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Der Israelit · 1938-05-25 · Heft 21 (25.5.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 21 (25.5.1938)
Date
1938-05-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 21 JP "_e* r Israel i t -' 25}rMaiil938 sein könne, wie der Laie oft annehme, daß es im Gegenteil allen landwirtschaftlichen Grundsätzen widerspreche) weil sein Sinn eben darin bestehe, durch die Durchführung des Erlaßjahres das unbedingte G'ttvertrauen zu dokumentieren und anzuerkennen, daß wir den Boden Palästinas nicht als unsren eigenen Besitz, sondern als Lehen von G'tt betrachten. Es sei deshalb von größter Bedeutung, daß die agudisti sehen Poalim sich trotz aller Schwierigkeiten an dieses Gesetz in unverbrüchlicher Treue zur Thora hai- . ten und damit unsere Auffassung und Einstellung zu Erez Israel manifestieren. An diese allgemeine Ein leitung, die von der Versammlung mit größtem In teresse angehört wurde, schlössen sich dann Arbeits Gemeinschaften an, in welchen die Schmittagesetze eingehend besprochen wurden und deren Leitung in dankenswerter Weise vor allem durch Herrn Woif Rosengarten und Frau Baruch Wolodarsky übernommen wurden. Von den nachfolgenden Arbeitsgemeinschaften läßt sich im Rahmen dieser Berichterstattung ebenfalls kein erschöpfender Bericht geben. Es ist jedoch vorgesehen, auf die dort diskutierten Probleme in speziellen Artikeln in dieser Zeitschrift noch zurückzukommen. Die öffentliche Kundgebung eröffnet vor einem zahlreichen Auditorium Herr Rabbiner Brom, Luzern. Mit Genugtuung stellt er die Verbundenheit zwischen Jugend und Alter fest, die in der Aguda herrsche und die sich darin zeige, daß die Jugend auch an diese Tagung, die Vertreter der älteren Generation um ihre Mitwirkung ersucht habe. Jugendliche Begeisterung, jugendlicher Elan paaren sich mit der besonnenen Erfahrung des Alters zu einer erfolgreichen Verteidigung und Verbreitung unserer Ideen. In einer kurzen Ansprache dankt Herr Josua Goldschmidt namens des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich für die an sie ergangene Einladung. Der thoratreue Chaluz, der Wegbereiter des jüdischen Volkes. Als erster Hauptredner beschäftigt sich Dr, T- Lewenstel n-,,jmit den agudistischen Poalim in Erez Israel. In wenigen prägnanten Sätzen gibt er ein anschauliches Bild' von. .dem Gemeinschaftsleben der agudistischen KibbuzimT das die Züge eines religiösen Kollektivismus trägt unct'sehr viele Aehnlichkeiten mit dem Leben des Kreises" der Chassidäer vor 1900 Jahren aufweist. Diesess" Leben der Ideale und der Entsagung benötigt und verdient unsere volle Unterstützung im Kampfe gegen^me areligiöse Umwelt. So sind in diesem Schmittajahre^- die agudistischen Kibbuzim die einzigen, * welche die Schmittavorschrlften strikte einhalten. Und gerade in dieser Befolgung des Schmittagesetzes liegt die Anerkennung der Tatsache, daß der Boden G'ttes Besitz ist und wenn wir bestrebt sein müssen, den Boden zu erlösen, so muß eine Erlösung für G'tt sein. So kann man nur immer wiederholen; Fördert unsere Bestrebungen in Erez Israel, dann fördert ihr nicht nur einen wirtschaftlichen Aufbau, sondern den Aufbau des Heiligen Landes nach dem Willen. G'ttes und seiner heiligen Lehre. Herr . Max Ruda, der zweite Redner, weist auf den andern Aspekt des religiösen Chaluziut hin. Es kann sich für uns nicht nur darum handeln, unsere Chaluzim nach Erez Israel zu schicken und sie im agudistischen Aufbau des Landes zu unterstützen, nein, wir selbst, wir alle wollen Chaluzim werden. Chaluziut ist unser neues Lebensprogramm, der neue Lebensstil, den nicht irgend eine Bewegung, sondern die Zeit selbst uns aufzwingt und freudig wollen wir ihn auf uns nehmen. Frühere Zeiten haben uns dem Boden entfremdet und uns in den uns eigentlich wesensfremden Handel getrieben. Nun, so soll unsere Zeit uns wieder von diesen Degenerationserscheinungen befreien und uns zu unserem Ursprung, dem Boden, zurückführen. Und wenn es auch nicht jedem gleich möglich ist, den Boden wieder zu bearbeiten, so soll unsere chaluzische Devise ihm doch die Verbundenheit mit dem Boden zurückgeben, die unumgänglich ist zur sinnvollen Erfüllung so vieler Gesetze unserer Thora, etwa der Sozialgesetze, deren richtige Einhaltung durch die wirtschaftliche Entwicklung gelitten hat und leiden mußte. Nicht nur Erez Israel braucht den thoratreuen Chaluz, auch die Gola braucht ihn für diese Aufgaben, deren sich Agudas Jisroel seit jeher so besonders angenommen hat. Und wenn unser Leben durchdrungen sein wird VOn dem Ruf des agudistischen Chaluziut, zurück zur Thora, zurück zur Natur!, dann werden wir auch wieder das Glücksgefühl ganz kennen, Jude zu sein, und mit größter Begeisterung werden wir ausrufen: „Aschrenu ma tauw chelkenu!" Beiden Rednern lohnt starker Beifall. In einem kurzen Schlußwort bittet Herr Rabbiner S. Brom, das Feuer, das diese Tagung In uns entzündet hat, hinauszutragen in die jüdische Welt. Es sei nicht nur ein Feuer, das nach einem kurzen Auflodern in sich zusammenfällt, es gleiche vielmehr dem brennenden Dornbusch, der sich nie verzehrt. Und heiß wie das Feuer sei die Liebe zum jüdischen Bruder, mit der wir ihn zu uns und zu unserer Idee heranführen wollen. Damit ging die eindrucksvolle und denkwürdige agudistische Jugendtagung zu Ende. Ihre hervor stechenden Kennzeichen waren - ziel- und ideenbe wußte Zusammenarbeit und tadellose Organisation Es sei an dieser Stelle all denen gedankt, die durch ihre Mitwirkung zur Erreichung dieses Zieles mitge holfen haben. Besonderer' Dank gebührt Frau Betty Wreschner, welchedie Arbeitsgemeinschaft für Beth Jakob recht umsichtig und interessant zu leiten wußte, wie es eben nur jemand kann, der mit der Idee verwachsen ist und mit ihr und für sie lebt. Personalien. Der 25jährige Todestag eines Frankfurter Philantropen. Zur Jahrzeit von Dr. Israel Koos 25, Ijar (26. Mai). Frankfurt a. M., 25. Mai. Am Donnerstag, den 26. Mai, sind es 25 Jahre her, daß Dr. Israel Roos ^"ST von uns gegangen ist Was Dr. Roos der Israelitischen Religionsgesellschaft, der. jüdischen Gemeinschaft und dem altneuen Jischuw in Erez Israel bedeutet hat, gehört zwar der Geschichte an, ist aber der älteren Generation noch frisch in Erinnerung. Ganz lebendig vor Augen steht uns noch jener gütige Mann, der, ein 5>*t b» {"SP», wie kaum einer die hohe Schule des Wohltuns meisterte und sich in die Lage und in das Leid eines jeden Einzelnen so tief versenken konnte. Es war noch Glanzzeit, Aufstieg für das Judentum in Deutschland, wie für unsere Gemeinde, als dieser begnadete Mann unter uns lebte, die Probleme der Wohlfahrt waren damals noch nicht so vielfach und kompliziert wie heute, und sein goldenes Herz konnte sich fast ungehemmt auswirken. Ein Gefühl des Verwaistseins bemächtigte sich damals der Gemeinde und der Unzähligen, die in ihrem Israel Roos den Helfer und väterlichen Berater sahen, als er so früh und so jäh von uns ging. Und in Jerusalem kündet heute noch im Schaare Zerek-Spital ein lebensgroßes Bild die Verdienste seines Mitbegründers und aufopferungsvollen Betreuers. Aus einem Nachruf, den vor 25 Jahren, Jacob Rosenheim, damals sein Freund und enger Mitarbeiter, Israel Roos V'ST gewidmet hat, seien folgende Stellen wiedergegeben: , Hineingeboren in den, Kreis •derjenigen, die dem Wiederaufbau des zertrümmerten Heiligtums auf dem . historischen Boden Frankfurts für die Gesamtheit ihre ganze Kraft, ihr L e b e n weihten, erzogen unter den Augen S. R. Hirschs b'tr und ganz durchdrungen von dem alles überwindenden Lichte, das die Nähe des großen Genius.: ausstrahlt —- so wuchs schon der Werdende in harmonischer und kaum, wohl jemals in Frage gestellter .Einheitlichkeit zum Bürger seiner Gemeinde heran. Aus ihrem Boden-sog er die Kraft, sich selbst zum Menschen, zum Juden zu vollenden, ihr galt seine erste, seine letzte Liebe. Als Jüngling schon, kaum daß er seine akademischen Studien als Chemiker vollendet, trat er dem Vater, Benjamin Roos V"Xt> in., den Verwaltungsgeschäften der Gemeinde helfend zur. Seite, um nach c|es Vaters. Heimgang und seitdem ununterbrochen vierundzwanzig Jahre lang als -wahrhafter :J?mni ons an ihrer Spitze ZU wirken, >Er war der Gemeinde im buchstäblichen- Sinne JsaMVD»B,-„Versorger" und .^Führer". Er kannte jeden Einzelnen in ihr und war ihm Bruder und Vater. Ihm schüttete der Bedrückte; sein Herz aus, wenn noch keines Fremden Auge in die Not der Seele geblickt, und von seinem milden, weisen Rate geleitet, schritten Verwaiste und Witwen, Irrende und Verzweifelnde über die Wirrnisse des Lebens hinweg zum sicheren Port. Mit genialem Scharfblick erspähte er immer neue Hilfsquellen, um die wachsende Zahl und Größe der Gemeindeinstitutionen zu speisen, zog er immer neue Spender und Stifter heran, und wie Hausvater und Hausfrau zugleich war sein eminent praktischer Blick der unscheinbarsten Einzelheit des Gemeindehaushalts zugewandt. Aber er darf mit Fug auch ein A'naö von G'ttes Gnaden genannt werden, so wenig er sich und seine Taten in Szene zu setzen wußte, so fremd ihm alles Blendende war, das die Menschen mit fortreißt und betäubt. Still und anspruchslos, aber um so treffsicherer und zielbewußter trat seine starke Initiative im Bereiche der Gemeindeverwaltung in die Erscheinung. Und überall, wo es in den letzten 25 Jahren gegolten hat; die Gemeinde, — oft mit: einem mächtigen Ruck und nicht ohne Widerstände :— eine Etappe weiterzubringen, beim Ausbau ihrer Lehranstalten, der Gründung der Jeschiwa und.der Israelitischen Volksschule, dei Errichtung des gewaltigen Monumentalbaus der neuen Synagoge, der Gründung der Darlehenskasse, der projektierten großen; Mikwa, und endlich noch, es war seine letzte große Tat, bei dem raschen Beschluß, durch ein eigenes Hospital die Reihe der obligatorischen Gemeindeinstitutionen zu vollenden — überall ist es seine praktische Begabung, sein starker Wille, seine zähe Energie, vor allem aber sein tatenfroher Optimismus gewesen, die zum Ziele führten, ein Optimismus, der der Gemeinde allezeit die höchste freiwillige Leistung zutraute und g'ttlob niemals getäuscht ward. Man wird vielleicht der imposanten Einheitlichkeit, die das Charakteristische in Israel Roos' Wesen - bildet, nicht ganz gerecht, wenn man seine gewaltigen Leistungen für Erez Israel der Wirksamkeit im heimischen Gemeinwesen parallel setzt. Seine erfolggekrönte Tätigkeit als pTisn »saa, als Kässier und geistiger Leiter des Frankfurter Erez Israel-Komitees der Amsterdamer Pekidim, als Schöpfer und'Erhälter ' des Jerusälemer Schaare-Zedek-Hospitals, für das er durch systematische organisatorische Arbeit große Summen aufzubringen verstand, — sie gehört vielmehr recht eigentlich in das große Kapitel seines indivi-; duellen Pflichtlebens, das zu erfassen eine besondere ■' Aufgabe wäre, Seine glühende psn r-pn hatte mit irgendwelchen sozialen oder gar vplkspolitischen Erwägungen nicht den leisesten Berührungspunkt, Ihm . war die Aufgabe, in Erez Israel reiche Liebe auszustreuen und dort der reinen, interesselosen Thora und Ab.oda eine Freistatt zu sichern, Mizwa unjd nichts als Mizwa; Und die milde Skepsis, die dieser scharfblickende, mit starkem Wirklichkeitssinn begabte Geist, manchem Neuen gerade auf dem Gebiete der Erez Israel- Arbeit entgegenbrachte, ohne es zu bekämpfen,. ließ die tiefsten Blicke in seine Seele tun. Er kämpfte niemals, sondern er arbeitete. Mit starrer Entschiedenheit an seinen ganz in onsan mm« wurzelnden prinzipiellen Ueberzeugungen < festhaltend, unzugänglich jedem Kompromiß, war er doch ein abgesagter Feind aller Polemik, ja jeder aggressiven öffentlichen Vertretung des eigenen Standpunktes, und selten oder nie kam ein scharfes oder abschätziges Wort gegen Andersdenkende über seine Lippen, Wer aber vermöchte über die gesegnete öffentliche Wirksamkeit hinaus, die Israel Roos entfaltete, seine Persönlichkeit als Mensch und Jude, sein inneres Sein gebührend zu schildern! Wian xunx> rvny und Tinos — vielleicht darf man diese drei Perlen aus dem unergründlichen Schatze angewandter jüdischer Ethik als die — fast möchte man sagen — spezialistische Lebensleistung dieses stillen Helden der Pflicht bezeichnen. Wochenkalender. Vom 28. Mai — 4. Juni 1938/Vom 27. Ijar — 5. Siwan 5698 •>av sp mj ' 'n pns 'Jipna rn». Samstag 28 27 i» »nnn j^na» Sonntag 29 28 t» Montag 30 29 n» "V1S3 Dl' Dienstag Mai 31 1 \a v*m »tn Mittwoch 1 2 in Donnerstag 2 3 n» Freitag 3 4 B» - ■ •■" .-■ •-. Samstag 4 5 3; 'i i?is -ian»a nacr niyap ans Briefkasten. B. in F. Die Notiz „Jeschiwot", stammt aus der Feder eiries auswärtigen Pädagogen, und hat, mit.; dein von Ihnen genannten Frankfurter Herrn nichts zu tun.

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