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Der Israelit · 1938-05-25 · Heft 21 (25.5.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 21 (25.5.1938)
Date
1938-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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wsmsisssmmm Seite 2 Nr. 21 Israelit 2£&.Mai 1938 II. Der Zusammenbruch des ersten jüdischen Staates, die Taubheit unsres Volkes gegen den Weckruf zum Bau des zweiten Reiches machten den Heimkehrern unter Serubabel und Esra die Gestaltung unsres Lebens nach den großen Linien des Jobelgedankens unmöglich. Unsre Erzieher und Meister, die Weisen des Synhedrin, retteten uns, was zu retten war: sie bewahrten die Feldruhe des Sabbatjahres, während sie den Jobelzyklus für den Tag letzter Sammlung und Einung der zwölf Stämme aufsparten. Das Siegel des religiösen Aufbaus blieb dadurch dem zweiten Reich erhalten. Da s Sabbat jähr war das Zeichen, daß die Idealverfassung des Einst nicht aus den Angeln gehoben sei. Die Jobelerstattung war schon deshalb minder dringlich, weil es im zweiten Reiche keine jüdischen Sklaven mehr gab; weil sowieso nicht mehr jeder aus Israel seinen Anteil am Boden hatte. Unter unsäglichen Opfern, aber' in der heldenhaften Bereitschaft eines großen Geschlechtes ward die Schmittalandesrühe selbst unter widrigster politischer Konstellation durchgeführt. ' ' ' III. Jetzt ringt Israel neu um sein Land. Groß ist sein Leisten in Aktivität, im Schaffen und Wirken. Aber jüdische Größe ist eine doppelte: im Schaffen und Ruhen, in Aktivität und in Arbeitseinstellung. Diese letztere ist leider nocE unverstanden, viel umkämpft. Nur eine kleine Schar hat die echte Größe Israels begriffen, hat gleich opferbereit im Schweiße der Arbeit, wie geduldig in der Disziplin des Feierns, dem Schmittagedanken die Treue bewahrt. Ihnen, den Siegelbewahrern der Treue, gilt unser Gruß. Ihnen zu helfen und die Bruderhand zu reichen, ist heiliges Gebot für jeden, der sich der Hoffnung nicht .entschlagen hat, daß die Krönung unsres Volkslebens in Schmitta und Jobel doch einmal Wirklichkeit werden-wird. Wochenrundschau, Unsere Urkunde. — Durfte man das übersehen? — Toscanini und der Sabbat Die zweite Kommission reist durch das Land, um die Grenzen des uns in Palästina zugewiesenen Gebietes festzusetzen. Sie ist, im Gegensatze zu den ersten königl. Kundschaftern, eine technische Kommission, die mit den geistigen und politischen Problemen Palästinas, die im Peelbericht zwar nicht gelöst, aber weitgehenden Raum einnehmen, weniger zu tun hat als vielmehr mit der Erforschung der Bodenverhältnisse und mit der in Betracht kommenden Abgrenzung der Gebiete beider Nationen. Nebenbei verstummen in der großen englischen Presse die Stimmen über andere Lösungen, etwa auf dem Wege einer Kantonisierung, der Verbesserung der Mandatspolitik, der Bildung eines Dominion, oder Kronlandes, der Anbahnung besserer Beziehungen zwischen Juden und Arabern, nicht. Neue Sachverständige von beiden Seiten werden verhört, neue Gutachten abgegeben. Das Spiel der Kräfte beginnt von Neuem. Möglicherweise hängt von dieser Kommission mehr als von allen früheren ab, hängt von ihr alles ab. Wir sind immer noch der Ueberzeugung, daß die Urkunde, die am besten und wirksamsten unseren Rechtsanspruch auf Erez Israel belegt, unsere alte Thora ist. Fürchten müßten wir, wenn, wie es gelegentlich im Talmud heißt, die Schicksalsfrage der Völker an uns ergeht: „Habt Ihr selbst das heilige Buch, auf das Ihr Euch bei Eurer Rechtswahrung beruft, in allen Teilen in dem Maße in Ehren gehalten, daß wir es jetzt - als Stütze Eures Rechtes anerkennen sollen?" Es ist indes erfreulich, daß wir imstande sind, auf einen Stab mit Stolz hinzuweisen, der diese Frage bejahen kann. Wir meinen unsere jungen Menschen, die Hunger und Entbehrungen auf sich genommen haben, um auch m diesen Notzeiten durch volle Einhaltung des Schmittagesetzes den Boden zu heiligen. Mehr vielleicht als alle Zeugen und Gutachter vor der Kommission werden diese Menschen für unser Eigentumsrecht in Erez Israel zeugen, zeugen, daß die Thora für uns keine blasse Vergangenheit, sondern das Leben formende und bestimmende Wirklichkeit ist. Und diese Thora ist die Urkunde, die Erez Israel innerhalb seiner alten Grenzen psri a ''m^i326 als unser Eigentum ausweist. Daß der verlaufene Sabbat in allen thoratreuea Gemeinden, auch in Deutschland, im Zeichen der Schmitta stand, daß wir an ihm beim Verlesen der Thora, in Vorträgen und Kundgebungen an unsere Sendboten auf dem ruhenden Boden der Väter gedacht haben, wird diesen neue Kraft zum Ausharren zuführen, wird aber England und der Welt zeigen, daß hinter den numerisch Wenigen, die unser heiliges Recht auf Erez Israel dergestalt wahren, das gesamte thoratreue Volk steht. Daß noch nicht alle in Erez Israel einsehen, wozu die Vorgänge in der Gola und im Lande gebieterisch verpflichten, verzeichnen wir gewiß nicht aus überheblicher Rechthaberei, sondern mit Schmerz und tiefem Bedauern. Die palästinensischen Zeitungen „Dawar"', „Haarez" und „Hazofeh" beschweren sich über die Leichtfertigkeit,, mit der sich junge Menschen in Palästina der Gefahr von Ueberfällen aussetzen. Anlaß zu diesen Beschwerden gibt jene Unglücksfahrt am Sabbat, dem ersten Pessachtagc, zwischen Chanutah und Schawe. Zion, die uns vier jüdische Menschenleben gekostet tat. „Warum machen unsere jungen Leute Ausflüge auf den gefährlichen Landstraßen?" fragt „Dawar". „Wir brauchen nicht den unnützen Opfertod unserer jungen Menschen, sondern ihr Leben für die Aufbauarbeit und unseren Selbstschutz. Leider haben die Eltern gar keinen Einfluß auf die Kinder, aber die Männer des öffentlichen Lebens, die mehr Gewalt über die Jugend haben, müssen diesem Unfuge ein Ende machen. Es muß auch eine Erziehung zur Vorsicht Ziel unseres Erziehungswerkes sein." Und wie steht es mit der Erziehung zur Respektierung des Sabbat und der Feiertage? Es widerstrebte uns damals,, angesichts des großen vierfachen Unglücks, weiter darüber zu reden. Nun, da ja doch getadelt wird, warum nur die Unvorsichtigkeit? Nicht einmal der misrachistische „Hazofeh" findet es absonderlich, daß man sich just am Festsabbät unnütz den feindlichen Kugeln ausgesetzt hat. . Man wünscht eine „Erziehung zur Vorsicht". Und .man hält es nicht einmal der Rede wert, daß die Unglücksfahrt an einem Tage der doppelten Heiligkeit vor sich ging. Mindestens der „Hazofeh" hätte nicht still daran vorübergehen dürfen. Und noch etwas; Toscanini hat sich als einer der yma 'Ton in die Annalen der neuen jüdischen Geschichte für alle Zeiten eingezeichnet. Der große, gefeierte Meister umgeht reiche Länder, aus denen ihm königliche Ehren und Honorare winken, und kommt nach,Palästina, nach dem jüdischen Jischuw, einmal und noch einmal, um ein armes und kleines Volk, das keine andere Münze zur Zahlung hat als Dankbarkeit und Verehrung, in bitterer Zeit mit seiner unvergleich^ liehen Kunst zu erfreuen. Wer wollte den Jubel und die Freude, mit denen Toscanini in Erez Israel empfangen wurde, nicht begreifen? Aber eine Dissonanz stellt sich leider ein, die im Zusammenhange' mit dem Meister der Harmonien doppelt schmerzlich berührt. Er kam am S a b. b a t in Haifa an, und er wurde, so berichten alle Blätter, ohne dabei etwas zu finden, mit frischen Blumen, mit Ehrenbogen, mit turnerischen Vorführungen und ähnlichen Ovationen, die den Gast so ehrten, wie sie den Sabbat verletzten, empfangen. Mußte das sein? Hätte es die harmonisch so hochgestimmte Seele Toseaninis nicht mächtig bewegt, wenn man ihn etwa mit folgenden Worten empfangen hätte: „Großer Meister, heute ist Sabbat, und wir empfangen Dich mit einem Sabbatliede im Munde. Was wir an weiteren Ehrungen Dir zugedacht haben, mußfür morgen aufgehoben werden. Wir haben Dir das Höchste entgegengebracht, unsere sabbatgestimmten Herzen! ..." Das hätte der Meister der Töne wohl begriffen. All die sabbatschänderischen Verrichtungen bei diesem Empfange versteht aber die Gola nicht, versteht das thoratreue Palästina nicht, würde am wenigsten Toscanini selbst verstehen, käme ihm zum Bewußtsein, was hier einer Kunstbegeisterung geopfert, wurde ... Dringende Auswandererprobleriie. Eine Anregung von Provinzialrabbiner C. Peritz in Marburg a. d. t. Die Judenheit Deutschlands steht im Zeichen einer gesteigerten Auswanderung hauptsächlich nach den überseeischen Ländern, und die Vorbereitungen hierzu nehmen im Leben des Einzelnen, wie in der Tätigkeit der Organisationen naturgemäß einen außerordentlichen weiten Raum ein. Die Tatsache, daß Auswanderer häufig bei ihrer Heimatsgemeinde den Antrag stellen, eine rHW ISO zwecks Gründung eines Minjans in einer Kolonie mitnehmen zu dürfen, liefert den erfreulichen Beweis, daß viele Auswanderer bei ihrem Bestreben, sich in der Ferne eine neue Existenz aufzubauen, sich dabei nicht ausschließlich von materiellen Gesichtspunkten leiten lassen, sondern, daß sie auch an der Befriedigung religiöser Bedürfnisse in der neuen Heimat interessiert sind. Daß dieses Interesse sich vornehmlich auf die Schaffung von G'ttesdiensten bezieht, nimmt den nicht wunder, der die Verhältnisse in Deutschland kennt und weiß, daß viele Juden leider in dem gelegentlichen Besuch der Synagoge ihre religiösen Bedürfnisse vollauf befriedigt sehen. So kommt es, daß wichtigere Probleme, wie beispielsweise die Beschaffung von Koscherfleisch in den Kolonien, nicht genügend Berücksichtigung finden. Zum Teil mag dies daran liegen, daß man sich hier nicht die nötige Vorstellung von amerikanischen Entfernungen macht und sich die Beschaffung von Koscherfleisch leichter vorstellt, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Dazu kommt rfbch, daß viele der Auswanderer sich bedauerlicherweise speziell in den letzten Jahrehohnehin umgestellt haben und nach dem Grundsatz #7 um der Versorgung mit Koscherfleisch nicht mehr den rechten Wert beilegen. Und schließlich machen sich selbst diejenigen, die auch weiter auf Koscherfleisch reflektieren, nicht immer das richtige Bild, wie viel Bedingungen erfüllt sein müssen, um die Voraussetzungen für wirklich einwandfrei koscheres Fleisch zu schaffen. Es ist — das muß einmal offen ausgesprochen werden — auf diesem Gebiete viel gesündigt worden. Neben einer Reihe zuverlässiger D'üniW gab es früher welche, die die iiü'TlW, versahen, ohne daß -sie durch ihre Lebensführung ausreichende Gewähr für religiöse Zuverlässigkeit geboten hätten, und wieder andere, die sich auf Grund ganz ungenügender Kenntnisse, die sie sich aus deutsch geschriebenen Kompendien holten,, um e'me Kaboloh bemühten und sie auch erhielten. Es wurde darin gewöhnlich als Argument geltend gemacht, daß man durch Erteilung der Kaboloh Schlimmeres habe verhüten Wollen und darum das kleinere Uebel gewählt habe. Ich vermag einer solchen Beweisführung beim besten Willen nicht zu folgen. Wenn zu- | gegebenermaßen von zwei Uebeln eines das i schlimmere ist, dann ist auch das andere immer | noch schlimm genüg, und nichts berechtigt uns, Auswanderer kaufen gut wnd preiswert bei tLMSSM

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