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Der Israelit · 1938-05-25 · Heft 21 (25.5.1938) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 21 (25.5.1938)
Date
1938-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m mmmmm 25. Mai :193S D e r ^I ,s r a e 1 igt Nr. 21 Seite 7 ER E Z ISRAEL Die Kommission bei der Arbeit. Ein Brief aus Erez Israel. Jerusalem, 15, Mai. Die Ankunft der neuen Kundschafter, der Technischen Kommission, in Jerusalem, brachte all die Erlebnisse der letzten Jahre wieder in lebhafte Erinnerung. Die Erinnerungen wurden auch bei den arabischen Terrorbanden wach und setzten sich in lebendige Taten um. Die Gewalttaten mehrten sich mit jedem Tage. Es platzten Bomben in Jerusalem und in Haifa und Kolonien wurden beschossen ganz wie dazumal. Es ist mit Genugtuung zu verzeichnen, daß sich relativ, dank dem energischen Eingreifen der Macht, schon nach kurzer Zeit die Lage wesentlich gebessert hat. Die Wege sind jetzt viel sicherer, der Bandenkrieg flaut ab, Die Uebeffälle auf jüdische Stützpunkte werden immer weniger. Ueber die Gründe der Wandlung kursieren Gerüchte und Kombinationen. Manche bringen es mit der Weltpolitik und mit dem englisch-italienischen Abkommen in Verbindung. Viele wollen wissen, daß die Drahtzieher hinter den Terrorbanden einfach den Preis für die Mordüberfälle herabgesetzt hat ten, so daß die Banditen es nicht mehr für lohnend finden, ihr Leben einzusetzen. Es verlautet, man habe die Mordbrenner, statt direkt zu belohnen, auf ara bische Notabein verwiesen, denen sie ihren Lohn er pressen sollen, Das scheint ihnen vielleicht auch etwas zu umständlich und nicht gefahrlos. Die große Stach e.Idrahtsperre an der syrischen Grenze mag auch viel dazu beitragen, daß sich viele von den Syrern und Hauraniern rechtzeitig in die ".Heimat flüchten, .um später den Abzug nicht versperrt zu finden. Wie dem auch sei, die Beruhigung nimmt mit jedem Tage zu und macht sich auf . allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens wohltuend bemerkbar.. Selbstverständlich kreisen alle Diskussionen uml alle Mutmaßungen um die zu erwartenden Beschlüsse und Maßnahmen der Kommission. In gleichem Maße wie wir eine Schmälerung unserer Rechte fürchten, ängstigen Sich die Araber, daß aus dieser Untersuchung-und einer Feststellung der wahren Verhältnisse vielleicht auch welche Vorteile für die Ju-, den herausschäuen körinten. Es regt sich auchusehr in Transjordanien. Emir Abdulla, .der einmal Morgenluft gewittert hat, soll neue Pläne ausgearbeitet und der Kommission unterbreitet haben, die an den Herbert -Samuel'schen Vorschlag anknüpfen; Er wünscht ein Großarabien unter seiner Oberhoheit, Er möchte zunächst ein solches Abkommen für zehn Jahre schließen und setzt sich mit der Heiligkeit seiner Person dafür ein, daß den Juden alle ihnen gebührenden Rechte undi voller Schutz garantiert werden. In jüdischen. Kreisen findet man aber nichts SO absurd, wie den Gedanken, als ewige Minorität von Arabiens Gnadn stabilisiert zu werden. Freilich macht der Emir dabei die Rechnung ohne alle in Betracht kommenden Wirte, denn auch die Palästina*-Araber vermögen sich keineswegs für diese Pläne zu begeistern. In eingeweihten Kreisen hier überschätzt man die Kompetenz der Technischen. Kommission nicht. Man weiß aber, daß ihr die Befugnis zusteht, den ganzen Teilungsplan als undurchführbar zu erklären. Dann wird die Losung heißen: „Zurück zum Mandat.'" Und da wird für die jüdischen Instanzen die Stunde sein, dafür zu sorgen, daß im Zuge der Verbesserungen alle Beschränkungen von früher, besonders hinsichtlich der Einwanderurig, w e g f a I- 1 e n.* Neue Vorschläge zu machen, darüber ist man sich klar, liegt nicht im Kompetenzbereich der Technischen Kommission, H, L. Konflikt in Tel Awiw. Tel Awiw, 16. Mai, Zwischen der Stadtverwaltung von Tel Awiw und der Histadruth Hoowdim ist ein schwerer Konflikt ausgebrochen. Infolge der Weigerung des Stadtrates, die Schulen der Histadruth Zu subventionieren, kündigten die Histadrüth-Mitglieder im Stadtrat ihren Rücktritt an. Vorher hatte der Stadrat beschlossen, für 20,000 Lst, neue Straßen .zu bauen und für weitere Lst. 10.000 andere städtische Werke zu beginnen, um die ^Arbeitslosigkeit, zu vermindern. Die Histadruth weist darauf hin, daß 2000 Arbeiter: während deiletzten zwei Jahre in Tel Awiw arbeitslos seien und in furchtbarem Elend lebten. 100 Arbeitslose drangen in die Sitzung des lokalen Ra,tes, von Chedera ein undi'könnten hur mit , Mühe, von-der Polizei zum Verlassen' des Gebäudes veranlaßt werden.. Aus Petach Tikwahs Jugendtagen. Nacherzählt von Helene Wolf in, Petach Tikwah, (Fortsetzung,) Nach . einjähriger Arbeit unter günstigen Verhältnissen hatte er Lst. 1000 erübrigt. Er kehrte schleunigst nach Jerusalem zurück und baute im Jahre 1874 (5634) sein Haus als eines der ersten Zehn, die in der neuen Siedlung errichtet wurden. Das übrige Geld wurde den Gesellschaftern zum Häuserbau geliehen, hing doch Barnetts Herz daran, „neues Leben aus den Ruinen erblühen" zu sehen. Aber wieder machte der große Idealist schlechte Erfahrungen; die Frist der Rückzahlung des ausgeliehenen Geldes wurde nicht eingehalten, und er war daher gezwungen, selbst zu leihen zur Bestreitung _ der täglichen Bedürfnisse. So blieb ihm abermals nichts anderes übrig, als nach London zurückzugehen. Diesmal nahm der tapfere Mann seine ganze Familie mit und blieb mehr als zwei Jähre in England, Sein Ziel war unverrückbar dasselbe geblieben: Geld zu verdienen, damit er helfen könne beim Aufbau von Erez Jisrael! Es ^glückte diesem seltenen Manne, wertvolle Geschäfte in Canada, Paris, Belgien und Leipzig zu tätigen, die ihm große Gewinne einbrachten. In London selbst hatte er großen Einfluß in seiner Branche, Seine unermüdliche Arbeit für Erez Jisrael erweckte allmählich auch das Interesse weiter Kreise, und wenn sich auch keine konkreten Erfolge sofort zeigten^ so wuchs doch das jüdische Pflichtgefühl für den Aufbau Erez Jisraels, und die Boten aus dem Heiligen Lande, die für die Erhaltung der . Lehrhäuser und anderer heiliger Stätten in England sammelten, brachten durch Sorach Barnett größere Unterstützung als bisher nach Jerusalem.' Im Jähre 1877 kehrte der unermüdliche Mann mit seiner Familie wieder nach Jerusalem zurück. Er brachte diesmal: verschiedene Waren mit, u. a. 20 Fässer gesalzener Fische. Zum ersten Male kam derartiges nach Jerusalem, Dort hatte sich inzwischen unter dem Namen „Petach Tikwah" eine Vereinigung gebildet zur landwirtschaftlichen Erschließung des Landes, Trotz der Erfahrungen von JerichiJ.^h'aite die neue. Chewjw unter Leitung dei^H^rren Stampfer, Gütmann^und Salämen SlCttgegenseitig da^Versprechen_^eben. nichfc^Von ihrer' groöen-'Äutgabe^ztf-^siC Barnett schloß, sich ihnen an, und im folgenden »ahre reisten sie umher, um den geeigneten Boden zu rinden. In den ersten Tammus-Tagen zogen sie in die Umgebung von Jaffa hinaus zur Besichtioung von Land, das ihn anvon sefardischen Maklern angeboten worden war. Sie dachten nach drei Tagen zurückzukehren; indessen dauerte die Expedition 13 Tage, da sie in der Gegend von Jaffa Land besichtigten: in der Gegend zwischen Rechobot, Rischon Lezion und dem — heute noch arabischen — Ramleh. Schließlich wurde durch die Vermittlung des englischen Konsuls in Jaffa Boden erworben bei dem arabischen Dorfe Malbas, 3500 Dunam, den Dunam zu 5 Franken. Als die Reisenden nach Jerusalem zurückkehrten, wurden sie mit großem Jubel empfangen, als vom Tode Auferstandene. Denn als sie nach fünf Tagen nicht zurückgekommen waren, fürchtete man, sie könnten räuberischen Beduinen in die Hände gefallen sein, und bestürmte die Polizei nach den Wanderern zu suchen. Um so größer war jetzt die Freude, sie nicht nur wieder lebend zu sehen, sondern auch glücklich, in Erfüllung ihrer Aufgabe Land angekauft zu haben für eine jüdische Siedlung, Barnett blieb jetzt einige Zeit in seinem. Hause zi: Meah Schearim. Er lud seine Freunde und Bekannte, alle Bewohner Meah Schearims, zu einem großen Feste, wie zu einer Hochzeit ein. Alle waren dankerfüllt gegen G'tt, der ihren Weg so sichtbar gelingen ließ. Aber wie bei jedem großen Beginn, so fanden sich auch in Jerusalem viele, die der mutigen- Männer Unternehmen verspotteten, Sie glaubten nicht, daß es möglich sei, den verödeten Boden in blühendes Land umzuschaffen. Aber da die führenden-Männer Jerusalems auf ihrer'Seite waren, so ließ sich die Chewra nicht einschüchtern und ging mütvoll an ihr großes Werk. Jetzt aber stießen sie aüf große Schwierigkeiten bei der türkischen Regierung. Reichliche Bakschichs an die Beamten beseitigten auch diese und brachten-,* der i Gesellschaft manch wertvolle Unterstützung von dieser Seite, Beispielsweise gaben die türkischen: Beamten den Rat, durch reiche Geschenke an den benachbarten Scheich dessen Freundschaft für die junge Siedlung zu gewinnen. Andernfalls drohe die ständige 'Gefahr der UeberfälleV — Die Chewra befolgte den Rat des Türken, und~ die arabischen Nächbarn Bewährten sich tät- Säcfilich'~!bäld alsr'gute' Fresmde/r— Am ~ Chamischa- Assar beAw (15. Aw) zogen die neuen Siedler auf ihren Boden. Zuerst suchten sie den geeigneten Platz für die Häuser: sie wählten einen Hügel, von dem aus sie „ihr" ganzes Gebiet übersehen konnten, Sie warfen sich auf den Boden, küßten ihn und benetzten ihn mit ihren Freudentränen, Ueberwältigt von dem Glücksgefühl priesen sie den Eigentümer aller Erde, der uns von neuem die Kraft verliehen, die Arbeit am eigenen Boden zu betreiben, (Birkat Schehechejanu,) Ihre Familien beschlossen, die Siedler nach Jaffa zu bringen, damit sie den Sabbat mit ihnen vereint feiern könnten. Indessen aber weigerte sich R. Sorachs Frau, an einen Ort zu ziehen, der als ganz verödet gelte. Nun ging er zu R. Schemuel Salanter, um dessen Rat zu hören. „Ihre Frau ist im Recht", sagte der berühmte Gelehrte, „wenn sie sich an dem (Schtut) Unsinn nicht beteiligen will. Sie kann daraufhin sogar den Get (die Scheidung) verlangen". R. Sorach antwortete: „Wenn ich ein Schaute (Idiot) bin, dann hat der Get doch keine Gültigkeit. Außerdem hoffe ich auch, daß die große Mizwa des Wiederaufbaus von Erez Jisrael, die wir zu erfüllen bemüht sind, das G'tteswort wahrmachen wird: daß die Oede sich verwandelt in den Gan-Eden und meine Frau dann nicht zu sehr leidet. Durch diese Worte wurde R. Schemuel umgestimmt und riet Frau Barnett, ihrem Manne zu folgen. Trotzdem wollte sie immer noch nicht nach jener, Petach Tikwah (engl. Pethah Tiqva) genannter Siedlung übersiedeln. Erst als der aschkenasische Oberrabbiner von Jerusalem, R. Diskin, der R. Sorach von Paris her kannte, ihn rufen ließ, um ihm zu sagen, daß er am liebsten sich ihrem großen Werke anschließen w$rde, wenn er seine Stelle als Raw von Jerusch$ajim aufgeben dürfte, war Frau Barnett befriedigt, und so zog man gemeinsam nach Jaff^JtDe'nn die Siedler brachten ihre Familien einstweilen in dieser Stadt unter. Von dort ist die "Üe'ue Heimat Petach Tikwah 2y% Stunden zu Pferde entfernt (ca. 14 km). So konnten die Männef^den Sabbat bei ihren Familien verbringen, N^ip. begann die Arbeit in der neuen Siedlung. Zuerst wurden Zelte für Mensch und Vieh aufgeschlagen. Dann kam eine neue Schwierigkeit: der beste Wille und die große Liebe zum Landbau in Erez Jisrael waren reichlich vorhanden, dafür aber fehlten alle technischen Kenntnisse, Man suchte also einen arabischen Arbeiter, der den Lehrer machen sollte; aber hierzu fand sich niemand bereit. Schließlich riet ihnen ihr „Freund", der Scheich des Dorfes, sie sollten für eine größere Summe bei ihm einen Sklaven kaufen, der dann sein ganzes Leben bei ihnen arbeiten müßte, Die jüdischen Männer schreckten vor dem Ansinnen zurück, Sklaverei in ihrer Siedlung einzuführen, und suchten weiter. Es fand sich ein schwarzer Araber, der indessen die Bedingung stellte, daß sie ihre Namen in seinen Arm tätowieren sollten. Die Siedler lehnten auch das ab; aber da sich kein anderer Ausweg fand, so schrieben sie ihre Namen mit Tinte auf den Arm des Arabers und er fing an zu arbeiten. Seine ganze Familie half. Einige Wochen ging das gut. Aber als sie eines Tages von Jaffa zurückkamen, fanden sie weder den Araber, noch — ihre Maultiere vor! Die benachbarten Araber waren den jüdischen Siedlern freundlich gesinnt, und so beschlossen diese, auch ihre Familien in Petach Tikwah ansässig zu machen. Ohne Mithilfe der Frauen und Kinder konnten sie nicht vorwärts kommen. Zuerst würden als einstweilige Unterkunft große Zelte errichtet; dann aber begann der Bau von Häusern, damit sie noch vor" der Regenzeit dort wohnen könnten. Sie brannten Ziegel aus Sand und Erde, Mit Begeisterung arbeiteten alle Bewohner mit daran. Ein arabischer Baumeister half bei dem Häuserbau. Durch seine Anweisungen wurde die Sicherheit erhöht, und in kurzer Zeit standen die Wände und das Dach von Sorach Barnetts Haus fertig da. Jetzt aber kam eine schwere Zeit, R. Sorach war weder der schweren Arbeit, noch dem Klima gewachsen und erkrankte schwer an Malaria und Dysenterie. Sein Zustand wurde immer bedenklicher. Frau Barnett zog arabische Kleidung an und ritt mit einem arabischen Burschen nach Jaffa, um einen Arzt ZU holen. Inzwischen wurde es Nacht und der Zustand des Kranken verschlimmerte sich. Eine benachbarte Araberin hörte sein Jammern und brachte nun einen alten arabischen Medizinmann zu Hilfe, Dieser schickte zunächst R, Sirachs Tochter aus dem Hause, Dann nahm er eine Pfanne mit Kohlen, entzündete sie und warf allerlei Kräuter hinein, Inzwischen rief die Tochter .und flehte, man möge sie doch zu ihrem, Vater, lassen, (Fortsetzung folgt,)

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