Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1938)
- Date
- 1938-06-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451033--83753-2541775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2. Juni 1938 / Der Israelit Nr. 22 Seite l tigen Talmide Chachomim' herangebildet und die Mädchen für den späteren JBeruf, echt jüdische Frauen und Mütter zu sein, erzogen. „Der Hauch des Mundes der Kinder im Lehrhausi durch den", wie die Weisen sagen, „die Welt besteht", ist hier in seiner ganzen Schönheit und Reinheit spürbar. Und wenn erst — wie geplant —. der ganztägige Kurs zu einer Jeschiwoh ausgestaltet ist, wird eine noch mächtigere min 5>lp in die Großstadt hinausklingen und mit ihrem Ruf ursprüngliches jüdisches Leben wach erhalten. Die „Jessod Hathorah", die als Schulverein der Adas Jisroel in dem ehrwürdigen Oberrabbiner Fürst ihren obersten Schutzherrn sieht, hat in Herrn Rabbiner S. Neuwirth einen verdienstvollen pädagogischen und organisatorischen Leiter, der wie ein hingebungsvoller Kapitän das ihm anvertraute Schiff durch alle Widrigkeiten steuert. Das Jahreserfordernis von RM. 35.000 — ein Betrag, der bisher von den Eltern der Schüler, den Vereinsmitgliedern und freiwilligen Spendern aufgebracht wurde — bildet aber eine Klippe, deren Gefährlichkeit durch das m«i j»K map pt wohl prägnant genug gekennzeichnet ist. Unter den Problemen, die jetzt die jüdische Oeffentlichkeit und deren Organe beschäftigen, wird die Sorge um die „Jessod Hathora" einen entsprechenden Platz einnehmen müssen. Auswanderung, Kultusgemeinde und Hilfsorganisationen. Wien, 30. Mai- Der Andrang von auswanderungsbereiten Menschen bei der zentralen Äuswanderungsstelle der Wiener Jüdischen Gemeinde hält im unverminderten Maße an. Seit der Eröffnung der Auswanderungsabteilung wurden insgesamt 40 000 Auswanderungsbogen angefordert, von denen 20 000 bereits eingereicht sind. Auch diese Zahl dürfte eine weit höhere Personenanzahl umfassen, da ein Bogen häufig auch mehrere Mitglieder einer Familie umfaßt. Ein kurzer Besuch in der Auswanderungsabteilung der Gemeinde vermittelt einen lebendigen Eindruck von der vielfältigen Tätigkeit dieser Stelle. Die Abteilung, die sich mit der Abfertigung und Unterstützung der. bereits zur sofortigen Abreise vorbereiteten Auswanderer beschäftigt, hat innerhalb von zwei Wochen, d. i. vom 6. bis 19. Mai, 216 Personen nach den verschiedenen Ländern, insbesondere nach den Üebsrseegebieten, abgefertigt. Die Tätigkeit der Auswanderungsabteilung der Jüdischen Gemeinde wird wesentlich von der Hilfe und Unterstützung der mit großen Erfahrungen auf dem Gebiete des Wanderungswesens ausgestatteten interterritoriellen Wanderungsorganisation „Hicem", die eine Vereinigung der „Hias" (Amerika) und „Ica" (Paris) darstellt, abhängig sein. Von dieser müssen zunächst alle Fragen, die mit der Erschließung aller, womöglich erweiterter Einwanderungsgebiete zusammenhängen, eingehend beraten werden. Es geschieht alles, um schon in möglichst kurzer und absehbarer Zeit einem großen Teil der Auswanderungsfähigen insbesondere im Hinblick auf die Bestimmungen der Einwanderungsländer zur Auswanderung zu verhelfen. Hierbei muß natürlich an eine entsprechende Vorbereitung durch berufliche Umschichtung und sprachliche Ausbildung der Auswanderer gedacht werden. . Von besonderer Wichtigkeit ist die Vorsorge für eine glatte und im Interesse der Auswanderer gelegene Regelung des gesamten Passagewesens. Die Zusammenarbeit mit der „Hias"-Wanderungsorganisatiön in Amerika soll im Interesse der Beschaffung von Affidavits seitens amerikanischer Verwandten von in Oesterreich lebenden Juden durch die Auswanderungsabteilung der Kultusgemeinde den Erfordernissen entsprechend ausgebaut werden. Außerdem ist daran gedacht, im Rahmen dieser Zusammenarbeit Verwandte in Amerika zur Unterstützung heranzuziehen. Die reiche Erfahrung, die die „Hias"-Organisation in jahrzehntelanger Arbeit auf diesem Gebiete besitzt, kann auch den österreichischen Juden zugute kommen. Die Israelitische Kultusgemeinde sieht sich veranlaßt, allen Juden besonders nahezulegen, von einer Ueber Siedlung ins Altreich abzusehen. Auch unnötige Reisen dorthin sind zu unterlassen. . Die Anzahl der in den 10 Ausspeisestellen verabreichten täglichen Mittagsmahlzeiten beträgt 9500. Eine Erhöhung dieser Anzahl ist' dringendst notwendig und wird trotz finanzieller und technischer Schwierigkeiten durchgeführt werden. Jüdische Aerzte aus Oesterreich nach Belgisch-Kongo. Wien, 30. Mai. Zahlreiche jüdische Aerzte aus Oesterreich wandten sich vor Kurzem an die belgische Regierung in der Angelegenheit der Ermöglichung der Seßhaftmachung in Belgisch-Kongo. Der Direktor des Institutes für tropische Krankheiten in Antwerpen erklärte einem Zeitungsver- "treter, daß das Institut nur über sehr bescheidene finanzielle Mittel verfüge; deshalb werde er erst Ende Juli imstande sein, einer kleinen Zahl .von Petenten die Ausreise zu ermöglichen. Die Kandidaten für Belgisch-Kongo müssen vorher ein viermonatiges Studium betreiben. Ungarn. Die Judenfrage vor dem Oberhause. Budapest, 30. Mai. v Die Vereinigten Ausschüsse des ungarischen Oberhauses berieten über das vom Abgeordnetenhaus angenommene „Gesetz zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen und sozialen Gleichgewichts". Berichterstatter im Oberhause war Oberhausmitglied Görgey. Unter den Rednern, die zur Vorlage sprachen, waren der Kardinal-Fürstprimas Dr. Seredi, Diözesanbischof Dr. Glattfelder, Bischof' Raffay, Baron Buday-Goldberger und Baron Pronayv Gegen Ende der Beratungen nahm Ministerpräsident Dr, Imredy das Wort zu «iner zusammenfassenden Darlegung, die von Jüstizminister Mikecz in den Einzelheiten erläutert wurde. Die Ausschüsse nahmen den Gesetzentwurf unverändert an. Das Plenum des Oberhauses wird Anfang Juni über die Vorlage beraten. Holland. Das holländische Fremdengesetz« ■ Den Haag, 30. Mai. Das bereits oft zitierte neue holländische F r e md e n g e s e t z ist in der Form eines Rundschreibens des Justizministers an die Gerichts- und Polizeibehörden erlassen worden und hat folgenden Wortlaut: „Seitdem die Flüchtlingsfrage akut geworden ist. sind fünf bis sechs Jahre vergangen, während derer dauernd Flüchtlinge in unser Land geströmt sind. Es beherbergt daher viele Tausende solcher Ausländer. Statt sich nun allmählich zu regulieren, wird die Flüchtlingsfrage immer schwieriger. In den letzten Jahren hat man hierzulande hinsichtlich der Zulassung von Flüchtlingen einen im allgemeinen entgegenkommenden Standpunkt eingenommen. Die Regierung ist der Meinung, daß diese bisherige Handhabung aufgegeben werden muß. Verschiedene Interessen, unter anderem wirtschaftliche Belange und die immer noch große Arbeitslosigkeit hierzulande, nötigen dazu, gegen eine weitere Zulassung von Flüchtlingen einzuschreiten. Ein Flüchtling ist fortan als unerwünschter Ausländer zu betrachten. — Unter Flüchtling ist zu verstehen jeder Ausländer, der unter dem Druck der Verhältnisse an seinem Wohnort das Land, in dem er wohnt oder sich aufhält, verläßt. Der Umstand, daß der Flüchtling ausreichende finanzielle Mittel besitzt, darf keinen Grund bilden, ihn hier ins Land hinein oder ihn hier im Lande bleiben zu lassen. Bekanntlich wird die Grenzbewachung verstärkt und erweitert, was eine bessere Abwehr ermöglichen wird. Jedoch wird auch die Ortspolizei eingehendere Kontrolle und Aufsicht zu üben haben; es ist wichtig, daß die Polizei ständig und scharf darauf achtet,' solche Flüchtlinge aufzuspüren und auszuweisen, damit die neue Linie zu ihrem Rechte kömmt. — Sollte es in einem Einzelfall wirklich glaubhaft sein, daß für einen Flüchtling bei Nichtzulassung oder Rücksendung über die Grenze Lebensgefahr besteht, oder sollte ein besonders wichtiger Grund vorliegen, der Zweifel entstehen läßt, ob das holländische Interesse die Zulassung nicht doch wünschenswert macht, so kann die Entscheidung des Ministers angerufen werden. — Vorstehende Bestimmungen gelten nur für neu ankommende Flüchtlinge und diejenigen, die nach dem 1. März 1938 ins Land gekommen sind. Der normale Geschäfts-, Touristen- und Grenzverkehr soll so.. wenig wie möglich behindert werden." Schweden. * Konferenz der Rabbiner der Nordischen Staaten im Juni in Stockholm. Stockholm, 30. Mai. Die Jahreskonferenz der Rabbiner von Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland, die im Juni in Helsingfors stattfinden sollte, wird — im Hinblick darauf, daß am 1. Juli in Schweden ein Gesetz >n Kraft tritt, das die Schechita verbietet--in Stockholm abgehalten werden. Was das heißen soll: die Konferenz WOlIe das Schechita-Problem in Schweden eingehend prüfen und eine mit dem jüdischen Ritus in Uebereinstimmung stehende Lösung zu finden versuchen, muß man abwarten. Litauen. Brände in Litauen . Kowno, 30. Mai. Bei der riesigen Feuersbrunst in dem Wohnviertel des 20 Kilometer nördlich von Memel gelegenen litauischen Seebades P o 1 a n g e n wurden 3 0 0 jüdische Häuser, darunter fast sämtliche jüdischen Geschäfte, die Synagoge, das Bethaus und die Volksbank, zerstört. Amerika. Keine Einwanderung für Staatenlose nach den Philippinen. New York, 23. Mai. Für die Einwanderung nach den Philippinen (nördliche Inselgruppe des malayischen Archipels, im Besitz der Vereinigten Staaten von Nordamerika) ist der Besitz eines Landespasses unbedingte Not-r wendigkeit. Staatenlose können nicht an Land gehen, selbst dann nicht, wenn ihre Pässe von . amerikanischen Konsuln visiert worden sind. Die Regierung der Philippinen, hat entsprechende Sondergesetze erlassen, die nach Mitteilung des Hicem-Komitees in Charbm sehr streng gehandhabt werden. Infolgedessen ..verweigern die Schiffahrtsgesellschaften Staatenlosen die Passage nach den Philippinen, ebenso Personen, die einen von den chinesischen Behödden ausgestellten Paß besitze^ sofern sie nicht tatsächlich chinesische Staatsangehörige sind. Die Wirtschaftslage auf den Philippinen wird als nicht ungünstig geschildert. Kaufmännische Stellen und Beschäftigung als Arbeiter sollen verhältnismäßig leicht, wenn auch nach einiger Wartezeit, für die etwas Kapital erforderlich ist, zu haben sein. Wichtig ist vor allem die Beherrschung des Englischen und auch des Deutschen. Dabei darf nicht übersehen werden, daß für Europäer einzig die Hauptstadt der Philippinen, Manila, in Betracht kommt. Nur hier gibf 4 es ein aktives Geschäftsleben, während die Provitfcstädte und das Land noch kaum entwickelt sind. Einer Anzahl jüdischer Emigranten aus Europa ist es jedenfalls ge-. lungen, in Manila festen Fuß zu fassen und sich dort eine neue Existenz zu gründen. Südamerika. * Der Präsident von Uruguay für jüdische Einwanderung. Montevideo, 22. Mai. In einer hier erscheinenden englischen Zeitung „The Sun" ist u. a. folgende Erklärung des am 27 März zum Staatspräsidenten von Uruguay gewählten Generals Alfred B a 1 d o m i r veröffentlicht: „Uruguay ist ein dünn bevölkertes Land und benötigt Einwanderung, aber eine Einwanderung, die aufs Land geht, um dort zu arbeiten, und so den Wohlstand des Landes erhöht. Wir wollen keine Einwanderung, die hierherkommt, um ein ernstes Problem der Arbeitslosigkeit in Montevideo zu gründen. 'Wenn Immigranten kommen, gewillt, auf dem Lande zu arbeiten, und fähig sind, dies mit Nutzen zu tun, so werden wir keinen Unterschied aus Gründen ihres Heimatlandes machen. Natürlich würde es uns freuen. \ wenn die Mehrzahl der Einwanderer aus den Ländern käme, deren Einwohner in der Vergangenheit gezeigt haben, daß Sie Sich den Uruguayern assimiliert haken. Sollte sich jedoch die Einwanderung plötzlich 6rhörien, würde es nötig sein, besondere Gesetze zu . schaffen, um die Einwanderung zu regeln, um Verwirrung im wirtschaftlichen Ausgleich des Landes zu vermeiden. Aber diese Gesetze würden nie nach nationalen oder religiösen Gesichtspunkten geschaffen werden." Südafrika. Nach den Wahlen in Süd-Airika. Sechs Juden im Parlament. Johannisburg, 29. Mai. Bei den Wahlen in das südafrikanische Parlament wurden folgende jüdische Kandidaten in das Parlament gewählt: Mrs. Bertha Solomon, eine bekannte Anwältin und Sozialarbeiterin und Mitglied des Stadtrats von Jeppe; sie ist das erste jüdische weibliche Mitglied des Parlaments; Morris Alexander ,Cap Town Castle; Albert Friedländer, Morris Kentridge - Troyville; Henry Gluckm a n j der sechste jüdische Abgeordnete ist Dr. Abraham G o 1 d b e r g (Durban Umlazi), der der Dominion-Partei angehört. Briefkasten. C. S. Wir bestätigen, daß mit jenem Satze nur gesagt sein solltei daß diejenigen Väter, die aus irgendwelchen Gründen ihre Söhne, die lernen sollen, nicht auf eine osteuropäische Jeschiwah schicken können, sie heute wenigstens in einer der genannten Anstalten lernen lassen können. Wie aus dem ganzen Zusammenhange hervorgeht, lag es dem Einsender fern, die osteuropäischen Jeschiwoth in ihrer Bedeutung zu mindern, N. D. Sie müssen mindestens Namen, Wohnort und Beruf des Altersjubilars genau angeben. J. V. in R. Wir müssen die Frage dem Rabbinate unterbreiten. 1