll der »IT einsetzen, der darum auch, dort nun 'v nn>»ftj> der Wahrheit der nun entspricht, wo er auf den ersten Blick unbegründet oder unverständlich erscheint. Jedem t?ain ist eine kurze nn^ns vorangestellt, in der die für den betr. Band vorkommenden Namen, oder seine allgemeine Charakterisierung im Midrasch auf Grund seines Hauptinhaltes gerechtfertigt wird (z. B. hvn '0 für n'tMro 'o ). — Zur Erleichterung der Benutzung hat man schon der ersten Aufläge ein ausführliches Verzeichnis der in den Erklärungen gegebenen Schriftverse,., sowie auch der Deutungen zu 'hsn und um te.fmn heigegeben. Die jetzt vorliegende'r photographisch hergestellte Neuauflage ist technisch ausgezeichnet gelungen; der gesamte Text (incl. riviVin Jims in kleinsten Schriftzeichen) ist besonders klar herausgekommen. So hat der Verlag dafür Sorge getragen, daß der wertvolle, Gehalt auch in angenehmer Form geboten wird. Dem bisher beschriebenen Neudruck der Erstauflage hat der Sohn des Verfassers, Raw Meir-Berlin, einen kleinen Band niDoin beigegeben, in dem er die handschriftlichen Bemerkungen des. Vaters in liebevoller Pietät veröffentlicht. Diese Ergänzungen sollen im Allgemeinen nur das früher Gesagte verdeutlichen und durch neue Hinweise bekräftigen; an einigen Stellen werden auch ganz neue Erklärungen gegeben. Diesem Bande geht ein von Begeisterung für den großen Vater und Sein Werk diktiertes Vorwort voran/ in dem auf besonders märkante Stellen des tfl*r>ö hingewiesen wird, die gerade das Weltanschauliche in der n*nn hervorheben. II. In den Jahren 1855—77 erschien unter dem Titel Bet ha-Midrasch diese Sammlung seltener Midraschim, die auch heute noch eine Fundgrube ist für jeden, der auf dem Gebiete der Midraschforschung arbeiten will. Es sind hier neben vielen nur handschriftlich vorhandenen Midraschim auch solche emhalten, die schon zur Zeit Jellineks in nur höchst seltenen Werken bekannt waren. Die Einleitung zu jedem Abschnitt zeigt, wie der Herausgeber mit Ge-