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Der Israelit · 1938-06-02 · Heft 22 (2.6.1938) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 22 (2.6.1938)
Date
1938-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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2. Juni 1938 Der Israelit Nr. 22 -Seite 5 , KEREN HATORAH steht im Dienste unserer Jugend! Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren. Hatorah-Heime - für-,unsere Jugend! v Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend! Landesd-irektoriumdes Keren Hatorah, Hamburg, Postscheckkonto.- Hamburg' 24753 Wolf Pappenheim, der Kämpfer. Zum Abschluß der Q^^ty- Ein Kapitel jüdischer Geschichte hat mit dem Heimgange Wolf Pappenheims i~n seinen Abschluß gefunden. Seinem Historiker werden die Wesenszüge einer geradezu makkabäischen Auflehnung, gegen Verfälschung und Verflachung der jüdischen Sendung entgegentreten, wird die aufrüttelnde Parole dieser Auflehnung entgegenklingen; „Wer für G'tt ist--mir nach!" Der Historiker dieses. Zeitabschnittes wird a.uf' die Ahnen zurückgreifen müssen, auf die berüjbmte Familie der P r e'ß b ür£e r;.„ Pap p e n h e i m s , der., der am-Jomkippurausgang 1848 geborene Wolf entstammte. Dann wird erdie Atmosphäre zu schildern haben, in der sein Held heranwuchs"und-..4i.erwieder einmal das Wahrwort der Weisen bestätigte,"'"daß nur . aus E3m"M später tt->w>n werden. Die Lehre des großen Ksaw Sofer, die nicht bloß den Buchstaben, sondern auch den Geist vermittelte, die nicht Wissen allein spendete, sondern auch den Menschen formte, diese Lehre war es, die Wolf Pappenheim sein langes Leben lebte. Schon im Alter von zwanzig Jahren, als der „Kongreß" der ungarischen Judenheit tagte, machte er sich zum Sprachrohr der Gesetzestreuen. Es geschah damals zum ersten Mal, daß unter allgemeinem Staunen und höchstem Aufsehen von dieser Seite zur breitesten Oeffentlichkeit gesprochen wurde. Als dann die „Trennung;" durchgeführt werden sollte, war es wieder Wolf Pappenheim, der sich bei der Organisierung der Orthodoxie hervorragende Verdienste erwarb. In die Preßburger Zeit fallt auch die Gündung der „Jessod Hathora", einer heute weithin berühmten Thorastätte. Hier wird der Chronist ein neues Blatt beginnen müssen: Paris. Die Jahre zwischen 1879 und 1892 waren ein einziger Versuch, ein einziges Bemühen, in diesem modernen Babel ein „kleines Jerusalem" aufzubauen. Die Kunde von dem entstehenden glaubenstreuen Kibbuz bewog den unvergeßlichen Rabbi Israel Salanter, nach Paris zu eilen, um Wolf Pappenheim seine unschätzbare Hilfe zu leihen. Und nun: Wien! Es war damals das Wien der liberalen Aera, in dessen weichem, mildem Klima das farbenprächtige, berauschende Gewächs der Assimilation gedieh und die gesunden, keimkräftigen Triebe jeden Selbstgefühls und aller Treue zu sich selbst dahinwelkten. Die jüdischen Menschen standen — bis auf das Fähnlein einiger Aufrechter — mit kühler Fremdheit und erschreckendem «Unverständnis dem traditionellen Judentum gegenüber. Es mußte darum ein Mann wie Wolf Pappenheim sein, der sich in solcher Umgebung Gehör und Aufmerksamkeit verschaffen konnte. Schon kurze Zeit nach der Uebersiedlung ertrotzte er von den damaligen Gewaltigen der Kultusgemeinde den Bau der in jeder Hinsicht mustergültigen Wiener Mikwah — eine Angelegenheit, von der nach den herrschenden Begriffen in der Gemeindesitzung' aus „Schickl^chkieitsgründen" nicht gesprochen werden durfte (!) Die kleine Schar der. „Altgläubigen" — wie sie damals genannt wurden^— hatte-jetzt endlich einen mutigen, unbeugsamen Vorkämpfer, eine willensstarke, zielbewußte Führerpersönlichkeit. Als sich im Jahre 1898 die Schif^schul als Verein „Adas Jisroel" konstituier,^' wurde Wolf Pappenheim in dessen Vorstand" gewählt. Von nun an waren Schiff schul und Wolf Pappenheim zwei untrennbare Begriffe. Er war ihr Geist "ünd-ihre..,Seele und sie sein Lebensinhalt und Daseinszweck. Einzelheiten berichten wollen, hieße geradezu, die Tage von vier Jahrzehnten aufzuzählen versuchen. Dennoch fand Wolf Pappenheim noch Zeit und Energie, den „Verein zur Währung der Interessen des orthodoxen Judent u m s " ins Leben zu rufen, die segesnreichen Stiftungen der Wiener „Jessod Hathora"" und der „Einheit" (diese zusammen mit Moritz Felsenburg und Bernhard Hofbauer s. A.), eines Vereines zur Ausspeisung Unbemittelter, zu gründen und die ,,, Schomre Schabbos" zu schaffen. Neben der praktischen Aufgabe, Stellen zu vermitteln, hatte diese Institution den ethisch-religiösen Zweck, den Sabbatgedanken zu propagieren. Bei einer Veranstaltung des Vereines, der stets bemüht war, hervorragende Männer vor das Wiener jüdische Publikum zu bringen, kam er auch zuerst mit Jacob Rosenh e i m zusammen, und bald traten die gesinnungsverwandten Männer in. einen Ideenaustausch, der als einer der Grundsteine für die Entstehung der A g u - das Jisroel zu werten ist. Agudas Jisroel — das war die zweite große Liebe im Leben Wolf Pappenheims! Was er für Wien ersehnt hatte, das versprach hier, Erfüllung für die ganze Welt zu werden. Seit den Kattowitzer Tagen stand er in der ersten Reihe der organisierten Weltorthodoxie, gehörte ihr sein ganzes Fühlen und Denken, diente er ihr mit glühendem Herzen und kühlem Kopf. Ihm war es mehr als einmal zu danken, wenn immerhin vorhandene Gegensätze nicht hart aufeinanderstießen, wenn verschiedene Strömungen in ein gemeinsames Bett geleitet wurden, um hier mit vereinten Kräften dem hohen Ziele zuzustreben. Sein Werk war auch die Zusammenfassung der aus Ost und West kommenden thoratreüen Jugend in Wien in der vielbewunderten „Agudas Jisroel-Jugendgruppe", die heute den hoffnungsvollsten Aktivposten der hiesigen Orthodoxie bildet. Der Krieg und die Not in seinem Gefolge stellten Wolf Pappenheim vor neue Aufgaben. Seine Tätigkeit bei den Flüchtlingsfürsorgestellen und im Joint, dessen Wiener Komitee er als Vertreter der Orthodoxie angehörte, -War ein wahrer Segen für die Hilfsbedürftigen. Tm Jahre 1920 wurde Wolf Pappenheim mit zwei .weiteren Mandataren von der Wiener Orthodoxie .-in'den Kultusvorstand entsandt. Hier kämpfte er einen Kampf, der gar oft als ein Krieg gegen- Windmühlen erscheinen mochte. Und doch gelang es ihm in zäher Beharrlichkeit, das Gesicht der Gemeinde zu wandeln, einem neu-alten Geist hier Eintritt zu verschaffen. Die Gründe, die ihn schließlich (1932) doch bewogen, sich von der Kultusgemeinde zurückzuziehen, führten dann auch zu dem bekannten Kampf um die Selbständigkeit der Ortho ,d o x i e. Die letzten Jahre war der sonst noch jugendliche Greis durch einen erlittenen Unfall an das Haus gefesselt. Und so wurde dieses der Mittelpunkt der Wiener Glaubenstreuen. Es war da ein ewiges Kommen und Gehen; die, die draußen in der Oeffentlichkeit und vor den Behörden die Sache der Orthodoxie vertraten, holten sich von ihrem grand old man Rat und Weisungen, schöpften aus seinen befeuernden Worten Mut und Ausdauer. Für seinen Geist bedeuteten die Jahre keine Last, sondern einen Born der Erfahrung und Weisheit. Das Alter hatte ihn nicht schwächlich gemacht; sein Eifer war ungebrochen, seine Liebe heiß, seine Feindschaft unerbittlich bis zuletzt. Und das eben ist das Wunderbarste im Leben dieses Mannes: daß er von dem einst vor siebzig Jahren eingeschlagenen Weg auch nicht um Haaresbreite abgewichen ist. Abseits der breiten Heeresstraße, auf der sich das leichte Volk tummelte, lag dieser Weg —* schmal, steil und oft genug auch dornenvoll, doch stets zur Höhe Ttihremi. Und so wird von dem, der ihn gegangen, nicht nur der objektive Historiker, sondern wohl auch der krftische Gegner sagen müssen; Er hat gelebt, wie er jetzt, da er hingeschieden, gelebt zu haben wünschen würde! In seinem Wollen und Wirken findet sich nicht die Spur eines persönlichen Motivs, sein Ich war zur Gänze daraus verbannt. So sehr, daß dieser im privaten Verkehr liebenswürdigste, ' bescheidenste und groß- * zügigste Mensch, wo es um jüdische Werte ging, hart, unnahbar und auf Kleinigkeiten bedacht war. Kein Einsatz schien ihm da zu hoch, kein Mittel zu teuer, kein Opfer zu groß, kein Kampf zu gefährlich. Was wir alle von unseren Vätern ererbt' haben, das hat er wie die Wenigsten nur voll und ganz besessen, weil täglich neu erworben. Das Vorbild, das Wolf Pap^enheim ^"sr seiner Umgebung stets bot, war an sich Erziehung. Seine Kinder und Enkel leben alle in seinem Sinne und bilden wahre Muster edlen Menschentums und reinster Jüdischkeit. 1V> wot G. was vom Lande und von uns, vom Lande durch uns verlangt wird, und bezeugen wir es durch unsern Wochen-Schabbos und den Schabbos des Landes, dann sind wir erlösungsreif! 2. Bekannt ist die vom Mögen Awrohom (494) erhobene Frage, wieso wir Schowuaus „S'man Matan Taurosenu" nennen; wir entscheiden doch nach Rabbi Jause, wonach die Tauro erst am 7. Siwan gegeben wurde. (Er sieht nach dem Asoro Maamoraus darin eine Andeutung auf den zweiten Tag Jaum Tauw; eine einleuchtende Erklärung dieser im ersten Augenblick seltsam anmutenden Deutung findet" sich im Chassan Sauf er Nr. 45.) Weniger bekannt dürfte folgende Anmerkung des Z'lach zu Pesochim 68b sein. Dort heißt es: „Rabbi Elosor sagt: „Alle geben zu, daß Azeres (Schowuaus) auch durch irdische Freuden;— Essen und Trinken — ausgezeichnet sein muß, denn es ist der Tag, an welchem die Thora gegeben wurde"! Hierzu bemerkt nun der Z'lach: Dieser Rabbi Elosor (ben Pdos) war ein Schüler des R. Jauchonon, in dessen Tagen der Neumond noch auf Grund der Zeugenbeobachtungen festgesetzt wurde. Danach konnte Schowuaus bald am 5., bald am 6., bald am 7. Siwan sein; also jedenfalls nicht immer am Tage der Gesetzgebung, welcher tiach den Rabbonon auf den 6. Siwan und nach R- Jause auf den 7. Siwan fiel. Der Z'lach beantwortet diese Schwierigkeit, indem er sagt, daß Mätan Tauro tatsächlich ah den drei Tagen, vom 5. bis 7. Siwan, erfolgte. A m 5. S i w a ,n sprach das Volk sein unsterbliches . »wir wollen tun und hören" und verpflichtete. sich so auf die schriftliche Lehre (siehe Tanchumo zu Nauach — siehe auch dazu obenerwähnten Chassan Saufer und Schewet Saufer Aurach Chajim Nr. 16J, am 6. Siwan wollte G'tt die Tauro geben, Moses fügte aber aus Eigenem noch einen Tag hinzu (und fand dafür G'ttes Billigung — siehe Schabbos 87a) und a m "7. Si w a n gab G'tt sie uns dann. So sind in der Tat alle drei Tage vom 5. bis zum 7. Siwan die Tage der Gesetzgebung und die vom Z'lach erhobene Schwierigkeit findet so ebenso ihre Lösung wie die eingangs erwähnte Frage des Mögen Awrohom. Wir möchten die Behaup'tung wagen, daß diese dreitägige Matan Tauro in den verschiedenen Namen unseres Festes, dessen Bedeutung als Jaum Habikurim ja unabhängig nebenbei läuft, zum Ausdruck gebracht sein mag: der 5. Siwan, das ist Schowuaus, der Tag des großen Doppelschwur e s , wo das Volk sich G'tt in bedingungs- und fraglosem Gehorsam angelobte und so der g'ttlichen Zusicherung, daß es allezeit G'ttes „Segulo" sein und bleiben werde, würdig wurde. Der 6. Siwan ist Azeres, wo G'tt die Tauro geben wollte, sich aber zurückhielt — diese Bedeutung von Ozar ist ja geläufig —, während der 7. Siwan als Tag der faktischen, Thoragebung recht eigentlich S'man Matan Taurosenu ist. Der Z'lach schließt; die oben wiedergegebene Erklärung mit den Worten: „Vielleicht wollte hierauf jener Galiläer. hinweisen, Wenn er vom „Jaumo tlisoi" sprach, .hier ist aber nieht der Ort, Worte der Agada^ länge auszudeuten"^ Die Stelle, welche, der Z'lach »hier meint ,ist jene bekannte in Schabbos 88a; sie hat folgenden Wortlaut: „Gelobt sei G'tt, der die aus drei Teilen bestehende Tauro — T'N'CH' — dem aus drei Teilen bestehenden Volk — Priester, Leviten und Israel — durch den Dritten — Moses als Dritter nach Mirjam und Aharon geuoren — am dritten Tag — der Absonderung — im dritten Monat gab"! Der vorstehenden Erklärung Raschis folgt auch M'harscho in seiner Deutung dieser Stelle. Schwierig an dieser Deutung ist jedoch, daß das immer wiederkehrende „tlisoi" die ersten beiden Male mit „dreiteilig" und dann weiter mit „der dritte" gedeutet wird. Nach dem Z'lach dürfen wir jetzt wohl den „Jaumo tlisoi" als den aus drei Teilen bestehenden Tag, als die drei Tage vom 5. bis 7. Siwan verstehen. Ebenso mag das von Raschi auf xVLoses allein bezogene ,,al jde tlisoi" auf die drei Geschwister Mirjam, Aharon und Moses hindeuten, welche der Tanchumo zu Jisrau, der die Dreiheit noch vielfach ausdehnt, (siehe auch Raw Nissim Goaun zur Stelle), tatsächlich als „Sirsur mschulosch", die drei Vermittler, bezeichnet. Und ebenso mag „Jarcho tlisoi*' nicht „den dritten Monat" bedeuten, sondern „die. drei Monate". Denn im Nissan gab G'tt ihnen die beiden grundlegenden (als einzige mit der ,Koresstrafe belegten) Gebote von Pessach und Milo, im I jar gab Er ihnen in Moro den Schabbos, das Gebot der Elternverehrung, die Vorschriften über jüdisches Recht und verpflichtete sie als B n e Jisroel auf die sieben noachidischen Gesetze (Sanhedrin 56b; zu den dort von Tausfaus erhobenen Schwierigkeiten siehe den grundlegenden Rambam im Perusch Hamischnajaus am Ende des siebenten Perek von Chullin, auf welche R. Zwi Hirsch Chajus zur Stelle aufmerksam macfit), im Siwan empfingen sie schließlich das ganze übrige schriftliche und mündliche Gesetz.

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