Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1938)
- Date
- 1938-06-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 22 Der I s.r„a e 1 i t 2. Juni 1938 Sammlungen für die Jüdische Winterhilfe werden ehrenamtliche Mitarbeiter in jedes jüdische Haus kommen und eine Spende für das jüdische Kind erbitten. Wir zweifeln nicht daran, daß jeder Jude und jede Jüdin die Gelegenheit begrüßen werden, die jüngste Generation im Judentum durch eine Gabe zu unterstützen. Hierdurch sollen Mittel zur Verschickung der erholungsbedürftigen jüdischen Kinder aufgebracht werden! Im vorigen Sommer haben wir 800 Kinder in Heime schicken und 1500 Kindern in Tageskolonien Erholung bieten können, in diesem Sommer ist die Zahl der Erholungsbedürftigen noch größer. Wir rufen alle Juden und Jüdinnen auf, sich durch Spenden bei der Sammlung für das jüdische Kind auszuzeichnen. ■ Das jüdische Kind hedeuiet heute unsere Zukunft, wir müssen unsere Kinder ertüchtigen, damit sie den Schwierigkeiten einer Wanderung gewachsen sind." Aus der Münchener Jüdischen Gemeinde. München, 30. Mai. In einer Sitzung der Münchener Jüdischen Kultusgemeinde, zu der außer den Mitgliedern des. Münchener Vorstands und der Münchener Gemeindevertretung auch die Vertreter anderer bayerischer Gemeinden zugezogen wurden, wurde entschieden Stellung gegen den Reichsbund der Juden in Deutschland genommen. In dem ausgegebenen Berichte heißt es u. a.: „Die Vertreter der Großgemeinden des Landes brachten spontan und mit großem Nachdruck die Anschauung zum Ausdruck, daß der Bayerische Landesverband und die Reichsvertretung allein fähig und berufen seien, die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen, daß sie das uneingeschränkte Vertrauen aller Juden in Bayern hätten und anangetastet und gestärkt aus der Neugestaltung der Dinge hervorgehen müßten." Erfüllung werden müssen. Je größer das Leid, um so inniger das Beten in der Nacht. Je schwerer und dunkler das Gewölk, um so leichtgläubiger die Armen, die irgendwo einen Lichtschein entdecken. Und sei es auch nur der Irrlicht-Schein eines David Reubeni, eines Salomo Molcho, eines Sabbatai Zwi, und wie die großen und die kleinen Träumer, Irrlichtverbreiter und kühnen Nachtwandler alle geheißen haben und noch heißen mögen in der Zukunft. Die Einen beten und lernen in den Nächten in der stillen Kammer. Die Anderen gehen hinaus und glauben, den Weg zeigen zu können, den sie in ihrer Nacht-Vision (angeblich) geschaut haben. Die Dritten sind stark genug, ein wenig von dem, was sie sinnend in der Nacht des Lernens geprüft und gut befunden haben, zu verwirklichen. Der Eine (Manasse ben Israel) tritt vor Cromwell, der Andere fährt als einer der ersten jüdischen Auswanderer nach Neu- Amsterdam und legt den Grundstein der Gemeinde in New York- Aus den alten Jischuwim entlassen, von ihnen Abschied nehmend für immer, ziehen sie, wandern sie, immer und jetzt wieder, hinaus und gründeten und gründen neue Siedlungen. Das alles zog unter Heranziehung von Worten, die ewige Geltung haben, an den gespannt lauschenden Zuhörern vorbei. Die Historie, die der Redner ja meistert wie Wenige, ließ ihn hinabsteigen in die Vergangenhet. Die Gegenwart, die uns' allen klar vor Augen steht, ließ ihn ausgehen vom „Lernen in den Nächten" und zurückkehren und münden in die Besonderheit dieser Woche, an deren Ende sie sich zusammensetzen in allen, wirklich in allen Erdenländern, zum Lernen in der Schowuausnacht , , , Durch den Mund Rabb. Dr. Lauers wurde zum Ausdruck gebracht, wie sehr diejenigen, die gekommen waren, den Wert einer solchen Stunde, eines solchen Abends zu würdigen wissen, D—r, Das Heim der Thora in Wien.. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Orthodoxe Gruppe in Neuendorf Berlin, 25. Mai. Im Lehrgut Neuendorf wird eine orthodoxe Gruppe eingerichtet, die dort an der praktischen und theoretischen Ausbildung in allen Zweigen der Landwirtschaft teilnimmt und von einem orthodoxen Jugendführer geistig betreut wird. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Die monatlichen Kosten betragen RM. 65.— bis RM. 75.—. Für Minderbemittelte ist in den meisten Fällen ein Zuschuß erhältlich. Anmeldungen für Jungen und Mädchen mit Angabe über die Zahlungsmöglichkeiten sind bis zum 5, Juni zu flehten an: Agudas Jisroel Berlin N 4, Johannisstr. 8, oder an: Noar Agudati Bundesleitung Berlin N 4, Artilleriestraße 31. Liquidation und Aufbau. Ein Gemeindeabend der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 29. Mai. Auf ihrem Gemeindeabend am Montag, den 23. Mai, hatte die Jüdische Gemeinde zu Berlin das Thema „Liquidation und Aufbau" behandelt. Der erste Referent des Abends, Herr Direktor Heinrich Stahl, sprach über die notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz für die jüdischen Gemeinden. Er betonte, daß die jüdische Gemeinde alles daransetzen wird, die bestehenden Institutionen aufrechtzuerhalten und den gesamten Gemeindeapparat der heutigen Zeit entsprechend anzupassen. An die bemittelten Gemeindemitglieder richtete er den dringenden Appell, die Gemeinde wie bisher und noch stärker in ihrer schweren Aufgabe zu unterstützen und ihr auch die Möglichkeit zu geben, für die ärmeren Kreise der Juden in Berlin zu sorgen, sie zu unterstützen, um ihnen auf diesem Wege zu helfen. Der zweite Redner des Abends, Direktor Josef Schmeidler, nahm Gelegenheit, den jüdischen Menschen einen Weg zu zeigen, der ihnen die Möglichkeit gibt, unter Zusammenfassung aller Kräfte die Liquidation auf der einen Seite und den Aufbau im fremden Lande auf der anderen Seite zu ermöglichen. Im übrigen verlangt Direktor Schmeidler, als Anhänger des Staatszionismus, eine autoritäre Führung der Juden in Deutschland. Für dqp jüdische Kind. Berlin, 30. Mai. Vom Vorstande der Jüdischen Gemeinde ergeht folgender Aufruf an die Gemeindemitglieder! „Am 12. Juni und am 3. Juli wird die Jüdische Gemeinde zu Berlin sich an ihre Mitglieder wenden, für das jüdische Kind zu spenden! Wie bei den Durch diesen Deutungsversuch ist nicht nur der völlige Parallelismus der, Glieder dieser Agada hergestellt, sondern sie ist auch mit dem erwähnten Tanchumo in Einklang gebracht, 4. Dem Lande verschworen, . der Thora verschworen, dem Lande durch die Thora verschworen, Schowuaus als rechtes A z e r e s Yon Pessach begreifend, und alle Erkenntnis in dem Gedanken an den Jaum Habikurim in opferbereite Leistung umwandelnd, so deuten uns die Namen unseres Festes sein Wesen, das uns aus aller seiner Vielfalt zu dem Einen hinweist und Ihm aus aller Enge und Sorge zujubeln und vertrauen lehrt, dem ]nl3 mwr,. Kleines Feuilleton/ In der Bibel erwähnter Hafen am Roten Meer entdeckt. Wie aus New York gemeldet wird, hat das amerikanische Institut für Orientforschung mitgeteilt, daß der Direktor der Jerusalemer Niederlassung des Instituts, Dr. Glueck, am Roten Meer den in dem biblischen Bericht (Könige 9, 26) von Salomo gegründeten Hafen Ezion-Geber entdeckt hat, dessen Blütezeit zwischen dem 10. und 8. Jahrhundert v. d. übl. Ztr. lag. Er versandete später, wodurch es sich erklärt, daß die jetzt aufgedeckten Ruinen fast einen Kilometer vom Meer entfernt sind. Aus Baden. Mannheim, 31, Mai. Es gehört schon zum Veranstaltungsprogramm in Mannheim, daß der „Verein zur Wahrung" wenigstens einmal im Jahre S. Schachnowitz sprechen läßt. Diesmal verband man eine Lerns iund e für die Jugend mit einem zum nu.'i3tzr Feste hinführenden Abendvortrag. Am Vormittag lernten die Jugendlichen (unter denen die Lehrer nicht fehlten) an Hand des ü'"1" Machsor das Eigentümliche und Besondere der Einschaltungen kennen: mmps .rra-iyn ,nn 'in usw. Die Hörenden und Mitlemeiiden waren sehr dankbar. Ein Lehrer, ein Historiker, ein Deuter von Midrasch und Agada, bereitete ihnen den Weg zum Verständnis des umw jna pt- Am Abend sprach S. Schachnowitz vom „Lernen in den Nächte n". Die Menschen, die zum. Vortragsraum in die Claus-Synagoge gekommen waren, vernahmen etwas vom Sinne des Durchwachens bis zum Morgen, nicht weil die Sorgen des Tages den Schlaf rauben, sondern weil der Wille stark ist, das Wort nWi dt naru nrui zu verwirklichen. Wenige, bringen es zustande. Viele wachen wenigstens zweimal im Jahre und lernen dem Morgen entgegen: in der mv-aw -Nacht und in der "rin-Nacht. Die Nacht führt zum Träumen, die Golusnacht läßt träumen vom verheißenen Morgen, von messianischen Prophezeihungen, die doch einmal, endlich einmal, Wie die schwarzen Juden Feste feiern. Der „Dawar" .bringt folgende Erinnerungen eines Mitarbeiters: Schanghai gehört offiziell zu China, ist aber eine völlig internationale Stadt. Unter den Menschen aus allen Erdteilen, die durch die großen Handelsmöglichkeiten angezogen sind, befinden sich auch schwarze Juden. Einer von ihnen schickte mir einige Tage vor Peßach eine Einladung zum Seder. Der Gastgeber wohnte in einem großen, von Dattelbäumen umgebenen Hause. Ein chinesischer Diener führte die Gäste zunächst ins Badezimmer, wo sie sich wuschen. Dann kamen sie in einen Saal, wo um einen reich mit Silber gedeckten Tisch die Gäste, weiße und schwarze Juden, in bunten Seidengewändern saßen. Unter den Gästen waren hohe Regierungsbeamte und Offiziere, alles Juden. Der Hausherr wies uns die Platze an. Auf dem Tisch standen allerlei Speisen: Obst, Tee und Kaffee, nichts aber wies auf den Seder hin. Um acht Uhr führte der Hausherr die Gäste in einen anderen geschmückten Saal, in dem festlich gedeckte Tische standen. Chinesische Diener in. Seidengewändern wiesen die Plätze an. Vor jedem Gaste stand auf silbernem Tablett eine Flasche Karmelwein, ein goldener Becher und Mazzoth. Zuletzt trat ein Rabbiner aus Bagdad, ein Greis von 70 Jahren, ein. Vor ihm stand ein silbernes Tablett, auf dem nebeneinander drei Mazzoth lagen. Der Rabbiner gab den Seder. Als er zu „Halachma" kam, nahm ein junger Mann die Sederschüssel, ging mit ihr um die Tische und ließ sie einen Augenblick auf dem Kopfe eines jeden Gastes ruhen. Der Rabbiner sagte „Ha-lachma" einmal auf Hebräisch, und der Hausherr wiederholte es dreimal auf Arabisch. Nachdem das beendet war und auch die Wien, 23. Mai. Der unverschmerzliche Heimgang Wolf Pappenheims V-sr lenkt die Aufmerksamkeit auf die von ihm ins Leben gerufenen, so segensreichen Institutionen. Eine der bedeutendsten Gründungen, die ihr Dasein ihm verdanken, ist die „Jessod Hath o - r a h " in Wien .Seitdem sie zu wirken begonnen hat, ist unsere heilige Lehre für die heranwachsende jüdische Jugend dieser Stadt — wie es in der Schrift heißt: „nicht im Himmel, daß du sprächest, wer stiege uns gen Himmel und erwerbe sie für uns . . und nicht jenseits des Meeres, daß du sprächest; wer führe für -uns nach jenseits des Meeres und erwerbe sie für uns . , . denn nahe liegt dir das Wort gar sehr ..." — mitten im jüdischen Viertel, in der Nesüoygasse Eingedenk des Ausspruches des*Psalmisten: „Durch den Mund der Neugeborenen und Säuglinge gründetest du deine Macht", werden hier schon die Kleinsten in den Tempel des Judentums. eingeführt. In dem unter hervorragender pädagogischer Leitung stehenden Kindergarten der „Jessod Hathorah" spielen* und lernen sie, wird ihnen bei ihrem frohen Treiben erstes Wissen beigebracht Auf diesem so wichtigen Fundament erhebt sich der groß« Bau des Schulwerkes mit seinen s e c h - zehn Klassen für Knaben und Mädchen. Nach dem weitgesteckten Programm wird hier Thora und Jiras Schomajim verbreitet, werden unsere künf- Schüssel wieder an ihrem Ort stand, trat ein junger, kostbar gekleideter Mann ein. Er trug Gürtel, Stab und Ranzen. „Woher kommst du?" fragte ihn der Rabbiner. „Aus Aegypten," war die Antwort. „Bist du frei?" „Jetzt bin ich frei". „Wohin gehst du?" „Nach Jerusalem". „Dann erzähle uns, bevor du dorthin gehsT, noch die Wunder des Auszugs aus Aegypten." Der Gast setzte sich an die Seite .des Rabbiners, und las die Erzählung vom Auszug aus Aegypten, und alle Anwesenden lauschten. Um zehn Uhr begann das Essen. Als die Zeit für den Afikcman kam, nahm der Rabbiner den Afikoman in einer Serviette auf seine Schulter und ging mit dem Stab in der Hand im Saale auf und ab und aß von dem Afikoman, Erst um drei Uhr nachts war der- Seder zu Ende. Vor dem Fest*) Ein linder Hauch streicht durchs Geäst, Ein Vogel fliegt durch nahe Nacht, Am Himmel ist ein Stern erwacht J Und grüßt allüberall das Fest. Und Kinder nahen sich mit leisen Schritten j Dem ruhenden, erwartungsvollen Raum. 1 Es ist, als rausche irgendwo ein Baum, , Und tönen leise Lieder dann' inmitten > * Dämmernder Gassen . . . Wie ein Raunen, Wie Ahnen pflanzt es sich von Mund zu Munde. Wie Kinder wollen wir erstaunen Im Vorgesang der nahen Feierstunde« *) Aus „Die Wunderleiter" von Benno Kesstecher.. Joachim Goldstein, Jüdischer Buchverlag, Berlin.